Reisebericht China 2006

 

Vorwegbemerkung:

Der nachfolgende Bericht ist kein Schilderung eines Kampfkunstaufenthaltes, sondern gibt Eindrücke einer gut 4-wöchigen Backpackertour durch Zentralchina im Jahr 2006 wieder; teilweise fließen allgemeine Erfahrungen aus einer Backpackertour im Jahre 2005 von Moskau über Peking nach Xingyiang/Kashgar und Pakistan mit ein.

Er enthält aber einige Aspekte, betreffend Wudang und Shaolin, die für Leute mit diesen Zielen interessant sein könnten.

 

I. Allgemeines

 

Zunächst sollte man sich die von der Redaktion auf diese Webseite eingestellten, allgemeinen Infos zu Gemüte führen und vielleicht auch deren Reisebericht lesen, um einige Vorstellungen von den Notwendigkeiten einer Chinareise zu bekommen.

Ein Vergleich der in beiden Berichten geschilderten Zustände wird schließlich ergeben, dass sich die „Bereisbarkeit“ Chinas innerhalb der letzten 3 Jahre extrem verbessert hat; sowohl mit Verkehrsmitteln kommt man besser voran, als dass auch das Auffinden von akzeptablen Unterkünften einfacher geworden ist.

 

Jedoch wurde auch vieles teurer; die nervigen Souvenirhändler in den Touristenzentren zahlreicher; die Mobilfunktelephonie in den Städten nahezu unerträglich.... .

 

1. Kosten und Geld

 

China ist kein Billigreiseland. Wer denkt, er könne sich eine Tour bei grobem Überschlag nur „geradeso“ leisten, sollte lieber verzichten und das Geld noch ein Jahr sparen:

 

a.)

Insbesondere schnelles und komfortables Reisen im Inland; der Besuch mehrerer Sehenswürdigkeiten (Ermäßigungsmöglichkeit nur mit chinesischer Studentenausweis, den zu fälschen oder einen Falschen sich zu besorgen man lieber nicht versuchen sollte); Essen jenseits der Straßenküchen, in typischen Touristenlokalen oder gehobeneren chinesischen Restaurants sowie Unterkünfte gehen sehr schnell ins Geld.

 

Reisen an der Ostküste (Hongkong; Shanghai); Peking und Macau sowie Tibet - ist i. d. R. um einiges teurer als die Provinz; am Wochenende werden in den chinesischen und ausländischen/nichtchinesischen Touristenzentren die Preise zum Teil angehoben. Ein Gleiches geschieht anlässlich größerer Festivitäten oder internationaler Veranstaltungen wie etwa dem Shaolin-Wushu-Festival oder Sportveranstaltungen. Im Jahr der olympischen Spiele 2008 ist daher eine wahre Preisexplosion zu erwarten.

 

b.)

Wer Privatsphäre – wie ich – schätzt, muss in der Provinz und bei sparsamer Lebensweise in Peking mit Preisen zwischen 100 und 240 Yuan (derzeit sind 9,8 Yuan = ca. 1 Euro) für ein Einzelzimmer oder ein Bett in einem Doppelzimmer (! Das andere Bett wird dann evtl. an noch jemand anderen, Wildfremden vergeben !) mit eigenem Bad nebst Dusche und integrierter Hock- o. in seltenen Fällen westlicher Toilette rechnen. Die Qualität dieser Unterkünfte ist aber in der Regel recht gut; man könnte oft meinen, dass sie mit Zimmern der Kategorie vergleichbar sind, die in Deutschland zwischen 80 und 100 Euro kosten... .

Betten in Dorms sind je nach Gegend zwischen 30 und 80 Yuan zu haben. Preiswertere Hotels nehmen entweder gar keine Ausländer auf oder die Zustände lassen sich mit denen aus dem Bericht der Redaktion vergleichen : Zitat: „...ein Klo, dass wohl seit der Mingdynastie nicht mehr sauber gemacht worden ist.....

 

Noch eins:

Die Zimmer sind oft im Voraus zu bezahlen und meist wird für die Aushändigung des Zimmerschlüssels ein „Deposit-Geldbetrag“, also eine Art Pfand verlangt.

Dagegen ist zwar generell nicht auszusetzen bzw. auch nichts zu machen, jedoch kann man es sich so abschminken, bei späterer Unzufriedenheit mit dem Zimmer den Preis drücken und etwas zurückerlangen zu können (Ergo: Die Bude vorher gründlich ansehen !).

Was den Deposit angeht, so sollte man sich wehren, wenn er einen Betrag von 150 Yuan übersteigt, ggf. mit anderweitiger Zimmersuche drohen... .

Angesichts der Deposithöhen ist zu vermuten, dass mit dem Geld zwischendurch sonst welche Geschäfte gemacht werden....

 

Frühstück ist i. d. R. in chinesischen Hotels nicht mit im Preis enthalten bzw. wenn es welches gibt, so ist es Chinesisches, bestehend aus – für den Europäer schwerlich Begeisterung auslösendem – Reisschleim, Jaozi-Teig-Fleischbällchen; gekochten Eieren; sowie einigen oder mehreren Variationen von Nudeln oder gekochtem Gemüse; manchmal gibt es auch noch eine Art frittierte Teigteile.

 

c.)

Eingerechnet Essen an Straßengarküchen, einigem Transport mit lokalen Verkehrsmitteln, Besuch einer oder zweier größerer Sehenswürdigkeiten muß meiner Erfahrung nach mit mindestens 35 Euro (absolute Untergrenze) Kosten am Tag gerechnet werden. Vielleicht geht es auch noch billiger, aber die Frage ist dann auf welchem Niveau der untersten Skala man reist und wie hoch der Erlebniswert dann wirklich noch ist.

 

d.)

Die Währung Yuan, unterteilt in Jiao und diese unterteilt in Fen wird umgangssprachlich meist mit Kuai (für Yuan) und Mao (für Jiao) bezeichnet.

Es empfiehlt sich für den Backpacker eine „gesunde Mischung“ von baren und unbaren Zahlungsmitteln mitzuführen:

Gegen Verlust versicherte, am besten American Express – Travellercheques sind eine sehr gute Variante für den Löwenanteil der Reisekasse, denn sie werden zumindest in den Filialen der Bank of China im ganzen Land problemlos und mit einigem Bitten in Notfällen auch in größeren 4-5 Sterne-Hotels in U$ oder die einheimischen Währung umgetauscht.

Daneben sollten einige größere und kleinere U$-Dollar-Scheinen für den Fall mitgeführt werden, dass das Geld ausgeht – und das geht recht schnell im Reich der Mitte... - und keine Bank in der Nähe ist oder diese gerade geschlossen hat.

Sicher, der Euro ist vollkonvertibel und jede geldwechselnde Bank ist in der Lage ihn zu tauschen, jedoch macht sich in Gegenden, wo man mangels Bank auf Bargeld angewiesen ist und auch noch Geld wechseln muß, der Dollar aufgrund seines Bekanntheitsgrades – und somit auch der dessen Umtauschkurses – derzeit (noch) besser als der Euro. Für den Notfall – will heißen etwaiges bezahlen von Arztrechnungen o. ä. – kann man auch an das Mitnehmen einer Kreditkarte denken; in der Provinz ist diese aber relativ wertlos... .

 

2. Transport

 

a.)

Die preiswerteste Transportmöglichkeit sind im Innenstadtverkehr und auf Kurzstrecken Localbusse/Minibusse (ca. für 1-2 Yuan durch die ganze City).

Wer Taxis benutzt – diese kosten eine geringe Grundgebühr zzgl. einen ebenso lächerlichen km-Preis, sind jedoch teurer als Busse aber in den Städten zur Rush-Hour nahezu die einzigste Möglichkeit vorwärts- und dabei keine Macke zu bekommen - sollte auf das Einschalten des Taxameters bestanden werden (geschieht meist aber ohne Aufforderung), bei Weigerung einfach das Taxi wechseln.

 

b.)

Für Überlandfahrten taugen Langstreckenbusse im Gegensatz zu anderen Ländern Ost- und Südostasiens nur bedingt, besser ist die Eisenbahn mit ihren 4 Klassen: Softsleeper; Hardsleeper; Softseater und Hardseater (letztere mit der Unterscheidung zwischen mit und ohne Platzkarte).

Für längere Strecken als 5-6 Stunden oder Übernachtfahrten sollte man versuchen, Hardsleeper oder Softseater zu bekmommen; Softsleeper ist fast so teuer wie Inlandsflug und nur wenig komfortabler als Hardsleeper.

Im Hardseater, wo alles und jeder überall hin spuckt, seinen Müll hinschmeißt, man zu viert auf einer Bank für zwei sitzt und die Sanianlagen einfach zum lieber verkneifen werden solche Strecken sonst zur Hardcoreprüfung.

 

c.)

Probleme i. V. m. dem Bahnfahren:

Die Fahrkarten werden manchmal erst 3, manchmal erst 5 Tage (manchmal mit, manchmal ohne das Mitzählen des Abfahrttages....) vorher ausgegeben und man kann in „A“ auch nur eine Karte von „A nach B“ erwerben, nicht aber in „A“ eine von „B nach C“. Eine vorherige Grobplanung der Reise ist also für ein einigermaßen stetiges Vorankommen unerlässlich... .

 

Weiterhin: Die guten Klassen sind meist sehr schnell ausverkauft und man erhält selbst am ersten Verkaufstag meist nur noch die „letzten Plätze“.

 

Darüberhinaus: Der Erwerb einer Fahrkarte auf dem Bahnhof ist etwas stressig, wenn man nicht mehr als „1, 2, 3“ auf Chinesisch sagen kann – obgleich, selbst wenn man mehr Chinesisch beherrscht, sich immer genügend Leute finden, um zu versuchen, dem fremden Exoten zu helfen. Ich hatte jedenfalls nie Probleme... .

Eine dahingehende Vorabhilfe für den Fahrkartenkauf: Zumindest den gewünschten Zug nebst Abfahrtszeiten und der sehr wichtigen Zugnummer findet man auf der Website www.travelchinaguide.com , so dass man zur Not die Daten dort abschreiben und diese am Fahrkartenschalter vorzeigen kann, um zu signalisieren, was man will....

Der oft von Hotels angebotene Kauf von Fahrkarten über eine Reiseagentur zieht meist saftige Provisionsgebühren nach sich.

 

Nebenbei für diejenigen, die immer unbedingt nach Tibet wollen: die von Golmud nach Lhasa neu gebaute Eisenbahnstrecke war für Wochen überbucht und kostete angeblich irgendwas bei 4000,- Yuan für ein One-Way-Ticket.

 

Schließlich noch: Es ist nicht egal, wann man am Bahnhof anlangt um abzufahren, selbst wenn man eine Platzkarte hat. Denn im Gegensatz zu westlichen Verhältnissen gibt es in China immer noch die sog. Bahnsteigsperre (gab´s in Europa bis ins 20. Jh. hinein auch mal). Das heißt, die Fahrgäste werden erst bei, nach oder kurz (max. 30 Minuten) vor Ankunft des Zuges und dann auch nur unter Vorkontrolle einer gültigen Fahrkarte vom Wartesaal auf den Bahnsteig gelassen:

Eine Praxis, die zur Freude aller Reisenden erfolgreich Unfälle auf den Bahnsteigen minimiert und von dort auch alles mögliche Gesindel – Penner wie Diebe – fernhält.

Daraus folgt aber auch: Wer keine Fahrkarte hat, kommt nicht mit; zu spät für einen Fahrkartenkauf zu kommen und im Zug nachlösen zu können ist also nicht drin, möglich ist nur, sich bei freigewordenen Plätzen etwa in die nächste Klasse „Hochstufen“ zu lassen.

Weiterhin muss man sich ausreichende Zeit vorher seinen Wartesaal nebst Zugang zum betreffenden Bahnsteig suchen und sich dort so nahe wie möglich an den Zugang setzen oder, wenn schon alles besetzt ist, sich schon mal vorsorglich dort hinstellen, da kurz vor Öffnung des Zuganges alles aufspringt und dorthin drängt – wobei Vordrängeln durchaus als legitim angesehen wird – und wenn die Zugangsbarrieren dann geöffnet werden, so schrieb schon die Redaktion in nicht treffender zu formulierbaren möglicher Art und Weise, „...die Menge schreiend und tretend in Richtung Bahnsteig rennt....“, so dass, wer vorn dran ist, neben einem evtl. reservierten Platz diesen selbst und auch noch genügend Platz für sein Gepäck erhält bzw. beides erfolgreicher gegen garantierte Occupationsversuche wird verteidigen können, als wenn man es denn erst – etwa weil später gekommen – (zurück-) erobern müsste.

 

d.)

Inlandsflüge sind um einiges preiswerter als in Deutschland und eine Erwägung wert, wenn man riesige Entfernungen zurückzulegen hat bzw. die Verbindungen unmöglich sind.

 

In der Regel sind Buchungen von Deutschland aus auch möglich; im Inland muß aber häufig der so gebuchte Flug bei der jeweiligen Airline rückbestätigt werden; am besten gleich nach der Ankunft auf dem nächsten Flughafen oder Büro der jew. Gesellschaft.

 

In China selbst sind die Flüge oft für einen besseren Preis als von Deutschland aus zu bekommen. Problem aber: Nicht immer ist jede Verbindung gerade „ad hoc“ verfügbar und auf anderen Flughäfen als dem von Peking dürfte ohne chinesische Sprachkenntnisse der Erwerb des Tickets bzw. das Erzielen eines günstigen Preises für ein solches recht schwierig sein (ggf. zahlt dann doch noch mehr...).

 

3. Gesundheit

 

a.)

Überprüfung der üblichen Impfungen (Diphterie, Tetanus, Keuchhusten und Polio) sowie Auffrischung derselben – zahlt die Kasse.

Wer sich sorglos auch in „verschlammten“ Gegenden herumtreiben, an jeder Straßenküche essen und ab und zu auch mal Leitungswasser trinken will, dem seien Hepathitis – A -, Thypus- und Cholera-Impfungen angeraten; weiterhin Malaria in gefährdeten Gebieten und Tollwut für den Fall des Kontaktes mit irgendwelchem „Getier“ (Auch Affen, die man an manchen Tempeln streicheln kann, beißen mal schnell !). Alles Letzteres ist selber zu zahlen, derzeit Kosten um 250,- Euro (zeitig genug mit Immunisierung beginnen !!!)

 

b.)

Sonnenschutzmittel und Mütze gegen Verbrennungen durch „Klärchen“, nicht nur in reinen Wüsten- oder Strandgebieten.

 

c.)

Das alles hilft natürlich nicht gegen den „gemeinen Dünnschiss“, der jeden irgendwie mal für ein bis zwei Tage ereilen dürfte.

Das ist aber auch normal, man gewöhnt sich dadurch an einige Bazillen und das einheimische Essen.

Ein Tip: Täglich zum Abend eine große rohe Zwiebel zu essen, verscheucht zwar einige Mitmenschen, aber auf die Dauer auch die meisten ungebetenen Darmgäste.

 

Wenn´s durchhaut – Immodium akut oder Kohletabletten für den „momentanen Stop“ und ansonsten einem Chinesen das Problem notfalls mit Händen und Füßen schildern und mit ihm oder selbst oder auf einen Zettel aufgeschrieben in die nächste Apotheke gehen und traditionelles Heilmittel kaufen. Das hilft mehr als jede Chemie.... .

 

d.)

Wer Infekte, Sonnenstich, Fieber oder Erkältungen bzw. einen Mischmasch aus alledem bekommt, besorge sich in der Apotheke „Kangbingdu Keli“ – ein meist in Kräuter- oder Instantform erhältliches, mit Wasser aufzubrühendes, traditionelles, widerlich bitter schmeckendes, braunes Mittel, das Schwitzen und dadurch Vertreiben der Krankheiten besser als jedes chemisch fabrizierte Medikament bewirkt (In Thailand kennt man das u. a. unter dem Namen „yah khom“ – bittere Medizin oder „Namtaothong Bitter Tonic“).

 

e.)

Im Übrigen:

Oft wird von Leuten berichtet, die über einige Zeit in Kampfkunstschulen gelebt und dort Kung-fu-Unterricht genommen haben, sich im Zuge dessen trotz des Konsums von Unmengen sonst „eigentlich immer wirkender“ Medikamente (Kohle; Immodium etc.) über längere Zeiträume mit Durchfall, Magenkrämpfen u. ä. quälten und dieses im oft auf das ungewohnte Essen schoben.

Sicher: An diesen Örtlichkeiten mag alles nicht so pikfein sein wie daheim und der ein oder andere Krankheitskeim sich in Küche, topf und Pfanne (bzw. Wok) einschleichen; übermäßig ölige und scharfe Küche – meist ist diese selbst Ergebnis eines Mangels an Zutaten oder dem Fehlen der Fähigkeit, überhaupt Kochen zu können - tut auch einiges dazu.

 

Die Hauptursache für die erwähnten Krankheitszustände liegt jedoch bei sportphysiologischer Betrachtung und auch aus der Erfahrung heraus ganz wo anders: Wer vorher überhaupt nicht sportlich tätig war bzw. nur 1-2 Mal die Woche oder auch täglich 2-3 Stunden sich austobte, dann aber im Rahmen eines Trainingsaufenthaltes plötzlich mit Trainingseinheiten von 4-8 Stunden nebst entsprechender Intensität und fremden Bewegungsabläufen belastet wird, den ereilt selbst bei größter Motivation fast immer ein multiphysiologisches Funktionsversagen, also eine Art Multimorbidität oder Dysfunktionalität auf allen Ebenen, ausgelöst durch die körperliche und zum Teil auch seelische Belastung (fehlt letztere, ist also genügend Motivation vorhanden, ist schon einiges zur Heilung getan).

Und dieses schlägt auch auf den Magen-Darm-Trakt, z. T. auch auf den Kopf durch.

 

Jeder kennt das aus anderen Bereichen: Übermäßig viel Arbeit in Beruf oder Studium, Ärger oder Streß verursachen meist auch – nebenbei – Magen- und Darmprobleme.

 

Da dieses vor Ort aber nicht - auch nicht mit Medikamenten (!), da die Ursachen, wie gezeigt, woanders liegen - zu ändern ist, hilft nur eine leichte, jedoch nahrhafte Schonkost zu sich zu nehmen und den Rest Auszusitzen, d.h. sich nach und nach an die Belastungen zu gewöhnen bzw. auf dem Weg dorthin eben auch mal Pause zu machen, wenn es denn überhaupt nicht mehr gehen sollte (bitte nicht mit Faulheit verwechseln !!!), auch wenn das schwer ist, insbesondere wenn man ja vorher dafür bezahlt hat... .

 

4. Sprache

 

a.)

Keine Frage:

Wer sich nur in Macau; Hongkong; Peking oder etwa auch Shanghai bewegen und dort auch in Herbergen übernachten bzw. in Restaurants speisen sowie an Plätzen einkaufen will, die auf Nichtchinesen ausgerichtet - und daher auch entsprechend teuer - sind, wird sicher auch ohne Chinesisch, also nur mit Englisch auskommen.

 

b.)

In Xi´an – obgleich auch Touristenzentrum - wird dieses schon schwieriger.

In allen übrigen Landesteilen wird man ohne Chinesisch nicht nur arge Probleme bekommen, sondern auch immer mehr als ohnehin schon bezahlen müssen und sich auch der Möglichkeit des Aufbaues zumindest temporärer, herzlicher Kontakte berauben.

 

c.)

Es ist daher also dringend anzuraten, sich einiges Chinesisch beibringen zu lassen. Ich meine damit ausdrücklich kein bloßes Selbststudium – dieses mag per Lehrbuch; Kassette, CD etc. sicher bzgl. einer fremden, aber monotonalen Sprache möglich sein.

Beim Chinesischen jedoch, mit seiner für den Europäer unbekannten Schrift, den Unterschieden von schlichter Aussprache von geschriebenen Piyinbuchstaben sowie der auch noch 4-5-fach tonal-differrierenden Aussprache, erleidet man Schiffbruch, wenn einem nicht zumindest anfangs “vorgesprochen“ wird, wie was generell auszusprechen und dann auch noch zu betonen ist - Die Schwierigkeit von Dialekten bzw. des Verstehens dessen, was das Gegenüber dann auf einen mühsam richtig herausgewürgten Satz antwortet noch nicht mal eingerechnet.

 

Ich habe – auch wenn man das belächeln möge – ½ Jahr einen Kurs Chinesisch für Anfänger an der Volkshochschule mitgemacht und dann noch ¼ Jahr Selbststudium drangehängt. Derart gewappnet ging es leidlich voran, aber oft war nach 3-5 mühsamen Sätzen meinerseits mangels Vokabeln und Aussprachekenntnis – die Grammatik ist nicht ganz so schwer – Sendepause oder ich habe mein Gegenüber meist nicht oder nicht mehr verstanden.... .

 

5. Einkaufen & Co.

 

a.)

Sicher – es heißt, es gebe ein „Ausländerschlachten“ = „Ausländerübersohrhauen“ als chinesischen Volkssport.

 

Es ist auch nicht von der Hand zu weisen, dass mit Ausländern immer viel Geld in Verbindung gebracht wird, das zu erlangen das Ziel eines jeden chinesischen Geschäftsmannes sein dürfte.

 

b.)

Aber man muss sich auch vor Augen führen, dass einerseits diese zum Teil konfuzianische Philosophie, dieses etwas andere Geschäftsgebaren, die Chinesen schon seit Jahr und Tag und auch gegenüber ihren Landsleuten an den Tag legen ; irgendwer sprach mal von einer Art „Raubritterkapitalismus im sozialistischen System“ im Zuge dessen jeder soviel vom anderen als möglich zu erlangen trachte... .

Andererseits bietet dieses umgekehrt jedem Käufer auch die Chance, eine Ware, Dienstleistung etc. für einen günstigeren Preis als üblich etc. erlangen zu können – wenn er sich denn entsprechend geschickt anstellt (Im übrigen: In Deutschland gab es bis zum Beginn des 20. Jh. auch nie irgendwelche Festpreise; jeder Krämer schlug seine Preisvorstellungen an die Waren an und jeder Käufer hatte mit ihm darüber zu handeln.... .).

 

Es liegt also zum großen Teil an jedem selbst, wie man sich verkauft oder einkauft:

Wer keine chinesischen Zahlen lesen oder sprechen kann, ist demnach genauso selbst daran schuld, wenn er, obgleich der Preis an der Ware angeschrieben ist, „beschissen“ wird, wie derjenige, der nicht auf die altertümlichen Handwagen schaut, wenn etwas ausgewogen wird bzw. nicht fragt, ob etwa die ausgeschriebenen Preise für 1 Kilo oder für 500 Gramm gelten.... .

 

c.)

Preise sind – ausgenommen in großen Kaufhäusern oder Supermärkten / Lebensmittelläden – selbst wenn sie angeschrieben sind meist Verhandlungssache (insbesondere auch bei „Kunstgewerbe“).

In großen „Supermärkten“ – wenn sie denn vorhanden sind – ist das Angebot meist größer - auch an nichtchinesischen bzw. zumindest englisch beschrifteten Waren -, jedoch sind Lebensmittel, insbesondere Frischwaren, oft teurer, als man sie auch ohne sonderliches Geschick auf dem Straßenmarkt erhalten könnte.

 

d.)

Größere Anschaffungen macht man nicht so einfach allein, sondern fragt zunächst einen bekannten Einheimischen, notfalls Leute aus oder in der Unterkunft, in der man abgestiegen ist, was dieses oder jenes in der Regel kostet bzw. wo man es am günstigsten kaufen solle.

 

e.)

Kommt in Restaurants mehr auf den Tisch, als man bestellt hat, nimmt man nur das Bestellte und zahlt auch nur das – auch wenn etwa extra Flaschen etc. für einen geöffnet und hingestellt wurden. Entsprechend sind Rechnungen auch zu korrigieren. Meist gibt es dabei keine Probleme – Bedingung: die Bestellung vorher jedoch eindeutig festlegen !

 

f.)

Gegenüber den in China noch moderaten und meist auch nur auf chinesische Touristen ausgerichteten Souvenirhändlern - ich habe z. B. nicht erlebt, dass mir, wie bspw. in Indien, jemand an einem Tempel schmeißfliegenartig eine gut 1 m lange Incensefackel aufdrängen wollte, obgleich ersichtlich war, dass ich den Ort nicht aus religiösen Gründen besuchen wollte – gilt: Bloß kein, auch nicht das leiseste Interesse zeigen, sonst wird man sie nur schwer wieder los.... .

 

g.)

Auf dem freien Markt geht man, schon um die Preise nicht zu verderben, wenn man mit einem überzogenen Preis bedacht werden soll, wieder theatralisch seines Weges – und wird sicher gestikulierend zurückgeholt und letztlich mit einem annähernd fairen Angebot bedacht werden.

 

Faustregel:

Lächelt das Gegenüber beim Bezahlen, so hat man erheblich zuviel gezahlt; wird etwas herumgedruckst, hat man nicht erheblich, aber immer noch reichlich zuviel berappt; wird geschimpft, so hat man einen adäquaten Preis erzielt; wird man fortgejagt und auch nicht bei korrigiertem Angebot einen höheren Preises als Vertragspartner angenommen, war es zuwenig (Letzteres kommt sehr selten vor bzw. passierte mir selbst nur einmal).

 

h.)

