Schon als kleiner Junge war ich sehr wißbegierig und war total fasziniert vom Reich der Mitte. Sehr früh schon sah ich die ersten Jackie Chan Filme. Schließlich auch die Bruce Lee und Jet Li Filme. Ich war schwer beeindruckt und wollte unbedingt Kung Fu lernen. Bisher war ich im Judo, daß ich schließlich aufgab, um zum Ning Mui Wing Tsun Kung Fu zu wechseln. Von da an war klar, ich mußte nach China.
China war immer das Land meiner Träume, tagtäglich dachte ich daran, sammelte alles was auch nur annähernd damit zu tun hatte und fing schließlich an, für eine Reise zu sparen. Nach zweieinhalb Jahren und viel Unterstützung hatte ich endlich einen großen Batzen zusammen und flog mit meiner Mutter nach Beijing, Xian und Shanghai.
Ich weiß noch, wie ich aufgeregt war, als ich aus dem Flugzeug stieg und mir eine heiße feuchte Luft ins Gesicht schlug. Ich atmete tief ein und blickte gespannt in alle Richtungen. Ich war tatsächlich in China, ich konnte es kaum glauben. Selbst die Coca Cola Werbungen waren in Chinesisch verfaßt.
Als wir endlich den Namen unserer Reisegesellschaft auf einem Karton in den Händen des Reiseführers erblickten, drückten wir uns in einen kleinen Reisebus, der uns fast eine Stunde durch die riesige Stadt Beijing (Peking) kutschierte.
Die spannende Fahrt über holprige Straßen, überfüllt von Autos, Bussen, Taxis, Fahrrädern und Fußgängern endete vor einem riesigen Hotel. Es war luxuriös und sehr westlich eingerichtet.
Auf meinem Zimmer angekommen öffnete ich sofort das Fenster und blickte auf riesige Parks, hunderte Menschen, unendlich viele Häuser und ganz hinten am Horizont einige Berge.
Noch am selben Tag stand eine Besichtigung auf dem Plan. Alles was ich auf Bildern in den vielen Martial Arts Filmen gesehen und in den Büchern gelesen hatte, war nicht damit zu vergleichen. Alles war viel besser.
Die Landschaften sind einfach traumhaft, das Klima ist angenehm, das Verschmelzen der Kulturen, alt und neu, die Leute, alles war einfach unglaublich und wunderschön.
Mit klopfendem Herz und einem zufriedenen Lächeln lief ich durch die Verbotene Stadt, über die Chinesische Mauer, durch historische Orte. Alles war mir total fremd, dennoch fühlte ich mich zuhause und absolut wohl.
Am meisten war ich von der enormen Harmonie beeindruckt, die das Volk und den Ort umgaben. Egal ob man zehn Stunden gearbeitet hatte, egal ob man im Stau stand, es gab keinen Grund sich aufzuregen. Ich stieß nicht auf einen schlecht gelaunten Chinesen.
Am darauf folgenden Morgen war ich sofort hell wach und freute mich auf das nächste Erlebnis. Wieder ging ich zum Fenster, und mir fielen beinahe die Augen aus dem Kopf. Der am Vortag noch so leere Park war überflutet von trainierenden Chinesen jeder Altersgruppe. Schnell blickte ich auf die Uhr und rechnete aus, ob noch genug Zeit blieb, um mich unters Volk zu mischen. Zehn Minuten später lief ich mit weit geöffneten Augen über die vorsichtig angelegten Steinpfade auf denen in alle Himmelsrichtungen gejoggt wurde. Manche gingen rückwärts, hier und da übten einige Tai Chi oder Chi Gong. Kleine Plätze dienten Schwertkämpfern als Arena. Vorwiegend ältere Herren übten traditionelle Formen mit dem Tai Chi Schwert, fuchtelten wild aber kontrolliert um sich.
Ein seltsames Gefühl stieg in mir hoch. Mir wurde bewußt wie faul und kränklich unsere westliche Gesellschaft doch ist. Kaum einer würde in der Schweiz oder in Deutschland auf die Idee kommen, um fünf oder sechs Uhr morgens joggen zu gehen, wenn man danach noch den ganzen Tag hart arbeiten muß. Besonders wenn man sich danach noch mit einem Fahrrad durch die riesige Innenstadt drängeln müßte.
Die Chinesen schienen völlig unabhängig von der Zeit zu sein, als ich plangemäß essen ging.
Vom Toast bis zum Mameeh gab es so ziemlich alles, was man essen konnte. Ich begnügte mich mit einem Joghurt und ein paar Brötchen, während die Einheimischen zu meinem Erstaunen bereits eine Schale Reis, Fleisch und Gemüse verschlungen hatten.
Die nächsten drei Tage verbrachte ich damit, von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit zu eilen, um möglichst viel von China genießen zu können. Auch die berühmte Peking Oper oder die Traditionelle Tang-Schau ließ ich mir nicht entgehen.
Am vierten Tag checkten wir schweren Herzens den Flug nach Xian ein. Niemand schien loslassen zu wollen, der Scharm Beijings hatte uns alle in seinen Bann gezogen.
Kaum in Xian angekommen dachten wir nicht mehr daran was war. Es zählte nur noch der Moment, denn schon wenige Stunden danach erblickten wir eine riesige Gartenanlage mit vielen Pagoden und kleinen Häusern darin, der eigens für eine königliche Konkubine angefertigt worden war.
Die Zeit verging und ich erlebte wunderschöne Tage. Die Kaiserlichen Gräber, die Terrakotta-Armee und vieles mehr wurden besichtigt. Dieses Mal viel uns der Abschied nicht ganz so schwer wie der von Beijing. Zuletzt wartete noch Shanghai auf uns, die westlichste und damit "langweiligste" Stadt auf unserer Reise. Natürlich gab es auch hier, viele interessante Erlebnisse, wie zum Beispiel der Yu Yuan Garten, das Teehaus, der riesige Fernsehturm von Pudong oder die sechs Kilometer lange Einkaufsstraße. Doch Beijing war einfach nicht zu übertreffen.
Wie es im Leben so ist, mußte ich wieder zurück nach Europa. Am liebsten wäre ich natürlich gleich vor Ort geblieben. Doch es mußte sein.
Eine Flutwelle von Gedanken und Gefühlen überkam mich, sowie ich wieder ins Flugzeug stieg und zurückblickte, um noch einmal diese Wunderbarkeit genießen zu können. "China, ich komme wieder" schwor ich mir, bevor ich es für eine lange Zeit nicht mehr sehen würde...
Ich kann Euch allen nur empfehlen, China zu besichtigen, denn wie ein chinesisches Sprichwort sagt: