Vorwegbemerkung:
Der
nachfolgende Bericht ist kein Schilderung eines Kampfkunstaufenthaltes, sondern
gibt Eindrücke einer gut 4-wöchigen Backpackertour durch Zentralchina im Jahr
2006 wieder; teilweise fließen allgemeine Erfahrungen aus einer Backpackertour
im Jahre 2005 von Moskau über Peking nach Xingyiang/Kashgar und Pakistan mit
ein.
Er
enthält aber einige Aspekte, betreffend Wudang und Shaolin, die für Leute mit
diesen Zielen interessant sein könnten.
Zunächst
sollte man sich die von der Redaktion auf diese Webseite eingestellten,
allgemeinen Infos zu Gemüte führen und vielleicht auch deren Reisebericht
lesen, um einige Vorstellungen von den Notwendigkeiten einer Chinareise zu
bekommen.
Ein
Vergleich der in beiden Berichten geschilderten Zustände wird schließlich
ergeben, dass sich die „Bereisbarkeit“ Chinas innerhalb der letzten 3 Jahre
extrem verbessert hat; sowohl mit Verkehrsmitteln kommt man besser voran, als
dass auch das Auffinden von akzeptablen Unterkünften einfacher geworden ist.
Jedoch
wurde auch vieles teurer; die nervigen Souvenirhändler in den Touristenzentren
zahlreicher; die Mobilfunktelephonie in den Städten nahezu unerträglich.... .
1.
Kosten und Geld
China
ist kein Billigreiseland. Wer denkt, er könne sich eine Tour bei grobem
Überschlag nur „geradeso“ leisten, sollte lieber verzichten und das Geld noch
ein Jahr sparen:
a.)
Insbesondere
schnelles und komfortables Reisen im Inland; der Besuch mehrerer
Sehenswürdigkeiten (Ermäßigungsmöglichkeit nur mit chinesischer
Studentenausweis, den zu fälschen oder einen Falschen sich zu besorgen man
lieber nicht versuchen sollte); Essen jenseits der Straßenküchen, in typischen
Touristenlokalen oder gehobeneren chinesischen Restaurants sowie Unterkünfte
gehen sehr schnell ins Geld.
Reisen
an der Ostküste (Hongkong; Shanghai); Peking und Macau sowie Tibet - ist i. d.
R. um einiges teurer als die Provinz; am Wochenende werden in den chinesischen
und ausländischen/nichtchinesischen Touristenzentren die Preise zum Teil
angehoben. Ein Gleiches geschieht anlässlich größerer Festivitäten oder
internationaler Veranstaltungen wie etwa dem Shaolin-Wushu-Festival oder
Sportveranstaltungen. Im Jahr der olympischen Spiele 2008 ist daher eine wahre
Preisexplosion zu erwarten.
b.)
Wer
Privatsphäre – wie ich – schätzt, muss in der Provinz und bei sparsamer
Lebensweise in Peking mit Preisen zwischen 100 und 240 Yuan (derzeit sind 9,8
Yuan = ca. 1 Euro) für ein Einzelzimmer oder ein Bett in einem Doppelzimmer (!
Das andere Bett wird dann evtl. an noch jemand anderen, Wildfremden vergeben !)
mit eigenem Bad nebst Dusche und integrierter Hock- o. in seltenen Fällen
westlicher Toilette rechnen. Die Qualität dieser Unterkünfte ist aber in der
Regel recht gut; man könnte oft meinen, dass sie mit Zimmern der Kategorie
vergleichbar sind, die in Deutschland zwischen 80 und 100 Euro kosten... .
Betten
in Dorms sind je nach Gegend zwischen 30 und 80 Yuan zu haben. Preiswertere
Hotels nehmen entweder gar keine Ausländer auf oder die Zustände lassen sich
mit denen aus dem Bericht der Redaktion vergleichen : Zitat: „...ein Klo, dass
wohl seit der Mingdynastie nicht mehr sauber gemacht worden ist.....
Noch
eins:
Die
Zimmer sind oft im Voraus zu bezahlen und meist wird für die Aushändigung des
Zimmerschlüssels ein „Deposit-Geldbetrag“, also eine Art Pfand verlangt.
Dagegen
ist zwar generell nicht auszusetzen bzw. auch nichts zu machen, jedoch kann man
es sich so abschminken, bei späterer Unzufriedenheit mit dem Zimmer den Preis
drücken und etwas zurückerlangen zu können (Ergo: Die Bude vorher gründlich
ansehen !).
Was
den Deposit angeht, so sollte man sich wehren, wenn er einen Betrag von 150
Yuan übersteigt, ggf. mit anderweitiger Zimmersuche drohen... .
Angesichts
der Deposithöhen ist zu vermuten, dass mit dem Geld zwischendurch sonst welche
Geschäfte gemacht werden....
Frühstück
ist i. d. R. in chinesischen Hotels nicht mit im Preis enthalten bzw. wenn es
welches gibt, so ist es Chinesisches, bestehend aus – für den Europäer schwerlich
Begeisterung auslösendem – Reisschleim, Jaozi-Teig-Fleischbällchen; gekochten
Eieren; sowie einigen oder mehreren Variationen von Nudeln oder gekochtem
Gemüse; manchmal gibt es auch noch eine Art frittierte Teigteile.
c.)
Eingerechnet
Essen an Straßengarküchen, einigem Transport mit lokalen Verkehrsmitteln,
Besuch einer oder zweier größerer Sehenswürdigkeiten muß meiner Erfahrung nach
mit mindestens 35 Euro (absolute Untergrenze) Kosten am Tag gerechnet werden.
Vielleicht geht es auch noch billiger, aber die Frage ist dann auf welchem
Niveau der untersten Skala man reist und wie hoch der Erlebniswert dann
wirklich noch ist.
d.)
Die
Währung Yuan, unterteilt in Jiao und diese unterteilt in Fen wird
umgangssprachlich meist mit Kuai (für Yuan) und Mao (für Jiao) bezeichnet.
Es
empfiehlt sich für den Backpacker eine „gesunde Mischung“ von baren und unbaren
Zahlungsmitteln mitzuführen:
Gegen
Verlust versicherte, am besten American Express – Travellercheques sind eine
sehr gute Variante für den Löwenanteil der Reisekasse, denn sie werden
zumindest in den Filialen der Bank of China im ganzen Land problemlos und mit
einigem Bitten in Notfällen auch in größeren 4-5 Sterne-Hotels in U$ oder die
einheimischen Währung umgetauscht.
Daneben
sollten einige größere und kleinere U$-Dollar-Scheinen für den Fall mitgeführt
werden, dass das Geld ausgeht – und das geht recht schnell im Reich der
Mitte... - und keine Bank in der Nähe ist oder diese gerade geschlossen hat.
Sicher,
der Euro ist vollkonvertibel und jede geldwechselnde Bank ist in der Lage ihn
zu tauschen, jedoch macht sich in Gegenden, wo man mangels Bank auf Bargeld
angewiesen ist und auch noch Geld wechseln muß, der Dollar aufgrund seines
Bekanntheitsgrades – und somit auch der dessen Umtauschkurses – derzeit (noch)
besser als der Euro. Für den Notfall – will heißen etwaiges bezahlen von
Arztrechnungen o. ä. – kann man auch an das Mitnehmen einer Kreditkarte denken;
in der Provinz ist diese aber relativ wertlos... .
a.)
Die
preiswerteste Transportmöglichkeit sind im Innenstadtverkehr und auf
Kurzstrecken Localbusse/Minibusse (ca. für 1-2 Yuan durch die ganze
City).
Wer
Taxis benutzt – diese kosten eine geringe Grundgebühr zzgl. einen ebenso
lächerlichen km-Preis, sind jedoch teurer als Busse aber in den Städten zur
Rush-Hour nahezu die einzigste Möglichkeit vorwärts- und dabei keine Macke zu
bekommen - sollte auf das Einschalten des Taxameters bestanden werden
(geschieht meist aber ohne Aufforderung), bei Weigerung einfach das Taxi
wechseln.
b.)
Für
Überlandfahrten taugen Langstreckenbusse im Gegensatz zu anderen Ländern
Ost- und Südostasiens nur bedingt, besser ist die Eisenbahn mit ihren 4
Klassen: Softsleeper; Hardsleeper; Softseater und Hardseater (letztere mit der
Unterscheidung zwischen mit und ohne Platzkarte).
Für
längere Strecken als 5-6 Stunden oder Übernachtfahrten sollte man versuchen,
Hardsleeper oder Softseater zu bekmommen; Softsleeper ist fast so teuer wie
Inlandsflug und nur wenig komfortabler als Hardsleeper.
Im
Hardseater, wo alles und jeder überall hin spuckt, seinen Müll hinschmeißt, man
zu viert auf einer Bank für zwei sitzt und die Sanianlagen einfach zum lieber
verkneifen werden solche Strecken sonst zur Hardcoreprüfung.
c.)
Probleme
i. V. m. dem Bahnfahren:
Die
Fahrkarten werden manchmal erst 3, manchmal erst 5 Tage (manchmal mit, manchmal
ohne das Mitzählen des Abfahrttages....) vorher ausgegeben und man kann in „A“
auch nur eine Karte von „A nach B“ erwerben, nicht aber in „A“ eine von „B nach
C“. Eine vorherige Grobplanung der Reise ist also für ein einigermaßen stetiges
Vorankommen unerlässlich... .
Weiterhin:
Die guten Klassen sind meist sehr schnell ausverkauft und man erhält selbst am
ersten Verkaufstag meist nur noch die „letzten Plätze“.
Darüberhinaus:
Der Erwerb einer Fahrkarte auf dem Bahnhof ist etwas stressig, wenn man nicht
mehr als „1, 2, 3“ auf Chinesisch sagen kann – obgleich, selbst wenn man mehr
Chinesisch beherrscht, sich immer genügend Leute finden, um zu versuchen, dem
fremden Exoten zu helfen. Ich hatte jedenfalls nie Probleme... .
Eine
dahingehende Vorabhilfe für den Fahrkartenkauf: Zumindest den gewünschten Zug
nebst Abfahrtszeiten und der sehr wichtigen Zugnummer findet man auf der
Website www.travelchinaguide.com
, so dass man zur Not die Daten dort abschreiben und diese am
Fahrkartenschalter vorzeigen kann, um zu signalisieren, was man will....
Der
oft von Hotels angebotene Kauf von Fahrkarten über eine Reiseagentur zieht
meist saftige Provisionsgebühren nach sich.
Nebenbei
für diejenigen, die immer unbedingt nach Tibet wollen: die von Golmud nach
Lhasa neu gebaute Eisenbahnstrecke war für Wochen überbucht und kostete
angeblich irgendwas bei 4000,- Yuan für ein One-Way-Ticket.
Schließlich
noch: Es ist nicht egal, wann man am Bahnhof anlangt um abzufahren, selbst wenn
man eine Platzkarte hat. Denn im Gegensatz zu westlichen Verhältnissen gibt es
in China immer noch die sog. Bahnsteigsperre (gab´s in Europa bis ins 20. Jh.
hinein auch mal). Das heißt, die Fahrgäste werden erst bei, nach oder kurz
(max. 30 Minuten) vor Ankunft des Zuges und dann auch nur unter Vorkontrolle
einer gültigen Fahrkarte vom Wartesaal auf den Bahnsteig gelassen:
Eine
Praxis, die zur Freude aller Reisenden erfolgreich Unfälle auf den Bahnsteigen
minimiert und von dort auch alles mögliche Gesindel – Penner wie Diebe –
fernhält.
Daraus
folgt aber auch: Wer keine Fahrkarte hat, kommt nicht mit; zu spät für einen
Fahrkartenkauf zu kommen und im Zug nachlösen zu können ist also nicht drin,
möglich ist nur, sich bei freigewordenen Plätzen etwa in die nächste Klasse
„Hochstufen“ zu lassen.
Weiterhin
muss man sich ausreichende Zeit vorher seinen Wartesaal nebst Zugang zum
betreffenden Bahnsteig suchen und sich dort so nahe wie möglich an den Zugang
setzen oder, wenn schon alles besetzt ist, sich schon mal vorsorglich dort
hinstellen, da kurz vor Öffnung des Zuganges alles aufspringt und dorthin
drängt – wobei Vordrängeln durchaus als legitim angesehen wird – und wenn die
Zugangsbarrieren dann geöffnet werden, so schrieb schon die Redaktion in nicht
treffender zu formulierbaren möglicher Art und Weise, „...die Menge schreiend
und tretend in Richtung Bahnsteig rennt....“, so dass, wer vorn dran ist, neben
einem evtl. reservierten Platz diesen selbst und auch noch genügend Platz für
sein Gepäck erhält bzw. beides erfolgreicher gegen garantierte
Occupationsversuche wird verteidigen können, als wenn man es denn erst – etwa
weil später gekommen – (zurück-) erobern müsste.
d.)
Inlandsflüge sind um einiges preiswerter als in Deutschland und
eine Erwägung wert, wenn man riesige Entfernungen zurückzulegen hat bzw. die
Verbindungen unmöglich sind.
In
der Regel sind Buchungen von Deutschland aus auch möglich; im Inland muß aber
häufig der so gebuchte Flug bei der jeweiligen Airline rückbestätigt werden; am
besten gleich nach der Ankunft auf dem nächsten Flughafen oder Büro der jew.
Gesellschaft.
In
China selbst sind die Flüge oft für einen besseren Preis als von Deutschland
aus zu bekommen. Problem aber: Nicht immer ist jede Verbindung gerade „ad hoc“
verfügbar und auf anderen Flughäfen als dem von Peking dürfte ohne chinesische
Sprachkenntnisse der Erwerb des Tickets bzw. das Erzielen eines günstigen
Preises für ein solches recht schwierig sein (ggf. zahlt dann doch noch
mehr...).
a.)
Überprüfung
der üblichen Impfungen (Diphterie, Tetanus, Keuchhusten und Polio) sowie
Auffrischung derselben – zahlt die Kasse.
Wer
sich sorglos auch in „verschlammten“ Gegenden herumtreiben, an jeder
Straßenküche essen und ab und zu auch mal Leitungswasser trinken will, dem
seien Hepathitis – A -, Thypus- und Cholera-Impfungen angeraten; weiterhin
Malaria in gefährdeten Gebieten und Tollwut für den Fall des Kontaktes mit
irgendwelchem „Getier“ (Auch Affen, die man an manchen Tempeln streicheln kann,
beißen mal schnell !). Alles Letzteres ist selber zu zahlen, derzeit Kosten um
250,- Euro (zeitig genug mit Immunisierung beginnen !!!)
b.)
Sonnenschutzmittel
und Mütze gegen Verbrennungen durch „Klärchen“, nicht nur in reinen Wüsten-
oder Strandgebieten.
c.)
Das
alles hilft natürlich nicht gegen den „gemeinen Dünnschiss“, der jeden
irgendwie mal für ein bis zwei Tage ereilen dürfte.
Das
ist aber auch normal, man gewöhnt sich dadurch an einige Bazillen und das
einheimische Essen.
Ein
Tip: Täglich zum Abend eine große rohe Zwiebel zu essen, verscheucht zwar
einige Mitmenschen, aber auf die Dauer auch die meisten ungebetenen Darmgäste.
Wenn´s
durchhaut – Immodium akut oder Kohletabletten für den „momentanen Stop“ und
ansonsten einem Chinesen das Problem notfalls mit Händen und Füßen schildern
und mit ihm oder selbst oder auf einen Zettel aufgeschrieben in die nächste
Apotheke gehen und traditionelles Heilmittel kaufen. Das hilft mehr als jede
Chemie.... .
d.)
Wer
Infekte, Sonnenstich, Fieber oder Erkältungen bzw. einen Mischmasch aus alledem
bekommt, besorge sich in der Apotheke „Kangbingdu Keli“ – ein meist in Kräuter-
oder Instantform erhältliches, mit Wasser aufzubrühendes, traditionelles,
widerlich bitter schmeckendes, braunes Mittel, das Schwitzen und dadurch
Vertreiben der Krankheiten besser als jedes chemisch fabrizierte Medikament
bewirkt (In Thailand kennt man das u. a. unter dem Namen „yah khom“ – bittere
Medizin oder „Namtaothong Bitter Tonic“).
e.)
Im
Übrigen:
Oft
wird von Leuten berichtet, die über einige Zeit in Kampfkunstschulen gelebt und
dort Kung-fu-Unterricht genommen haben, sich im Zuge dessen trotz des Konsums
von Unmengen sonst „eigentlich immer wirkender“ Medikamente (Kohle; Immodium
etc.) über längere Zeiträume mit Durchfall, Magenkrämpfen u. ä. quälten und
dieses im oft auf das ungewohnte Essen schoben.
Sicher:
An diesen Örtlichkeiten mag alles nicht so pikfein sein wie daheim und der ein
oder andere Krankheitskeim sich in Küche, topf und Pfanne (bzw. Wok)
einschleichen; übermäßig ölige und scharfe Küche – meist ist diese selbst
Ergebnis eines Mangels an Zutaten oder dem Fehlen der Fähigkeit, überhaupt
Kochen zu können - tut auch einiges dazu.
Die
Hauptursache für die erwähnten Krankheitszustände liegt jedoch bei
sportphysiologischer Betrachtung und auch aus der Erfahrung heraus ganz wo
anders: Wer vorher überhaupt nicht sportlich tätig war bzw. nur 1-2 Mal die
Woche oder auch täglich 2-3 Stunden sich austobte, dann aber im Rahmen eines
Trainingsaufenthaltes plötzlich mit Trainingseinheiten von 4-8 Stunden nebst
entsprechender Intensität und fremden Bewegungsabläufen belastet wird, den
ereilt selbst bei größter Motivation fast immer ein multiphysiologisches
Funktionsversagen, also eine Art Multimorbidität oder Dysfunktionalität auf
allen Ebenen, ausgelöst durch die körperliche und zum Teil auch seelische
Belastung (fehlt letztere, ist also genügend Motivation vorhanden, ist schon
einiges zur Heilung getan).
Und
dieses schlägt auch auf den Magen-Darm-Trakt, z. T. auch auf den Kopf durch.
Jeder
kennt das aus anderen Bereichen: Übermäßig viel Arbeit in Beruf oder Studium,
Ärger oder Streß verursachen meist auch – nebenbei – Magen- und Darmprobleme.
Da
dieses vor Ort aber nicht - auch nicht mit Medikamenten (!), da die Ursachen,
wie gezeigt, woanders liegen - zu ändern ist, hilft nur eine leichte, jedoch
nahrhafte Schonkost zu sich zu nehmen und den Rest Auszusitzen, d.h. sich nach
und nach an die Belastungen zu gewöhnen bzw. auf dem Weg dorthin eben auch mal
Pause zu machen, wenn es denn überhaupt nicht mehr gehen sollte (bitte nicht
mit Faulheit verwechseln !!!), auch wenn das schwer ist, insbesondere wenn man
ja vorher dafür bezahlt hat... .
c.)
Es
ist daher also dringend anzuraten, sich einiges Chinesisch beibringen zu
lassen. Ich meine damit ausdrücklich kein bloßes Selbststudium – dieses mag per
Lehrbuch; Kassette, CD etc. sicher bzgl. einer fremden, aber monotonalen
Sprache möglich sein.
Beim
Chinesischen jedoch, mit seiner für den Europäer unbekannten Schrift, den
Unterschieden von schlichter Aussprache von geschriebenen Piyinbuchstaben sowie
der auch noch 4-5-fach tonal-differrierenden Aussprache, erleidet man
Schiffbruch, wenn einem nicht zumindest anfangs “vorgesprochen“ wird, wie was
generell auszusprechen und dann auch noch zu betonen ist - Die Schwierigkeit
von Dialekten bzw. des Verstehens dessen, was das Gegenüber dann auf einen
mühsam richtig herausgewürgten Satz antwortet noch nicht mal eingerechnet.
Ich
habe – auch wenn man das belächeln möge – ½ Jahr einen Kurs Chinesisch für
Anfänger an der Volkshochschule mitgemacht und dann noch ¼ Jahr Selbststudium
drangehängt. Derart gewappnet ging es leidlich voran, aber oft war nach 3-5
mühsamen Sätzen meinerseits mangels Vokabeln und Aussprachekenntnis – die
Grammatik ist nicht ganz so schwer – Sendepause oder ich habe mein Gegenüber
meist nicht oder nicht mehr verstanden.... .
a.)
Sicher
– es heißt, es gebe ein „Ausländerschlachten“ = „Ausländerübersohrhauen“ als
chinesischen Volkssport.
Es
ist auch nicht von der Hand zu weisen, dass mit Ausländern immer viel Geld in
Verbindung gebracht wird, das zu erlangen das Ziel eines jeden chinesischen
Geschäftsmannes sein dürfte.
b.)
Aber
man muss sich auch vor Augen führen, dass einerseits diese zum Teil
konfuzianische Philosophie, dieses etwas andere Geschäftsgebaren, die Chinesen
