Story 0.3 vom 01-06-01 von Marius ( marius@sima2.de )
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Disclaimer
Alle sich in dieser Datei befindenden Informationen sind von
einem
Laien niedergeschrieben worden, d.h. dieser Text hat keinerlei
literarischen Wert und ist sicherlich nicht ganz frei von Fehlern.
Ich berichte über die Dinge so wie ich sie erlebt oder gehört
habe.
(c) Copyleft Dieser Text kann kopiert und was auch immer
werden..
Nur möchte ich gern wissen wenn jemand vor hat ihn wie
auch
immer zu veröffentlichen. Eine E-mail ist da wohl
drin..;o)
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Meine Reise
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So etwa zur 'Jahrtausendwende' fiel mein Entschluss Deutschland
für einige Zeit
zu verlassen. Eigentlich war es mir egal wohin, nur weit weg musste es sein, und
da ich schon immer mal den Traum hatte zum legendären Shao Lin Kloster zu
reisen
bot sich dies nun an. Die Reise wurde von mir nicht sehr gründlich
vorbereitet,
da ich nie ein besonderes Talent in Sachen Planung hatte. Alles was ich wusste
war, ich will nach China in die Nähe von Zhengzhou, wo das Kloster sein soll.
Ein
Flugticket war schnell gebucht (1400,- hin und zurück), da fiel mir ein, dass
ein
Visum evtl. von Vorteil wäre. Mit hängen und würgen bekam ich es einen
Tag vor
Abreise zugesandt.
Nun ging es los, ich flog von Hannover aus über Wien nach
Peking (Dauer ca.15
Std. incl. Zwischenaufenthalt), wo ich morgens ankam. Ich habe ein wenig Geld
gewechselt und schon sprach mich ein netter Herr an, ob er mich in die Stadt
bringen könne, Busse gibt es keine sagte er. Die Fahrt von ca. 30 km hatte
mich
satte 400 yuen (ca. 100,- DM) gekostet (eigentlich 150 yuen). Dass das Betrug war,
merkte ich, als ich für das nächste Taxi nur 15 yuen bezahlen musste. Nun
war ich am Pekinger West Bahnhof und löste ein Ticket nach Zhengzhou (60-120
yuen je nach Komfort) und fuhr über Nacht dorthin (Dauer zwischen 8 und 11 Std.
je nach Zug). In Zhengzhou wurde ich direkt mit Shaolin....irgenwas angeschrieen und
in einen Bus gezerrt. Der kostete mich 40 yuen (eigentlich 13). Nach einer
zermürbenden Busfahrt von ca. 5 Std (mit Zwischenstops für etliche
Sehenswürdigkeiten) war ich endlich am Ziel. Das Shao Lin Kloster lag vor
mir.
Ich ging total überwältigt hinein und wurde wieder prompt angesprochen mit etwas was so klang wie "...Shao Lin Kung Fu..?". Ich nickte immer nur und wurde in ein Büro gebracht, wo dann die Verhandlungen über meinen Aufenthalt in einer Wu Shu Schule begannen. Ich versuchte meine Enttäuschung darüber, dass ich in eine Schule sollte, vor dem ansatzweise Englisch sprechenden Menschen zu verbergen. Sie nannten mir kosmische Summen, die ich zu zahlen hätte, wenn ich ein halbes Jahr bleiben wollte. Ich wollte heulen und sah mich schon als obdachlosen Ausländer im Reich der Mitte. Die Verhandlungen liefen und ich sagte immer wieder, ich kann euch 300 $ geben mehr nicht (viel mehr hatte ich nicht). Nach etwa zwei Stunden waren wir bei 300 $ für vier Monate.. da waren noch zwei Monate über, aber irgendwie würde das schon klappen, und die Freude über ein Dach überm Kopf liess mich zufrieden werden.