Es klingt trivial:

Aber ich habe mich beim Lesen des Reiseberichtes der Redaktion vor meinem Reiseantritt  zunächst gefragt, ob man sich denn wirklich um Beträge zwischen 1 und 5 Yuan streiten sollte.

Jetzt weiß ich: Ja, man sollte es nicht nur, man muss es. Zum einen, um die Preise nicht zu verderben und zum anderen, um den eigenen Geldbeutel zu schonen – erhält man doch für 2-5 Yuan an einer Straßengarküche bereits eine vollwertige Mahlzeit; für 1 Yuan einen Busfahrschein; für 2,5 Yuan 0,3 l Cola; für 1, 5 Yuan 0,3l Wasser..... .

 

Ergo: Ich habe mich in China nicht mehr über den berühmten Tisch gezogen gefühlt, als auf meinen zuvor über den Verlauf von 13 Jahren unternommenen Reisen durch den Nahen und Mittleren Osten auch.

 

6. Sicherheit

 

Schauergeschichten gibt es überall, auch Kleinkriminalität (Taschendiebe etc.). Aber im allgemeinen lebt es sich in China selbst in abgelegenen Gebieten zum Teil sicherer als in Deutschland.

Wer natürlich entsprechend protzig auftritt, zieht entsprechendes Interesse bestimmter Klientel ebenso auf sich, wie man sich auch in hierzulande in bestimmter Kleidung oder mit bestimmten Auftreten besser nicht in bestimmte Viertel begeben sollte.

 

Besondere Vorsicht ist allerdings geboten, wenn man es unbedingt nicht unterlassen kann, nachts oder auch tags in dunkle Ecken der Stadt – insbesonder Rotlichtviertel, Slums oder die berüchtigten Hinterhofgassen von Hongkong oder Shanghai - zu visitieren. Insbesondere Hobbyphotographen sollten hier ihre Kameras bei mangelnden Erfahrungen mit solchen Locationen lieber nicht präsentieren, wollten sie sich denn nicht einigen Ärger einhandeln.

 

Was die teilweise auch immer wieder erwähnten „Triaden“ angeht, so machen diese ihre „Geschäfte“ mit den Einheimischen; Touristen werden in der Regel nicht behelligt.

 

Einige Worte zur Polizei: Sicher, sie tritt sie stets freundlich auf; jedoch sollten sich Kontakte zum einen wegen der sich von den europäischen doch sehr unterscheidenden Auffassungen von Menschen- bzw. Bürgerrechten sowie zum anderen wegen der Gefahr undurchsichtiger Koruptionsstränge innerhalb der Behörden auf ein nicht vermeidbares Minimum reduzieren.

 

7. Die Chinesen und ihre Mentalität im Allgemeinen

 

Zum Land gehören die Leute wie das Salz zur Suppe.

 

Chinesen sind sicher etwas gewöhnungsbedürftig, wenn man andere asiatische Länder, insbesondere Thailand, Indonesien oder Japan kennt bzw. sich vorstellt, China sei nur von alten, zurückhaltenden, langspitzbärtigen Konfuziuscopien bevölkert, die laufend Tee kochten, sich heimelig mit traditioneller chinesischer Medizin beschäftigten, zu Tausenden friedlich mit der meist assoziierten, flachkegelartigen Reisstrohkopfbedeckung Fahrrad fahren oder beflissen T-Shirts o. ä. für „den Westen stricken“ bzw. wushu-mäßig durch die Lüfte schwebten:

 

In der Realität sind Chinesen in ihrem Verhalten wie auch in der Sprache laut und extrovertiert (was besonders beim Auftauchen chinesischer Reisegruppenhorden pankikartige Flucht angezeigt erscheinen lassen kann) und extrem neugierig. Letzteres in gesteigertem Maße gegenüber dem meist freudig mit „laowai, laowai“ angerufenen Ausländer nebst dessen Gepäck und sonstigen Dingen, so dass dieses schon mal ohne zu Fragen inspiziert wird.

Gegenüber Landleuten ist man mehr, gegenüber Ausländern weniger rüde - ohne dass dieses Unhöflichkeit bedeutet, es wird vielmehr als normal angesehen.

 

Es wird fast überall hingenießt, gerackst, gespuckt; beim Essen laut geschmatzt, lautstark zu nachtschlafender Zeit musiziert, Karten gespielt und/oder dabei getrunken (Wozu der Fremde auch oft eingeladen wird – Vorsicht, die Leute sind sehr trinkfest !!!!).

 

Auf den Straßen insbesondere der Städte herrscht tagsüber ein gleichbleibendes, nur gegen Mittag abebbendes Verkehrschaos ersten Ranges und im übrigen eine für den westlichen Europäer ungewohnte Zweiteilung des Tages:

Ist abends ab ca. 21 Uhr in den meisten Restaurants „Zapfenstreich“ und auch – ausgenommen Tourizentren – auf den Straßen wenig los, scheint es dafür es aber so, als ob spätestens gegen 5 Uhr morgens alle zwanghaft aus den Häusern auf die Straßen geprügelt worden wären und somit bereits Rush-Hour angesagt ist, wenn Europäer sich eigentlich noch mal im Bett herumdrehen würden.

 

Dafür schlägt einem Nichtchinesen neben der bereits erwähnten Neugier auch eine Hilfsbereitschaft entgegen, die ihres gleichen sucht und nicht im selben Atemzuge – wie in anderen Gefilden – mit der Frage nach einem „Baqkschisch“ verbunden ist. Die Bereitschaft, sich mit dem „Laowai“ zu befassen steigt dann auch noch um in Vielfaches, wenn dieser mehr als nur drei Worte Chinesisch kann oder sich darin zumindest intensiver versucht.

Sicher ist diese Hilfe ihrerseits auch etwas gewöhnungsbedürftig: Meist versucht nicht nur einer oder eine dahingehend angesprochene Person höflich und zurückhaltend zu helfen, sondern man hat gleich ein ganzes „Kollektiv von Helfern“ hinter sich oder auf dem Hals und der ganze Vorgang geht mit ziemlichen Getöse - jedoch meist in irgendeiner Weise erfolgreich – über die Bühne.

Ich selbst habe jedenfalls niemals negative Erfahrungen gemacht: Wenn ich etwas brauchte und zurückhaltend-höflich jemanden fragte, wurde mir immer geholfen.

Entgegenstehende Berichte von Nichtchinesen, die ich traf, entpuppten sich ziemlich schnell als Resultat nicht nur tollpatschigen, sondern extrem unpassenden Benehmens derselben, die wohl in den konkreten Situationen in ihrer eigenen Überheblichkeit vergessen hatten, wer wo Gast ist bzw. wer denn eigentlich was von wem wollte und deshalb einer Hilfe etc. bedurfte.... .

 

Freundlichkeit hin wie her; aufgrund der schon erwähnten Direktheit im Umgang miteinander und auch des zum Teil harten Geschäftsgebarens – beides wird von den Chinesen gegenüber Nichtchinesen nur teilweise „zurückgeschraubt“ – sollte man sich jedoch davor hüten, zu sanft zu sein und sich unterbuttern zu lassen:

Wird beim Rennen nach dem Zug, beim Reinquetschen in die U-Bahn oder beim Anstellen an einen Schalter eines Amtes o. ä. mal wieder getreten, geschubst und gedrängelt, so sollte man sich daran „dezent beteiligen“ – was angesichts der die chinesische meist überragenden, europäischen Körpergrößen oft nicht schwer sein dürfte – sonst läuft man nämlich Gefahr, nie zum Zuge zu kommen... (und sich manchmal fast wie ein Ausländer in Deutschland zu fühlen).

 

8. Literatur und Karten

 

Lonely Planet „China“, letzte Auflage sowie

„China“ aus dem Stefan Loose Verlag = deutsche Übersetzung des Rough Guide „China“. Letzterer ist dem Lonely Planet – vorausgesetzt gleichaktuell – vom Praktischen her ebenbürtig, von den kulturellen/ historischen Ausführungen her ihm aber haushoch überlegen.

Daher sollten am besten beide Bücher mitgenommen werden, ggf. ungeachtet welcher Auflage (und des Gewichtes).

Nelles Maps China North; Central; South; Northeast.

Was Landkarten von entlegenen Gebieten angeht, so ist entsprechendes Kartenmaterial am besten sehr preiswert vor Ort zu erstehen, auch wenn es oft nur Chinesisch beschriftet ist. Die nichtchinesischen Karten, die dahingehend erhältlich sind – meist amerikanische Fliegerkarten – sind meist hoffnungslos veraltet.

In den Städten selbst sind für wenige Yuan on Straßenhändlern Stadtpläne erhältlich, die im Hinblick auf Buslinien gute Dienste leisten.

 

 

II. Reisebericht

 

1. Tag: Berlin/Tegel-London-Peking-Shenzen-Xiangfan:

 

Ich komme gegen elf Uhr nach einem Flug von Berlin über London in einer für diese Entfernung nahezu unverschämt kleinen Maschine der British Airways auf dem Pekinger Flughafen an.

Dort lässt sich an den Schaltern einiger Banken problemlos – in der Regel von 8.00-20.00 Uhr – etwas Geld tauschen; ich gebe meine beiden Gepäckstücke – die Phototasche wird vor der mit der Abgabe verbundenen Durchleuchtung vorsichtigerweise von allen Filmen befreit - für unverschämte 50 Yuan bei der Gepäckaufbewahrung auf und suche mir die bevorstehende, fünfstündige Wartezeit bis zum Abflug meines, von Deutschland aus gebuchten Inlandsfluges irgendwie auf dem mehrstöckigen Wartehallenareal des Airportes zu vertreiben.

Mir fallen dabei die zahlreichen Schalter diverser chinesischer Airlines auf, an denen sich mutmaßlich mit einigem Geschick auch Inlandsflüge vor Ort recht problemlos und preiswert buchen lassen müssen; auch einige Ausländer versuchen hier ihr Glück.

 

Im Wartebereich sitzend habe ich bald Gelegenheit, meine Chinesischkenntnisse im Zuge einer Unterhaltung zu testen. Da mein Gesprächspartner aber auch Englisch spricht, wird die Bruchlandung nicht allzu hart bzw. er verbessert mich auf meine Wünsche hin.

 

Kurz vor dem Weiterflug beim Einchecken noch ein kurzer Schock: mein Name befindet sich nicht auf der Passagierliste; ich werde zurück zum Schalter der betreffenden Airline geschickt, wo ich den Flug noch mal bestätigen lassen muss. Ich nehme es soweit wie möglich freundlich und daoistisch – gelassen und wider unterbewussten Erwartens klappt das auch reibungslos.

 

So fliege ich dann – von daheim aus für 110,- Euro vorgebucht und zuerst als Direktverbindung gedacht, dann aber umgeleitet – zunächst bis Shenzen, also fast einmal durchs Land nach “rechts neben Hongkong“ und von dort nach erneutem Umsteigen wieder die Hälfte der Strecke zurück nach Xiangfan in der Provinz Hubei, nicht weit vom Wudang-Shan-Gebirgszug entfernt. Dabei versuche ich erst gar nicht die Logik oder Unlogik dieser Flugverbindung zu verstehen... .

 

Kurz nach zehn Uhr abends – also zu ziemlich ungünstiger Zeit - schlage ich auf dem eher einem Eisenbahnhaltepunkt letzten Ranges, denn einem Airport ähnelnden Flughafen von Xiangfan auf und begehe – obgleich ich mir entgegenstehendes fest vorgenommen habe – nach der erfolgreichen Entgegennahme meines Gepäcks gleich den ersten Standardfehler:

Obgleich nur wenige Leute recht unaufdringlich vor dem Flughafengebäude auf in- wie ausländische Touristen warten, steige ich nicht in eines der offiziellen Taxis, sondern in das eines einheimischen Pärchens. Es entspinnt sich die bei den offiziellen Taxis unmögliche, da durch den Taxameter abgewürgte Feilscherei um den Fahrpreis für die etwa 10 - 15 km lange Fahrt nach Xiangfan, wo ich in das Hotel Landun Binguan gebracht werden wollte. Zuerst werden 80 Yuan verlangt, ich bleibe hart bei 20, lade mein ohne mein Zutun oder Wunsch schon in das Fahrzeug verfrachtetes Gepäck wieder aus diesem aus, es wird freundlich wieder eingeladen und so geht es weiter, bis für 20 Yuan gestartet wird und später, vor dem Hotel ich nach weiteren Diskussionen und erfolgreicher Abwehr angebotener Dienste nach dem Wudang Shan zu fahren letztlich doch noch 20 zusätzliche Yuan zahle; was die Rezeption des Hotels mit einem Kopfschütteln quittiert – 20-25 Yuan wären wohl o.k. gewesen... – „Laowai“... denke ich kopfschüttelnd über mich selbst... .

 

Jedenfalls finde ich in dem besagten Hotel für 128 Yuan ein nahezu luxuriöses, piksauberes Zimmer, mit westlicher Toilette, ob der schwülen Hitze angenehmer Klimaanlage, Fernseher, Pantoffeln, Wasserkocher für Tee, Dusche und – nicht zu vergessen – Spucknapf und schlafe erst mal etwas übermüdet glücklich ein.

 

2. Tag: Xiangfan – Wudang Shan

 

Es war wohl doch etwas viel die letzten zwei Tage, daher wache ich erst gegen 7 Uhr auf, packe gemütlich meine Sachen, trinke etwas selbstgekochten Tee – Beuteltee ist hier zwar besser als daheim aber dennoch immer noch eklig genug – und mache mich auf die Strümpfe zum bei der Hotelrezeption auf Chinesisch - „Tarah !!!, es geht also doch“ – erfragten Busbahnhof.

Den hätte ich aber sicher auch ohne Nachfragen gefunden: Denn ca. 100 m links vom Hoteleingang, auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindet sich ein zwischen diversen Garküchen einschneidender, kleiner Hof – der Busbahnhof der privaten Minibusse; der der kommerziellen großen Busse liegt in derselben Richtung noch ca. 150 m weiter.

 

Am Minibusbahnhof werden meine holprigen Anfragen nach dem Bus nach Wudang Shan natürlich verstanden – wahrscheinlich hätte man auch ohne eine Anfrage gewusst, wohin ich wollte, denn was sonst sollten Ausländer in dieser Stadt denn suchen...

So geht es denn für 30 Yuan nach gut ¾ h Wartezeit los, mein Gepäck wird unkompliziert neben dem Fahrer auf er Motorabdeckung des Busses verstaut.

Ich bedauere Zeit der Fahrt zum ersten Male schon, nicht mehr Chinesisch sprechen und mich mit den sehr interessierten, freundlichen Fahrgästen unterhalten zu können .. – doof.... .

 

Der Bus ist wider Erwarten leidlich in Takt und so erreiche ich nach gut 2 Stunden einen Platz, der von einer großen Yin-Yan-Symbol-nebst-Mönchsfigur (Zhang Sang Feng ?)-Plastik markiert wird: der Ortseingang von Laoying ist erreicht.

 

Kaum ausgestiegen, wartet schon ein Minibusfahrer eilfertig darauf, mich für 10 Yuan auf den Wudang Shan hinaufzubringen; er ist aber enttäuscht, als er mich darüber hinaus nicht überzeugen kann, lieber doch 50 Yuan für den ganzen Bus zu zahlen und sofort loszufahren, und nicht auf weitere Fahrgäste warten zu müssen. So geht gut wieder ¾ Stunde ins Land bis sich genügend weitere, zu transportierende Personen eingefunden haben; bis dato muß ich mich weiterer Angebote für Single-Fahrten auf den Gipfel erwehren, was letztlich leider nur noch auf die „dumme Art“ möglich ist: Ich spiele den „Nix-Verstehen-Laowai“ (was zum Teil ja nicht mal so schwierig war bzw. zutraf...).

 

Bevor das kurz hinter Laoying sich über die Straße zum Gebirgszug wölbende Eingangstor zum Wudang Shan Areal durchfahren werden kann, folgt der erste Schock.

Ganz gleich ob von 9; 20 oder 31 Yuan Eintrittsgeld mal irgendwo die Rede war: 118,- Yuan sind zu berappen; wer eine Ermäßigung erlangen kann, bekommt den Einritt für 55 Yuan. Allerdings muss – und insoweit greife ich vor – gesagt werden, dass das so erworbene, hinsichtlich etwaiger Kontrollen sicher aufzuhebende Eintrittsticket nahezu unbegrenzt gilt.

Hauptsache ist, man verlässt das Wudang - Areal bzw. die an der Straße gelegenen Kontrollposten nicht. Wenn das doch - etwa für auswärtige Besichtigungen oder etwa Bankgeschäfte in Laoying – notwendig sein sollte, spricht man dieses vorher mit den Kontrollposten, etwa unter Verweis auf im Wudang-Areal vorgebuchte Überachtungen im Areal ab; sonst muss man erneut Eintritt bezahlen.

Wer den o. g. Betrag bezahlt hat, muß, jedenfalls auf der von mir nachstehend beschriebenen Strecke, für keinen noch so kleinen Tempel mehr zusätzlichen Eintritt bezahlen - Ausnahme: „Tempel der Purpurnen Wolke“ (30 Yuan zusätzlich) und Gipfelbereich /Verbotene Stadt mit der Goldenen Halle auf dem Tianzhu (20 Yuan zusätzlich).

 

Nicht versäumen sollte man allerdings, sich beim Kauf des Ticket auch noch die im Preis inbegriffene Karte des Areals aushändigen zu lassen – sie ist zwar größtenteils nur in Chinesisch gehalten, aber besser als gar nichts... .

 

Nun gut: Das Wugdang-Shan-Areal muß man sich bzgl. der Durchquerung „in etwa“ zweigeteilt vorstellen:

Zunächst führt die erwähnte Straße etwa 10 km bis zu einem Kontrollposten hinauf in die Berge, bis zu einer Gabelung. Nach Süden/links zweigt gelangt man dann nach etwa 14 km zum „Cable Way“, also dem Parkplatz nebst Seilbahn zum Tianzhu-Gipfel, vorbei an am Tempel der acht Unsterblichen und einer Kampfkunstschule (dazu unten Näheres) ab. Diesen Weg und das dort Sehenswerte hat die Redaktion in ihrem Reisebericht bereits beschrieben (siehe dort). Nach Norden/rechts erreicht die Straße nach gut 14 km, vorbei am Fushzen-Tempel und einem in krudem Englisch bezeichnetem Tal, einer Kampfkunstschule sowie dem Tempel der Purpurnen Wolke (dazu jeweils Näheres weiter unten) einen größeren Parkplatz bzw. eine um diesen gruppierte Hotelansammlung, die „Crow Ridge“ genannt wird (Vorweg gesagt: das erste, große Hotel, rechts am beginn dieses Areals ist wegen unmöglichen Preis-Leistungsverhältnisses nicht zu empfehlen).

 

Nach der Crow Ridge fuhr auch ich und der Fahrer setzte mich– nachdem eruiert worden war, dass das laut Lonely-Planet-Reiseführer angeblich empfehlenswerte Hotel („Baihui Shanzhuang“), nahe dem Nanyan Gong nicht mehr existierte – einfach an einem links an der Straße zum Parkplatz gelegenen, kleinen Komplex mit kleineren Hotels ab.

In einem derselben, dem Lü Dao Hotel, einem familiär geführtem Etablissement mit wohl 6-8 Zimmern und angeschlossenem, kleinen Restaurant, fand ich dann eine Bleibe. Wahrscheinlich war Nebensaison, so dass nach erfolgreichem Handeln von ursprünglich 170,- Yuan, noch 130,- Yuan pro Nacht für ein nett eingerichtetes Zimmer blieben (Jedoch sah ich im Bad lieber nicht zu oft auf die abenteuerliche Verbindung der Kabel, die ein Ungetüm von Boiler mit Strom versorgen sollten, aus dem ich dann heißes Wasser erhielt... ). .

Es folgte ein erster Rundgang in der Umgegend; ich sollte insgesamt 5 Nächte hier bleiben.

 

3.-7. Tag: Wudang Shan

 

1.

Um es vorwegzunehmen: Ist man nur auf die „klassischen Sehenswürdigkeiten“ des Wudang Shan aus, so kann man die Gegend gut und gerne in 2 –3 Tagen „abhaken“ bzw. hat sie in dieser Zeit „abgeklappert“. Ist man ein ausgesprochen Ruhe und Natur liebender Mensch, vielleicht noch mit einem Hang zum Wandern und Interesse, mit der hiesigen Bevölkerung näher ins Gespräch zu kommen, lassen sich hier gut ein bis zwei Wochen verbringen, ohne dass es einem langweilig werden würde.

 

2.

Das Preisniveau ermöglicht ein solches auch:

 

Die Unterkunftskosten in den Hotels an dem von mir beschriebenen Platz bewegen sich zwischen 160-400 Yuan (wobei jedoch ein Quartier für 160 Yuan schon ein sehr sauberes Einzelzimmer mit eigenem Bad darstellt, alles weitere sich also nach dem Bedarf an Luxus richtet), jedoch dürfte ein Nachlaß von 30 bis 50 Yuan je nach saisonaler Auslastung durchaus drin sein.

 

Die meisten Hotels bieten in angeschlossenen Restaurants für 15-60 Yuan diverse Gerichte an; es gibt auch einige „bloße“ Restaurants hier.

Garküchen sowie die Möglichkeit, sich mit Obst oder anderen Frischwaren einzudecken fehlen. Dafür gibt es genügend Läden, die alles für den Selbstversorger Notwendige anbieten; das Preisniveau ist ob der Lage etwas höher als gewöhnlich, aber nicht unverschämt.

 

Diverse Souvenir-, Tee- und Kräuterhändler fehlen auch nicht.

Diese laden zwar den Nichtchinesen auch freundlich ein bzw. stecken auch nicht bei dem Versuch zurück, ihn zu übervorteilen. Jedoch sind ihre Zielgruppe augenscheinlich die einheimischen Touristen und der Ausländer ist nicht der Tortur wie in anderen Ländern ausgesetzt, wo er vor Souvenirhändlern, Bettlern u. ä. Personen oftmals nur dadurch zu schützen zu sein scheint, dass er sich eine Maske überziehe, die ihn wie einen Aussätzigen aussehen ließe.

 

3.

Was die Reisezeit angeht: Ich war hier Anfang/Mitte Juni unterwegs, als tags über – bis auf einen Tag – Temperaturen von 30-40 Grad Celsius bei 70-80% Luftfeuchtigkeit herrschten. Zu dieser Zeit waren relativ wenige Touristen, d. h. nichteinheimische Chinesen, hier unterwegs, vielleicht 5-6 große Busladungen voll täglich. Ausländer habe ich in dieser Zeit hier nur vier (!!!!) getroffen. Es schien alles in allem Nebensaison zu sein – was sicher auch mit der Hitze zusammenhing.

 

4.

Etwas fremd mag die Ausgestaltung der Umgebung erscheinen:

Man kann es nicht übersehen, überall wird ausgebaut, saniert und gewerkelt, neue Wege, Unterkünfte etc. angelegt und es ist zu befürchten, dass hier in einigen Jahren die touristische Hölle los und es mit der Ruhe vorbei sein wird.

 

Der Status als Unesco-Weltkulturerbe mag dafür das Geld hergeben bzw. auch bedingen, dass man sich bemüht, bei den Bauaktivitäten nicht allzu zu wüst vorzugehen:

Die Hotels sind keine großen Betonklötze, sondern in Nachahmung traditionellen Aussehens gehaltene, kleinere bis mittelgroße Bauten; an jeder denkbaren Ecke sind – zum Teil als Baumstümpfe o. ä. gestaltet – Müllkübel aufgestellt oder wie Tempel aussehende, öffentliche Toiletten zu finden (ob diese genutzt werden ist eine andere Frage).

 

Wie jedoch schon in traditionellen chinesischen Parks und Gärten, ist die Landschaft in einer Art und Weise „touristisch erschlossen“, die für einen Europäer etwas gewöhnungsbedürftig ist:

Würde letzterer einen Waldpfad in einem Schutzgebiet etwa höchstens mit einigen Wanderpfeilmarkierungen versehen, baut man in China solche Wege derart aus, dass sie mit Platten aus Beton ausgelegt oder mit entsprechenden Treppen versehen werden, auf dass man sie bequem begehen könne.

Sicher bemüht man sich, die Stufen; Wege und Geländer in traditionellen Stil zu halten und in die Landschaft einzufügen. Im Zuge dessen schlagen vor Ort die mit den entsprechenden Arbeiten Beschäftigten in die, wie andere Baumaterialien auch, im Schweiße des Angesichts auf Schultern an die unmöglichsten Stellen des betreffenden Gebietes geschleppten Betonklötzer per Hand Rillen oder bearbeiten die Blöcke entsprechend.

 

.

Aber ob dieses in dem ersichtlichen Umfange nicht eher eine Verschandelung; Zubetonierung oder – aus europäischem Blickwinkel – eine Entromantisierung der Landschaft darstellt, ist überlegenswert.

 

So sind denn auch die Wege in und um den Wudang Shan derart „ausgebaut“ und neue Wege werden munter „erschlossen“; sie sind also besser „in Schuss“ als noch im Bericht der Redaktion zu lesen.

 .