schon seit Jahr und Tag und auch gegenüber ihren Landsleuten an den Tag legen ;
irgendwer sprach mal von einer Art „Raubritterkapitalismus im sozialistischen
System“ im Zuge dessen jeder soviel vom anderen als möglich zu erlangen trachte...
.
Andererseits
bietet dieses umgekehrt jedem Käufer auch die Chance, eine Ware, Dienstleistung
etc. für einen günstigeren Preis als üblich etc. erlangen zu können – wenn er
sich denn entsprechend geschickt anstellt (Im übrigen: In Deutschland gab es
bis zum Beginn des 20. Jh. auch nie irgendwelche Festpreise; jeder Krämer
schlug seine Preisvorstellungen an die Waren an und jeder Käufer hatte mit ihm
darüber zu handeln.... .).
Es
liegt also zum großen Teil an jedem selbst, wie man sich verkauft oder
einkauft:
Wer
keine chinesischen Zahlen lesen oder sprechen kann, ist demnach genauso selbst
daran schuld, wenn er, obgleich der Preis an der Ware angeschrieben ist,
„beschissen“ wird, wie derjenige, der nicht auf die altertümlichen Handwagen
schaut, wenn etwas ausgewogen wird bzw. nicht fragt, ob etwa die
ausgeschriebenen Preise für 1 Kilo oder für 500 Gramm gelten.... .
c.)
Preise
sind – ausgenommen in großen Kaufhäusern oder Supermärkten / Lebensmittelläden
– selbst wenn sie angeschrieben sind meist Verhandlungssache (insbesondere auch
bei „Kunstgewerbe“).
In
großen „Supermärkten“ – wenn sie denn vorhanden sind – ist das Angebot meist
größer - auch an nichtchinesischen bzw. zumindest englisch beschrifteten Waren
-, jedoch sind Lebensmittel, insbesondere Frischwaren, oft teurer, als man sie
auch ohne sonderliches Geschick auf dem Straßenmarkt erhalten könnte.
d.)
Größere
Anschaffungen macht man nicht so einfach allein, sondern fragt zunächst einen
bekannten Einheimischen, notfalls Leute aus oder in der Unterkunft, in der man
abgestiegen ist, was dieses oder jenes in der Regel kostet bzw. wo man es am
günstigsten kaufen solle.
e.)
Kommt
in Restaurants mehr auf den Tisch, als man bestellt hat, nimmt man nur das
Bestellte und zahlt auch nur das – auch wenn etwa extra Flaschen etc. für einen
geöffnet und hingestellt wurden. Entsprechend sind Rechnungen auch zu
korrigieren. Meist gibt es dabei keine Probleme – Bedingung: die Bestellung
vorher jedoch eindeutig festlegen !
f.)
Gegenüber
den in China noch moderaten und meist auch nur auf chinesische Touristen
ausgerichteten Souvenirhändlern - ich habe z. B. nicht erlebt, dass mir, wie
bspw. in Indien, jemand an einem Tempel schmeißfliegenartig eine gut 1 m lange
Incensefackel aufdrängen wollte, obgleich ersichtlich war, dass ich den Ort
nicht aus religiösen Gründen besuchen wollte – gilt: Bloß kein, auch nicht das
leiseste Interesse zeigen, sonst wird man sie nur schwer wieder los.... .
g.)
Auf
dem freien Markt geht man, schon um die Preise nicht zu verderben, wenn man mit
einem überzogenen Preis bedacht werden soll, wieder theatralisch seines Weges –
und wird sicher gestikulierend zurückgeholt und letztlich mit einem annähernd
fairen Angebot bedacht werden.
Faustregel:
Lächelt
das Gegenüber beim Bezahlen, so hat man erheblich zuviel gezahlt; wird etwas
herumgedruckst, hat man nicht erheblich, aber immer noch reichlich zuviel
berappt; wird geschimpft, so hat man einen adäquaten Preis erzielt; wird man
fortgejagt und auch nicht bei korrigiertem Angebot einen höheren Preises als
Vertragspartner angenommen, war es zuwenig (Letzteres kommt sehr selten vor
bzw. passierte mir selbst nur einmal).
h.)
Es
klingt trivial:
Aber
ich habe mich beim Lesen des Reiseberichtes der Redaktion vor meinem
Reiseantritt zunächst gefragt, ob man
sich denn wirklich um Beträge zwischen 1 und 5 Yuan streiten sollte.
Jetzt
weiß ich: Ja, man sollte es nicht nur, man muss es. Zum einen, um die Preise
nicht zu verderben und zum anderen, um den eigenen Geldbeutel zu schonen –
erhält man doch für 2-5 Yuan an einer Straßengarküche bereits eine vollwertige
Mahlzeit; für 1 Yuan einen Busfahrschein; für 2,5 Yuan 0,3 l Cola; für 1, 5
Yuan 0,3l Wasser..... .
Ergo:
Ich habe mich in China nicht mehr über den berühmten Tisch gezogen gefühlt, als
auf meinen zuvor über den Verlauf von 13 Jahren unternommenen Reisen durch den
Nahen und Mittleren Osten auch.
Schauergeschichten
gibt es überall, auch Kleinkriminalität (Taschendiebe etc.). Aber im
allgemeinen lebt es sich in China selbst in abgelegenen Gebieten zum Teil
sicherer als in Deutschland.
Wer
natürlich entsprechend protzig auftritt, zieht entsprechendes Interesse
bestimmter Klientel ebenso auf sich, wie man sich auch in hierzulande in
bestimmter Kleidung oder mit bestimmten Auftreten besser nicht in bestimmte
Viertel begeben sollte.
Besondere
Vorsicht ist allerdings geboten, wenn man es unbedingt nicht unterlassen kann,
nachts oder auch tags in dunkle Ecken der Stadt – insbesonder Rotlichtviertel,
Slums oder die berüchtigten Hinterhofgassen von Hongkong oder Shanghai - zu
visitieren. Insbesondere Hobbyphotographen sollten hier ihre Kameras bei
mangelnden Erfahrungen mit solchen Locationen lieber nicht präsentieren,
wollten sie sich denn nicht einigen Ärger einhandeln.
Was
die teilweise auch immer wieder erwähnten „Triaden“ angeht, so machen diese
ihre „Geschäfte“ mit den Einheimischen; Touristen werden in der Regel nicht
behelligt.
Einige
Worte zur Polizei: Sicher, sie tritt sie stets freundlich auf; jedoch sollten
sich Kontakte zum einen wegen der sich von den europäischen doch sehr
unterscheidenden Auffassungen von Menschen- bzw. Bürgerrechten sowie zum
anderen wegen der Gefahr undurchsichtiger Koruptionsstränge innerhalb der
Behörden auf ein nicht vermeidbares Minimum reduzieren.
7.
Die Chinesen und ihre Mentalität im Allgemeinen
Zum
Land gehören die Leute wie das Salz zur Suppe.
Chinesen
sind sicher etwas gewöhnungsbedürftig, wenn man andere asiatische Länder,
insbesondere Thailand, Indonesien oder Japan kennt bzw. sich vorstellt, China
sei nur von alten, zurückhaltenden, langspitzbärtigen Konfuziuscopien
bevölkert, die laufend Tee kochten, sich heimelig mit traditioneller
chinesischer Medizin beschäftigten, zu Tausenden friedlich mit der meist
assoziierten, flachkegelartigen Reisstrohkopfbedeckung Fahrrad fahren oder
beflissen T-Shirts o. ä. für „den Westen stricken“ bzw. wushu-mäßig durch die
Lüfte schwebten:
In
der Realität sind Chinesen in ihrem Verhalten wie auch in der Sprache laut und
extrovertiert (was besonders beim Auftauchen chinesischer Reisegruppenhorden
pankikartige Flucht angezeigt erscheinen lassen kann) und extrem neugierig.
Letzteres in gesteigertem Maße gegenüber dem meist freudig mit „laowai, laowai“
angerufenen Ausländer nebst dessen Gepäck und sonstigen Dingen, so dass dieses
schon mal ohne zu Fragen inspiziert wird.
Gegenüber
Landleuten ist man mehr, gegenüber Ausländern weniger rüde - ohne dass dieses
Unhöflichkeit bedeutet, es wird vielmehr als normal angesehen.
Es
wird fast überall hingenießt, gerackst, gespuckt; beim Essen laut geschmatzt,
lautstark zu nachtschlafender Zeit musiziert, Karten gespielt und/oder dabei
getrunken (Wozu der Fremde auch oft eingeladen wird – Vorsicht, die Leute sind
sehr trinkfest !!!!).
Auf
den Straßen insbesondere der Städte herrscht tagsüber ein gleichbleibendes, nur
gegen Mittag abebbendes Verkehrschaos ersten Ranges und im übrigen eine für den
westlichen Europäer ungewohnte Zweiteilung des Tages:
Ist
abends ab ca. 21 Uhr in den meisten Restaurants „Zapfenstreich“ und auch –
ausgenommen Tourizentren – auf den Straßen wenig los, scheint es dafür es aber
so, als ob spätestens gegen 5 Uhr morgens alle zwanghaft aus den Häusern auf
die Straßen geprügelt worden wären und somit bereits Rush-Hour angesagt ist,
wenn Europäer sich eigentlich noch mal im Bett herumdrehen würden.
Dafür
schlägt einem Nichtchinesen neben der bereits erwähnten Neugier auch eine
Hilfsbereitschaft entgegen, die ihres gleichen sucht und nicht im selben
Atemzuge – wie in anderen Gefilden – mit der Frage nach einem „Baqkschisch“
verbunden ist. Die Bereitschaft, sich mit dem „Laowai“ zu befassen steigt dann
auch noch um in Vielfaches, wenn dieser mehr als nur drei Worte Chinesisch kann
oder sich darin zumindest intensiver versucht.
Sicher
ist diese Hilfe ihrerseits auch etwas gewöhnungsbedürftig: Meist versucht nicht
nur einer oder eine dahingehend angesprochene Person höflich und zurückhaltend
zu helfen, sondern man hat gleich ein ganzes „Kollektiv von Helfern“ hinter
sich oder auf dem Hals und der ganze Vorgang geht mit ziemlichen Getöse -
jedoch meist in irgendeiner Weise erfolgreich – über die Bühne.
Ich
selbst habe jedenfalls niemals negative Erfahrungen gemacht: Wenn ich etwas
brauchte und zurückhaltend-höflich jemanden fragte, wurde mir immer geholfen.
Entgegenstehende