Ich ging sogleich in meine Schule, die ca. 300 m dem Kloster gegenüber auf dem Berg lag. Dort waren um die 500 Schüler, recht einfach untergebracht in Zimmern bis zu 20 Personen. Ich als priviligierter Ausländer kam in ein Zimmer mit vier Chinesen, was aber nicht schlecht war, denn mein Chinesisch entwickelte sich so recht schnell. Die nächsten zwei Monate waren recht eintönig und sehr anstrengend. Morgens um 5.00 Uhr ertönte die Sirene und man hatte gerade genug Zeit die Augen auf zu machen und runterzurennen, wo dann durchgezählt wurde. Da begann der Tag:
5.00 - 6.30 Training: laufen, dehnen,
Grundübungen
6.30 - 8.00 Betten machen, sich waschen, frühstücken
8.00 - 11.00 Training: dehnen, Grundübungen, Formen, Sanda
11.00 - 15.00 Mittagessen, schlafen
15.00 - 18.00 Training: laufen, dehnen, Grundtraining, Formen, Sanda
18.00 - 19.00 Abendessen
19.00 - 20.30 Training: hauptsächlich Formen
danach schlafen (manchmal Abendprogramm)
Hier einige Erläuterungen:
Das Laufen geschieht in Dreierreihe und Gleichschritt in einem beachtlichen Tempo. Nicht selten brach ich in den ersten Tagen zusammen und musste mich übergeben, doch die Kondition kam schnell. Zum Dehnen ist zu sagen, dass es immer mit Gewalt gemacht wird, immer bis zum Maximum und mit ordentlich Nachwippen, wer es nicht ernst genug durchzieht, dem hilft der Trainer dabei (ist nicht angenehm). Zu den immer wieder gemachten Grundübungen gehören alle Kicks, Sprünge und Stellungen. In meiner Schule wurde sowohl Tao Lu (Form) sowie Sanda (Freikampf) trainiert, je halb und halb. Die kurzen Pausen reichten oft gerade so, um was zu essen oder sich das Gesicht zu waschen. Das Essen war gut. Es gab sowohl Gemüse wie auch 'Fleisch' (dazu zählt auch gebratene Schweinehaut und so..), natürlich Reis und lokale Speisen wie Shao Bing (Art Fladenbrot), Man Tao (Hefeklöse) oder z.B. Yo Tiau (fritiertes Blätterteiggebäck). Zu trinken hatte man das (meist) gekochte Leitungswasser oder Shi Fan (Reiswasser). Der Tag wie er oben beschrieben ist wiederholte sich 6x, Sonntags war frei.
Mit einem Antragsschreiben auf das Verlassen des Schulgeländes, welches vom Trainer und dem Büro unterzeichnet werden musste, durfte man dann für die genehmigte Zeit das Gelände verlassen. Nach kurzer Eingewöhnungszeit hatte ich dann schliesslich alles soweit unter Kontrolle, dass es anfing richtig Spass zu machen. Mittags schlief ich nicht mehr, sondern verbrachte die Pausen immer im Kloster. Ich unterhielt mich mit den Leuten da, las oder döste im Bambusgarten vor mich hin, wo es recht ruhig war.
Ich traf dann irgendwann Meister Shi Yan Hong, einen etwas jüngeren sehr netten Mönch, der immer, wenn er mich traf, eine Bewegung sehen wollte und mich dann korrigierte oder mir Ergänzungen zeigte. Auch war ich sehr oft in dem klostereigenen Souvenirshop, wo ich ein paar Leute kennen gelernt hatte die dann später sehr gute Freunde von mir wurden. Besonders Bai Tao, ein 20 jähriger Schüler Meisters Shi Yong Xiu und Neffe des legendären Bai Dong Djie, ehemals einer der Besten Kämpfer im Kloster. Bai Tao und ich hingen ständig zusammen rum und nach einiger Zeit fing ich auch an abends mit ihm zu trainieren und das Abendtraining in der Schule dafür zu schwänzen, denn das Training im Kloster brachte mir viel mehr wie ich schnell merkte. So gings dann immer weiter bis zum Ende meines dritten Monats dort.
Inzwischen war ich dreist genug mir einen Tag Auszeit zu nehmen, wenn ich mal weg wollte. Unter dem Vorwand ich müsse nach Dengfeng zur Bank bekam ich dann meistens meinen Freischein und wenn nicht dann konnte man immer noch durch den Küchenausgang türmen was allerdings 20 Stockschläge bedeutete, man musste eben kalkulieren.