 

Hinzu kommt – dass von der Crow Ridge bis etwa zur Hälfte der Strecke zum Tianzhu-Gipfel sowie im weiteren Umfeld Lautsprecher im Gras, Felsen etc. zum Teil „getarnt“/versteckt sind, aus denen täglich – man kann quasi die Uhr danach stellen – von acht bis achtzehn Uhr mutmaßlich als passend traditionell eingestufte chinesische Vokal-/Instrumentalmusik in einer Endlosschleife tönt, so dass man entweder ein sehr dickes Fell benötigt oder „so abgedreht“ sein muss, dass man dieses erträgt - insbesondere, wenn man hier mehrere Tage zu bleiben beabsichtigt (Die Einheimischen sind sicher schon „abgestumpft...“).

 

Apropos: Wer sich einige Zeit in dieser Gegend herumtreibt wird feststellen, dass die in dem hier zum Teil gedrehten Film „Tiger and Dragon“ am Ende zu sehende weiße, einen Felsabgrund nebst Wasserfall überspannende Brücke eines Klosters, von dem sich die Hauptdarsteller in einen Abgrund hinabstürzen auch hier zu finden ist - Nur dass diese Brücke eine der unzähligen Autostraßenbrücken über recht unspektakuläre „Abgründe“ und ein Wasserfall nicht zu finden ist. Entzaubernd.... !

 

5.

Als der „eigentliche Wudang Shan“ wird gewöhnlich der höchste Gipfel des Wudang-Shan-Gebirgszuges, der Tianzhu angesehen. Bei gutem Wetter kann man ihn schon von der Crow Ridge aus erblicken.

Auf ihn gelangt man vom Parkplatz der Crow Ridge aus, indem man einen der von dort südwestlich abzweigenden, erwähnten Treppenwege nimmt.

Angeblich schafft man den unterwegs einige Tempel passierenden

, etwa vier Kilometer langen Weg auf den gut 1670m hohen Berg in zwei Stunden, aber das gilt wohl nur, wenn man sich keine Zeit für die Landschaft, die Bauten und die Menschen herum nimmt.

Wer, wie ich, jedoch buchstäblich bei jedem der zahlreichen Schmetterlinge, jeder überwucherten daoistischen Pagode, jedem Tempel anhält und gleichsam „jeden zweiten Stein kennenlernen“ möchte, wird zwischen 3 und 4 Stunden brauchen. Summa summarum kann für dem Gipfel also einen ganzen Tag einplanen.

 

Unterwegs gibt es einige Souvenirhändler und Verpflegungsstände, deren Preise sind der Lage entsprechend etwas höher als sonst.

 

Ebenso nicht preiswert dürfte sein, sich den Berg von einigen der zahlreichen, am Weg auf Kundschaft wartenden Sänftenträgern hinauf oder hinabtragen zu lassen.

Bei der Hitze dürfte dieses für die Träger aber eine Tortur sein, die ich eigentlich für kein Geld der Welt jemandem zumuten wollte. Mir kamen da die Erinnerungen an das indische Palitana: Dort konnte man sich auf einen heiligen Jain-Tempelberg ebenso hinauftragen lassen – wobei sich der Preis nach dem per Wage vorab ermittelten Gewicht des potentiellen Passagiers richtete... .

 

Auf ca. der Hälfte der Strecke, gut 50 Meter oberhalb der oft zu unrecht nicht beachteten, von einer kleinen Mönchsunterkunft bewachten „Höhle des Gelben Drachen“ („Huanlong Dong“)  teilt sich der Weg:

 

Nach links verläuft er weiter in bequem ausgebauter Art und Weise; recht unspektakulär, ja z. T. langweilig, nur gemächlich ansteigend sowie sich sehr in die Länge ziehend.

Kürzer und interessanter ist dagegen der nach rechts abzweigende Pfad, vorbei an einem kleinen Tempel. Er ist aber auch steiler und unbequemer, Stufen bzw. Platten sind älteren Datums. Beide Wege führen zum Gipfel des Tianzhu.

 

Egal was die Reiseführer dazu meinen:

Ich finde, man sollte den linken Weg auf dem Rückweg vom Gipfel nehmen bzw. wenn man etwas erschöpft oder weniger gut „in Form“ sein sollte.

Der rechte Weg bietet sich, am besten frühmorgens für den Hinweg an und entschädigt für seine steileren Anstiege und schlechtere Ausbauqualität mit spektakulären Aussichten auf atemberaubende Felsformationen;

 

 

manchmal recht düsteren (und so bei Hitze auch kühleren !) Pfaden durch tiefen Wald; den sich fast klassisch sich in die Landschaft einfügenden und die Spannung auf den Gipfel zuspitzenden drei „Toren zum Himmel“

 

   

 

sowie einer gut 200 Meter langen, steilen Treppe im daoistischen Stil, die bemoost, dunkel und zum Teil uneinsichtig ins ebenso „erhellte“ Wald- und Felsdickicht führend zum Teil anmutet, als hätte man die Treppe vor sich, auf der sich im Filepos „Herr der Ringe“ die Gefährten nebst dem Zauberer Gandalf durch die Minen von Moria bewegten.... .

 

Bezüglich der weiteren Beschreibung des Tianzhu-Gipfels sei auf den Reisebericht der Redaktion verweisen; ich beschränke mich auf die Präsentation einiger Bilder.

 

               

 

   

 

  

           

 

Ergänzend soll nur noch angeregt werden, die unmittelbar am Eingang zum Areal des Gipfels – also nach der großen Aussichtsplattform - befindliche „Halle des Glücks“ zu besuchen:

Deren Innenraum ist fast vollständig von einem Schrein ausgefüllt, der um sich herum jeweils ca. 20-30 Zentimeter Platz zur Wand des Gebäudes lässt. Dieser Raum oder „Weg um den Schrein herum“ ist stockfinster und man kann ihn nur durch Ertasten der umgebenden Wände finden (will man denn nicht irgendwann buchstäblich vor die Wand rennen). Der Überlieferung nach lässt derjenige, der diesen Weg zurücklegt, sämtliches Unglück seines Lebens hinter sich - da Unglück vom Licht ins Dunkel und wieder ins Licht zurück nicht folgen könne und man so die Halle des Glücks als glücklicher Mensch verlassen würde (wofür ein daoistischer Mönch natürlich auch um eine Spende bittet). Selbst wenn man diesen Glauben – wie augenscheinlich wohl auch viele der chinesischen Touristen – nicht ernsthaft teilte, so sollte man das Ganze dennoch auf sich nehmen, ist es doch zumindest ein nicht unerheblicher Spaß... .

 

6.

Ein ganzer Tag oder, wenn man es eilig hat ein halber, kann damit verbracht werden, den nordwestlich vom Parkplatz abzweigenden Weg zu beschreiten. Dieser führt nach einer weiteren Gabelung entweder zum Nanyan Gong Tempel, einem der „Hängenden Klöster“ der Gegend oder zum am Rande eines kleinen Plateaus, neben kleineren Bambus-Wäldchen gelegenen Taihe Gong Tempel

 

 

nebst einer weiteren, in dessen Nähe befindlichen Höhle eines weiteren Drachen sowie des Gottes des Glücks, von der aus man eine gute Aussicht auf die Gebirgszüge ringsherum hat.

 

Letztere beiden Orte liegen zwar nicht sehr weit von der Crow Ridge entfernt, jedoch abseits genug, um nicht von allzu vielen Touristen besucht zu werden, so dass man hier eine nahezu himmlische Ruhe hat, zumal der Taihe Gong, insbesondere morgens, wenn vor 6 Uhr seine mit dem Ying-Yang-Symbol versehenen Tore noch geschlossen sind ein Bild abgibt, dass klassischer fast gar nicht sein kann (bzw. das man hier in ähnlich Form nur noch am Fuszhen Tempel findet... ).

 

Die erwähnte Höhle bzw. der Weg dorthin bietet im übrigen den Kampfkunstenthusiasten insbesondere am frühen Morgen, einen nahezu ultimativen Platz, um sich gegen die aufgehende Sonne zu produzieren, ohne damit gleich eine öffentliche Vorstellung zu geben.... .

 

Rund um den Nanyan Gong Tempel

 

           

 

kann man sich herrlich in noch wenig restaurierten Ruinen ehemaliger Tempel, Paläste oder auch Wachtürmen verlieren oder sich – wie zum Beispiel ich – in einer der Hallen der Tempelhöfe beim Kauf „echten Wudang Tees“ herrlich „besch.....“ lassen.

 

Die Klostergebäude selbst sind zum Teil aus den gut ein- bis zweihundert Meter senkrecht abfallenden Felswänden gehauen und scheinen nahezu über dem Abgrund zu schweben

 

 

und wer unbedingt Lust auf einen Selbstmordversuch hat, kenn versuchen Räucherware in einem Gefäß zu entzünden, dass auf dem Ende einer waagerecht aus dem Felsen hervorspringenden, als Drachenkopf gestalteten Felsnadel (dem sog. „Drachenkopffelsen“) positioniert ist, nahezu frei über der Tiefe des gut 200 Meter tiefer gelegenen Dschungels schwebend.

 

Nahe des Nanyan Gong befindet sich auch noch eine von Krüppelkiefergewächsen bewachsene Felsnadel, der sogenannte Feisheng-Felsen („feisheng yan“), von dem sich wiederum die Aussicht auf die umgebenden Gebirgszüge sowie einen in einem tief unter dem Felsen liegenden Tal, aufgestauten See genießen lässt.

 

7.

Gut einen weiteren halben Tag kann man im Tempel der Purpurnen Wolke („Zi Xiao Gong“) nebst dem angeschlossenen und bei entsprechendem Auftreten auch teilweise zugänglichen Klosterkomplex verbringen.

Dieser liegt gut 3 km die Strasse bergab der Crow Ridge in Richtung Laoying, in einer Senke an einem ansteigenden Hang, umgeben von Bambus- und Mischwalddickicht. Den Weg dorthin und zurück kann man ruhig zu Fuß bewältigen und Aussicht nebst Natur genießen.

 

Selbst wenn am Tempel der Purpurnen Wolke auch manchmal Touristengruppen einfallen, wirkt das sich nahezu perfekt in die Landschaft einfügende Ensemble aus von dunkelkarminroten Mauern mit grünfarbenen, geschwungenen Dächern dominierten Hallen, Tempeln, Wohngebäuden und Türmen nie überlaufen und wie ein Ort nahezu unendlicher Ruhe.

 

 

 

 

Es mag etwas schräg klingen, aber der vorgenannte Eindruck kann noch potenziert werden: Aber nicht durch die klassischen Szenarien wie Sonnenschein, Sonnenauf- oder Untergang, sondern wenn durch leichten, bis mittelstarken Regen, dadurch verursachter Dunst aus den umliegenden Wäldern und Wiesen aufsteigt und eine nahezu mystische Atmosphäre schafft. Zu einem solchen Zeitpunkt sollte man eigentlich nur unter dem Dach einer Tempelhalle sitzen und gedankenlos hinaus, durch die von den gebogenen Dachsparren triefenden Regenvorhänge schauen... (Ich hatte das Glück einer solchen Möglichkeit). Dieser Kulisse fehlt dann eigentlich nur noch ein Wushu-Kämpfer, der in klassischer Haartracht und Gewandung durch die Wipfel der umliegenden Bambushaine „fliegt“

 

bzw. es erschließt sich, wo die Wurzeln solcher Vorstellungen sowie derer cineastischer Umsetzung zu suchen sind... .

 

8.

Ebenfalls an der Straße von der Crow Ridge in Richtung Laoying, etwa auf halber oder dreiviertelster Strecke bis zur erwähnten Gabelung der Straße nach der Crow Ridge einer- und der Seilbahnstation andererseits liegen zwei weitere, sehenswerte Plätze (mit dem Minibus von der Crow Ridge für etwa 3 bzw. 4 Yuan erreichbar):

 

Zum einen ein kleineres, in recht abenteuerlichem Englisch bezeichnetes Tal, das wieder typisch chinesisch zum „Naherholungszentrum“ ausgebaut wurde:

Ein Damm staut einen mit noch einer weiteren Staustufe versehenen Bergbach zu einem kleineren See auf, dessen Uferpromenaden flaniergerecht gepflastert sich den Verlauf des Baches Richtung dessen Ursprunges folgend weiter hinauf in das waldüberwucherte Tal zeihen; diverse Bambusbüschel scheinen passend angepflanzt.

 

Der eigentliche Grund für all dieses wird auch bald sichtbar: Eine Bambusstroh-Lehmhütte mit einem blumenumkränzten Bild Maos darin erinnert daran, dass der „Große Steuermann“ hier einst mit einer seiner Armeen Zuflucht suchen musste... . Jedoch scheint das für die chinesischen Besucher weit weniger interessant zu sein, als eine nahe gelegene Felswand, an der, zum Teil in künstlichen Höhlen und Behausungen sowie auf spielplatzähnlichen, bunten Klettergerüsten herumturnend eine Rudel Meerkatzen haust, von den Besuchern nur durch den mittlerweile recht flachen Bach getrennt, über den zur Verzückung aller chinesischen Touristen manchmal ein Affe setzt, um einige der von Menschen ihm angebotenen Erdnüsse – eine „Aufsichtsperson des Areals“ teilt diese den Besuchern zu - zu ergattern.

Meist unbemerkt bleiben dabei die kleinen Bretterwege, über die man über den Bach zu den Affen in deren Revier gelangen kann:

Wer sich – eine Tollwutimpfung lässt dabei manche Sorgen vergessen – ruhig bewegt, keine Aufregung verursacht, insbesondere nicht den Ärger des Leitmännchens oder eines Nachwuchs mit sich herumtragenden Tieres auf sich zieht, eventuell Kekse oder Obst bei sich führt um es an den Mann bzw. Affen zu bringen, ist ein gern gesehener Gast bei diesen Tieren und kann sich in deren Revier sogar dort niederlassen – spätestens nach 5 Minuten ist man akzeptiert.

So lassen sich dann auch aus nächster Nähe die herrlichsten Situations- und Porträtaufnahmen der Primaten machen. Das ließ ich mir natürlich nicht nehmen.

Das Kurioseste folgte jedoch im Anschluß:

Wieder von der Felswand im Tal zurück, wurde ich sofort selbst zum Photoobjekt; wollte sich doch so mancher Chinese mit dem Laowai ablichten lassen, den er zusammen mit den Affen sehen und photographieren konnte: Frei nach dem Motto: „Das ist der, der mit dem Affen.. (tanzte)“. War ne´ komische Situation.... .

 

Zum anderen ist da der ebenfalls fast an der Straße gelegene und sich zwischen Bambuswäldchen und Osmathusbäumen nebst botanischen Lehrgärten den Berghang hinanschmeigende Fuszhen-Tempel (auch als „Tazi“ bezeichnet):

Bestach schon der Tempel der Purpurnen Wolke durch relative Verlassenheit, so ist hier noch weniger los und manchmal scheint es, die manchmal recht abenteuerlich geschwungenen, grünziegelbekrönten, pastelkarminroten Mauern der Gebäude würden zusammen mit der ihn umgebenden Fauna verwachsen sein. Meines Erachtens ist im Wudang Areal die Naturverbundenheit des Daoismus an keinem Tempel ersichtlicher als hier.

 

9.

Den absoluten Kontrast dazu gibt der sogenannte „Tempel der acht Unsterblichen“ („Ba Xiao Gong“) ab, den man erreichen kann, wenn man von der Crow Ridge per Minibus für etwa 5 Yuan bis zu der schon erwähnten  Straßengabelung fährt, dort aus bzw. in den nächsten Bus in Richtung Seilbahnstation umsteigt, um sich für weitere 3- 4 Yuan bis zu dem Punkt der Straße bringen lässt, an dem ein ca. fünf mal vier Meter großes Schild auf diesen Tempel hinweist – und man deshalb „die Attraktion schlechthin“ erwartet.

 

Sicher, man befindet sich dann im Gebiet der sogenannten „Eigth-Immortal-Tea-Plantages“ und soweit das Auge reicht, sind die umgebenden, steilen Hänge terrassenförmig mit Teesträuchern bepflanzt, so dass man, wenn man so etwas noch nie gesehen hat, einen recht guten Eindruck nicht nur von dem Ausgangsstoff dessen bekommen kann, was man später oft so sorglos nebenbei trinkt, sondern auch von den Vegetations- und daraus folgend Arbeitsbedingungen des Tees bzw. der Teebauern.

 

 

Insbesondere Letzteres kann entzaubernd wirken: Keine kühlen Bergregionen, in denen nebelverhangen der Tee gedeiht und – wie insbesondere auch manche Bio-, Umwelt-; Fairhandel- oder sonstige Zertifikate und Siegel oft genug suggerieren – der „glückliche Tee von glücklichen Bauern handverlesen besprochen, bepinselt und nahezu mit Entschuldigung abgepflückt sowie nachstehend büttengehämmert wird...“. Vielmehr steile, enge Hänge, auf denen es in ständig gebückter Haltung unter sengender Sonne oder mit regenkalten, gichtgefährdeten Fingern gilt, vorgegebene Pflückmengen zu erfüllen.... um sich nach getaner Mühsal in seine ärmliche Lehmhütte zurückzuziehen.

 

 

Daoismus, Buddhismus hin, Menschenliebe und Naturverbundenheit her – Ende im Illusions-Gelände.... !

 

Und mitten in diesen Plantagen dann „der“ „Tempel der Acht Unsterblichen“:

Sicher es gibt, um es vorsichtig auszudrücken - in seiner Nähe nicht gerade viele Gebäude.... Dennoch bin ich gleichsam 3 bis 4 Mal um den Tempel auf der Suche nach demselben herum- bzw. an ihm vorbeigerannt bzw. mutmaßte vorangegangene Hinweise der Einheimischen oder der Karte nach dem Weg als Irreführung.

So etwas hat man – wenn man es denn endlich gefunden hat - noch nicht gesehen: Der Tempelkomplex ist - ohne Übertreibung bzw. Überziehen ins Negative - nichts weiter als eine um einen gepflasterten Hof herum angeordnete, mit einer steinernen Zugangstreppe versehene Ansammlung von vier Bruchbuden (oder besser „Knusperhütten“).

 

Entgegen der sonst hier vermehrt anzutreffenden, steinernen Bauweise sind die vier um den Hof herumgruppierten Hallen sämtlich aus Holz, das mittlerweile nur noch eine blassgraublaue Farbe hat; Bemalungen fehlen vollkommen; ehemals kunstvolle Holzschnitzereien sind kaum noch zu erkennen. Auch im Inneren der Gebäude findet sich weder irgendwelches religiöses Interieur, noch Verzierungen o. ä.; teilweise ist gar der Fußboden herausgerissen. Auch die Verwendung der Räumlichkeiten hat nichts Tempelartiges mehr: Sie dienen als Abstellkammer/Schuppen für landwirtschaftliche Gerätschaften, Lagerort für Heu oder einfach müllplatzene Rumpelkammer.

Es ist somit zu vermuten, dass sich die Acht Unsterblichen an diesem, ihren Tempel sehr lange nicht mehr haben blicken lassen, sonst hätten sie wohl was für dessen Zustand getan bzw. es ist zu befürchten, dass sie bei ihrer nächsten Rückkehr die Bibel zitieren könnten mit „...für sie war kein Platz in der Herberge...“, weil dann der Komplex eventuell gänzlich zerfallen sein könnte (es sei denn, er wird selbst mit Unsterblichkeit gesegnet...).

Ergo: Man muss diesen Ort nicht unbedingt besuchen. Da jedoch eine Kampfkunstschule nicht weit ist, kann man bei deren Visite hier ruhig einmal mit vorbeischauen... .

 

10.

Jetzt etwas zum Thema Wudang - Kung – fu oder Kampfkunstschulen im hiesigen Wudang-Areal.

 

a.)

Ich habe zwei oder eventuell die zwei der ominösen Schulen besucht, von denen es bei der Beschreibung oder Diskussion in entsprechenden Foren immer heißt, sie lägen irgendwo in den Wudang Bergen, wären teuer, dort würde authentisches Wudang Kung Fu gelehrt, aber Genaueres wisse man nicht darüber... .

 

Bei der Gelegenheit sei die Frage erlaubt: Was meint in diesem Zusammenhang eigentlich „authentisch“ ? Ist authentisch nicht die Art und Weise, wie man selbst gerade ist / oder trainiert und somit nicht jeder seiner selbst authentisch.... ? )

 

Vorab (um Irritationen zu vermeiden):

In oder unmittelbar nahe Laoying gibt es bei den „Yuxu Gong“- Tempelresten eine Schule, wo angeblich auch authentisches Wudang Kung Fu gelehrt wird. Diese Schule erreicht man unter der Website www.wudanggongfu.com . Diese Schule selbst habe ich nicht besucht.

 

Auf die beiden Schulen, die ich besuchte, stieß ich vor Ort eher zufällig, ohne danach richtig gesucht zu haben; hatte jedoch zumindest ein „Aha-Erlebnis“, da ich ihre Webseiten schon einmal vorab besucht hatte.

 

Es handelt sich dabei um:

Die „Academie of Wudang Taoism Wushu“, erreichbar im Internet unter: www.wudang.cc oder www.wudang.org (nachfolgend unter „b.“)

 

sowie

 

die bzw. das „Eigth Immortal Resort“, erreichbar im Internet unter www.wudangchina.com (nachfolgend unter „c.“).

 

b.)

Zunächst zur „Academie of Wudang Taoism Wushu“:

 

aa.)

Die Schule befindet sich von der Crow Ridge aus ca. 3,5 km entfernt an der Straße nach Laoying, oder anders gesehen ca. 2 Straßenserpentinen oder etwa 300 m bergabwärts vom Tempel der Purpurnen Wolke. Vom Eingangstor zum Wudang Areal bei Laoying gesehen liegt sie ca. bei Kilometerstraßenmarkierungsstein 22. Neben ihr finden sich drei kleinere, pittoresk ausschauende, neue Hotels, ein kleines Restaurant sowie eine Polizeistation.

 

bb.)

Die Schule selbst ist ein mehrstöckiges, schmuckloses, dunkelkarminrot angestrichenes Gebäude, nahezu typisches Schulgebäude modernen Charakters, mit einer kleinen Terrasse und einer dieser vorgelagerten Hof sowie einem ummauerten und daher von außen nicht ohne weiteres einsehbaren, rasenbewachsenen (und mit einem Basketballkorb versehenen !) Trainingsplatz/Court. Man sollte sich von dem etwas maroden Aussehen des Komplexes nicht gleich abschrecken lassen – bei dem hiesigen Klima blättert Farbe eben mal schnell ab… .

Über dem Tor zum Hof findet sich ein gelbes Schild, das mit der entsprechenden Aufschrift auf die Schule hinweist.

 

 

Zu meiner Visite dort kam es, weil ich auf die Schule aufmerksam geworden war, als ich eines morgens kurz vor sechs Uhr die Straße hertunterjoggte und mir einige der Schüler auf dem Weg zum Training förmlich über den Weg liefen. Infolge dessen fand ich mich am nächsten Tag unangemeldet und etwas tollpatschig vorsichtig tuend vor dem Tor zu dem Komplex ein und wurde sofort eingeladen, doch hereinzukommen, Fragen zu stellen und auch beim Training zuzuschauen.

 

cc.)

Insofern sei angemerkt:

Aus den nachfolgenden Gesprächen dort hörte ich heraus, dass wohl kurz vor mir eine Reisegruppe o. ä. hier gewesen und ihnen eine Demonstration gegeben worden wäre. Ich bin mir daher nicht gewärtig, ob das, was ich dann selbst als Training sah, ein Reguläres solches oder nur eine Art „Auslaufenlassen“ einer vorherigen Präsentation war. Um eine Demonstration extra für mich habe ich nicht gebeten und hielt mich auch so im Hintergrund, dass man, so glaube ich, auch keine Extrashow für mich abzog.

 

Ich glaube jedoch, dass man hier auf eine etwas subtile Art einen guten Eindruck vom realen Training bekommen kann: Zum einen sollte man sich ruhig einmal „offiziell“ zum Besuch anmelden und darauf sehen, was einem geboten wird. Zum anderen liegt die Schule jedoch auch so günstig in einer halbrunden Talausbuchtung, dass man ohne Probleme und ohne gesehen zu werden auch aus dem Wald bzw. den Feldern der umliegenden, ansteigenden Berghänge sich mittels eines hier überall für wenige Yuan erhältlichen Feldstechers ein Bild vom alltäglichen Trainingsbetrieb wird machen können.... .

 

dd.)

Zu den weiteren Verhältnissen vor Ort:

 

Das, was ich von der Schule zuvor wusste, hatte ich zum einen auf deren Internetseite gelesen.

Zum anderen schöpfte aus den Erzählungen eines Ehepaares, dass ich, als eine der wenigen Vertreter der „nichtchinesischen Spezies“, auch an der Crow Ridge getroffen und welches ihren Sohn wegen entsprechenden Interesses eine Woche hierher zum Training geschickt hatte und nun auf deren Ablauf warteten: Deren Essenz war: „Training und Lehrer super; Essen zu wenig und nicht so gut; Unterkunft saumäßig und Preis für dieses alles mit 50 U$ pro Tag zu teuer... .

 

Nun aber gut, ich ging trotzdem vorurteilsfrei an die Sache heran und wurde nicht nur sehr freundlich empfangen, sondern mir wurde auch ausführlich Auskunft über alles was ich wissen wollte erteilt, alles gezeigt was ich sehen wollte (bzw. dadurch auch gezeigt, was ich wohl lieber nicht hätte sehen sollen/wollen):

 

Der Schulleiter bzw. Meister war oder ist der, der auf der Webseite der Schule stets in weiß gekleidet zu sehen ist. Er und seine beiden, dort auch – in blauschwarz gekleidet - zu sehenden Kollegen beaufsichtigten den Trainingsbetrieb bzw. er selbst – nach seinem Bekunden 29 Jahre alt – unterhielt sich mit mir bzw. holte zum Zwecke besserer Übersetzung seine Sekretärin herbei, die sich dann mit mir beschäftigte. Ich stellte mich dabei bewusst etwas blauäugig und unwissend.