Berichte von Nichtchinesen, die ich traf, entpuppten sich ziemlich schnell als
Resultat nicht nur tollpatschigen, sondern extrem unpassenden Benehmens
derselben, die wohl in den konkreten Situationen in ihrer eigenen
Überheblichkeit vergessen hatten, wer wo Gast ist bzw. wer denn eigentlich was
von wem wollte und deshalb einer Hilfe etc. bedurfte.... .
Freundlichkeit
hin wie her; aufgrund der schon erwähnten Direktheit im Umgang miteinander und
auch des zum Teil harten Geschäftsgebarens – beides wird von den Chinesen
gegenüber Nichtchinesen nur teilweise „zurückgeschraubt“ – sollte man sich
jedoch davor hüten, zu sanft zu sein und sich unterbuttern zu lassen:
Wird
beim Rennen nach dem Zug, beim Reinquetschen in die U-Bahn oder beim Anstellen
an einen Schalter eines Amtes o. ä. mal wieder getreten, geschubst und
gedrängelt, so sollte man sich daran „dezent beteiligen“ – was angesichts der
die chinesische meist überragenden, europäischen Körpergrößen oft nicht schwer
sein dürfte – sonst läuft man nämlich Gefahr, nie zum Zuge zu kommen... (und
sich manchmal fast wie ein Ausländer in Deutschland zu fühlen).
Lonely
Planet „China“, letzte Auflage sowie
„China“
aus dem Stefan Loose Verlag = deutsche Übersetzung des Rough Guide „China“.
Letzterer ist dem Lonely Planet – vorausgesetzt gleichaktuell – vom Praktischen
her ebenbürtig, von den kulturellen/ historischen Ausführungen her ihm aber
haushoch überlegen.
Daher
sollten am besten beide Bücher mitgenommen werden, ggf. ungeachtet welcher
Auflage (und des Gewichtes).
Nelles Maps China North;
Central; South; Northeast.
Was
Landkarten von entlegenen Gebieten angeht, so ist entsprechendes Kartenmaterial
am besten sehr preiswert vor Ort zu erstehen, auch wenn es oft nur Chinesisch
beschriftet ist. Die nichtchinesischen Karten, die dahingehend erhältlich sind
– meist amerikanische Fliegerkarten – sind meist hoffnungslos veraltet.
In
den Städten selbst sind für wenige Yuan on Straßenhändlern Stadtpläne
erhältlich, die im Hinblick auf Buslinien gute Dienste leisten.
1. Tag: Berlin/Tegel-London-Peking-Shenzen-Xiangfan:
Ich
komme gegen elf Uhr nach einem Flug von Berlin über London in einer für diese
Entfernung nahezu unverschämt kleinen Maschine der British Airways auf dem
Pekinger Flughafen an.
Dort
lässt sich an den Schaltern einiger Banken problemlos – in der Regel von
8.00-20.00 Uhr – etwas Geld tauschen; ich gebe meine beiden Gepäckstücke – die
Phototasche wird vor der mit der Abgabe verbundenen Durchleuchtung
vorsichtigerweise von allen Filmen befreit - für unverschämte 50 Yuan bei der
Gepäckaufbewahrung auf und suche mir die bevorstehende, fünfstündige Wartezeit
bis zum Abflug meines, von Deutschland aus gebuchten Inlandsfluges irgendwie
auf dem mehrstöckigen Wartehallenareal des Airportes zu vertreiben.
Mir
fallen dabei die zahlreichen Schalter diverser chinesischer Airlines auf, an
denen sich mutmaßlich mit einigem Geschick auch Inlandsflüge vor Ort recht
problemlos und preiswert buchen lassen müssen; auch einige Ausländer versuchen
hier ihr Glück.
Im
Wartebereich sitzend habe ich bald Gelegenheit, meine Chinesischkenntnisse im
Zuge einer Unterhaltung zu testen. Da mein Gesprächspartner aber auch Englisch
spricht, wird die Bruchlandung nicht allzu hart bzw. er verbessert mich auf
meine Wünsche hin.
Kurz
vor dem Weiterflug beim Einchecken noch ein kurzer Schock: mein Name befindet
sich nicht auf der Passagierliste; ich werde zurück zum Schalter der
betreffenden Airline geschickt, wo ich den Flug noch mal bestätigen lassen
muss. Ich nehme es soweit wie möglich freundlich und daoistisch – gelassen und
wider unterbewussten Erwartens klappt das auch reibungslos.
So
fliege ich dann – von daheim aus für 110,- Euro vorgebucht und zuerst als
Direktverbindung gedacht, dann aber umgeleitet – zunächst bis Shenzen, also
fast einmal durchs Land nach “rechts neben Hongkong“ und von dort nach erneutem
Umsteigen wieder die Hälfte der Strecke zurück nach Xiangfan in der Provinz
Hubei, nicht weit vom Wudang-Shan-Gebirgszug entfernt. Dabei versuche ich erst
gar nicht die Logik oder Unlogik dieser Flugverbindung zu verstehen... .
Kurz
nach zehn Uhr abends – also zu ziemlich ungünstiger Zeit - schlage ich auf dem
eher einem Eisenbahnhaltepunkt letzten Ranges, denn einem Airport ähnelnden
Flughafen von Xiangfan auf und begehe – obgleich ich mir entgegenstehendes fest
vorgenommen habe – nach der erfolgreichen Entgegennahme meines Gepäcks gleich
den ersten Standardfehler:
Obgleich
nur wenige Leute recht unaufdringlich vor dem Flughafengebäude auf in- wie
ausländische Touristen warten, steige ich nicht in eines der offiziellen Taxis,
sondern in das eines einheimischen Pärchens. Es entspinnt sich die bei den
offiziellen Taxis unmögliche, da durch den Taxameter abgewürgte Feilscherei um
den Fahrpreis für die etwa 10 - 15 km lange Fahrt nach Xiangfan, wo ich in das
Hotel Landun Binguan gebracht werden wollte. Zuerst werden 80 Yuan verlangt,
ich bleibe hart bei 20, lade mein ohne mein Zutun oder Wunsch schon in das
Fahrzeug verfrachtetes Gepäck wieder aus diesem aus, es wird freundlich wieder
eingeladen und so geht es weiter, bis für 20 Yuan gestartet wird und später,
vor dem Hotel ich nach weiteren Diskussionen und erfolgreicher Abwehr
angebotener Dienste nach dem Wudang Shan zu fahren letztlich doch noch 20
zusätzliche Yuan zahle; was die Rezeption des Hotels mit einem Kopfschütteln
quittiert – 20-25 Yuan wären wohl o.k. gewesen... – „Laowai“... denke ich
kopfschüttelnd über mich selbst... .
Jedenfalls
finde ich in dem besagten Hotel für 128 Yuan ein nahezu luxuriöses, piksauberes
Zimmer, mit westlicher Toilette, ob der schwülen Hitze angenehmer Klimaanlage,
Fernseher, Pantoffeln, Wasserkocher für Tee, Dusche und – nicht zu vergessen –
Spucknapf und schlafe erst mal etwas übermüdet glücklich ein.
2. Tag: Xiangfan – Wudang Shan
Es
war wohl doch etwas viel die letzten zwei Tage, daher wache ich erst gegen 7
Uhr auf, packe gemütlich meine Sachen, trinke etwas selbstgekochten Tee –
Beuteltee ist hier zwar besser als daheim aber dennoch immer noch eklig genug –
und mache mich auf die Strümpfe zum bei der Hotelrezeption auf Chinesisch -
„Tarah !!!, es geht also doch“ – erfragten Busbahnhof.
Den
hätte ich aber sicher auch ohne Nachfragen gefunden: Denn ca. 100 m links vom
Hoteleingang, auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindet sich ein
zwischen diversen Garküchen einschneidender, kleiner Hof – der Busbahnhof der
privaten Minibusse; der der kommerziellen großen Busse liegt in derselben
Richtung noch ca. 150 m weiter.
Am
Minibusbahnhof werden meine holprigen Anfragen nach dem Bus nach Wudang Shan
natürlich verstanden – wahrscheinlich hätte man auch ohne eine Anfrage gewusst,
wohin ich wollte, denn was sonst sollten Ausländer in dieser Stadt denn
suchen...
So
geht es denn für 30 Yuan nach gut ¾ h Wartezeit los, mein Gepäck wird
unkompliziert neben dem Fahrer auf er Motorabdeckung des Busses verstaut.
Ich
bedauere Zeit der Fahrt zum ersten Male schon, nicht mehr Chinesisch sprechen
und mich mit den sehr interessierten, freundlichen Fahrgästen unterhalten zu
können .. – doof.... .
Der
Bus ist wider Erwarten leidlich in Takt und so erreiche ich nach gut 2 Stunden
einen Platz, der von einer großen Yin-Yan-Symbol-nebst-Mönchsfigur (Zhang Sang
Feng ?)-Plastik markiert wird: der Ortseingang von Laoying ist erreicht.
Kaum
ausgestiegen, wartet schon ein Minibusfahrer eilfertig darauf, mich für 10 Yuan
auf den Wudang Shan hinaufzubringen; er ist aber enttäuscht, als er mich
darüber hinaus nicht überzeugen kann, lieber doch 50 Yuan für den ganzen Bus zu
zahlen und sofort loszufahren, und nicht auf weitere Fahrgäste warten zu
müssen. So geht gut wieder ¾ Stunde ins Land bis sich genügend weitere, zu
transportierende Personen eingefunden haben; bis dato muß ich mich weiterer
Angebote für Single-Fahrten auf den Gipfel erwehren, was letztlich leider nur
noch auf die „dumme Art“ möglich ist: Ich spiele den „Nix-Verstehen-Laowai“
(was zum Teil ja nicht mal so schwierig war bzw. zutraf...).
Bevor
das kurz hinter Laoying sich über die Straße zum Gebirgszug wölbende
Eingangstor zum Wudang Shan Areal durchfahren werden kann, folgt der erste
Schock.
Ganz
gleich ob von 9; 20 oder 31 Yuan Eintrittsgeld mal irgendwo die Rede war: 118,-
Yuan sind zu berappen; wer eine Ermäßigung erlangen kann, bekommt den Einritt
für 55 Yuan. Allerdings muss – und insoweit greife ich vor – gesagt werden,
dass das so erworbene, hinsichtlich etwaiger Kontrollen sicher aufzuhebende
Eintrittsticket nahezu unbegrenzt gilt.
Hauptsache
ist, man verlässt das Wudang - Areal bzw. die an der Straße gelegenen
Kontrollposten nicht. Wenn das doch - etwa für auswärtige Besichtigungen oder