Nach drei Monaten war dann schliesslich mein Visum abgelaufen und es musste verlängert werden. Dazu gibt es normalerweise mehrere Möglichkeiten. Eine wäre nach Zhengzhou zu fahren und es dort bei einem ekelhaft korrupten Bullen zu verlängern. Ist man gemeldeter Schüler ist es wohl nicht sehr schwer ein Studienvisum zu bekommen, man darf allerdings nicht sagen, dass man in einer Wu Shu Schule ist, weil diese gar keine Lizenz für ausländische Schüler hat, und will man somit nur ein Touristenvisum, ist man ganz schön am Arsch. Es muss die Bescheinigung eines Hotels (Wohnort) und für jeden Tag, den man verlängert haben will, 100 $ vorgelegt werden, das Geld muss man nur vorzeigen. Nach Laune und Korruptheit des Beamten kostet der Spass dann zwischen 100 und 1000 yuen für 10 Tage, ich hatte Glück mit 250 yuen davon gekommen zu sein. Die zehn Tage brauchte ich um nach Hong Kong zu kommen und mein Visum dort zu verlängern.
Ich fuhr mit Janick, einem Franzosen von Zhengzhou nach HK (ab 640.- yuen je nach Komfort), wo ich dann problemlos mein Visum verlängern konnte. Kostenpunkt ca. 50 DM für drei Monate bei drei Tagen Wartezeit, mit kürzerer Wartezeit steigt auch der Preis etwas, aber drei Tage sind für HK eh zu wenig, und ich bin froh dort gewesen zu sein.
Zurück in Shao Lin Si ging es dann einen weiteren Monat lang wie gehabt, auch wenn es nun wieder etwas schwerer war sich nach dem Luxus der Zivilisation in HK erneut an die Verhältnisse dort zu gewöhnen. Sein Geschäft zum Beispiel musste man wieder gehockt auf dem Massenklo erledigen, aber alles ist eine Sache der Einstellung!
Nach diesem Monat war meine bezahlte Zeit in der Schule verstrichen und ich wollte auch nicht mehr dort bleiben, obwohl ich mich an die nächtlichen Rattenattacken zu gewöhnen schien. Ich machte den Leuten also klar, dass ich abhaue und wollte weg, als es hiess ich solle noch nachzahlen, da man sich bei meiner Aufnahme vertan hatte. 300 $ bitteschön! Auf mein weigern hin waren es noch 200 $, ich habe natürlich nichts gezahlt, meine Sachen gepackt und bin abgehauen. Wusste eigentlich nicht richtig wohin und bin für ein paar Tage schwarz bei meinen Freunden im Kloster untergekommen.
Ich sprach Meister Yan Hong auf mein Problem an und er besorgte mir noch am gleichen Tag ein Zimmer in einem Haus direkt an seiner kleinen Schule (ca. 20 Schüler) hinter dem Pagodenwald. Das Zimmer kostete mich etwa 15,- DM im Monat und war weit besser als mein vorheriges. Keine Ratten, Fenster mit Scheiben und ich hatte es für mich allein (anfangs teilte ich es ein paar Tage mit einem weiteren Schüler).
Es war die beste Zeit, die ich im Shao Lin verbrachte. Ich
trainierte vormittags mit den
Schülern meines Meisters, nachmittags im Kloster mit Bai Tao und Abends dann Wu
Gong und Qi Gong mit meinem Meister. Bis ich mir einen Monat vor Ende meines
Aufenthalts die rechte Hand beim Sandsacktraining angebrochen habe. Da war dann
Sense, was aber nicht so schlimm war, weil ich nun umso mehr Zeit hatte herumzureisen
und viele interessante Leute und Plätze kennen zulernen. Ich war unterwegs
zwischen Beijing, Luo Yang, Zhengzhou, Xian und Shanghai. Hab gut gegessen,
chinesisches Schach gespielt und Zeit mit meiner Freundin verbracht, die ich
inzwischen kennen gelernt hatte.
Dann hiess es Abschied nehmen und ich reiste zum erneuten Mal nach Peking, um dort dann mein Flugzeug gen Heimat zu nehmen. Zum Flughafen kam ich übrigens mit dem Bus (16 yuen), nachdem ich mich etwas durchgefragt hatte...;o)
Wu Shu Training in Shao Lin Si
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- keine direkte Reise buchen, sondern nur den Flug und den Rest vor Ort regeln
- sich die Schulen erst einmal alle angucken und Angebote unterbreiten lassen
- nie mehr als einen Monat im voraus bezahlen
- sich nicht von irgendjemanden werben lassen, sondern alles selbst regeln