 

So wurde mir dann mitgeteilt, dass man hier Wudang Kung-Fu mit und ohne Waffen; Tai-chi; Quigong und Xingqi und - auf entsprechendes Nachfragen von mir – auch Bagua lernen können und dass das pro Monat inklusive Verpflegung und Unterkunft allda 900 U$ koste, es sei denn, man bliebe länger. Aber auch Tagesunterricht für 50 U$ / Tag sei möglich. Man könne natürlich bei längeren Aufenthalten auch in einem der benachbarten Hotels übernachten (was natürlich den Preis nicht ermäßige und Integrationswirkungen verhindere...).

Nach Auskünften der Sekretärin trainierten hier derzeit ca. 100 Chinesen im Alter zwischen ca. 8 bis ca. 20 Jahren sowie einige Ausländer.

 

Hinsichtlich des letzteren wurde als Beispiel auf zwei Chinesen verwiesen, die auf der Terrasse vor der Schule in Bermudashorts, T-Shirt und mit Gürteltasche um den Bauch versuchten, nach Anleitung von einem der Lehrer Schritte zu üben und sich dabei, na sagen wir, ungelenk anstellten, aber sich dabei auch nicht zu ernst nahmen.... Von diesen hieß es, es wären 2 „Ausländer“ aus Hongkong, die hier 2 Tage lang Tai-Chi-Schrittarbeit üben würden. Dabei glaubte ich aber ein etwas müde-mitleidiges Lächeln im Blick des Schulleiters erkennen zu können... .

 

Auf dem Rest der Terrasse bzw. des Hofes trainierten derweil unterschiedliche Gruppen, insgesamt wohl zwischen 60 und 80 Leute – in einheitlichen Trainingshosen und T-Shirts, wogegen die Lehrkräfte in nahezu filmreifen Outfit auftraten: in wallenden, traditionellen Wudang-Kung-Fu- bzw. daoistsichen Mönchsgewändern; die langen Haare zum Teil offen, zum Teil zu Zöpfen gebunden, die Bärte rund um den Mund und spitz zulaufend geschnitten; die Augenbrauen anderen Enden geschwungen nach oben gezogen... :

 

Eine Gruppe von eventuell 40-50 Kindern musste zuerst im Wechsel Kurzsprints über etwa 20 Meter im Wechsel mit Liegestützen und Hockstrecksprüngen absolvieren, danach war für sie Pratzentraining angesagt im Zuge dessen sie Schwinger- oder Handrückenschläge auf Kopfhöhe sowie Halbkreiskicks auf Bauch- und Kopfhöhe übten. Insofern war kein Unterschied zu klassischem Kung-Fu, Karate- oder Kickboxtraining erkennbar. Dieses galt auch für die, die zwischenzeitlich Sit-ups in der gewohnten Art und Weise, als auch in negativer Richtung vollführten, wobei letzteres mit einer Amplitude und Geschwindigkeit bzw. Wucht erfolgte, dass man aus sportwissenschaftlicher, wie auch medizinischer Sicht hätte meinen können, Wudang sei sicher nicht der Platz für gesundheitserhaltende Bewegungsformen...

 

 

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Eine weitere Gruppe von vielleicht 20 Leuten, meist im jugendlichen Alter beschäftigte sich auf dem großen Hof vor der Schule recht frei und unbeaufsichtigt mit diversen waffenlosen und Waffenformen, mal mit, mal ohne Partner. Akrobatische Elemente gab es in einer halben Stunde nur zwei: eine Art halber Salto und einen Schmetterlingstritt.

 

 

 

 

 

 

Da ich keine Ahnung vom „authentischem“ oder sonstwie gearteten Wudang Kung-Fu habe, kann ich nur sagen, dass das so Beobachtete jedenfalls „gut aussah“.

 

Etwa 15 Leute im jüngeren Erwachsenenalter bildete eine dritte Gruppe, welche die ganze Zeit über von einer Lehrkraft einen Vortrag gehalten kam, in dem es mutmaßlich um Theorie des Kampfes, des Trainings, aber auch um Trainingsleistung ging. Letzteres wurde insbesondere dadurch ersichtlich, dass diejenigen, die nach Auffassung des Lehrers zuletzt schlecht trainiert hatten, vortreten mussten und zur Strafe für ihre unzureichende Trainingsleistung mit einem gespaltenen Bambusstock ein oder mehrere leichte Schläge auf den Hintern bzw. die Hinterseite der Oberschenkel bekamen.... Ich wurde in diesem Zusammenhang von dem besagten Lehrer ziemlich harsch aufgefordert, diesen Vorgang nicht zu photographieren - obgleich ich dahingehend auch gar keine Anstalten gemacht hatte. Natürlich mag nun jeder selbst beurteilen, ob schlechte Leistung, wenn überhaupt, nicht besser mit dem Aufbrummen zusätzlicher Aufgaben (Liegestütze etc.) geahndet werden sollet - auf dass man dadurch zumindest noch einen positiven Nebeneffekt in sportlicher Hinsicht erzielen könnte... .

 

Bagua oder Xingqi – Übungen sowie Freikämpfe habe ich Zeit meines Besuches keine gesehen.

Da mir glücklicherweise einer der hier, nach seinen, im Zuge der Unterhaltung wechselnden Angaben seit 6-8 Monaten trainierenden Ausländer über den Weg lief, konnte ich diesen, relative Kampfkunstunkenntnis vorschützend, noch etwas ausfragen:

 

So bohrte ich etwa nach der Möglichkeit, des Trainings von Bagua, woraufhin ich zu hören bekam, dass das hier wohl nur zwei Leute machen bzw. unterrichten würden und wohl nicht viele daran teilnehmen würden bzw. keiner davon eine Ahnung hätte.

 

Dann lenkte ich die Sprache auf wettkampfartig-freies, bzw. vollkommen freies Kämpfen und bezog mich dabei u. a. auf, mit meinen Worten, „so etwas wie es im Shaolin-Bereich etwa als Sanda gibt“.

Als Antwort erhielt ich nach längerem Herumreden um den Kern der Sache schließlich, dass man dass hier schon machen und trainieren könne, wenn man denn wolle. Das Problem werde aber sein, dass man hier sicher wohl nicht so schnell jemanden finden werde, der da mitmachen wolle und man das i. ü. auch gar nicht brauche, da bei genügend langer Zeit Übung im hiesigen Kung-Fu der Körper und Geist so fit und gesund sein würden, dass man dann automatisch würde kämpfen können bzw. gar nicht mehr zu kämpfen brauche.... .

 

Ich nahm das unkommentiert und dankend hin, jedoch konnte mich das aufgrund meiner bisherigen Erfahrungen nicht überzeugen:

Es ist sicher schwer in Ordnung, wenn man aufgrund seines Umganges mit sich und seiner Umwelt bzw. seinen Mitmenschen so gelassen und unangreifbar ist, dass man alleine schon durch sein bloßes Dasein deeskalierend wirkt. Nur liegt das Problem manchmal eben genau darin, dass die andere Seite eben partout keine Deeskalation „wünscht“ und es dann in der Regel mit Friede, Freude , Eierkuchen vorbei ist... Aber ich will keine Wertungen abgeben... .

 

Bezüglich der Trainingszeiten wurde mitgeteilt, dass für den obgenannten Preis jeweils 2,5 Stunden vor- und 2 Stunden nachmittags unter der persönlichen Anleitung des Meisters oder seiner Meisterschüler trainiert werde, die übrige Zeit müsse jeder selbst sehen, wie oder wie viel er noch für sich oder zusammen mit anderen Schülern trainieren wolle.

 

Schlussendlich wurden mir auf Nachfrage ohne weiteres Zögern auch noch die Unterbringungsmöglichkeiten gezeigt. Auf deren Photographieren verzichtete ich jedoch aus Höflichkeit bzw. unter „Deeskalationsgesichtspunkten“:

Untergebracht ist man in dem erwähnten Schulgebäude.

 

Dessen Inneres war in desaströserem Zustand, als sein Äußeres befürchten ließ: Dort herrschte Halbdunkel vor und nur wenige funktionsfähig erscheinende Lampen ließen die nächtlichen Beleuchtungsverhältnisse mutmaßen. Die Flure machten den Eindruck, als wäre eine Reinigung von Fußboden, Fenstern, Decken und Wänden schon einige Jahrzehnte her bzw. es hätte vor kurzem hier eine kriegerische Auseinandersetzung stattgefunden, die für den Zustand verantwortlich sei. Überall roch es muffig und feucht.

 

Die im Erdgeschoss befindlichen Zimmer der chinesischen Schüler waren mit Doppelstockbetten und einem Tisch nebst wenigen Stühlen versehene, wirkliche Sauställe (sicher es kommt auch auf die Bewohner an, aber ...).

 

Die Quartiere der Ausländer befanden sich einige Etagen höher; eines davon konnte ich sehen: Hier gab es abgelaufen schmuddelige Teppiche auf dem Fußboden; ein Doppel- bzw. Einzelbett mit zweifelhaft sauberer Bettwäsche; einen Tisch nebst 2 Stühlen; ein Bad mit westlicher Toilette, dessen Besichtigung ich aufgrund des aus dessen Halbdunkel strömenden Geruchs lieber unterließ; einen Fernseher auf einer Anrichte; keine (!) Heizung für den Winter sowie einen ca. 2 Meter im Durchmesser ausmachenden Schimmelfleck an der Decke.... .

 

Ich war angesichts dessen an ähnliche Unterkünfte erinnert, die ich im indischen Bombay bzw. in Nordwestusbekistan mangels anderer Möglichkeit für erheblich weniger Geld hatte beziehen und in denen ich es auch für einige Tage zwangsweise hatte aushalten müssen, in denen ich es jedoch es über mehrere Monate ertragen hätte.

Die Sekretärin, die mir das zeigte, wusste wohl, welcher Platz diese Behausung auf einer Werteskala zuteil werden würde, und dieses war ihr sichtlich peinlich bzw. löste einige ansatzweise Erklärungsversuche aus.

Ich versuchte ihr Gewissen mit den Worten zu beruhigen, dass das alles o. k. und ausreichend sei, zumal man hier ja vorwiegend zum Trainieren und nicht zum Herumsitzen im Zimmer sei. Letzteres trifft in gewisser Wiese ja auch zu, aber ich persönlich hasse generell bzw. auf längere Sicht ein dreckiges Bett und Bad und würde auch nicht über längere Zeit in einem kraft Schimmel potentiell TBC-gefährdeten Umfeld leben wollen oder meine ohnehin schon teuer bezahlte Unterkunft unter erneuter Geldausgabe erst einmal entseuchen bzw. neueinrichten müssen.... .

 

So verließ ich dann nach gut 1 ½ Stunden mit etwas zwiespältigen Gefühlen diesen Ort und letztere haben sich bei mir auch bis jetzt noch nicht verflüchtigt.

Nebenbei bemerkt: Ich habe an diesem Ort auch keinen der immer so gerühmten „alten Meister getroffen“.

 

c.)

Nunmehr zur Schule/zum „Eigth Immortal Resort“.

 

Diese Schule befindet sich nur einen Steinwurf in westlicher Richtung vom oben erwähnten „Tempel der Acht Unsterblichen“ entfernt, inmitten der Hänge der „Eigth Immortal Tea Plantages“ (zum Anfahrtsweg siehe daher auch oben).

 

Das Gebäude der Schule selbst ist ein wiederum schmuckloser, mehretagiger, weißgetünchter Kasten mit einem betonierten Vorplatz, auf dem sich eine Art Reck- bzw. Ringgerüst befindet.

 

Da ich ob meiner wiederum unangemeldeten Ankunft gegen 10 Uhr zunächst recht unbemerkt blieb, konnte ich das Gebäude und dessen Etagen ungestört betreten und auch in einige Zimmer sehen: Zwar  war alles einfach, schlicht und wahrscheinlich tat auch die hiesige, ob der Lage trockenere klimatische Situation etwas dazu bei. Aber im Vergleich zu der bereits besichtigten Schule bot sich ein Unterschied wie Tag und Nacht: Saubere Zimmer als Unterkünfte für sämtliche Schüler (ganz gleich ob zwei oder mehrere Betten), Internetanschlüsse in jedem dieser Räume; „pikfeine“ geflieste, mit Duschen und entsprechenden Toiletten versehene Waschräume; eine Küche, die den Eindruck von „zuhause“ machte und in der man bei Bedarf auch selbst kochen konnte; ein Raum zum geselligen Beisammensein nebst Billardtisch; einfache, aber saubere Unterrichtsräume für die hier angebotenen nicht-sportlich-/kampfkunstorientierten Disziplinen; ein übersichtlicher Empfangsbereich mit einer wenn auch kleinen Bibliothek; kein Schimmel oder Muffigkeit.

 

Auch hier wurde ich freundlich von der zuständigen Sekretärin des Etablissements empfangen und das war´s dann leider auch – nicht mit der Freundlichkeit, aber mit der Präsentation dessen, was die Schule herzugeben vorgibt.

 

Denn der eigentliche Leiter und Director und Gründer der Anlage - auf der Internetseite der Schule als Victor bezeichnet - war gerade auswärts unterwegs. Seine Sekretärin reichte mir aber ein Mobiltelephon, so dass ich mit ihm zwar etwas plaudern und auch e-mail-adressen austauschen konnte, jedoch befriedigte das in meinem Informationsbedarf nicht wirklich.

Die Sekretärin legte mir dann einige Prospekte vor, die sich jedoch mehr auf das Lehrprogramm in einer Schule in Laoying bezogen, ich vermute, es handelt sich dabei um die Schule an / um die Reste des Yuxu-Gong in Laoying. Wie sich in nachfolgenden Gesprächen herausstellte, unterrichtet wohl ein Großteil der hier tätigen Lehrkräfte sowohl hier als auch dort, je nach Aufkommen....

 

Auf dem aktuellsten Stand war jedoch die Preisliste, welche einen Betrag von 40 U$ pro Tag für Training, Unterkunft und Verpflegung bei der Möglichkeit auswies, sich in Wudang Kung-Fu, Taichi, Xingqi, Bagua; Akupunktur; Daoismus; chinesischer Medizin; Massage und Chinesisch unterweisen zu lassen.

 

Glücklicherweise kam auch noch einer der ausländischen Schüler der Schule des Weges, so dass ich von ihm noch etwas mehr erfahren konnte:

Er berichtete mir, dass derzeit in der Schule vier Nichtchinesen trainieren würden, drei weitere vor kurzem abgereist wären. Hinzu kamen noch 4 oder 5 Chinesen im Kindesalter; einige davon hatte ich beim Chinesischunterricht in der Schule sehen können. Summa summarum also ca. 10-12 Leute. Bei einer Kapazität von gut dem Zehnfachen und dem Vergleich zur Masse der Schüler in der anderen Schule war das etwas ernüchternd.

 

Dieses meinte auch mein Gesprächspartner bzw. merkte an, dass er nicht verstünde, warum dem so sei. Er selbst meinte auch den Eindruck zu haben, die Masse der eigentlichen Meister trainiere in der erwähnten Schule in Laoying oder eventuell anderswo; einen „alten Meister“ würde man hier wohl nicht mehr finden, die seien mutmaßlich in den Großstädten, wo sich mehr Geld verdienen ließe als hier, wohin sich nur romantisierende Touris verirren würden... .

 

Unabhängig davon meinte mein Gesprächspartner – der er sich selbst als blutigen Anfänger bezeichnete – dass das Training hier, geleitet von zwei, meinem Eindruck nach etwa zwischen 18-22 Jahre alten Chinesen, ziemlich gut sei und es vor allem keine Trainingszeitbeschränkung gebe: Die Lehrkräfte seien dauernd präsent und zu unterrichten, verbessern etc. jederzeit bereit... . Ich verzichtete jedoch darauf, einen von ihnen um eine Präsentation zu bitten, da ich zum einen so etwas sowieso nicht mag und zum anderen man mir als insofern im Wudang Kung-fu Unkundigen auch sonst was zeigen und dieses als was weiß ich hätte betiteln können – ohne dass ich es auch nur im entferntesten bemerkt hätte.

 

Also auch hier Fehlanzeige bezüglich der „Alten Meister“.

 

Aber gut, vielleicht hatte ich ja einfach nur den falschen Zeitpunkt erwischt.

 

Meine Besuche in den beiden Schulen bereute ich trotzdem nicht.

 

Dahingehend muß der auch schon andernorts zu lesende Rat daher nur wiederholt werden:

Man sollte mit klaren Vorstellungen von dem was man will auf die Suche nach verschiedenen Schulen/Unterrichtsmöglichkeiten gehen und, wenn man genügend Zeit hat, auch erst mal hier oder da „Probeschnuppern/-trainieren“, bevor man sich, nach längerem Handeln hinsichtlich der Trainingsgebühren, auf einen längeren Trainingsaufenthalt einlässt. Sonst könnte es unter Umständen ein unangenehmes Erwachen geben.

 

8. Tag: Wudang Shan -Xiangfan

 

So, wie ich nach Wudang gekommen war, verlasse ich es auch wieder:

Per Minibus bis Laoying und von dann mit einem größeren Bus weiter nach Xiangfan.

 

Dort beziehe ich für ein weitere Nacht wiederum im Landun Binguan Hotel Quartier, tausche in der Main Branch der Bank of China erfolgreich einige Reisecheques und habe wiederum ein erstes Erfolgserlebnis:

Auf dem durchgängig nur in Chinesisch Informationen ausweisenden Bahnhof erwerbe ich mit meinen Chinesischkenntnissen allein meine erste Zugfahrkarte, hier Richtung Yichang. Gut, es umringen mich seit meiner Frage an der Bahnhofsinfo, wo denn der richtige Schalter für die Fahrkarten in die gewünschte Richtung sei, diverse Leute, die eilfertig der Person hinter dem Schalter noch mal „übersetzen“, wenn diese mein „Amateurchinesisch“ nicht verstanden hat, die Umstehenden aber glauben gehört zu haben, was ich wollte. Jedoch bin ich trotzdem „stolz“ darauf erreicht zu haben, was viele anderen als unmöglich oder wahren Horror bezeichneten.... .

 

Am nächsten Tag soll es dann losgehen; leider erst mit dem Nachmittagszug und in der 4. Klasse Hardseater ohne Platzkarten (Preis 31 Yuan) – was anderes war nicht mehr zu haben... .

 

So schlage ich den Rest des Tages mit Bummeln in dieser doch recht uninteressanten und – es naht der Sommer – dazu noch recht heißen Stadt tot, in der ich allenfalls die diversen Garküchen mit deren Angebot an amphibischen Speisen interessant finde.

 

9. Tag: Xiangfan - Yichang

 

Ich kann mir Zeit lassen, denn der Zug fährt erst 13.00 Uhr ab (bzw. hat noch 30 Minuten Verspätung).

Nach dem schon erwähnten Überlebenstraining in Gestalt des Gedränges, Geschiebes, Schupsen und Rennens vom Wartesaal zum Bahnsteig bzw. in den Zug finde ich in dem nur mäßig vollen und für diese (4.) Klasse erstaunlicherweise mit funktionierenden Ventilatoren ausgestatteten Train einen Platz. Mit diesem bin ich ganz zufrieden, zumal festzustellen, dass zwar die Verhaltensweise der Passagiere dieser Klasse die Übliche ist – Müllrunterschmeißen, Spucken auf den Fußboden, Rauchen etc. – aber der Zug wohl vor nicht allzu langer Zeit noch eine bessere Klasse abgegeben haben muss, so dass der Hardseater eigentlich ganz bequem ist und so die sechs Stunden Fahrzeit bis Yichang nicht allzu anstrengend sind, zumal ich - komischerweise - auch weitestgehend von meinen Mitreisenden in Ruhe gelassen werde....

 

Trotz verspäteter Abfahrt kommt der Zug doch noch planmäßig in Yichang an, wo ich im ca. 50m vom Bahnhof gen Osten gelegenen Bahnhofs-Hotel für 168,- Yuan ein nicht unbedingt luxuriöses - die Fenster sind zu den Bahngleisen hinaus und so habe ich tags wie nachts eine entsprechende Geräuschkulisse –, aber doch leidlich sauberes Doppelzimmer für zwei Nächte beziehen kann.

 

Auf der Fahrt mit dem Taxi zum fast am Ufer des an der Stadt vorbeifließenden Yangze liegenden Yichang International Hotel versucht mir der perfekt Englisch sprechende Fahrer einen Ausflug zum 3-Schluchten-Staudamm für 155 Yuan bzw. eine Flussfahrt auf dem Yangze schmackhaft zu machen:

Wirklich, er weist nur darauf hin, dass hier in zahlreichen Reisebüros so etwas angeboten wird bzw. deutet auf dahingehend in seinem Wagen liegende Prospekte und gibt auch bereitwillig Auskunft, wie man allein von hier zu den umliegenden Highlights kommen kann, was es kostet, wie viel Zeit man braucht...

Kein Gedrängle, doch irgendwas zu unterzeichnen bzw. doch diese oder jene Reise hier gleich mal zu buchen oder zu einer bestimmten Reiseagentur gefahren zu werden; auch kein Grummeln, als ich dankend ablehne – ich bin sehr positiv überrascht, nachdem ich aufgrund einschlägiger Erfahrungen andernorts meistens eher das Gegenteil erwarte.

Aber vielleicht ist das eben auch wieder das, was ich schon in Wudang feststellen konnte – man versucht vornehmlich mit den Einheimischen sein Geschäft zu machen; die Laowai sind nicht Hauptzielgruppe, zumindest nicht in der Provinz.... .

 

Das besagte Yichang Intercontinental Hotel suche ich nur aus Faulheitsgründen auf: Für 5 Yuan Bearbeitungsgebühr kann man sich in einer hiesigen Office der Railway-Organisation ohne Anstehen eine Fahrkarte kaufen – ich bekomme für 64,- Yuan eine für den übernächsten Tag nach Zhangjiajie, diesmal in der Hardsleeper-Klasse: Das war für eine Fahrt am Tage zwar etwas geistreich, aber es gab nur einen Zug täglich und erschien daher besser, so mitzukommen als gar nicht - zumal die Aussicht, sich zwischendurch mal hinlegen zu können, auch nicht schlecht war... .

 

Darauf schlendere ich noch die recht passabel ausgebaute und begrünte Uferpromenade entlang, wo sich am nahenden Abend diverse Leute zu Grüppchen zusammenfinden, in oft schauriger Qualität ! Peking-Opern singen oder zu singen versuchen; Karten; Boule bzw. Instrumente spielen oder einfach nur miteinander schwatzen sowie den auf dem Fluß vorbeiziehenden Frachtgut- oder Fährschiffen zuzusehen.

 

 

 

 

So fand sich dann in der Nähe einer nicht zu verfehlenden, Dagong – Brücke

 

 

auch die Hauptanlegestelle für die Fährschiffe, auf denen man seine Reise auf dem Yangze stromab gen Wuhan, oder stromauf nach Chongqing fortsetzen kann.

Fahrkarten können direkt am Pier oder in einer der umliegenden bzw. sich in der ganzen Stadt findenden Reiseagenturen gebucht werden – wobei man natürlich als Ausländer besonders „gefährdet“ ist, dabei über den Tisch gezogen zu werden. Aber dazu später mehr... .

 

Im übrigen ist Yichang eine Stadt, die noch etwas von einem vorrepublikanisch-kolonialen Charme lebt, welcher sich etwa in recht niedrigen, europäisch – iberisch wirkenden Gebäuden, einer übersichtlichen Anzahl von Wolkenkratzern und zahlreichen kleineren oder größeren Grünanlagen/Parks zeigt

.

 

Leider sind insbesondere erstere am Verfallen, Verfallenlassen oder Abgerissenwerden; verkommen zu Elendsquartieren, unmittelbar neben unter unglaublicher Umweltverschmutzung nahezu aus dem Boden gestampften Glas-und-Stahlgebäuden oder die Innenstadt scheinbar ungeplant durchschneidenden Hochstraßen.

 

   

 

 

 

Es scheint nur noch eine Frage der Zeit, bis auch diese Stadt den Eindruck typisch chinesischer Städtebauplanlosigkeit abgeben wird.

So liegt denn auch die in neugotischem Stil gehaltene, alte Kolonialkirche in einer Seitenstrasse der Yun Ji Lu - Strasse - in welcher man typische Madonnen nebst in englischer Sprache klassisch katholische Messe zelebrierende Priester, umkränzt von knallbunter Malerei sowie wechselfarbig-kitschig blinkenden, kreisförmigen Illuminationen von Heiligenscheinen und des Kreuzen vorfinden kann - in einem nach und nach in sich zusammenfallenden Viertel, umgeben von Müllhaufen und Garküchen sowie einigen Restaurants, die buntschillernd „Original Western Food“ anbieten

 

  

 

Dieser Ort hat aber auch den Vorteil, dass man gleich um die Ecke, in der Yun Ji Lu – Strasse, nahe der erwähnten Kolonialkirche neben einigen Fast-Food-Läden auch einige Restaurants finden kann, die, ungeachtet des angepriesenen „Western Tea & Coffee“ mehrheitlich von etwas besser betuchten Chinesen besucht, die Möglichkeit bieten, mangels „klassischer Teehäuser“ auch einmal in Ruhe einfach nur genüsslich Tee trinken zu können – auch wenn die Preise mit 28-60 Yuan (je nach Sorte) pro Kanne recht gesalzen sind (Der Preis für eine „bis zum Abwinken“ immer wieder aufgefüllte Kanne liegt in der Regel in einfachen Restaurants bei 10 – 20 Yuan; wenn man nur Tee trinken will, zum Essen ist der Tee in der Regel umsonst.).