etwa Bankgeschäfte in Laoying – notwendig sein sollte, spricht man dieses
vorher mit den Kontrollposten, etwa unter Verweis auf im Wudang-Areal vorgebuchte
Überachtungen im Areal ab; sonst muss man erneut Eintritt bezahlen.
Wer
den o. g. Betrag bezahlt hat, muß, jedenfalls auf der von mir nachstehend
beschriebenen Strecke, für keinen noch so kleinen Tempel mehr zusätzlichen
Eintritt bezahlen - Ausnahme: „Tempel der Purpurnen Wolke“ (30 Yuan zusätzlich)
und Gipfelbereich /Verbotene Stadt mit der Goldenen Halle auf dem Tianzhu (20
Yuan zusätzlich).
Nicht
versäumen sollte man allerdings, sich beim Kauf des Ticket auch noch die im
Preis inbegriffene Karte des Areals aushändigen zu lassen – sie ist zwar
größtenteils nur in Chinesisch gehalten, aber besser als gar nichts... .
Nun
gut: Das Wugdang-Shan-Areal muß man sich bzgl. der Durchquerung „in etwa“
zweigeteilt vorstellen:
Zunächst
führt die erwähnte Straße etwa 10 km bis zu einem Kontrollposten hinauf in die
Berge, bis zu einer Gabelung. Nach Süden/links zweigt gelangt man dann nach
etwa 14 km zum „Cable Way“, also dem Parkplatz nebst Seilbahn zum
Tianzhu-Gipfel, vorbei an am Tempel der acht Unsterblichen und einer
Kampfkunstschule (dazu unten Näheres) ab. Diesen Weg und das dort Sehenswerte
hat die Redaktion in ihrem Reisebericht bereits beschrieben (siehe dort). Nach
Norden/rechts erreicht die Straße nach gut 14 km, vorbei am Fushzen-Tempel und
einem in krudem Englisch bezeichnetem Tal, einer Kampfkunstschule sowie dem
Tempel der Purpurnen Wolke (dazu jeweils Näheres weiter unten) einen größeren
Parkplatz bzw. eine um diesen gruppierte Hotelansammlung, die „Crow Ridge“
genannt wird (Vorweg gesagt: das erste, große Hotel, rechts am beginn dieses
Areals ist wegen unmöglichen Preis-Leistungsverhältnisses nicht zu empfehlen).
Nach
der Crow Ridge fuhr auch ich und der Fahrer setzte mich– nachdem eruiert worden
war, dass das laut Lonely-Planet-Reiseführer angeblich empfehlenswerte Hotel
(„Baihui Shanzhuang“), nahe dem Nanyan Gong nicht mehr existierte – einfach an
einem links an der Straße zum Parkplatz gelegenen, kleinen Komplex mit
kleineren Hotels ab.
In
einem derselben, dem Lü Dao Hotel, einem familiär geführtem Etablissement mit
wohl 6-8 Zimmern und angeschlossenem, kleinen Restaurant, fand ich dann eine
Bleibe. Wahrscheinlich war Nebensaison, so dass nach erfolgreichem Handeln von
ursprünglich 170,- Yuan, noch 130,- Yuan pro Nacht für ein nett eingerichtetes
Zimmer blieben (Jedoch sah ich im Bad lieber nicht zu oft auf die
abenteuerliche Verbindung der Kabel, die ein Ungetüm von Boiler mit Strom
versorgen sollten, aus dem ich dann heißes Wasser erhielt... ).
.
Es
folgte ein erster Rundgang in der Umgegend; ich sollte insgesamt 5 Nächte hier
bleiben.
3.-7. Tag: Wudang Shan
1.
Um
es vorwegzunehmen: Ist man nur auf die „klassischen Sehenswürdigkeiten“ des
Wudang Shan aus, so kann man die Gegend gut und gerne in 2 –3 Tagen „abhaken“
bzw. hat sie in dieser Zeit „abgeklappert“. Ist man ein ausgesprochen Ruhe und
Natur liebender Mensch, vielleicht noch mit einem Hang zum Wandern und
Interesse, mit der hiesigen Bevölkerung näher ins Gespräch zu kommen, lassen
sich hier gut ein bis zwei Wochen verbringen, ohne dass es einem langweilig
werden würde.
2.
Das
Preisniveau ermöglicht ein solches auch:
Die
Unterkunftskosten in den Hotels an dem von mir beschriebenen Platz bewegen sich
zwischen 160-400 Yuan (wobei jedoch ein Quartier für 160 Yuan schon ein sehr
sauberes Einzelzimmer mit eigenem Bad darstellt, alles weitere sich also nach
dem Bedarf an Luxus richtet), jedoch dürfte ein Nachlaß von 30 bis 50 Yuan je
nach saisonaler Auslastung durchaus drin sein.
Die
meisten Hotels bieten in angeschlossenen Restaurants für 15-60 Yuan diverse
Gerichte an; es gibt auch einige „bloße“ Restaurants hier.
Garküchen
sowie die Möglichkeit, sich mit Obst oder anderen Frischwaren einzudecken
fehlen. Dafür gibt es genügend Läden, die alles für den Selbstversorger
Notwendige anbieten; das Preisniveau ist ob der Lage etwas höher als
gewöhnlich, aber nicht unverschämt.
Diverse
Souvenir-, Tee- und Kräuterhändler fehlen auch nicht.
Diese
laden zwar den Nichtchinesen auch freundlich ein bzw. stecken auch nicht bei
dem Versuch zurück, ihn zu übervorteilen. Jedoch sind ihre Zielgruppe
augenscheinlich die einheimischen Touristen und der Ausländer ist nicht der
Tortur wie in anderen Ländern ausgesetzt, wo er vor Souvenirhändlern, Bettlern
u. ä. Personen oftmals nur dadurch zu schützen zu sein scheint, dass er sich
eine Maske überziehe, die ihn wie einen Aussätzigen aussehen ließe.
3.
Was
die Reisezeit angeht: Ich war hier Anfang/Mitte Juni unterwegs, als tags über –
bis auf einen Tag – Temperaturen von 30-40 Grad Celsius bei 70-80% Luftfeuchtigkeit
herrschten. Zu dieser Zeit waren relativ wenige Touristen, d. h.
nichteinheimische Chinesen, hier unterwegs, vielleicht 5-6 große Busladungen
voll täglich. Ausländer habe ich in dieser Zeit hier nur vier (!!!!) getroffen.
Es schien alles in allem Nebensaison zu sein – was sicher auch mit der Hitze
zusammenhing.
4.
Etwas
fremd mag die Ausgestaltung der Umgebung erscheinen:
Man
kann es nicht übersehen, überall wird ausgebaut, saniert und gewerkelt, neue
Wege, Unterkünfte etc. angelegt und es ist zu befürchten, dass hier in einigen
Jahren die touristische Hölle los und es mit der Ruhe vorbei sein wird.
Der
Status als Unesco-Weltkulturerbe mag dafür das Geld hergeben bzw. auch
bedingen, dass man sich bemüht, bei den Bauaktivitäten nicht allzu zu wüst vorzugehen:
Die
Hotels sind keine großen Betonklötze, sondern in Nachahmung traditionellen
Aussehens gehaltene, kleinere bis mittelgroße Bauten; an jeder denkbaren Ecke
sind – zum Teil als Baumstümpfe o. ä. gestaltet – Müllkübel aufgestellt oder
wie Tempel aussehende, öffentliche Toiletten zu finden (ob diese genutzt werden
ist eine andere Frage).
Wie
jedoch schon in traditionellen chinesischen Parks und Gärten, ist die
Landschaft in einer Art und Weise „touristisch erschlossen“, die für einen
Europäer etwas gewöhnungsbedürftig ist:
Würde
letzterer einen Waldpfad in einem Schutzgebiet etwa höchstens mit einigen
Wanderpfeilmarkierungen versehen, baut man in China solche Wege derart aus,
dass sie mit Platten aus Beton ausgelegt oder mit entsprechenden Treppen
versehen werden, auf dass man sie bequem begehen könne.
Sicher bemüht man sich, die Stufen; Wege und Geländer in traditionellen Stil zu halten und in die Landschaft einzufügen. Im Zuge dessen schlagen vor Ort die mit den entsprechenden Arbeiten Beschäftigten in die, wie andere Baumaterialien auch, im Schweiße des Angesichts auf Schultern an die unmöglichsten Stellen des betreffenden Gebietes geschleppten Betonklötzer per Hand Rillen oder bearbeiten die Blöcke entsprechend.
.
Aber
ob dieses in dem ersichtlichen Umfange nicht eher eine Verschandelung;
Zubetonierung oder – aus europäischem Blickwinkel – eine Entromantisierung der
Landschaft darstellt, ist überlegenswert.
So sind denn auch die Wege in und um den Wudang Shan derart „ausgebaut“ und neue Wege werden munter „erschlossen“; sie sind also besser „in Schuss“ als noch im Bericht der Redaktion zu lesen.
.
Hinzu
kommt – dass von der Crow Ridge bis etwa zur Hälfte der Strecke zum
Tianzhu-Gipfel sowie im weiteren Umfeld Lautsprecher im Gras, Felsen etc. zum
Teil „getarnt“/versteckt sind, aus denen täglich – man kann quasi die Uhr
danach stellen – von acht bis achtzehn Uhr mutmaßlich als passend traditionell
eingestufte chinesische Vokal-/Instrumentalmusik in einer Endlosschleife tönt,
so dass man entweder ein sehr dickes Fell benötigt oder „so abgedreht“ sein
muss, dass man dieses erträgt - insbesondere, wenn man hier mehrere Tage zu
bleiben beabsichtigt (Die Einheimischen sind sicher schon „abgestumpft...“).
Apropos:
Wer sich einige Zeit in dieser Gegend herumtreibt wird feststellen, dass die in
dem hier zum Teil gedrehten Film „Tiger and Dragon“ am Ende zu sehende weiße,
einen Felsabgrund nebst Wasserfall überspannende Brücke eines Klosters, von dem
sich die Hauptdarsteller in einen Abgrund hinabstürzen auch hier zu finden ist
- Nur dass diese Brücke eine der unzähligen Autostraßenbrücken über recht
unspektakuläre „Abgründe“ und ein Wasserfall nicht zu finden ist.
Entzaubernd.... !
5.
Als
der „eigentliche Wudang Shan“ wird gewöhnlich der höchste Gipfel des
Wudang-Shan-Gebirgszuges, der Tianzhu angesehen. Bei gutem Wetter kann man ihn
schon von der Crow Ridge aus erblicken.
Auf ihn gelangt man vom Parkplatz der Crow Ridge aus, indem man einen der von dort südwestlich abzweigenden, erwähnten Treppenwege nimmt.
Angeblich
schafft man den unterwegs einige Tempel passierenden