 

10. Tag: Yichang

 

Am frühen Morgen jogge ich von meinem Hotel hinunter zur Uferpromenade und an dieser entlang flussaufwärts bis zum ersten Staudamm östlich des „Drei-Schluchten-Staudamms“, dem Ghezou-Damm sowie zurück und werde dabei zeitweilig von jüngeren oder auch älteren Herrschaften begleitet, die nicht, wie unzählige andere Leute – die Grünflächen an der Uferpromenade wimmeln nur so von ihnen – sich auf morgendliches Taichi oder Quigong-Übungen sondern aufs Jogging verlegt haben.

Zum nachfolgenden Frühstück gibt es an einer Garküche vor meinem Hotel für 2 Yuan einige Yaozi (mit Gemüse- oder Fleischbrei gefüllte, gedämpfte Teigtaschen) und ob der zu erwartenden Hitze mache ich mich dann schon gegen acht zum Drei-Schluchten-Staudamm (chinesich San-Xia-Ba-Da“) auf.

 

Im Gegensatz zu den bereits erwähnten, geführten Touren für 155 Yuan kostet mich der Spaß insgesamt 25 Yuan an Busfahrgeld zum Damm und zurück. Die richtige Busverbindung (1 Mal Umsteigen notwendig) findet eigentlich jeder bzw. das jeweilige Hotel sollte sie aufschreiben können. Nach gut 1 Stunde ist man von der Stadt aus am Damm bzw. auf dem von diesem gut 300m entfernten Busparkplatz angelangt.

 

Dort wird man sofort von diversen Mopedfahrern recht aufdringlich angegangen, um mit diesen zum Damm bzw. irgendwohin in die Nähe des Dammes fahren zu können – ein recht schwachsinniges Vorhaben angesichts der Tatsache, dass die Staumauer nahezu lächerliche 10 Minuten Fußweg entfernt ist.

An letzterer wurde, trotz offizieller Meldung über deren Fertigstellung, noch fleißig gewerkelt, insbesondere die Sektion der Turbinenkraftwerke sowie die Verkleidung des Bauwerkes waren noch nicht abgeschlossen. Es bestand für mich sowohl die Möglichkeit, mich auf der offiziellen Baustellenzufahrtsstraße der Staumauer bis auf ca. 100 Meter auf deren stauseeabgewandter Seite zu nähern, als auch, auf der Stauseeseite etwas unterhalb der Mauerkrone die Mauer entlangzugehen - die Sicherheitsposten schlafen hier bzw. ihre Postierung ist derart ungünstig, dass man sie in entsprechenden toten Winkeln mühelos umlaufen oder unterwandern kann. Meinen Ausflug auf die Mauer beendete ich daher nur aufgrund einiger eindeutiger Hinweise von dort tätigen Bauleuten... .

 

 

 

Soweit ich erfahren konnte, erhalten die Leute, welche die erwähnte Tour zum Damm für 155 Yuan gebucht haben das „Privileg“, neben der Besichtigung eines, hinsichtlich dessen Sehenswürdigkeit recht zweifelhaften, multimedialen Staudamm-Jubel-Museums, die Mauerkrone auf einigen Metern betreten zu können. Ob dieses die 155 Yuan rechtfertigt, mag jeder selbst entscheiden.

 

Bezüglich des Dammes und dessen „Umwelt-/Kultur- (Un-) -verträglichkeit“ oder (Un-) Nutzen brauch ich sicher nichts weiter auszuführen, das haben anderorts schon andere in ausreichender Art und Weise getan.

 

Ungeachtet dessen muss man – so denke ich – aber dennoch eingestehen, dass dieses ca. 2 km lange und bis zu 185m hohe „Betonungetüm“ unbestritten als ingenieurtechnische Meisterleistung gelten kann (es sei denn, die Zukunft belehrt uns eines besseren).

 

   

 

 

 

Rund um den Damm lassen sich dann aber „umweltschützerische sowie statische Meisterleistungen“ besichtigen: Abgebaggertes Erdreich, Halden oder Uferböschungen bepflanzt, rekultiviert bzw. befestigt man nicht etwa sachgerecht. Vielmehr kippt man einfach so viel Beton auf den unebenen Untergrund, bis man meint, dass es reicht: und erhält „herrliche, betonene Wellenflächen“, eine buchstäblich zubetonierte Landschaft... .

 

 

 

Den Rest des Tages verbringe ich - der ich nunmehr 5 (!) weitere Nichtchinesen getroffen habe, die mir begeistert von ihrer Fährenfahrt auf dem Yangze erzählt und mich so doch auf den Geschmack gebracht hatten – mit der Recherche nach preiswerten Fährtfahrtangeboten von Yichang nach Chongqing (diese Strecke flussaufwärts ist weniger stark frequentiert als die Gegenrichtung und daher auch etwas preisgünstiger....).

Dahingehend lässt sich herausfinden, dass es die Möglichkeit gibt in der 1. Klasse (=2-Bett-Kajüte mit Klimaanlage, Fernseher, eigener Dusch- u. WC-Zelle)

 

 

 

; 2. Klasse (= 4-Bett-Kajüte ohne Klimaanlage, teilweise Fernseher, eigener Dusch- u. WC-Zelle) oder gleich ausgestatteter 6-Bett-Kajüte (=3.Klasse)

 

 

zu reisen.

 

Da ich trotz knappen Budgets bis dato recht sparsam gelebt hatte und mir ausrechnete, dass mich eine Fahrt mit dem Schiff pro Tag bei Umrechnung auf den mir zur Verfügung stehenden Tagessatz selbst noch preiswerter kommen würde, als wenn ich per Bus/Zug reiste und Hotelübernachtungen zahlen müsste sowie etwas eigenbrötlerisch auf meine Ruhe, wenigstens in Zeiten des Aufenthaltes in meinem Quartier sinne, entscheide ich mich etwas dekadent zu sein, und mich nur nach den Preisen für die erste Klasse zu erkundigen.

Diese liegen zwischen 550 und 750 Yuan für die Strecke Yichang-Chongqing, mit 3 ½ Tagen Fahrt und 3 Übernachtungen auf dem Schiff.

Verpflegung ist dabei nicht inklusive und wenn man wünscht, kann man sogenannte Ausflugspakete (vom Schiff aus mit entsprechendem, dort vorhandenen, meist nicht englisch sprechenden Reiseleiter) dazubuchen, die je nach Umfang noch einmal mit 200-250 Yuan zu Buche schlagen.

Das - jedenfalls für mich als Laowai - günstigste Angebot finde ich mit 880 Yuan bei einer, einem Hotel nahe des centralen Postamtes, angeschlossenen Reiseagentur und beschließe, dieses bei Rückkehr aus Zhangjiajie zu nutzen.

 

11. Tag: Yichang - Zhangjiajie shi

 

Eigentlich sollte der Zug kurz nach elf Uhr morgens losfahren, ca. 1 ½ Stunden später trifft die Schnecke jedoch erst ein... .

 

Mir wurde die Zeit aber dennoch nicht lang, hatte ich doch am Morgen im Zuge des Kaufes von Reiseproviant etwas – will heißen ob der längeren Abstinenz davon „etwas reichlich“ – Joghurt gekauft und auch gleich heißhungrig konsumiert, was im Zusammenspiel mit den Chilischoten des vorherigen Jaozi-Frühstücks keine so ideale Kombination gewesen sein musste, so dass ich mit einigen wenn auch kurzen, aber doch heftigen Magenkrämpfen nicht unerhebliche Zeit „dünnsch....ssend“ auf der Bahnhofstoilette verbringen und im Zuge dessen auch gleich die „Privatsphäre“ chinesischer, nur durch 1 Meter hohe Wände voneinander abgetrennten und nach vorn auch noch offenen Hock-Toiletten kennenlernen konnte.

Ein wahrhaft erhebendes Erlebnis ! Aber wenigstens war es leidlich sauber... (Die Einheimischen stören diese Zustände übrigens nicht im Geringsten – eine Zigarette auf dem dergestaltigen „Tö“ sind ebenso gewöhnlich wie hockenderweise durchgeführtes, lautstarkes Mobiltelephonieren... .).

 

Die sich dann anschließende Fahrt durchs Flachland

 

           

 

 zieht sich unter sengender Sonne ewig in die Länge:

Trotz Hardsleeper und somit Schlafgelegenheit finde ich keine Ruhe; die Ventilatoren der Wagen kämpfen verzweifelt gegen die selbst bei geöffneten Fenstern unerträglich demsige Hitzen und wenn der Zug auf Bahnsteigen oder etwa auf der Strecke wieder einmal länger hält, ringt jedermann um Luft und sehnt ein Weiterfahren herbei.

 

 

Mich tröstet etwas, dass den Einheimischen die Hitze ebenso zu schaffen zu machen scheint, ich also nicht ein vollkommenes Weichei bin oder der ganze Zug eine kollektive Ansammlung von Weicheiern zu sein scheint („Geteiltes Leid ist halbes Leid....“).

 

 

Kurioserweise erreicht der Train trotz 1 ½ Stunden Abfahrtsverspätung pünktlich den Bahnhof von Zhangjiajie. Ich frage mich daher, ob die Fahrpläne etwaige Verspätungen schon einkalkulieren - und philosophiere weiter, ob so eine Verfahrensweise nicht auch den in Deutschland üblichen Ärger mit Zugverspätungen aus der Welt schaffen könnte... .

 

In Zhangjiajie mache ich aber zum ersten Mal einen der Fehler, die sonst für oberflächliche Ausländer typisch sind - und mir dieses somit auch etwas peinlich ist:

In den entsprechenden Reiseführern stand es schon etwas versteckt, aber ich überlas es: Der Bahnhof von Zhangjiajie liegt ca. 9 km vom Zentrum der Stadt Zhangjiajie, die auch Zhangjiajie shi genannt wird entfernt. Dort gibt es neben einem sehenswerten, großen Tempel, diverse Hotels aller Preislagen und Banken zum Geldwechsel.

 

Der Ort allerdings, von dem aus man die eigentlichen Exkursionen in den Nationalpark Zhangjiajie unternehmen kann und auch in der Regel unternimmt, ist Zhangjiajie Dorf, auch Zhangjiajie cun genannt. Dieser liegt wiederum ca. 35 km vom Stadtcentrum von Zhangjiajie shi entfernt, also vom Bahnhof Zhangjiajie ca. 43 km.

 

In die Stadt gelangt man vom Bahnhof per Bus für ca. 1 Yuan oder per Taxi nach Taxameterpreis (ca. 20-25 Yuan). Vom Bahnhof bis in das Dorf kostet es per Taxi zwischen 130-150 Yuan, per Bus zwischen 12-15 Yuan.

Aufgemerkt sei jedoch bei Hotelanbietern, die über Schlepper am Bahnhof Unterkünfte im Dorf Zhangjiajie anbieten und mit einem Abholservice werben – Auch bei diesen hat man spätestens bei Ankunft am Hotel in der Regel den Taxipreis zu begleichen.

 

Wer jedoch erst gegen Abend mit dem Zug am Bahnhof anlangt, tut in der Regel besser daran, nicht sofort Hals über Kopf, z. T. mit hohen Kosten nach Zhangjiajie cun zu fahren, um dort - getrieben vom hereinbrechenden Abend und Dunkelheit hektisch nach einem noch freien Hotelplatz zu suchen. Besser ist es, zunächst eine Nacht in einem preiswerten Hotel in der Stadt zu verbringen und am nächsten Morgen in der Frühe mit dem Bus preiswert zum Dorf zu fahren und sich dort in Ruhe noch eine Herberge zu suchen.

 

Vor dem Bahnhof lungern auch diverse Bus- und Taxifahrer bzw. Hotelschlepper herum, die den Ankömmling schmeißfliegenartig mit Transport- oder Unterkunftsmöglichkeiten überschütten, welche man bei entsprechendem Verhandlungsgeschick auch entsprechend nutzen könnte.

 

Ich selbst habe aber aufgrund ungründlicher Reiseführerrecherche die irrige Vorstellung, dass das Dorf nur 9 km vom Bahnhof entfernt sei und will mich mit einem Taxi zu einem dortigen Hotel fahren lassen.

Es bedarf ziemlicher Geduld des Taxifahrers mit mir als unverständlicherweise nervösen und fast dem Fahrer die Schuld geben wollenden Ausländer, bis er mir verklickert hat, dass es bis dahin jedoch 35km ist und daher mit dem Taxi etwas teuer wird.

Nachdem ich mich dann bei zwei Hotels – 5 Sterne-Klasse und somit nicht bezahlbar – hatte probeweise absetzen lassen, drückte ich dem Fahrer 30 Yuan in die Hand (summa summarum ca. 5 Yuan zuviel) , nahm mein nicht unerhebliches Gepäck und stampfte, es dunkelte bereits, trotzig deprimiert einfach gen Innenstadt, ohne zu wissen, wohin, warum weshalb....

 

Lustlos fragte ich noch mal an einer nahegelegenen Bushaltestelle den Fahrer eines dort abgestellten Busses, ob er nach Zhangjiajie cun führe bzw. ob es heute noch einen Bus gäbe. Nachdem er dieses nur für den nächsten Tag bejahte, stieg ich in den Bus ein, weil ich mit diesem zum Bahnhof fahren wollte, wo es laut Reiseführer zumindest einfache Hostels zur preiswerten Übernachtung geben sollte.

Eigentlich war mir alles egal, ich hätte wahrscheinlich sogar unter der nächsten Brücke geschlafen... .

 

Der Bus rumpelte darauf eine Hauptstraße eines Randbezirkes von Zhangjiajie hinauf, bog dann in eine wenig beleuchtete Gasse hinein, vorbei an Schrott- und Müllhaufen. „Das passt ja alles“ – dachte ich mir dabei, leer den Blick aus dem Fenster des Gefährtes in die Dunkelheit gerichtet. Bis ich auf einmal an einem der zahlreichen Laternenpfähle ein erleuchtetes Schild mit der Aufschrift und Symbol „International Youth Hostelling“ erblickte. Wie von einem Affen gebissen sprang ich auf und fragte den Busfahrer, ob das hier irgendwo sei und ob er ggf. anhalten könne: Er bejahte beides, wies auf einen mit Leuchtgirlanden etwas kitschig eingefassten Hauseingang und ich stürzte mit meinem Gepäck beladen aus dem Bus heraus auf diesen zu. Es war tatsächlich ein Youth Hostel und obgleich der Betreiber nur genauso viel/-wenig Englisch, wie ich Chinesisch sprach, kam eine freudige Verständigung zustande und ich konnte zwischen einem Bett in einem Schlafsaal bzw. in einem Einzel- oder Doppelzimmer wählen. Die absolute Krönung war dann nicht etwa, dass der Preis für das sich als spiegelblank und komfortabel herausstellende Zimmer mit 75 Yuan auch der Niedrigste bisher bezahlte war, sondern dass auch noch ein Nachlass von 10 Yuan gewährt wurde, als ich meinen Mitgliedsausweis des Deutschen Jugendherbergswerkes vorwies (den ich bis dato wohl einen Zeitraum von 10 Jahren immer vergeblich auf meinen Reisen „mitgeschleppt“ und dieses Mal beinahe zu Hause gelassen hatte). Diese Mitgliedskarte wurde zunächst – in offensichtlichem Unverständnis des darauf Gedruckten - „3 Mal gewendet, gedreht und auf den Kopf gestellt“, dann aber anhand des International-JH-Symboles als zur Discountgewährung ausreichend anerkannt (ohne diesen Ausweis wäre ich aber auch untergekommen).... .

 

Eigentlich war die ganze Sache in gewisser Weise grotesk – nirgendwo hatte mir diese Karte in den letzten Jahren irgendetwas gebracht, aber hier, am Ende aller Hoffnungen und in der „hinterchinesischen Pampa“.... .

 

12. Tag – 14. Tag: Zhangjiajie shi – Zhangjiajie cun

 

Am nächsten Morgen bräuchte ich nach den Auskünften des Hostelleiters nur vor dem Hotel warten, bis dort der Bus nach Zhangjiajie cun vorbeikommen würde; den Schriftzug/das Richtungsschild des Busses hat er mir als Hilfe auf einen Zettel aufgeschrieben. Kurz vor sieben Uhr kommt dann der Bus tatsächlich und für 8 Yuan bin ich nach einer ¾ Stunde Zuckelfahrt in Zhangjiajie cun.

 

a.)

Das vom Lonely Planet als preiswertestes empfohlene Hotel („Zhangjiajie Binguan“) hat prompt geschlossen, und so finde ich nach längerer Diskussion über die Klasse des Zimmers – ein Einzelzimmer ist nur auf wiederholte Nachfrage bzw. Ablehnung des Doppelzimmers für 180,- Yuan (das Pflaster hier ist ein Teures und am Wochenende bzw. Feiertags soll sich das noch steigern !) – im holzgetäfelten und etwas altbacken wirkenden, dennoch aber sauberen Hotel „Minzu Shanzhuang“ eine akzeptable Bleibe. Warmes Wasser gibt es nicht, was bei einer Temperatur von ca. 35-40 Grad und 85 % Luftfeuchte aber auch nicht unbedingt unerträglich ist.

 

 

Angenehm ist darüber hinaus, dass der Inhaber des Hotels sich auch durch langsames, einfaches Sprechen bemüht, dass ich sein Chinesisch verstehe.

 

Die nächsten drei Tage verbringe ich dann hier, von wo aus man verschieden lange Wandertouren in das Gebiet des Zhangjiajie-Nationalparkes (auch bezeichnet als „Wulingyuan“) – ein ca. 25qkm großes Gebiet aus subtropischem, nahezu Regenwald; unzähligen Arten von Schmetterlingen, Vögeln, Insekten, Amphibien und Wild; Hochplateaus; Bächen und unzähligen von mehrere hundert Meter hohen, nadelförmig senkrecht aus dem Dschungelgrün in die Wolken hinaufragenden Felsen - unternehmen kann.

 

           

 

 

 

          

 

           

 

 

 

Dabei ist der Eintritt in den Park für sich neben dem Park allein schon ein Hammer: 245,- Yuan sind für ein 2-Tages-Ticket, ohne Verlängerungsmöglichkeit zu berappen. In diesem Betrag ist jedoch der Eintritt in die benachbarten Nationalparks (Suoxi-Schlucht; Tianzi-Bergmassiv oder Höhle des Gelben Drachen) nicht enthalten und man bekommt als Eintrittsbeleg eine Chipkarte, die am Eintritt zusammen mit einem einzuscannenden Daumenabdruck entwertet wird, um zu verhindern, dass man die Karte nach einmaliger Benutzung für den nächsten Tag weiterveräußert (ob das Ganze aber überhaupt funktioniert oder nur ein Bluff ist, blieb jedoch unklar).

 

b.)

Noch am Ankunftstag marschiere ich, „bewaffnet“ mit einer etwas fehlerhaften, hier in jedem Laden für ca. 5 Yuan erhältlichen Karte in Richtung des „Dorf des schwarzen Drachen“ los. Es ist zunächst ein – schon unter der Woche von chinesischen Touristengruppen überfluteter - wie in Wudang ausgebauter Weg durch Unterholz und Bambuswälder, wobei letztere, mit einer Höhe von 30 Metern und ca.20-30cm Durchmesser pro Bambusgewächs, sich im Wind wiegend an so manchen Wushu-Film erinnern...

 

Nach gut 2-3 km biegt der Weg von dem Hauptpfad, den die meisten Touristen nehmen nach Südwesten ab und nach gut 10 Minuten ist man für den Rest des Weges zum „Dorf des Schwarzen Drachen“ weitestgehend allein.

So geht es über Treppen und Stege bald fast dauernd steil bergan; die Luft ist stickig; überall zirpt und ziept und zwitschert es; auch ohne dass man sich irgendwie anstrengt, fließt selbst durchtrainierten Leuten der Schweiß in ersichtlichen Strömen am ganzen Körper herunter (Schon deshalb sollte man genügend Wasser mitnehmen, die auf dem Weg anzutreffenden Verpflegungskioske lassen sich dieses – verständlicherweise – recht teuer bezahlen.). Manchmal verklebt es einem dadurch derart die Augen, dass man kaum einen Blick für die zum Teil grotesken Landschaftsformationen hat....

 

 

Nach gut 6 ½ Stunden ist das „Dorf des Schwarzen Drachen“, gelegen auf bzw. an einem Hochplateau erreicht und bietet, insbesondere von einer „Tianbo Manison“ genannten, nur über eine schaukelige Hängebrücke sowie angsteinflössende Eisenleiter erreichbaren Felsnadel einen atemberaubenden Ausblick auf die steinerne Felsnadellandschaft ringsum

 

           

 

 

 ,

wie auch ein recht krudes Gebäude auf dem höchsten Punkt des Dorfes - eine Kreuzung zwischen daoistischem Tempel und verstaubten, kulturhistorischen Museum des Dorfes, wo man sich in dazu ausleihbaren Maoisten- oder Al-Capone-Kleidern nebst Karabinern, Pistolen und Kanonen photographieren lassen kann

 

.

 

Gut weitere 1 ½ Stunden braucht man dann für den Abstieg vom Dorf hin zu einem kleineren Platz, auf dem diverse Fahrzeuge darauf warten, den Fremden überteuert – max. 12 Yuan ist für die Strecke angemessen - in die Nähe eines kleineren Waldstückes zu bringen, nach dessen Durchquerung man sich nahe des Parkeinganges und Ausgangspunktes wiederfindet. 

Nach dem nun insgesamt 8-stündigem Marsch für die eigentlich kurze Strecke von nur 6 km bin ich dann doch „etwas kaputt“.

 

c.)

Am nächsten Tag muss ich erst einmal erschüttert feststellen, dass mein Photoapparat teilweise streikt – die feuchtwarme Hitze führt, wie schon einmal vor Jahren in ähnlichen, klimatischen Verhältnissen, zum temporären Verkleben des Verschlusses. Etwas gefrustet starte ich diverse Reparaturversuche, die auch teilweise erfolgreich sind und mache mich sodann auf den Weg zum sogenannten „Forest of Pillars“, einer Ansammlung von nadelförmig gen Himmel strebenden Felsen, die um einen steinernen Kessel bzw. Hochplateau herumgruppiert ist:

Der Weg führt, wie zum „Dorf des Schwarzen Drachen“, zunächst auf dem Hauptweg entlang, zweigt von diesem nach circa 3-4 km westlich in Richtung des „Echo-Valley“ ab, steigt darauf steil zum erwähnten Plateau hinauf, von welchem man eine Aussicht auf ein Szenario wie aus einer anderen Welt hat

 

.

 

Schon bei Sonnenschein ist dieses atemberaubend, hat es ggf. vorher geregnet und ist dunstig bzw. nebelig, so tauchen dann die Felsspitzen noch unwirklicher erscheinend aus Dunst- und Wolken auf

 

 

Von dem Plateau aus führt der Weg steil zurück durch dichten Rotholznadelwald zum Ausgangspunkt.

 

Auch auf diesem Wege – der ca. 5 bis 6 Stunden in Anspruch nimmt – trifft man nur wenige Touristen und hat insofern weitestgehend seine Ruhe.

Besonders eindrücklich ließ sich auf diesem Pfad auch das hiesige Verhältnis zum „Umweltschutz“ beobachten: Zwar finden sich allüberall Toiletten, Papierkörbe, traditionell gestaltete Imbiss-, Restaurant- oder Unterkunftshütten. Diese werden jedoch nicht in dem gewünschten oder möglichen Umfange genutzt. Ungeachtet dessen werden aber fortlaufend in Handarbeit neue Holzhütten und Kioske errichtet und zur Krönung dessen diese reichlich mit nach dessen Geruch sicher gesundheitsschädlichem Lack imprägniert, so dass die gesamte Umgebung – schon von Hitze flimmernd – auf einigen qkm dadurch verpestet wird. Dass die mit Lackresten verunreinigten Arbeitsgerätschaften – Pinsel & Co. – dann noch in umgebenden Bächen und Teichen gereinigt wurden, konnte fast niemanden mehr ernsthaft verwundern.

 

Am dritten Tag fahre ich mit dem Bus für 10 Yuan in das gut 17 km entfernt, am Eingang eines anderen Talkessels gelegene Dorf Suoxi. Von hier aus bieten sich Wanderungen in die Suoxi-Schlucht; zum auf einem Hochplateau gelegenen „Baofeng Hu“-See (auf dem man sich mit dem Boot an diversen, auf Pfählen im Wasser stehenden Häusern vorbeistaaken lassen kann) oder zur „Huanglong Dong“, der „Höhle des Gelben Drachen“ an. Zu letzterer gelangt man von der jeweiligen Bushaltsstelle im Dorf entweder per lokalem Minibus, Taxi oder indem man sich von einem der zahlreichen, hier leider recht aufdringlich ihre dahingehenden Dienste anbietenden Mopedfahrer dorthin fahren lässt. Fünfzehn Yuan pro ca. 4 – 6 km lange Strecke sollten für die letzte Variante mehr als genug sein bzw. sind nur schwer zu unterbieten.

 

Zu beachten ist allerdings, dass die Eintrittskarten aus dem Bereich Zhangjiajie hier nicht gelten, da es sich um einen anderen Nationalparkbereich handelt; es ist daher ein gesonderter Eintritt zu bezahlen. Dieser beträgt für das Areal rund um den Baofeng - Hu - See 65,- Yuan, ebenso für die Höhle des Gelben Drachen.

 

Ich entscheide mich ob der Hitze zunächst für die Höhle des Gelben Drachen.

Nach deren Visite – mehr als 1 Stunde braucht man dafür nicht - kommen mir jedoch Zweifel, ob der Baofeng-Hu-See  nicht vielleicht doch die bessere Wahl gewesen wäre: Denn die Höhle ist zwar als solche nicht zu verachten – es gibt z. B. zwei riesige unterirdische Hallen mit gut 10 Meter hohen Tropfsteinen sowie einige – typisch chinesisch mittels Leuchtschlangen für den europäischen Geschmack etwas kitschig illuminierte – Decken- und Tropfsteinformationen zu bewundern.

 

 

Zudem ist es angenehm kühl – wer eventuell ein unklimatisiertes Quartier hat und bei ähnlich heißer Witterung einen Tag lang Abkühlung sucht, könnte sich bequem in eine der unzähligen, unbeleuchteten Ecken der Lokalität verziehen und (eine mitgenommene Decke vorausgesetzt) hier in Ruhe gekühlt den Tag verdösen. Auch bieten ausgebaute, aber unbeleuchtete Wege Gelegenheit zu Exkursionen auf eigene Faust (Taschenlampe und Orientierungshilfsmittel wie etwa Seil/Faden mitnehmen !).

 

Andererseits ist der Ort aber auch nur eine gewöhnliche Höhle, von deren angeblich 14 km Länge nur zwei recht kurz und unspektakulär erscheinende Kilometer zugänglich sind, wobei das dort zu Erspähende von manch anderer Höhle im europäischen Raum bei weitem übertroffen wird. Und selbst wenn man mit dem die Lokalität durchziehenden, unterirdischen Wasserverlauf wirbt, so tritt Ernüchterung spätestens dann ein, wenn festgestellt werden muss, dass dieser für den „normalen Besucher“ mit den vor Ort befindlichen Booten nicht befahrbar ist. Dieses Vergnügen bleibt in der Regel kräftig zahlenden Reisegruppen vorbehalten bleibt... .

 

Als ich somit etwas enttäuscht wieder Tageslicht erblicke, fahre ich ungeachtet vorheriger Pläne über Suoxi zurück nach Zhangjiajie, da mein finanzielles Budget weitere Besichtigungen nicht mehr zulässt.

 

Trotzdem wird mir aber die Zeit nicht lang, bietet sich doch in Zhangjiajie cun die Möglichkeit, ungestört die vor den zahlreichen lokalen Restaurants per Auslage in natura oder schon in zubereiteter Form angebotenen Köstlichkeiten zu bewundern - und sich darüber einen Kopf zu machen, ob man das ganze auch mal probieren sollte (Preise und Genießbarkeit vor der Bestellung aber erfragen; Hund und Schlange sind teuer!): So liegen oder hängen dort gebraten oder gekocht bzw. befinden sich noch lebend in entsprechenden Käfigen und Behältnissen Schildkröten; diverse leguanartige Amphibien; Hunde; Schlangen; 15-20 cm große, dunkel- bis hellgrüne Frösche; Muscheln; Schnecken; Krebse... .

 

 

 

 

Auch der lokale Markt, untergebracht in im traditionellen Baustil gehaltenen, überdachten Hallen, rechts der Straße, kurz vor dem Eingangsbereich zum Nationalpark ist durchaus sehenswert und aufgrund der Tatsache, dass man hier im Gegensatz zu den Ständen am Parkeingang nicht auf Touristen aus ist, recht preiswert.

 

           

 

.

 

Besonders schmackhaft ist der für wenige Yuan in kleinen Blöcken erhältliche, geräucherte Tofu.

 

15.Tag: Zhangjiajie cun - Yichang

 

In der Nacht gewittert es derart fürchterlich, dass der Strom des Hotels ausfällt, ich so die Gelegenheit habe, die mitgenommenen Kerzen – wie viele Jahre zuvor hatte ich solche schon umsonst mitgeschleppt – zum Einsatz zu bringen und so den „romantischen Touch“ des Ortes zu potenzieren... .

 

Der Nebel und Dunst, der am Morgen danach vom Regen zurückgelassen wird, gibt den umgebenden Berggipfeln ein nahezu mystisches Aussehen

 

 

bzw. verschleiert die Straße vom Dorf zurück zur Stadt glücklicherweise derart, dass man die Abgründe links und rechts derselben nicht zu sehen bekommt, an denen der Minibusfahrer auf dem Weg zurück in die Stadt wie ein vom Teufel Verfolgter entlangrast.

 

Kurz vor acht Uhr morgens komme ich so am Bahnhof von Zhangjiajie shi an.

Die Fahrkartenverkäufer hinter dem Schalter verleiert die Augen, als wollte sie sagen: „Schon wieder ein Laowai, der sich wieder nicht verständigen kann; wieder Arbeit; und das am frühen Morgen; warum eigentlich immer ich....!?“.

Der Gesichtsausdruck wandelt sich aber ins genaue Gegenteil, als ich dann, wenn auch langsam und sicher nicht akzentfrei, auf Chinesisch um eine Fahrkarte für den heutigen Tag nach Yichang bitte und diese dann auch erhalte (Hartsitzklasse ohne Platzkarten für 22,- Yuan).

Darauf schlage ich irgendwie die nächsten drei Stunden Wartezeit auf den Zug am und um den Bahnhofsvorplatz tot; glücklicherweise gibt es wie überall, so auch hier eine preiswerte Gepäckaufbewahrung, wo man sich für diese Zeit seiner Bagage entledigen kann.

Der Zug kommt wiederum mit über einer Stunde Verspätung an bzw. fährt ebenso spät ab – um im Endeffekt aber planmäßig in Yichang anzulangen.

 

Das Wetter hat zum Glück aber Erbarmen mit den Reisenden der letzten Klasse, wie mir: Es ist die ganzen sechs Stunden Fahrt über bedeckt, nieselt sogar manchmal und so wird die Fahrt nicht so drückend heiß wie auf dem Hinweg.

Ich sitze neben einer netten chinesischen Familie und bereue wieder, dass ich nur mühsam mit dem Wörterbuch vor mich hin stammeln kann, zu keiner weiteren Unterhaltung mit diesen freundlichen Leuten fähig bin. Großes, anerkennendes „Oho!“ und „Ah!“ ernte ich aber nicht nur von diesen, sondern auch von einigen Umsitzenden, als ich das mir mittlerweile auch zugelegte, ultimative Utensil eines jeden Chinesen aus dem Rucksack hole und entsprechend gebrauche: Diesen Glas- oder Plastzylinder, den hier fast jeder, gefüllt mit aufgebrühtem Tee, mit sich herumschleppt... .

 

In Yichang quartiere ich mich für 128 Yuan sogleich in dem bereits erwähnten Hotel ein. Dieses hat zwei Trakte – einen teueren neuen und einen billigeren alten. In letzterem ist meine Bleibe – Gut, es ist o. k., nicht schmutzig, etwas schnuddelig abgewohnt vielleicht, als Klimaanlage fungiert ein zentrales Gebläse, das dumpfblubbernd muffige Luft ins Zimmer transportiert

 

Der Versuch, durch eine Mischung mit wärmerer Frischluft von außen insbesondere für die Nachtzeit zu einem angenehmen Raumklima zu kommen wird später, kurz vor dem Einschlafen durch einen sehr rüden Anruf seitens der Reception abgewürgt: Irgendeine Security hatte bemerkt, dass ich mein Fenster geöffnet habe und ich wurde daher, da dieses sehr gefährlich sei, aufgefordert, dieses sofort zu schließen. Zwar erschließt sich mir der Sinn ob der Belegenheit des Zimmers in der 4. Etage nicht ganz, aber was soll´s... Ich schloß das Fenster, um meine Ruhe zu haben.

 

Da ich nunmehr zu einer Flusskreuzfahrt festentschlossen bin, buche ich in der dem Hotel angeschlossenen Agentur, die sich einige Tage zuvor als die Preiswerteste herausgestellt hatte eine Tour für 800,- Yuan: Im Zuge dessen unterzeichnete ich in diesem Zusammenhang zum ersten mal einen vielseitigen, wohl (Reise-) Vertrag, den ich ob einzig chinesischer Ausfertigung komplett nicht lesen konnte; au weia... . Nach diesem  soll es dann von Yichang nach Chongqing, von Samstag bis Dienstagmorgen; 1. Klasse 2-er Kabine gehen; ohne Verpflegung aber mit „Sightseeingprogramm“.

Ich sollte insoweit Glück haben, als dass es auf dem Schiff wirklich, wie angegeben, nur Außenkabinen geben würde und ich so immer einen „Fensterplatz“ hatte – es gab dahingehend auch schon mal ganz andere „Schauergeschichten“.

 

Den Rest des Abends bereue ich es aber fast, in Zhangjiajie shi das Warten auf den Zug nicht zu einem Geldumtausch bei einer Bank genutzt zu haben:

Alles hat mittlerweile zu; es ist Freitag und das Wochenende nebst Flussfahrtbeginn vor der Tür, mein Bares geht zur Neige, es ist keine Umtauschgelegenheit in Sicht. Mein eigenes Hotel, in das ich mich auch in der Hoffnung auf Umtauschmöglichkeiten – solche sind extra an der Reception angeschlagen – eingebucht hatte, tauscht aus irgendwelchen Gründen nicht. Im Yichang International Hotel stellt sich unkooperativ stur und will nur für Hotelgäste wechseln. Fast ratlos suche ich letztlich das zweitgrößte Hotel der Stadt, das Taohualing-Hotel auf und kann nach kurzem Zögern des Personal auch als Nichthotelgast dort tauschen – ich habe sogar die Wahl Reisecheques oder Bares zu wechseln. Ob nun üblich oder nicht, ich gebe einiges Trinkgeld für diesen Service, über den das Personal nicht unerfreut ist... und der Tag ist für mich wieder mal gerettet.

 

16. Tag – 19. Tag: Yichang - Chongqing

 

1.

Gegen halb zehn Uhr früh finde ich mich im Büro der Reiseagentur ein, von wo mich und einige dort mit dem gleichen Anliegen eingetroffene Chinesen dessen Leiterin abholt, um uns mit einem Taxi zur Fähranlegestelle bringt. Dort warten wir einige Zeit auf dem Zugang zum Schiff; sie kümmert sich in dieser Zeit wahrhaft rührend um mich, gibt Verhaltenstips etc. und hinterlässt schließlich, nachdem sie mich aufs Fährschiff begleitet, meinen Kabinenschlüssel organisiert sowie mir meine Kabine gezeigt hat, sogar ihre Telephonnummer, für alle Notfälle.

 

 

Schlimmes ahnend erhalte ich dann auch noch eine der kunterbunten, laminierten Plastikkarten aus- und an einem Bastfaden um den Hals gehängt, die mich unzweifelhaft als Angehöriger des Bootes und dessen Reisegruppe ausweisen soll. Warum eigentlich immer ich, der derartige Reisegruppen „so liebt“... . Aber mit etwas daoistischer Haltung ertrage ich auch dies... .

 

2.

Da es entgegen der Fahrplanangabe nicht um 10.30 Uhr, sondern erst gegen 13.00 Uhr losgeht, habe ich genügend Zeit, mich „häuslich“ einzurichten und mir vom Schiff einen ersten Eindruck zu verschaffen:

 

Meine Kabine ist trotz erster Klasse wahrlich nicht sonderlich groß (vielleicht 4m x 2,5m), obgleich sich nur zwei Beten, ein Wandschrank, ein Nachttisch sowie eine Dusch-Toilettenzelle darin befinden.

Nicht auszudenken, wie es hierin, wenn der ganze Raum einzig mit 2 oder 3 Doppelstockbetten - wie in der 2. und 3. Klasse ausgefüllt wäre.

Aber alles ist sauber und ordentlich, Elektrik und sanitäre Einrichtungen funktionieren; ein großes, zu öffnen mögliches Fenster erlaubt den Blick nach draußen und ein Fernseher sowie eine Aircondition machen es nach meinem Ermessen eigentlich perfekt - auch wenn die etwas leistungsschwache Klimaanlage so „günstig“ im unteren Teil des Nachttisches eingebaut ist, dass sie nur kühle Luft gen Fußboden bläst und es dadurch eher fußkalt, als angenehm raumtemperiert wird... .

 

 

Glücklicherweise sind in der Richtung Yichang – Chongqing derzeit so wenig Leute unterwegs, dass ich die Kabine auch für den Rest der Reise mit niemandem werde teilen müssen und so eigentlich eine himmlische Ruhe haben werde... .

 

Das Boot selbst verfügt über 4 Decks

 

 

, die im wesentlichen durch Kabinen ausgefüllt werden – ausgenommen 2 Speisesäle

 

 

, die von außen recht chaotisch anmutende Küche nebst Vorratslager (wo der Chinakohl in Mengen neben Fahrrädern und Dieselfässern seiner Bestimmung harrt), der ob seiner authentischen Antriebstechnik meines Erachtens höchstinteressante Maschinenraum

          

 

(wann bekommt man schon mal einen unverkleidet arbeitenden Schiffsdieselmotor mit seinen unzähligen Kolben und stetig auf- und nieder wippenden Ventilen zu sehen ?!) und die Kommandobrücke.

 

Der absolute Witz bzw. die Erfüllung aller Vorurteile gegenüber Chinesen ist jedoch der seemännisch wohl als Achterdeck zu bezeichnende Teil des Bootes:

Nicht nur, dass man auf ihm eine etwas erhöhte Plattform installiert, diese mit einer Art Biergartenpavillion bekrönt und jene mit diversen Wimpeln und Lichterketten bedacht hat

 

.

 

Nein, dieses Sonnendeck darf auch nur betreten, wer entweder für bestimmte Abschnitte der Reise zehn oder für die gesamte Strecke 40 Yuan bei Schiffsreception abliefert. Aber gut, auch ich zahle den Betrag und habe dadurch nicht zuletzt auch die Möglichkeit, wie alle anderen Passagiere auch, die Verstrebungen, Wimpelseile und Lichterketten des Pavillons als kollektive Trocknungsmöglichkeit für die zwischendurch gewaschene Wäsche zu nutzen: Ein gewisser Komik nicht entbehrendes Bild, wenn die Fähre über den Yangze gleitet und über den Köpfen der auf dem Achterdeck Karten oder Domino Spielenden nicht nur die chinesische Fahne, sondern auch Hosen, T-Shirts und klassische, weiße Feinrippunterwäsche (nicht von mir !) wehen.... .

 

Nun, als es dann endlich losgeht, ist es amtlich, dass ich der einzige Laowai an Bord bin und somit bald das Objekt des Interesses einer nicht unerheblicher Anzahl von Passagieren, wobei diese jedoch angenehm zurückhaltend sind, und ich nicht jeden Schritt an Bord „überfallen“ werde.

 

3.

Die nächsten Tage verlaufen so recht ruhig und ich kann eine solche Fahrt im allgemeinen nur jedem empfehlen:

 

a.)

Die wechselnde Landschaft und deren Bewohner zieht gemächlich vorbei, man kann seinen Gedanken nachhängen, Tee trinken, ob der anhaltenden Hitze eine Dusche nehmen, Tagebuch schreiben, schlafen, sich versuchen kann, mit anderen Passagieren zu unterhalten und dieses alles dann wieder von vorn.

Manchmal wird diese Gleichförmigkeit durch das „Sightseeing-Programm“ unterbrochen, aber es ist angenehm, dass ich eine Tour erwisch zu haben scheine, bei der sich dieses auch in Grenzen hält. Denn unabhängig vom Preis ist meines Erachtens nichts lästiger, als wenn man kaum das Schiff betreten hat und die Fahrt zu genießen beginnt, dieses dann jedoch laufend durch Zwischenstopps unterbrochen, innerhalb derer man zur reisekollektiven Akkordbesichtigung von angeblich oder tatsächlich noch so Interessantem gescheucht wird, zu dessen tiefgründiger Betrachtung aufgrund der immer sehr knapp bemessenen Zeit und des Lärmens der Mitreisenden sowie des meist megaphonbewaffneten Reiseleiters sich dann sowieso kein Raum findet, wie sehr man ihn denn auch suchen sollte.

 

Im besonderen habe ich jedoch meine Zweifel, ob ich die Route oder die umgekehrte Strecke für die ferne Zukunft noch empfehlen sollte:

Denn sicher führt sie durch die berühmten „Drei Schluchten“ bzw. ausflugsweise in einen Seitenarm. Aber schon jetzt ragen aufgrund des staudammbedingt zu erwartenden Wasseranstieges manche, vor Zeiten bis zu 800 Metern aus dem Fluss steigende Felsklippen/- wände nur noch wenige hundert Meter aus dem Yangze und nach vollständiger „Flutung“ des Tales im Jahr 2009 wird nur noch ein langer See zwischen Yichang und Chongqing, flankiert von einigen Hügeln zusehen sein; vielleicht ist das auch schon nächstes Jahr der Fall. Ich denke, dass dann die ursprüngliche Schluchtenfahrt Geschichte sein bzw. die Strecke an Attraktivität verloren haben wird... .

 

b.)

Als Sightseeing-Attraktion wird am ersten Tage der vom Schiff passierte Drei-Schluchten-Staudamm angeboten.

Das heißt aber: Nur für den, der jenen extra zum Sightseeing-Programm hinzugebucht hat. Alle anderen, so auch ich, können entweder nur mitkommen, wenn sie die schon in Yichang für ähnliche Touren verlangten 150,- Yuan berappen oder müssen den Damm vom Schiff aus betrachten - was fast unmöglich ist, da der Kahn den Damm über ein gut 500 m von diesem entfernt gelegenes, fünfstufiges Schleusensystem passieren muss, von dem aus man fast keinen oder nach Passieren der Schleusen nur einen entfernten Blick auf das Bauwerk hat.

Da ich den Damm aber schon gesehen habe, diskutiere ich nur kurz mit der „Reiseleiterin“ an Bord, ob bzw. in welcher Art und Weise denn die Dammbesichtigung nun im Reisevertrag enthalten ist oder nicht (Sie ist es wohl eher nicht... - Mist wenn man den chinesischen Vertrag nicht lesen kann !) und verbleibe schließlich an Bord, um darauf die nächsten gut 5 Stunden zusammen mit anderen damit zu verbringen, den Weg des Bootes durch die riesigen 5 Schleusensysteme mitzuerleben.

 

           

 

c.)

Am Morgen des nächsten Tages

 

 

wird, bevor der Kahn in die eigentlichen „Drei Schluchten“ einfährt, ein Ausflug in eine kleinere Seitenschlucht unternommen.

Jeder Flussfahrtreiseveranstalter bietet in der Regel eine solche Tour in eine der diversen Seitenarme/-Schluchten des Yangze an; hier ist es der sogenannte „Senglong-Strom“.

Dazu wird zunächst an der Mündung dieses Stromes in den Yangze in ein kleineres Schiff umgestiegen, welches darauf gut 1 ½ Stunden diesen hinauffährt.

Da der Strom in der Regel nur 50- 60 Meter breit ist, scheinen aus ihm steil aufragenden, teils bewachsenen, teils nackten Felswände noch spektakulärer und bedrohlicher, als am Yangze selbst

 

  

 

.

 

 

Ab und zu taucht ein kleiner Tempel oder eine Höhle  in dem Wust aus Vegetation und Stein auf oder wird ein in eine der diversen Felsspalten hineingeschobener, sogenannter „Hängender Sarg“ – Begräbnisstätte eines vor langer Zeit hier lebenden Volkes – sichtbar.

Die zwei, drei kleineren Ansiedlungen, die den Strom säumen, künden mit entsprechend schon vorbereiteten Wasserstandsmarken, derzeit noch abstrus hoch über dem derzeitigen Wasserspiegel an den Hang gebauten, zukünftigen Uferpromenaden und Straßen sowie verlassenen und teilweise schon im Wasser versunkenen Gebäuden vom stetig steigenden Wasserspiegel und dessen letztlich zu erwartender Höhe

 

.

 

Am Ende der Fahrt ist ein größerer See erreicht

 

,

 

über den es dann in nußschalenartigen, langgestreckten Stakkähnen weiter den nun zu einem in etwas breiteren, lebendigen Wasserlauf von 1-2 Metern werdenden Strom hinauf geht, bis das Wasser schließlich so flach und von kleinen Stromschnellen durchsetzt wird, dass die Boote bloß noch per Treideln, also von nur mit Lendenschurz bekleideten Leuten an Seilen gezogen vorwärts kommen können.

Wenn man sieht, welcher Anstrengung sich diese Personen aussetzen müssen – sie legen sich zum Teil so „ins Zeug“, dass ihre sehnigen Oberkörper fast waagerecht in einer Höhe von nur wenigen Zentimetern über dem steinigen Flussbett liegen

 

 

 

 

– möchte man am liebsten aussteigen und ihnen so ihre Arbeit leichter machen.

So geht es ca. 300m den Wasserlauf hinan, dann wird gewendet und dieselbe Strecke wieder mit dem Strom hinabgefahren: Das soll wohl eine Art „Rafting-Einlage“ sein, welche zwar ob des nur geringen Gefälles und leichten Schaukelns des Kahns gemessen an dem, was man für gewöhnlich unter Rafting versteht recht lächerlich, aber ungeachtet dessen für sie meisten der chinesischen Teilnehmer die Attraktion, der Spaß an sich zu sein scheint, erst recht, wenn sie noch „3 Spritzer Wasser“ abbekommen. Ich lächele etwas müde darüber.

 

Die Krönung des Ausfluges folgt dann an der eigentlichen Rück-Umsteigesstelle in die größeren Boote am See:

Dort befindet sich, gleichsam wie aus dem Nichts einer fernen Welt im vegetationsgrünen, hiesigen Niemandsland hoch über dem See gelandet das „Senglong-Stream-Tourist-Center“, ein im traditionellen Stil gehaltener Betonkomplex von vier Gebäuden mit roten Dächern.

Der Weg zu diesem ist von allerlei, allen möglichen Sinn und Unsinn zu veräußern bemühten Souvenirständen gesäumt, die nebst des in einem Gebäude befindlichen Restaurant darauf schließen lassen, dass hier die Masse der Touristen planmäßig abgekippt und zu einem mehr oder weniger langen Aufenthalt genötigt wird.

 

Neben dem Restaurant und einem „Tourist-Souvenir-Shop“, findet sich hier – penibel ausgeschildert – eine öffentliche Toilette; eine „Clinic“ sowie ein „Chinese Herbal Medicine Center“. In letzterem sind zwar diverse Naturprodukte ausgestellt, die zahlreichen, mit weißen Kitteln bekleideten, weiblichen Angestellten versuchen aber bei weitem nicht, jene zu erläutern. Vielmehr suchen sie vehement jedem für 100 Yuan pro Flasche eine Tinktur zu verkaufen, die dem Vernehmen nach gegen alles helfen soll.

Das absolute Highlight des Ortes befindet sich gegenüber dieses „Center“ - die „Performance Hall“. Es handelt sich dabei um ein mit vielleicht 200 Sitzgelegenheiten vor einer Bühne bestuhltes Bauwerk, zu dessen Besuch alle Bootsinsassen von ihrer Reiseleitung angehalten werden, auf dass sie dort kostenlos eine angebliche „Volksbrauchtumskunstdarbietung“ der hiesigen, einheimischen Bevölkerung in traditionellen Kostümen, mit allerlei Tanz und instrumentalem Krach über sich ergehen lassen sollen. Diese Aussicht ließ mich jedoch die sofortige Flucht in Richtung der Souvenirstände antreten, wo ich mir nur ein permanent schiefes Gefiepe anhören musste, mit welchem mich ein Händler von der Notwendigkeit des Erwerbs einer zur Erzeugung dieser Geräusche verwendeten, „garantiert echt jadenen“ Querflöte überzeugen wollte.

 

Zurück auf dem Schiff passiert dieses dann im Verlauf des Tages die berühmten „Drei Schluchten“, die obgleich des wegen des Dammes schon erheblich gestiegenen Wasserspiegels und somit weniger hoch denn vorher aus den Fluten emporragender Felswände immer noch ein atemberaubender Anblick sind – mal sehen, wie lange noch... .

 

  

 

 

 

Gegen Ende des Tages wird das westliche Ende der Drei Schluchten – bzw. der Dritten derselben – erreicht – im, reisegruppentypischen Massenschritt, und zur Visite der dort befindlichen, mittlerweile fast auf einer Insel im Fluß liegenden und im Hinblick auf den steigenden Wasserspiegel bereits mit einer zukünftigen Uferbefestigung ummauerten

 

 

, Residenz eines der legendären Könige aus der Zeit der drei Reiche, des Liu Bei, die „White Empereor City“, auch als „Beidacheng-Tempel“ bezeichnet, eingeladen

 

 

Unbestritten ist dieser Platz- dessen Spezialität in Ingweröl geröstete Bambuschips zu sein scheinen -, insbesondere das Ensemble von alten, luftwurzelreichen Bäumen, Bambushainen und niedrigen Gebäuden sehenswert

 

  

 

.