,
etwa vier Kilometer langen Weg auf den gut 1670m hohen Berg in zwei Stunden,
aber das gilt wohl nur, wenn man sich keine Zeit für die Landschaft, die Bauten
und die Menschen herum nimmt.
Wer,
wie ich, jedoch buchstäblich bei jedem der zahlreichen Schmetterlinge, jeder
überwucherten daoistischen Pagode, jedem Tempel anhält und gleichsam „jeden
zweiten Stein kennenlernen“ möchte, wird zwischen 3 und 4 Stunden brauchen.
Summa summarum kann für dem Gipfel also einen ganzen Tag einplanen.
Unterwegs
gibt es einige Souvenirhändler und Verpflegungsstände, deren Preise sind der
Lage entsprechend etwas höher als sonst.

Ebenso
nicht preiswert dürfte sein, sich den Berg von einigen der zahlreichen, am Weg
auf Kundschaft wartenden Sänftenträgern hinauf oder hinabtragen zu lassen.

Bei
der Hitze dürfte dieses für die Träger aber eine Tortur sein, die ich
eigentlich für kein Geld der Welt jemandem zumuten wollte. Mir kamen da die
Erinnerungen an das indische Palitana: Dort konnte man sich auf einen heiligen
Jain-Tempelberg ebenso hinauftragen lassen – wobei sich der Preis nach dem per
Wage vorab ermittelten Gewicht des potentiellen Passagiers richtete... .
Auf
ca. der Hälfte der Strecke, gut 50 Meter oberhalb der oft zu unrecht nicht
beachteten, von einer kleinen Mönchsunterkunft bewachten „Höhle des Gelben
Drachen“ („Huanlong Dong“)
teilt sich der Weg:
Nach
links verläuft er weiter in bequem ausgebauter Art und Weise; recht unspektakulär,
ja z. T. langweilig, nur gemächlich ansteigend sowie sich sehr in die Länge
ziehend.
Kürzer
und interessanter ist dagegen der nach rechts abzweigende Pfad, vorbei an einem
kleinen Tempel. Er ist aber auch steiler und unbequemer, Stufen bzw. Platten sind
älteren Datums. Beide Wege führen zum Gipfel des Tianzhu.
Egal
was die Reiseführer dazu meinen:
Ich
finde, man sollte den linken Weg auf dem Rückweg vom Gipfel nehmen bzw. wenn
man etwas erschöpft oder weniger gut „in Form“ sein sollte.
Der rechte Weg bietet sich, am besten frühmorgens für den Hinweg an und entschädigt für seine steileren Anstiege und schlechtere Ausbauqualität mit spektakulären Aussichten auf atemberaubende Felsformationen;

manchmal recht düsteren (und so bei Hitze auch kühleren !) Pfaden durch tiefen Wald; den sich fast klassisch sich in die Landschaft einfügenden und die Spannung auf den Gipfel zuspitzenden drei „Toren zum Himmel“

sowie
einer gut 200 Meter langen, steilen Treppe im daoistischen Stil, die bemoost,
dunkel und zum Teil uneinsichtig ins ebenso „erhellte“ Wald- und Felsdickicht
führend zum Teil anmutet, als hätte man die Treppe vor sich, auf der sich im
Filepos „Herr der Ringe“ die Gefährten nebst dem Zauberer Gandalf durch die
Minen von Moria bewegten.... .
Bezüglich
der weiteren Beschreibung des Tianzhu-Gipfels sei auf den Reisebericht der
Redaktion verweisen; ich beschränke mich auf die Präsentation einiger Bilder.




Ergänzend
soll nur noch angeregt werden, die unmittelbar am Eingang zum Areal des Gipfels
– also nach der großen Aussichtsplattform - befindliche „Halle des Glücks“ zu
besuchen:
Deren
Innenraum ist fast vollständig von einem Schrein ausgefüllt, der um sich herum
jeweils ca. 20-30 Zentimeter Platz zur Wand des Gebäudes lässt. Dieser Raum
oder „Weg um den Schrein herum“ ist stockfinster und man kann ihn nur durch
Ertasten der umgebenden Wände finden (will man denn nicht irgendwann
buchstäblich vor die Wand rennen). Der Überlieferung nach lässt derjenige, der
diesen Weg zurücklegt, sämtliches Unglück seines Lebens hinter sich - da
Unglück vom Licht ins Dunkel und wieder ins Licht zurück nicht folgen könne und
man so die Halle des Glücks als glücklicher Mensch verlassen würde (wofür ein
daoistischer Mönch natürlich auch um eine Spende bittet). Selbst wenn man
diesen Glauben – wie augenscheinlich wohl auch viele der chinesischen Touristen
– nicht ernsthaft teilte, so sollte man das Ganze dennoch auf sich nehmen, ist
es doch zumindest ein nicht unerheblicher Spaß... .
6.
Ein
ganzer Tag oder, wenn man es eilig hat ein halber, kann damit verbracht werden,
den nordwestlich vom Parkplatz abzweigenden Weg zu beschreiten. Dieser führt
nach einer weiteren Gabelung entweder zum Nanyan Gong Tempel, einem der
„Hängenden Klöster“ der Gegend oder zum am Rande eines kleinen Plateaus, neben
kleineren Bambus-Wäldchen gelegenen Taihe Gong Tempel

nebst
einer weiteren, in dessen Nähe befindlichen Höhle eines weiteren Drachen sowie
des Gottes des Glücks, von der aus man eine gute Aussicht auf die Gebirgszüge
ringsherum hat.
Letztere
beiden Orte liegen zwar nicht sehr weit von der Crow Ridge entfernt, jedoch
abseits genug, um nicht von allzu vielen Touristen besucht zu werden, so dass
man hier eine nahezu himmlische Ruhe hat, zumal der Taihe Gong, insbesondere
morgens, wenn vor 6 Uhr seine mit dem Ying-Yang-Symbol versehenen Tore noch
geschlossen sind ein Bild abgibt, dass klassischer fast gar nicht sein kann
(bzw. das man hier in ähnlich Form nur noch am Fuszhen Tempel findet... ).
Die
erwähnte Höhle bzw. der Weg dorthin bietet im übrigen den
Kampfkunstenthusiasten insbesondere am frühen Morgen, einen nahezu ultimativen
Platz, um sich gegen die aufgehende Sonne zu produzieren, ohne damit gleich
eine öffentliche Vorstellung zu geben.... .
Rund um den Nanyan Gong Tempel
kann man sich herrlich in noch wenig restaurierten Ruinen ehemaliger Tempel, Paläste oder auch Wachtürmen verlieren oder sich – wie zum Beispiel ich – in einer der Hallen der Tempelhöfe beim Kauf „echten Wudang Tees“ herrlich „besch.....“ lassen.
Die
Klostergebäude selbst sind zum Teil aus den gut ein- bis zweihundert Meter
senkrecht abfallenden Felswänden gehauen und scheinen nahezu über dem Abgrund
zu schweben

und
wer unbedingt Lust auf einen Selbstmordversuch hat, kenn versuchen Räucherware
in einem Gefäß zu entzünden, dass auf dem Ende einer waagerecht aus dem Felsen
hervorspringenden, als Drachenkopf gestalteten Felsnadel (dem sog.
„Drachenkopffelsen“) positioniert ist, nahezu frei über der Tiefe des gut 200
Meter tiefer gelegenen Dschungels schwebend.

Nahe
des Nanyan Gong befindet sich auch noch eine von Krüppelkiefergewächsen
bewachsene Felsnadel, der sogenannte Feisheng-Felsen („feisheng yan“), von dem
sich wiederum die Aussicht auf die umgebenden Gebirgszüge sowie einen in einem
tief unter dem Felsen liegenden Tal, aufgestauten See genießen lässt.
7.
Gut
einen weiteren halben Tag kann man im Tempel der Purpurnen Wolke („Zi Xiao
Gong“) nebst dem angeschlossenen und bei
entsprechendem Auftreten auch teilweise zugänglichen Klosterkomplex verbringen.
Dieser
liegt gut 3 km die Strasse bergab der Crow Ridge in Richtung Laoying, in einer
Senke an einem ansteigenden Hang, umgeben von Bambus- und Mischwalddickicht.
Den Weg dorthin und zurück kann man ruhig zu Fuß bewältigen und Aussicht nebst
Natur genießen.
Selbst wenn am Tempel der Purpurnen Wolke auch manchmal Touristengruppen einfallen, wirkt das sich nahezu perfekt in die Landschaft einfügende Ensemble aus von dunkelkarminroten Mauern mit grünfarbenen, geschwungenen Dächern dominierten Hallen, Tempeln, Wohngebäuden und Türmen nie überlaufen und wie ein Ort nahezu unendlicher Ruhe.


Es
mag etwas schräg klingen, aber der vorgenannte Eindruck kann noch potenziert
werden: Aber nicht durch die klassischen Szenarien wie Sonnenschein, Sonnenauf-
oder Untergang, sondern wenn durch leichten, bis mittelstarken Regen, dadurch
verursachter Dunst aus den umliegenden Wäldern und Wiesen aufsteigt und eine
nahezu mystische Atmosphäre schafft. Zu einem solchen Zeitpunkt sollte man
eigentlich nur unter dem Dach einer Tempelhalle sitzen und gedankenlos hinaus,
durch die von den gebogenen Dachsparren triefenden Regenvorhänge schauen...
(Ich hatte das Glück einer solchen Möglichkeit). Dieser Kulisse fehlt dann
eigentlich nur noch ein Wushu-Kämpfer, der in klassischer Haartracht und
Gewandung durch die Wipfel der umliegenden Bambushaine „fliegt“

bzw.
es erschließt sich, wo die Wurzeln solcher Vorstellungen sowie derer
cineastischer Umsetzung zu suchen sind... .

8.
Ebenfalls
an der Straße von der Crow Ridge in Richtung Laoying, etwa auf halber oder
dreiviertelster Strecke bis zur erwähnten Gabelung der Straße nach der Crow
Ridge einer- und der Seilbahnstation andererseits liegen zwei weitere,
sehenswerte Plätze (mit dem Minibus von der Crow Ridge für etwa 3 bzw. 4 Yuan
erreichbar):
Zum
einen ein kleineres, in recht abenteuerlichem Englisch bezeichnetes Tal, das
wieder typisch chinesisch zum „Naherholungszentrum“ ausgebaut wurde:
Ein
Damm staut einen mit noch einer weiteren Staustufe versehenen Bergbach zu einem
kleineren See auf, dessen Uferpromenaden flaniergerecht gepflastert sich den
Verlauf des Baches Richtung dessen Ursprunges folgend weiter hinauf in das
waldüberwucherte Tal zeihen; diverse Bambusbüschel scheinen passend
angepflanzt.
Der
eigentliche Grund für all dieses wird auch bald sichtbar: Eine
Bambusstroh-Lehmhütte mit einem blumenumkränzten Bild Maos darin erinnert
daran, dass der „Große Steuermann“ hier einst mit einer seiner Armeen Zuflucht
suchen musste... . Jedoch scheint das für die chinesischen Besucher weit
weniger interessant zu sein, als eine nahe gelegene Felswand, an der, zum Teil
in künstlichen Höhlen und Behausungen sowie auf spielplatzähnlichen, bunten
Klettergerüsten herumturnend eine Rudel Meerkatzen haust, von den Besuchern nur
durch den mittlerweile recht flachen Bach getrennt, über den zur Verzückung
aller chinesischen Touristen manchmal ein Affe setzt, um einige der von
Menschen ihm angebotenen Erdnüsse – eine „Aufsichtsperson des Areals“ teilt diese
den Besuchern zu - zu ergattern.
Meist
unbemerkt bleiben dabei die kleinen Bretterwege, über die man über den Bach zu
den Affen in deren Revier gelangen kann:
Wer
sich – eine Tollwutimpfung lässt dabei manche Sorgen vergessen – ruhig bewegt,
keine Aufregung verursacht, insbesondere nicht den Ärger des Leitmännchens oder
eines Nachwuchs mit sich herumtragenden Tieres auf sich zieht, eventuell Kekse
oder Obst bei sich führt um es an den Mann bzw. Affen zu bringen, ist ein gern
gesehener Gast bei diesen Tieren und kann sich in deren Revier sogar dort
niederlassen – spätestens nach 5 Minuten ist man akzeptiert.
So
lassen sich dann auch aus nächster Nähe die herrlichsten Situations- und
Porträtaufnahmen der Primaten machen. Das ließ ich mir natürlich nicht nehmen.
Das
Kurioseste folgte jedoch im Anschluß:
Wieder
von der Felswand im Tal zurück, wurde ich sofort selbst zum Photoobjekt; wollte
sich doch so mancher Chinese mit dem Laowai ablichten lassen, den er zusammen
mit den Affen sehen und photographieren konnte: Frei nach dem Motto: „Das ist
der, der mit dem Affen.. (tanzte)“. War ne´ komische Situation.... .
Zum
anderen ist da der ebenfalls fast an der Straße gelegene und sich zwischen
Bambuswäldchen und Osmathusbäumen nebst botanischen Lehrgärten den Berghang
hinanschmeigende Fuszhen-Tempel (auch als „Tazi“ bezeichnet):
Bestach
schon der Tempel der Purpurnen Wolke durch relative Verlassenheit, so ist hier
noch weniger los und manchmal scheint es, die manchmal recht abenteuerlich
geschwungenen, grünziegelbekrönten, pastelkarminroten Mauern der Gebäude würden
zusammen mit der ihn umgebenden Fauna verwachsen sein. Meines Erachtens ist im
Wudang Areal die Naturverbundenheit des Daoismus an keinem Tempel ersichtlicher
als hier.
9.
Den
absoluten Kontrast dazu gibt der sogenannte „Tempel der acht Unsterblichen“
(„Ba Xiao Gong“) ab, den man erreichen kann, wenn man von der Crow Ridge per
Minibus für etwa 5 Yuan bis zu der schon erwähnten Straßengabelung fährt, dort aus bzw. in den nächsten Bus in
Richtung Seilbahnstation umsteigt, um sich für weitere 3- 4 Yuan bis zu dem
Punkt der Straße bringen lässt, an dem ein ca. fünf mal vier Meter großes
Schild auf diesen Tempel hinweist – und man deshalb „die Attraktion
schlechthin“ erwartet.
Sicher,
man befindet sich dann im Gebiet der sogenannten „Eigth-Immortal-Tea-Plantages“
und soweit das Auge reicht, sind die umgebenden, steilen Hänge terrassenförmig
mit Teesträuchern bepflanzt, so dass man, wenn man so etwas noch nie gesehen
hat, einen recht guten Eindruck nicht nur von dem Ausgangsstoff dessen bekommen
kann, was man später oft so sorglos nebenbei trinkt, sondern auch von den
Vegetations- und daraus folgend Arbeitsbedingungen des Tees bzw. der Teebauern.