 

Jedoch gerät die Zeit zur Besichtigung viel zu kurz.

Am Pier können kurz vor der Abfahrt diverse „frisch getrocknete“ Fischsorten zum Verzehr erworben werden

 

,

 

was ich mir angesichts dessen, dass nahe der Insel aus diversen, direkt am Ufer des Yangze endenden Stollen einiger der berüchtigter Kohlegruben schwärzliche Abwässer in den Fluß geleitet werde

 

 

, dann doch lieber verkneife.. .

 

d.)

Am dritten Tag flimmert nach waberndem Nebel in der Frühe ab Mittag die Hitze unerträglich über dem Schiff und am späten Nachmittag wird als weiterer „Sightseeingpunkt“ bei Fengdu der „Ming Shan“- Berg erreicht, der nach der Überlieferung der Wohnsitz des Tianzi, des Königs der Toten, also der Sitz der Hölle und des Todes selbst sein soll:

Infolge dessen finden sich auf einer Anhöhe dieses zweigipfeligen Berges die sogenannte „Ghost-City“, eine Ansammlung von Tempeln, Schreinen und Pagoden in, um und auf denen in Bildern oder mittels meist überlebensgroßer, in oft schrillen Farben gehaltenen Darstellungen von Göttern, Dämonen und Verblichenen das Totenreich oder die Schicksale der Verstorbenen, sich orientierend an den Taten ihrer Lebzeiten dargestellt sind

 

 

 

   

 

 

Auf der anderen Erhebung erhebt sich der „Palast der Geister“, zu dem man über die „Straße der Geister“ gelangt. Letztere ist eine enge, von sehr farbenfroh gehaltenen Häusern im traditionellen Stil gesäumte Gasse, teils flankiert mit Dämonenstatuen, deren böswillige Seelen aber diversen Souvenirhändlern Platz gemacht haben: Von Freddy-Krüger-Masken bis zum Räucherstäbchen kann man hier allsamt recht „geistvolle oder geistlose Sachen“ erwerben.... .

 

Der Palast der Geister selbst ist von einer grauen Mauer umschlossen, deren Haupttore kitschfilmreif von einem Dämonenmaul umfasst bzw. mit Totenschädelnachbildungen verziert sind

 

.

 

Im Innern des umschlossenen Areals findet sich ein Tempel im klassischen Sinne, der aber meist nicht als die eigentliche „Sehenswürdigkeit“ empfunden oder präsentiert wird.

Vielmehr ist das „Kellergeschoß“ der Umfassungsmauer, das dieser unterirdisch im Carré um den darüberliegenden Tempel folgt der „absolute Hammer“:

Dort unten ist mittels verstaubten, von drastisch bis skurril wirkenden, oft dioden- und lampenbeleuchteten und mittels Automatik ruckartig bewegten Pappmacheefiguren „die Hölle“ dargestellt. Infolge dessen werden daselbst allen nicht Recht- - soll hier wohl heißen, allen nicht-buddhistisch - -Gläubigen durch alle möglichen Arten von Unholden Arme ausgerenkt; Beine abgehackt; das Gedärm herausgewühlt; die Augen ausgestochen; Steine an Beine der an den Händen Aufgehängten gehangen; Vergewaltigungen ausgeführt; die Unglücklichen gekocht, gebraten, gesotten oder „einfach nur verbrannt“... . Manchmal ist hier jedoch auch nicht klar, ob die Spinnweben innerhalb des Ensembles nun gewollte Dekoration oder das Ergebnis jahrelang unterbliebener Reinigungsarbeiten sind.

Ist man von diesem allen etwas verwundert; beeindruckt oder eventuell auch amüsiert, so erwartet einen nach etwa 2/3 dieser „Hölle“, man glaubte schon an keine mögliche Steigerung mehr, das absolut Ultimative - die, nennen wir es mal, „Höllenfahrt“:

Man steht zunächst vor einer Wand, an der zu lesen ist, dass 4 Yuan zu bezahlen wären, ohne dass jedoch aufgeklärt würde, wofür. Nun, man bezahlt diese an einen daselbst postierten, recht menschlichen Angestellten der Hölle - der zudem den Eindruck macht, man müsse zahlen, wolle man denn überhaupt an ihm vorbeikommen -  und wird just um die Ecke geleitet, wo auf einer Einbahnschiene mehrere klapprige Autoscooter heranscheppern. Hineingesetzt oder -geschubst beginnt darauf eine rumpelnde Fahrt durch eine Geisterbahn mit sich zu „Huhu-Gekreische“ und diversen Lichteffekten drehenden und tanzenden, verstaubten Hexen, Teufeln, Gerippen, Totenschädeln und sonstigen, morbiden Statisten. Für sämtliche Chinesen ein ungeheurer Spaß; eine mit mir in solch einem Gefährt sitzende, kleine Chinesin klammert sich in einer Mischung aus Begeisterung und Furcht an mich. Nach zehn bis fünfzehn Sekunden (!!!!!) Fahrt im Kreis ist die Schussfahrt gen Hades vorbei; ich muss nur mit dem Kopf schütteln und begebe mich zurück zum Schiff..

 

Für den Rest des Tages und der kommenden Nacht nebst Morgen des nächsten Tages fährt das Boot dann weiter in Richtung Chongqing, wo es gegen 9 Uhr des vierten Tages der Flussfahrt im Nieselregen anlangt.

 

e.)

Noch ein Wort zur Verpflegung an Bord:

Wer wie ich keine Verpflegung inclusive gebucht hat, kann sich in den zwei Bordrestaurants das Frühstück, Mittag- und Abendessen für happige 10 bis 15 Yuan hinzukaufen. Über dessen Qualität kann ich nichts sagen; landläufig wird es aber als nicht sonderlich gut bezeichnet. Meines Erachtens braucht man es aber auch nicht. Denn zum einen ist die eigene körperliche Aktivität Zeit der Reise ohnehin nicht so hoch, dass man Massen an Verpflegung benötigte und zum anderen macht das Schiff oft genug unterwegs Halt – spätestens anlässlich der Besichtigungstouren – und man kann sich rund um die Anlegestellen preiswerter und qualitativ wohl auch besser versorgen.

Darüber hinaus gibt es an Bord auch einen kleinen Laden, in dem man sich auch preiswert mit Verpflegung wie Trockensuppen, Keksen etc. eindecken kann.

 

19. Tag – 20. Tag: Chongqing

 

In Chongqing angekommen, versuche ich – wie zuvor schon befürchtet – vergeblich, auf dem völlig überlaufenen Bahnhof eine Fahrkarte für den selben Tag nach Xi´an zu bekommen; erst für den nächsten Tag sind noch Plätze frei. Für 81,- Yuan werde ich in der 4. Klasse, allerdings mit Platzkarte, fahren.

 

Der darauf folgende Versuch, im Hostel des inmitten von modernen Hochhäusern etwas deplaziert nahe der Minzu Lu – Strasse wirkend liegenden, buddhistischen Luohan Si - Tempels eine Unterkunft zu erlangen scheitert kläglich. Das Einzige, was ich von hier mitnehme, ist die Erkenntnis des auch daselbst herrschenden Geschäftssinnes: Um zur Hostelreception zu gelangen - wo einem dann gesagt wird, man habe nichts frei oder wolle keine Ausländer o. Nicht-Buddhisten aufnehmen – muss man erst das Tempelareal betreten – und dafür natürlich Eintritt zahlen (5 Yuan) ... .

Wenn es denn nicht so traurig wäre, könnte man zudem über das Szenario amüsiert sein, das sich jedes mal bietet, wenn sich ein Tourist oder auch einheimischer Pilger dem Tempel nähert:

Sitzen bis dato einige behinderte Bettler irgendwo zusammengekauert am Straßenrand oder sonst wo seitlich des Tempeleinganges, erwachen jene bei Annäherung eines mutmaßlichen Spendengebers sofort wie von der Tarantel gebissen aus ihrer Lethargie, setzen ihre ärmlich ausschauenden Rollstühle, zerlumpten Knochen oder auch Krücken in zugegebenermaßen artistisch anmutende Bewegung – insbesondere bei den Einbeinigen entseht oft der Eindruck, als wollten sie sich für Meisterschaften im Stabhochsprung qualifizieren - , um meist mit einem freudige Erwartung suggerierenden Jubelgekrächze auf die potentiellen Samariter derart zuzustürmen, dass diesen schon allein von jenem Anblick Angst und Bange wird und die meisten - sicher in der Hoffnung der dadurch zu bewirken gedachten Abwendung der scheinbar nahenden Apokalypse - einige Spenden geben.

 

Ohne weiter Probleme finde ich dann aber im „Huixian Lou“ - Hotel (186 Minzu Lu) (inklusive Frühstück) eine wahrhaft luxuriöse Bleibe, auf den Zimmerpreis von angeblich 240 Yuan wird ohne Nachfrage ein Discount in Höhe von 90 Yuan gewährt.

 

Den Rest des Tages und des nächsten bis zur Zugabfahrt verbringe ich mit einer ausgiebigen Visite von Chongqing.

Eigentlich gibt es nichts „Sehenswertes“ im eigentlichen Sinne; vielmehr ist die Stadt als „Klein-Hongkong“ das Objekt der Beobachtung an sich: Nirgendwo habe ich bisher ein so krasses, unmittelbareres Nebeneinander von Hochglanzbauten und kloakendurchflossenen Müll-Blech-Bambushütten inmitten der Fußgängerzonen der Innenstadt; eine solch ungestüme, ungeordnete, ein unbeschreibliches Maß an Verschmutzung verursachende Neubau-, Abriß- und Wiederaufbau- bzw. Unvollendetstehenlassen-Wut sowie ein derartiges luftverpestendes Verkehrschaos erlebt.

 

  

 

 

   

 

   

 

 

 

 

 

 

 

einer Halbinsel stehende Stadt umfließenden Fluß sieht man in der Frühe wegen des Nebels, ab ca. Mittag ob der Hitze und des Smogs nicht mehr... .

 

 

Einen Vorteil hat die hiesige Location gegenüber Hongkong jedoch: Es fehlt glücklicherweise an der dort wuchernden Kriminalität...  .

 

20. – 21. Tag: Chongqing – Xi´an

 

Gegen 15 Uhr setzt sich der Zug für die nächsten 13 Stunden gen Xi´an in Bewegung, Außentemperaturen von mittlerweile 41 Grad werden durch eine Klimaanlage auf ca. 30 heruntergedrückt. Die Zugwagen sind neuerer Bauart, so dass auch die 4. Klasse Platzkarten zunächst recht angenehm ist.

 

Mit der Zeit wird es aber eng, da insbesondere die kostenlos mitgenommenen Kindern diverser Familien um Plätze quängeln, die für sie mangels Buchung natürlich nicht vorhanden sind; die Klimaanlage wird mit zunehmender Fahrtdauer schwächer; spätestens gegen elf Uhr abends gibt das Zugpersonal den Versuch auf, Passagiere, die in der 4. Klasse ohne Platzkarten keine Steh- oder Sitzplätze mehr gefunden haben, aus dem hiesigen Wagen fernzuhalten und so füllen sich auch die letzten Freiräume. Stickigkeit und stetiger Lärm macht sich breit, Schlafen nahezu unmöglich bzw. wenn man doch einmal eingeschlummert ist, so wird dieses spätestens dadurch gestört, dass bis gegen halb ein Uhr früh – warum bleibt unerfindlich, da ersichtlicherweise keiner mehr Hunger verspürte – mit schöner Regelmäßigkeit ein Zugpersonaler einen Wagen mit Verpflegungsutensilien durch die Location zu wuchten sucht – egal, wie viele Leute mittlerweile im Weg stehen oder sitzen.

 

Wie betäubt erwache ich, doch noch eingeschlafen, gegen kurz vor 4 Uhr morgens, gerade noch rechtzeitig genug, um Xi´an als meinen Aussteigepunkt nicht zu verpassen.

 

21. – 24. Tag: Chongqing – Xi´an

 

In Xi´an reiße ich gegen halb fünf Uhr im nahe dem Bahnhof gelegenen Lü Dao -Hotel (80 Xi Balu) das Receptionspersonal aus dem Dämmerschlaf, bekomme für 178,- Yuan eine komfortable Zweibettunterkunft und döse erst einmal vor mich hin, bis ich mich auf den Weg zur Bank machen kann.

 

Xi´an selbst bietet sich als Ausgangspunkt für diverse Unternehmungen an:

 

1.

Zum einen kann man sich in der Stadt selbst umsehen, was ich am ersten Tag tue.

 

Dahingehend ist es zwar möglich, unter Zuhilfenahme eines Stadtplanes die zwischen den jeweilig interessanten Punkten doch recht großen Entfernungen mittels Bus zurücklegen. Jedoch dauert das manchmal, insbesondere in der Hauptverkehrszeit, recht lange, so dass das Taxi hier manchmal eine lohnende Investition ist. Dabei fällt mir besonders negativ auf, dass sich die Taxifahrer hier zum ersten Male innerhalb meines Chinatrips weigern, den Taxameter einzuschalten, um einen höheren Fahrpreis zu erlangen. Aber man kann dieses ohne Probleme mit dem Verlassen des jeweiligen Fahrzeuges hin zum nächsten quittieren, was ich dann auch praktiziere.

 

a.)

So gelange ich zum recht eindrucksvollen Glocken- sowie Trommelturm

 

.

 

In dessen Nähe findet sich im moslemischen Viertel – dem Lebensmittelpunkt der moslemischen Minderheit von Xi´an – die „Große Moschee“, eine recht ungewöhnliche Mischung von typisch chinesisch- und arabisch – sakralen Architekturelementen.

 

 

Rund um diese eröffnet sich ein Tummelplatz demjenigen, der touristische Souvenirangebote liebt:

In den engen Gassen reiht sich Lädchen an Laden, wo man über Namens-Initialstempel in Chinesisch und Arabisch; Bekleidung; Papierwaren; Waffen; echte und weniger echte Antiquitäten; Räucherstäbchen bis hin zu Orden- und Ehrenzeichen aus der Mao-Zeit fast alles erwerben kann.

 

           

 

Wie „echt alt“ die hier offerierten Antiquitäten sind, erschließt sich insbesondere, wenn, sobald ein besichtigter Artikel wegen eines Kratzers nicht gefällt, sofort ein gleicher im Zehnerpack unter dem Ladentisch hervorgeholt wird.... . Ein „antiker Bogen“ fällt auseinander, als ich ihn zu spannen versuche.... – Made in China ?! .

Auch typisch muslimischen Tee und Fladenbrot gibt es hier.

 

b.)

Natürlich ist auch die, die Altstadt quadratisch auf gut 14 km umschließende, restaurierte Stadtmauer aus der Ming-Zeit mit vorgelagertem Wassergraben sehenswert. Ob man allerdings unbedingt den Eintritt bezahlen muss, um auf die Mauerkrone klettern zu können, ist fraglich – ein Blick von unten tut es meines Erachtens auch.

Zwischen Mauer und Graben verläuft übrigens ein gut 30-40 Meter breiter Grünstreifen, wo man sich allmorgendlich zur „körperlichen Ertüchtigung“ unter die zahlreichen, dort Tai Chi; Kung fu o. a. Praktizierenden mischen kann – wenn man es denn nicht bevorzugt, einmal im Ausdauerlauf die 14 km um die Mauer zu laufen... .

 

 

c.)

Östlich der ummauerten Altstadt Stadt findet sich der daoistische Ba-Xian-Gong-Tempel (Eintritt 10,- Yuan), ein ausgesprochen malerischer Platz der Ruhe in der ansonsten doch recht lebhaften Stadt. Wer bis dato noch keinen daoistischen Tempel gesehen hat, sollte sich hierher begeben.

 

           

 

  

 

d.)

Abzweigend von der Dong Dajie – Strasse, nördlich gegenüber des Xi`an Royal Hotels beginnt eine gut 250 Meter lange, versteckte Ladenzeile, die nur selten von Touristen besucht wird und welche man im dortigen Hochglanzbusinessviertel nicht unbedingt vermutet. Sie kann aber mit Recht als Geheimtipp angesehen werden: Es handelt sich um den Markt für Frischfisch, - fleisch, Schalen-, Krabbentiere und Amphibien. Selten habe ich eine solche Ansammlung von Süß- und Salzwassergetier unterschiedlichster Art, Güte und Größe gesehen; am meisten begeisterten mich die bis zu ½ Meter langen Garnelen und Langusten mit ihren antennengleichen Fühlern

 

 

 

Martialisch muten die blutüberströmten Arbeitsplätze an, an denen Wasserschlangen oder Aale flugs über einen Nagel gezogen aufgeschlitzt und dadurch verarbeitungsgerecht ausgenommen werden... .

 

 

Hier ist aber auch festes Schuhwerk angesagt – wer in den manchmal üblichen Trekkersandalen einherstapft, wird sich ob des zahlreich herumliegenden, meist übelriechenden Unrates unterschiedlichster Klassifikation sicher bald wünschen, er sei mit besseren Tretern ausgestattet oder überhaupt nicht hier.

 

e.)

Die meisten Leute betrachten jedoch die beiden „Wildganspagoden“ – die „Große“ und die „Kleine“ als die „Hauptsehenswürdigkeiten“ von Xi´an:

 

Sicher ist die Anlage der „Großen Wildganspagode“ (Eintritt 25,- Yuan) monumentaler. Aber hier wirkt auch alles steriler – selbst die anliegenden Klosteranlagen scheinen eher wie ungenutzte Vorzeigeobjekte und alles ist touristisch überlaufen.

 

 

Viel malerischer und abgeschiedener ist dagegen das Terrain mit und um die „Kleine Wildganspagode“ (Eintritt 18,- Yuan), gelegen in einem ausladenden Park mit alten Bäumen unter denen sich auch der Glocken- und Trommelturm finden.

 

 

Dort findet sich auch eine kleine Ausstellung von Transportmitteln früherer Zeiten – verstaubte Sänften und Räderkarren fristen in einer Ecke eines stelenübersäten Gartens ein trauriges Dasein.

 

2.

 

a.)

Am nächsten Tag begebe ich mich zu dem Platz, der unter dem Strich gesehen der hauptsächliche Grund ist, warum die meisten Touristen X´ian überhaupt ansteuern:

die gut 40 km vom Stadtcentrum entfernte Terracottaarmee des ersten chinesischen Kaisers Qin Shi Huang sowie dessen Grabanlage selbst.

 

Man kann entsprechende Touren dorthin in der Regel auch über Reiseagenturen oder das eigene Hotel buchen. Dafür werden dann ca. 190 – 250 Yuan inklusive Fahr- und Eintrittsgelder verlangt. Ich praktiziere aber – wie immer – Eigenregie, was einiges Mehr an Arbeit und erlebtem Chaos, jedoch auch ein Vielfaches an originellen Erlebnissen und geringeren Kosten – ich komme mit ca. 140,- Yuan weg – nach sich zieht.

 

Mit einem Schnellbus gelangt man vom Bahnhof für 7,- Yuan in gut 40 Minuten zum Gelände der Terracottaarmee; unterwegs kann man bei Bedarf auch aussteigen und die tatsächlich weniger als immer angepriesen spektakulären Thermalquellen von  Huaqing besichtigen.

 

Das Gelände der Tarracottaarmee – Eintritt 90 Yuan – ist recht weitläufig, das Wesentliche bilden vier Hallen:

In einer wird näher auf die Geschichte der Entdeckung und Ausgrabung der Armee eingegangen sowie ausgegrabene Streitwagen präsentiert.

Die weiteren drei überwölben drei Ausgrabungsgruben; beherbergend hauptsächlich die Infanterie (Grube 1); Kavallerie (Grube 2) und eine Kommando-/Hauptquartier nebst diversen, noch nicht ausgegrabenen Bereichen (Grube 3).

Für mich war rein inhaltlich gesehen der Besuch dieses Ortes eigentlich wenig sinnvoll, hatte ich mir doch einzelne Objekte der Armee, Panoramen sowie umfangreiche Informationen über sie bereits in zwei sehr guten Ausstellungen in Deutschland zu Gemüte führen können. Die dort hervorgehobenen Einzelobjekte werden auch hier in annähernd gleicher Art und Weise präsentiert, und daher ist es eigentlich egal, ob man diverse Tonkrieger in Vitrinen in Deutschland oder hier vor Ort besichtigt bzw. unnötig, dieses hier oder dort zu wiederholen.

 

Was jedoch den hiesigen Platz so originär macht, so dass es entgegen den vorangegangenen Betrachtungen nicht nur notwendig, sondern unabdingbar erscheint, hier vorbeizuschauen, ist die in der Masse des Auftretens der Ausgegrabenen Tonkrieger liegende Monumentalität des Ensembles:

Nur wenn man einmal die Halle eins betrachtet, wird dieses recht eindeutig: Photos, Dioramen oder multimediale Darstellungsversuche muten gegenüber dem die Sprache verschlagenden, realen Anblick von in mehreren, gut 300 m langen Reihen hintereinander angetretenen, jeweils unterschiedlich gestalteten, tönernen Soldaten nahezu stümperhaft an. Allein für diesen Anblick lohnt sich der Ausflug hierher.

 

 

  

 

           

 

Weniger lohnend, wenn nicht sogar vollkommen überflüssig ist dagegen eine Visite der gut 2 km vom Standort der Terracottaarmee gelegenen, von dieser recht einfach mit einem der zahlreichen Busse für wenige Kuai erreichbaren Grabanlage des Kaisers Qin Shi Huang.

 

Es ist wirklich nicht übertrieben: Die Örtlichkeit besteht aus einem schätzungsweise noch 60-80 m hohen, von einer gut 3-4 Meter hohen Mauer umschlossenen, gestrüppbewachsenem Hügel mit einer etwa 50 Meter im Quadrat ausmachenden Basis, den man über eine Treppe erklimmen kann. Oben angekommen ist dann festzustellen, dass man eben nichts weiter als das soeben Beschriebene erblicken kann; zuzüglich vielleicht den Andeutungen von vier ehemaligen Wasserbecken. (Sicher, dieser Ort, einstmals mit unzähligen Gebäuden als einer Art Totenstadt bestückt, mag als die eigentliche Ursache für die Existenz der Terracottaarmee angesehen werden und von entscheidender historischer Bedeutung sein, zumal die unterirdisch unter dem Hügel liegende Grabanlage noch unausgegraben und mutmaßlich unversehrt ist.

Aber dennoch lohnt sich eine nähere Besichtigung, sprich das Löhnen des Eintrittssalaires von 40 Yuan in keiner Weise; man kann sich den Hügel auch von außerhalb der Umfassungsmauer ansehen... .

 

b.)

Auf dem Rückweg nach Xi´an nehme ich nicht den Expressbus, sondern eine Zuckelkutsche, die in 1 ½ Stunden über die Dörfer „prescht“ und lasse mich nach einmal umsteigen in sengender Hitze am Rande der Stadt am sogenannten „Banpo-Museum“ (Eintritt 20 Yuan) absetzen.

 

Es handelt sich dabei um die konservierte Ausgrabungsstätte eines neolithischen Dorfes, zuzüglich eines Museums mit ausgegrabenen Fundstücken sowie einer historischen Einführung. Daneben gibt es noch den etwas kruden Versuch des Nachbaues des Dorfes in Lehm, Stroh, Beton und anderen, neuzeitlichen Baumaterialien. Für archäologisch Ambitionierte ist dieser Platz sicherlich sehenswert, für den Laien wohl weniger.

 

3.

Einen weiteren Tag sollte man sich Zeit nehmen, um zum buddhistischen Pilgerzentrum Famen Si zu fahren (Fahrzeit ca. 1 h 20 min). Busse dorthin fahren für 50 Yuan hin und zurück vom Bahnhofsvorplatz (man muss etwas suchen bzw. fragen...) ab. Die Gefährte sind meist mehrheitlich mit Chinesen besetzt, welche durch eine Busangestellte wie eine Reisegruppe durch bzw. um Famen Si herumgeführt werden, inklusive des Besorgens von Eintrittskarten etc. (Motto wiederum „Es lebe das Kollektiv !“). Als Ausländer wird man gern in diesen Service integriert, muss sich ihm aber nicht anschließen, kann sich alles auch allein ansehen und nur zeitig genug zurück am Bus sein.

 

Famen Si besteht zum einen aus einem kleineren, meist weniger beachteten Tempelkomplex und der eigentlichen Pagode von Famen Si mit dem angeschlossenen Kloster- und Schulkomplex:

 

Der kleinere Komplex (Eintritt 18,- Yuan) ist eigentlich eine auf einem höheren Podest befindliche, strahlendweiße Stupa, in Form von vier mit dem Rücken zueinander sitzenden, in die vier Himmelsrichtungen schauenden Buddhastatuen, welche allerdings von ihrer Gestaltung her weniger chinesisch, denn eher südindisch oder aus dem ceylonesischen Raum kommend anmuten

 

          

 

 

Unter der Stupa, also in deren Sockel, findet sich eine ähnliche Höllendarstellung wie schon im Palast of Ghost bei Fengdu.

 

Die gut 300m davon entfernt befindliche, eigentliche Pagode von Famen Si (Eintritt 28,- Yuan; angeschlossenes Museum 35,- Yuan), ein Neubau der letzten Jahre des 20 Jh. ist inclusive des ebenso neu errichteten, angeschlossenen buddhistischen Kloster- und Schulkomplexes meines Erachtens bei weitem nicht so sehenswert, wie der kleinere Komplex

 

 

Aber aufgrund der im Fundament der Pagode befindlichen Krypta - dem einzigsten Überbleibsel des Vorgängerbaues der jetzigen, hier nunmehr stehenden Pagode - sowie den dort in kleinen Minisärgen aufbewahrten Gliedern eines angeblichen Fingers des Buddha ist dieser Platz bekannter und von Touristen und Pilgern frequentierter

 

 

Das Negative des Tages war Folge meiner eigenen Dummheit: Wie auch schon die vorangegangenen Tage, so war ich auch hier bei gut 40 Grad Hitze (die ich wohl aufgrund der Trockenheit nicht richtig bemerkte) ohne Mütze unterwegs, holte mir so einen Sonnestich und hatte aufgrund dessen bereits am Abend leichten Schüttelfrost und Halsschmerzen.

 

Am nächsten Tage, einem Sonntag, fahre ich nochmals zum daoistischen Ba-Xian-Gong-Tempel, wo ein sonntäglicher „Flohmarkt“ stattfand. Immer zu diesem versuchen dort die Einheimischen allen möglichen Krempel um und an den Mann zu bringen. So finden sich alte Waffen neben Buddhastatuen, Mao- und Stalinplakaten/-orden nahe bei Elektrogeräten, Musikinstrumenten Hand in Hand mit Räucherstäbchen

 

 

   

 

   

 

Da diese, von einem recht entspannten Flair getragene Veranstaltung

 

  

 

 

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auf der auch der Fremde gern gesehen wird, keinen touristischen Hintergrund hat, kann man hier mit einigem Verhandlungsgeschick auch einige Schnäppchen machen.

 

Nachdem ich mir noch einige Kamillenblüten, eklig schmeckende (und nicht wirkende) Halstabletten sowie Kangbindu-Medizin-Pulver gekauft habe, begebe ich mich von sonnenstichbedingten Fieber und Kopfschmerzen gepeinigt zurück ins Hotel, wo ich den Rest des Tages im Bett verbringe. Irgendwann gegen elf Uhr abends schlafe ich endlich ein und bin dank der chinesischen Medizin über Nacht auch den Großteils des Fiebers los... .

 

24. Tag: Xi´an - Luoyang

 

Mein Hotel in Xi´an ist einfach Spitze: Auf Nachfrage, ob man eine preiswerte Bleibe in Luoyang kenne, vermittelt man mir über Telefon sofort ein Zimmer im „Mingyuan Youth Hostel“ in der Jiefang Lu Nummer 20 in Luoyang.

 

Gegen 11 Uhr fährt mein Zug nach dort ab. Zwar habe ich für 71,- Yuan wiederum drei Tage im Voraus eine Fahrkarte für die Hartbettenklasse erstanden, jedoch ist von dem bisher in dieser Klasse erfahrenen Komfort hier keine Spur.

Wahrscheinlich sind die Wagen dieses Zuges bereits vor 500 Jahren in Dienst gestellt worden... .

Aber egal, ich bin gesundheitlich doch noch nicht wieder richtig auf dem Damm, trinke Tee, schlafe, überlasse meinen chinesischen Mitfahrern des erstaunlich leeren Zuges bereitwillig meine Reise- und Sprachführer zum Zwecke der allgemeinen Belustigung; schaue aus dem Fenster in die heute ganztägig von Regen überschüttete Landschaft hinaus.

Nach ca. 6 Stunden ist Luoyang erreicht; problemlos gelange ich nach dem vergeblichen Versuch, eine Fahrkarte nach Peking zu kaufen - irgendwie scheint hier der dritte Tag des Vorausverkaufes für Fahrkarten mitgezählt zu werden, so dass man effektiv zwei Tage im Voraus kaufen muss – das Hostel, wo ich die nächsten drei Tage für 150,- Yuan pro Nacht (inkl. Frühstück) recht passabel unterkomme.

 

Der Versuch zu ergründen, wie und wann man am besten eine Fahrkarte nach Peking bekommen könne, bringt mir eine wirklich offenherzige, aber derart unbeholfen wirkende Hilfsbekundung seitens des Receptionspersonals ein, die mich gewiss sein lässt, den Fahrkartenkauf doch besser selbst zu organisieren zu suchen... .

 

Wie ich bald feststelle, ist Luoyang bei aller Liebe ein Nest, in dem abzusteigen sich nur wegen der nicht weit entfernten Longmen-Grotten sowie der Nähe zum Shaolin-Kloster lohnt:

Ansonsten gibt es hier laut Reiseführer eine angeblich sehenswerte Innenstadt, welche die dahingehenden Autoren sicher nie selbst besucht haben, denn dann würden sie wissen, dass eine solche überhaupt nicht existiert. Zum Flanieren oder Verweilen laden, insbesondere am frühen Morgen, wenn noch nicht soviel los und die Abgasbelastung gering ist, die begrünten Uferpromenaden des an der Stadt vorbeifließenden Flusses oder der Wancheng-Park ein. Es gibt aber auch zwei Straßenzüge, die mit Hochglanzkaufhäusern aufwarten – für den, der es braucht. Wer noch Sinn für typisch chinesische Kuriosa hat, findet solche ebenfalls am Ufer des erwähnten Flusses: Da ist zum einen eine Art Funkturm, dessen Basis eine Copie der Istambuler Hagia Sophia bildet, aus der ein Duplikat des Berliner Fernsehturm nach oben strebt, umkleidet von einem Außengerippe in Gestalt des Eifelturms. Zum anderen findet sich eine Art Palast, dessen Außenmauern den Moskauer Kreml imitieren, dahinter zur einer Art Moschee aufsteigen, um schließlich von einem daraus erwachsenden Schloß Neuschwanstein bekrönt zu werden.... na ja,.... .

 

25. – 27. Tag: Luoyang

 

1.

Am ersten Tage meines Aufenthaltes jogge ich früh bei beginnendem Regen vom Hostel 14 Kilometer zu den Longmen-Grotten, fahre von dort aus mit dem Localbus für 2 Yuan zurück zum Hauptbahnhof, erwerbe erfolgreich für 185,- Yuan eine Fahrkarte in der Hartbettenklasse nach Peking (doch zwei Tage im Voraus !), begebe mich zurück zum Hotel, schnappe dort meine Photosachen und fahre nochmals, diesmal aber per Localbus, zu den Longmen-Grotten (Eintritt 80,-. Yuan).

Es schifft in Strömen, ich versuche mich unter einem dafür vor Ort erworbenen, quietschgelben Regencape zu verstecken, werde aber trotzdem nass – entweder vom Regenwasser oder aufgrund Schwitzklimas in diesem Überhängegewächshaus. Der einzige Vorteil des Regens – es sind zwar immer noch genügend Touristen (meist Chinesen) unterwegs, aber bestimmt weniger, als es bei Sonnenschein gewesen wären.

 

Die Grotten an sich sind phantastisch, vorausgesetzt, man macht sich von vornherein keine Illusionen darüber was einen erwartet:

Auf einigen hundert Metern Länge und gut 50 Metern Höhe sind diverse Grotten, Nischen, Höhlen sowie darum und darin Darstellungen aus der buddhistischen Mythologie in den Stein oder aus diesem herausgehauen worden – Hochrelief, Flachrelief oder Halbplastik wetteifern in verschiedensten Größen und Formen zu Tausenden miteinander. Leider sind die aus verschiedenen Stilepochen aus dem Zeitraum von ca. 490 - 900 stammenden Darstellungen im Laufe der Zeit durch religiös oder ideologisch begründete Bilderstürmer- oder Souvenirjägerei zu ca. 80 % ihrer Köpfe, Kopfpartien oder Gesichter beraubt; auch die wenigen, noch verbliebenen Malereien scheinen recht verblasst. Somit ist der heutige Anblick nur noch ein schwacher Abglanz des Einstigen und enttäuscht werden könnte, wer denn mehr erhofft.

 

  

 

Dafür ist vollständig erhalten Gebliebene jedoch um so beeindruckender, wobei natürlich die sogenannte „Grotte der Ahnenverehrung“, eigentlich keine Grotte, sondern eine Art künstlich angelegter Felskessel, aus dessen Steilwänden zwischen 20 bis 30 Metern an Größe messende Figuren im Hochrelief herausgearbeitet worden sind, besonders hervorsticht

 

 

  

 

 

Nur wenige Bushaltestellen von den Grotten in Richtung Innenstadt von Luoyang entfernt liegt der Tempel-/Klosterkomplex von Guanlin Miao – Tempel (Eintritt 30,- Yuan), den man sich nicht entgehen lassen sollte:

Denn zum einen ist er abgeschieden ruhig und nahezu ein Musterbeispiel eines über die Jahrhunderte hinweg lebendig gebliebenen, buddhistischen Tempels. Insbesondere die alten Bäume mit ihren verdrehten Stämmen, umflattert von zahllosen roten Bändchen und oft genug eingehüllt in Wolken verbrannter Incense geben dem Ort etwas Mystisches.

 

Zum anderen hat der Ort eine nicht zu unterschätzende historische Bedeutung, liegt doch in seinem Centrum unter einem Hügel der Kopf des berühmten Generals von Liu Bei, dem Guan Yu aus der Zeit der Drei Reiche begraben, der nach der Hinrichtung dieses Militärführers hierher verbracht und bestattet wurde. Die für ihn typische Waffe, die sogenannte „Große Hellebarde des Guan Yu“, mit der er auch immer dargestellt wird, erlangte nach seinem Tode bis zum heutigen Tage weite Verbreitung auf dem Gebiet der Kampfkünste und hält das Andenken an ihren Träger wach.

 

2.

Den nächsten Tag wollte ich eigentlich vollumfänglich der Visite des Shaolin-Klosters und Umgebung widmen. Eigentlich !

Leider lasse ich mich – und rate hiermit daher jedem von einem dahingehenden Unterfangen ab – von der Hotelreception dazu überreden, den hoteleigenen Tourbus für 30 Yuan (hin und zurück) zu nehmen, der angeblich täglich um 8 Uhr nach Shaolin fährt.

 

Besser wäre es gewesen, in aller Herrgottesfrühe einen der zahlreichen Busse vom Hauptbahnhof nach Shaolin oder Dengfeng und von dort dann nach Shaolin zu nehmen. Dann ist man nämlich definitiv nach 1,5 Stunden in Shaolin (Gesamtfahrpreis für eine Strecke ca. 18 Yuan). Eine gute Idee ist es ggf. auch, gleich in Dengfeng zu übernachten (Achtung: spärliche Hotelauswahl), um von dort aus nicht nur Shaolin per „Katzensprung“ sowie die Longmengrotten in Luoyang besuchen, sondern auch täglich „live“ das meistens im Freien stattfindende Training hunderter Kung-fu-Schülern der von Shaolin nach Dengfeng umgezogenen Kampfkunstschulen erleben zu können, welches man in dieser Form in Shaolin leider nicht mehr finden kann.

 

Aber ich warte – gutgläubig-naiv - auf den „Hotelbus“, der sich gegen halb neun Uhr in der Frühe endlich ein- und als Sammelbus für diverse, noch abzuklappernde Herbergen herausstellt.

Auch wird bald klar, dass er nicht direkt Shaolin anfährt, sondern zunächst die nahe Dengfeng liegende Songyang-Akademie sowie einen angeblichen Schwestertempel des Shaolintempels ansteuern wird. Selbst wenn einen diese nicht interessieren, man also dafür keinen Eintritt an die Busleitung bezahlen will, hängt man so an diesen Orten doch wartend mit fest und verliert dadurch gut 2 ½ Stunden wertvoller Zeit – ich war entsprechend begeistert davon... .

 

Endlich in Shaolin angekommen, blieben nach dem Begleichen von 100 Yuan Eintritt nur noch knapp 3 Stunden Zeit zum Umsehen, bevor der Bus weiterfahren sollte. Dieses reichte natürlich in keinem Falle aus, um alles oder auch nur das Wichtigste zu sehen.

Ich musste demnach auf den Aufstieg zur Bodhidharma-Höhle ebenso wie auf die Seilbahnfahrt (30 Yuan) dorthin verzichten, von weiteren Ausflügen, etwa zum berühmten See ganz zu schweigen.

Vielmehr hatte ich mich darauf zu beschränken, einen Blick auf die an der Shaolin von Ost nach West durchziehenden „Hauptsstraße“ gelegenen Stätten zu werfen:

An einer überdimensionalen Bodhidharma-Statue sowie einem Stein/einer Stele vorbei, mit der sich hier fast jeder als Beweis des „ich war in Shaolin“ ablichten lässt, nebst einer Ansammlung von in diversen Gebäuden untergebrachten Souvenirshops vorbei gelangt man durch ein wiederum etwas zu groß geraten scheinendes Tor und auf einen sich anschließenden Asphaltstraße, zunächst zurr noch im aktiven Trainingsbetrieb befindlichen Kung-fu-Schule Tagou.

 

Kurz dahinter liegt ein hauptsächlich von zahlungskräftigen Ausländern und Chinesen frequentierte, staatlich gefördertes Trainingszentrum.

Dort kann man in einer klimatisierten Arena eine ca. aller 20 bis 30 Minuten stattfindende, ca. ¼ - stündige Showdarbietung von Shaolin-Schülern beiwohnen

 

 

           

 

und in angeschlossenen Shops diverse, natürlich preislich „entsprechend gehaltene“ Souvenirs erstehen (Zu kostenpflichtigen „Dienstleistungen“ gehört u. a. auch das daselbst offerierte Schreiben des eigenen Namens in Chinesisch auf einen Zettel – also nicht wundern, wenn man dafür zur Kasse gebeten wird...). Ob es sich bei den Beteiligten der Veranstaltung um bloße Kung-fu-Schüler des Centrums oder wirklichen Mönche des Klosters handelt, ist dabei nicht ersichtlich, tut jedoch der Darbietung an sich keinen Abbruch.

 

Eines sollte zu Gunsten dieser oft gescholtenen Show gesagt werden: Sicher – es ist eine auf touristisches Tohuwabohu angelegte, extrovertierte und hinsichtlich des Zerschlagens von Eisenplatten auf dem Kopf mit nunmehr schon bekannten Kniffen und Tricks arbeitende Präsentation, welche mit den ursprünglichen Intentionen der Kampfkunst nur noch wenig zu tun haben mag. Aber zum Einen muss man das, was dort geboten wird erst einmal nachmachen können, bevor man es kritisiert (selbst Schauspielerei will erst einmal gekonnt sein). Und zum Anderen ist es immer auch eine Frage dessen, was nachgefragt wird: Würde niemand solchen Darbietungen seine Aufmerksamkeit schenken, würden sie sicher nicht in jener Form oder überhaupt stattfinden... .

 

Einige Türen von den Souvenirshops entfernt befindet sich eine Trainingshalle, in der die im in diesem Trainingszentrum trainierenden Chinesen und Ausländer ihrem kampfkünstlerischen Tagwerk nachgehen. Mit etwas Geschick kann man dabei auch zusehen; ich selbst habe Zeit meiner Besichtigung dort zwei Ausländer trainieren sehen. Zur Qualität des Trainings kann ich nichts sagen, da ich nur einen Ausschnitt – man übte gerade den Schmetterlingstritt und eine gesprungene Schraube, wobei sich Ausländer wie Chinesen gleichermaßen geschickt anstellten – mitbekommen habe. Dem Centrum ist, wohl für dessen zahlungskräftige Eleven, auch ein Hotel mit einem Restaurant angeschlossen. Diesem ist eine Art Innenhof vorgelagert, wo auf einer parkähnlichen Rasenfläche zahlreiche, mutmaßlich traditionelle Trainingsgerätschaften installiert sind, zuzüglich einiger, in einem hässlichen Rotton gehaltener Statuen, die Kungfu-Kämpfer darstellen sollen. Das Ganze wirkt aber derart aufgeräumt und gepflegt, ja museumsgleich, dass ernsthafte Zweifel angebracht scheinen, ob hier je jemand trainiert (hat), man wohl eher einem Touristengag aufgesessen ist

 

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Von diesem Ort aus gelangt man zu Fuß der Straße folgend – es sei denn, man ist so faul, dass man sich mit einem Elektromobil für 10 Yuan herumkutschieren lässt – nach ca. 1,5 km, vorbei an weiten Feldflächen, die wohl einst als Trainingsplätze gedient haben zum Shaolin-Tempel nebst angeschlossenem Klosterkomplex

 

 

  

 

 

 

 

Erwartungsgemäß ist man hier selbst bei größter Hitze und mitten in der Woche nicht der einzige Besucher. Manchmal hatte ich meine liebe Not, vor meist chinesischen Touristen etwas von den Tempelgebäuden vor die Linse des Photoapparates bekommen zu können; jegliche Mystik oder auch nur Ruhe und Abgeschiedenheit des Ortes kann man vergessen

 

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Wahrscheinlich muss man wirklich bis zur Bodhidharme-Höhle kraxeln, um hier irgendwie zur irgendeiner Besinnung kommen zu können.

(Dahingehend sollte man aber nicht vergessen, dass man auch selbst Teil dieser einen selbst nervenden Touris ist... ).

 

„Das Beste“ kam aber noch: Im zweiten und dritten Innenhof des Klosters stieß ich auf mehrere Gruppen von in schwarz gekleideten Nichtchinesen, die dort unter Anleitung von über diese Veranstaltung ersichtlicherweise selbst amüsierten Einheimischen – ob nun Mönchen oder nicht, war ziemlich egal – Kung-fu zu üben versuchten

 

           

 

 

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Zur Ehrenrettung vorweg: Jeder hat mal mit irgendwas angefangen und sich dabei sicher sonstwie angestellt. Und wenn man sich im pubertär-jugendlichen Alter befindet, protzt man manchmal auch mit auch nicht vorhandenen Fähigkeiten durch entsprechend „öffentliches Trainieren“ – obgleich man sich lieber in den hintersten Hof zurückziehen und die Tür für Zuschauer verschließen sollte.

Nichtsdestotrotz produzierten sich die besagten Personen - alle wohl ab Mitte 20 aufwärts und somit jugendlicher Unvernunft in der Regel eigentlich entwachsen  – vor hunderten von Touristen ihre „Künste“ - jeder übrigens mit einem riesigen, farbigen Aufdruck auf dem Rücken, der das ihre Zugehörigkeit verhieß: „USSD – United Studios of Self Defense“. Ich – auch schwarz angezogen - habe mich beinahe meiner ebenfalls nichtchinesischen Nationalität geschämt und mein Gesicht verborgen, auf dass ich ja nicht dieser Truppe zugerechnet wurde.

Die Leute sollte ich übrigens zwei Tage später in Peking wiedersehen – lang kann ihr Trainingsaufenthalt also nicht gedauert haben – und ein erneutes Wiedersehen auf dem Flughafen ermöglichte dann die eindeutige Zuordnung durch die herumgewedelten Reisepässe: United States of America.... .

 

Mir blieb nach dieser unspektakulären Visite nur noch wenig Zeit, aber sie reichte aus, um noch zum gut 500m entfernten Friedhof, auch als Pagodenwad bezeichnet zu gelangen

 

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Zwar geht es dort etwas entspannter zu als im Kloster selbst, da das Areal groß genug ist, dass sich die wenigen Touristen verlaufen können, wenn sie sich denn tiefer als nur bis zum Eingang in den Friedhof vordringen (wobei letzteres auch deshalb wärmstens zu empfehlen ist, da gerade die nicht disneylandartig herausgeputzten Areale des Pagodenwaldes die eigentlich originelleren sind

 

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Allerdings wird man (auch dort) zuweilen recht penetrant von älteren Frauen belästigt, die hier Souvenirs, meist die typisch buddhistischen Mönchsketten, an den Mann zu bringen suchen.

 

Als es dann – wie schon angedeutet – viel zu früh wieder per Bus zurück nach Luoyang gehen sollte - es war gegen vier Uhr nachmittags - konnte ich noch ca. 60-80 meist junge Schüler der Tagou-Schule beobachten, die gut ½ Stunde auf einer recht schmuddeligen Fläche östlich der Schule zu Gange waren, wobei das alles aber einen Eindruck machte, als ob man sich nicht wirklich ernsthaft zum Training, denn eher zu einem nachmittäglichen Sit-In mit einigen Kung-fu-Einlagen hier getroffen hatte.

 

Als ob der Hetzerei nicht schon genug gewesen wäre, so hielt der Bus auf seiner Rückfahrt noch am wenige Kilometer von Luoyang entfernten Baima Si, dem „Tempel des Weißen Pferdes“ (Eintritt 35 Yuan), auf dass man den durchaus sehenswerten Platz – besonders bemerkenswert ist die zum Tempel gehörige, in einem wunderschönen Garten gelegene Pagode – dadurch missachten, dass man seiner nur 20 Minuten Besichtigungszeit widmen solle.

 

Im Ergebnis fand ich diese „Shaolinbesichtigung“ dann doch einigermaßen unbefriedigend.

 

3.

Am dritten Tag meines Aufenthaltes in Luoyang fuhr gegen 17 Uhr Nachmittags mein Zug – einer der neuesten und komfortabelsten der Hartbettenklasse  die ich je gesehen hatte – nach Peking (Fahrpreis 185,- Yuan) .

Glücklicherweise ließ mir das Hostel gegen einen geringen Aufpreis mein Zimmer bis zum Nachmittag. So hatte ich, der ich eigentlich noch einen Ausflug nach Dengfeng geplant hatte, mich jedoch die Hälfte der Nacht und des Morgens noch mit sonnenstichverursachten Kopfschmerzen herumplagen musste und mir somit den Ausflug nach Dengfeng buchstäblich aus dem Kopf schlagen konnte, noch Gelegenheit, mich etwas zu sammeln – unterstützt von Dampfbad aus Kamillenblüten und Chinabalsam.

 

28. Tag – 30. Tag: Luoyang – Peking sowie Peking

 

Unspektakulär und ruhig verlief die nächtliche Fahrt nach Peking, wo ich gegen 6 Uhr morgens anlangte.

 

Wie schon vor einem Jahr kam ich – allerdings schon seit gut 3 Monaten per e-mail vorangemeldet – im pieksauberen und vor Service (preiswerte Organisation diverser Besichtigungstouren; Shows; Organisation von Fahrkarten für Bus und Bahn; Vermittlung von Hostels in anderen Städten) strotzenden Hostel der Beijing Downtown Backpackers Accomodation (No. 85 Nan Luo Gu Alley, Pingan Dajie, Dongcheng District Beijing China; www.backpackingchina.com ; downtown@backpackingchina.com ) für knapp 7 Dollar pro Nacht (inkl. Frühstück) im Vierbettschlafsaal unter.

 

In gewisser Weise bin ich froh, dass ich schon im Jahr zuvor die „üblichen Attraktionen“ der Hauptstadt „abgeklappert“ habe und das jetzt nicht mehr machen muss. Ich beschränke mich somit auf eine Visite des nunmehr vollständig abgeschlossen restaurierten Himmelstempels – man hat ihn wirklich gut hinbekommen

 

 

– und habe Zeit, herrlich das Treiben sowohl in den älteren, bodenständigen Vierteln, etwa rund um die Dazhalan Lu – Strasse (südlich des Platzes des Himmlischen Friedens) als auch in den Hochglanzeinkaufsstraßen wie etwa in Viertel Wangfujing

 

 

beobachten oder mich selbst von diesem tragen lassen zu können.

 

Als ein kleiner Geheimtipp entpuppt sich der östlich des den Himmelstempel umschließenden Parks gelegene „Pearl-Market“:

Sicher können hier auch die üblichen Konsumgüter chinesischer Ur- oder Raubproduktion zu den astronomischsten Preisen erworben werden. Sehenswert sind aber vielmehr - auch bei keinerlei Kaufambitionen - die auf gut drei Etagen feilgebotenen Juwelen und Geschmeide, deren Hauptbestandteil – wie der Name des Marktes vermuten lässt – natürlich Perlen sind.

Weiterhin ist aber auch das Basement nicht zu verachten:

Hier findet sich ein ähnliches Angebot wie auf dem Fisch- und Schalentierenmarkt von Xi´an, nur ist der Platz hier um einige Nummern größer, das Angebot reichhaltiger und es wirkt etwas alles geordneter und nicht ganz so schmuddelig. Besonders faszinierend waren für mich die angebotenen Schwert- oder Sägezahnfisch- „Schwerter“ und die sich an bestimmten Ständen bis unter die Decke stapelnden, in Klarsichtbeutel verpackten getrockneten Haifischflossen (Den Gedanken, mir eine solche als „Souvenir“ mitzunehmen ließ ich dann bei einem – auch für Einheimische geltenden - Kilopreis von 1600 Yuan aufwärts ziemlich schnell wieder fallen).

 

Abschließend kann ich China also jedem empfehlen – vorausgesetzt er bringt neben einem erforderlichen, finanziellen Mindestbudget eine Fähigkeit mit: Sich hinsichtlich Allem auf das Wesentliche beschränken und gerade dadurch mehr denn beabsichtigt oder erwartet erleben zu können. Wer glaubt, im Schnellverfahren das Land kennenlernen zu können wird nicht nur sehr viel Geld lassen , sondern sogar noch weniger Einblicke als erhofft erhalten.

Und für die, die meinen, aufgrund des „Zeitnehmens“ zu wenig gesehen zu haben – gibt es sicher ein nächstes Mal.

 

Ralph Leitloff

 

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