Insbesondere
Letzteres kann entzaubernd wirken: Keine kühlen Bergregionen, in denen
nebelverhangen der Tee gedeiht und – wie insbesondere auch manche Bio-,
Umwelt-; Fairhandel- oder sonstige Zertifikate und Siegel oft genug suggerieren
– der „glückliche Tee von glücklichen Bauern handverlesen besprochen, bepinselt
und nahezu mit Entschuldigung abgepflückt sowie nachstehend büttengehämmert
wird...“. Vielmehr steile, enge Hänge, auf denen es in ständig gebückter
Haltung unter sengender Sonne oder mit regenkalten, gichtgefährdeten Fingern
gilt, vorgegebene Pflückmengen zu erfüllen.... um sich nach getaner Mühsal in
seine ärmliche Lehmhütte zurückzuziehen.

Daoismus,
Buddhismus hin, Menschenliebe und Naturverbundenheit her – Ende im
Illusions-Gelände.... !
Und
mitten in diesen Plantagen dann „der“ „Tempel der Acht Unsterblichen“:
Sicher
es gibt, um es vorsichtig auszudrücken - in seiner Nähe nicht gerade viele
Gebäude.... Dennoch bin ich gleichsam 3 bis 4 Mal um den Tempel auf der Suche
nach demselben herum- bzw. an ihm vorbeigerannt bzw. mutmaßte vorangegangene
Hinweise der Einheimischen oder der Karte nach dem Weg als Irreführung.
So
etwas hat man – wenn man es denn endlich gefunden hat - noch nicht gesehen: Der
Tempelkomplex ist - ohne Übertreibung bzw. Überziehen ins Negative - nichts
weiter als eine um einen gepflasterten Hof herum angeordnete, mit einer
steinernen Zugangstreppe versehene Ansammlung von vier Bruchbuden (oder besser
„Knusperhütten“).
Entgegen
der sonst hier vermehrt anzutreffenden, steinernen Bauweise sind die vier um
den Hof herumgruppierten Hallen sämtlich aus Holz, das mittlerweile nur noch
eine blassgraublaue Farbe hat; Bemalungen fehlen vollkommen; ehemals kunstvolle
Holzschnitzereien sind kaum noch zu erkennen. Auch im Inneren der Gebäude
findet sich weder irgendwelches religiöses Interieur, noch Verzierungen o. ä.;
teilweise ist gar der Fußboden herausgerissen. Auch die Verwendung der
Räumlichkeiten hat nichts Tempelartiges mehr: Sie dienen als
Abstellkammer/Schuppen für landwirtschaftliche Gerätschaften, Lagerort für Heu
oder einfach müllplatzene Rumpelkammer.
Es
ist somit zu vermuten, dass sich die Acht Unsterblichen an diesem, ihren Tempel
sehr lange nicht mehr haben blicken lassen, sonst hätten sie wohl was für
dessen Zustand getan bzw. es ist zu befürchten, dass sie bei ihrer nächsten
Rückkehr die Bibel zitieren könnten mit „...für sie war kein Platz in der
Herberge...“, weil dann der Komplex eventuell gänzlich zerfallen sein könnte
(es sei denn, er wird selbst mit Unsterblichkeit gesegnet...).
Ergo:
Man muss diesen Ort nicht unbedingt besuchen. Da jedoch eine Kampfkunstschule
nicht weit ist, kann man bei deren Visite hier ruhig einmal mit
vorbeischauen... .
10.
Jetzt
etwas zum Thema Wudang - Kung – fu oder Kampfkunstschulen im hiesigen
Wudang-Areal.
a.)
Ich
habe zwei oder eventuell die zwei der ominösen Schulen besucht, von denen es
bei der Beschreibung oder Diskussion in entsprechenden Foren immer heißt, sie
lägen irgendwo in den Wudang Bergen, wären teuer, dort würde authentisches
Wudang Kung Fu gelehrt, aber Genaueres wisse man nicht darüber... .
Bei der Gelegenheit sei die Frage erlaubt: Was meint
in diesem Zusammenhang eigentlich „authentisch“ ? Ist authentisch nicht die Art
und Weise, wie man selbst gerade ist / oder trainiert und somit nicht jeder
seiner selbst authentisch.... ? )
Vorab
(um Irritationen zu vermeiden):
In
oder unmittelbar nahe Laoying gibt es bei den „Yuxu Gong“- Tempelresten eine
Schule, wo angeblich auch authentisches Wudang Kung Fu gelehrt wird. Diese
Schule erreicht man unter der Website www.wudanggongfu.com
. Diese Schule selbst habe ich nicht besucht.
Auf
die beiden Schulen, die ich besuchte, stieß ich vor Ort eher zufällig, ohne
danach richtig gesucht zu haben; hatte jedoch zumindest ein „Aha-Erlebnis“, da
ich ihre Webseiten schon einmal vorab besucht hatte.
Es
handelt sich dabei um:
Die
„Academie of Wudang Taoism Wushu“, erreichbar im Internet unter: www.wudang.cc oder www.wudang.org (nachfolgend unter „b.“)
sowie
die
bzw. das „Eigth Immortal Resort“, erreichbar im Internet unter www.wudangchina.com (nachfolgend unter
„c.“).
b.)
Zunächst
zur „Academie of Wudang Taoism Wushu“:
aa.)
Die
Schule befindet sich von der Crow Ridge aus ca. 3,5 km entfernt an der Straße
nach Laoying, oder anders gesehen ca. 2 Straßenserpentinen oder etwa 300 m
bergabwärts vom Tempel der Purpurnen Wolke. Vom Eingangstor zum Wudang Areal
bei Laoying gesehen liegt sie ca. bei Kilometerstraßenmarkierungsstein 22.
Neben ihr finden sich drei kleinere, pittoresk ausschauende, neue Hotels, ein
kleines Restaurant sowie eine Polizeistation.
bb.)
Die
Schule selbst ist ein mehrstöckiges, schmuckloses, dunkelkarminrot angestrichenes
Gebäude, nahezu typisches Schulgebäude modernen Charakters, mit einer kleinen
Terrasse und einer dieser vorgelagerten Hof sowie einem ummauerten und daher
von außen nicht ohne weiteres einsehbaren, rasenbewachsenen (und mit einem
Basketballkorb versehenen !) Trainingsplatz/Court. Man sollte sich von dem etwas maroden Aussehen des Komplexes nicht
gleich abschrecken lassen – bei dem hiesigen Klima blättert Farbe eben mal
schnell ab… .
Über
dem Tor zum Hof findet sich ein gelbes Schild, das mit der entsprechenden
Aufschrift auf die Schule hinweist.

Zu
meiner Visite dort kam es, weil ich auf die Schule aufmerksam geworden war, als
ich eines morgens kurz vor sechs Uhr die Straße hertunterjoggte und mir einige
der Schüler auf dem Weg zum Training förmlich über den Weg liefen. Infolge
dessen fand ich mich am nächsten Tag unangemeldet und etwas tollpatschig
vorsichtig tuend vor dem Tor zu dem Komplex ein und wurde sofort eingeladen,
doch hereinzukommen, Fragen zu stellen und auch beim Training zuzuschauen.
cc.)
Insofern
sei angemerkt:
Aus
den nachfolgenden Gesprächen dort hörte ich heraus, dass wohl kurz vor mir eine
Reisegruppe o. ä. hier gewesen und ihnen eine Demonstration gegeben worden
wäre. Ich bin mir daher nicht gewärtig, ob das, was ich dann selbst als
Training sah, ein Reguläres solches oder nur eine Art „Auslaufenlassen“ einer
vorherigen Präsentation war. Um eine Demonstration extra für mich habe ich
nicht gebeten und hielt mich auch so im Hintergrund, dass man, so glaube ich,
auch keine Extrashow für mich abzog.
Ich
glaube jedoch, dass man hier auf eine etwas subtile Art einen guten Eindruck
vom realen Training bekommen kann: Zum einen sollte man sich ruhig einmal
„offiziell“ zum Besuch anmelden und darauf sehen, was einem geboten wird. Zum
anderen liegt die Schule jedoch auch so günstig in einer halbrunden
Talausbuchtung, dass man ohne Probleme und ohne gesehen zu werden auch aus dem
Wald bzw. den Feldern der umliegenden, ansteigenden Berghänge sich mittels
eines hier überall für wenige Yuan erhältlichen Feldstechers ein Bild vom
alltäglichen Trainingsbetrieb wird machen können.... .
dd.)
Zu
den weiteren Verhältnissen vor Ort:
Das,
was ich von der Schule zuvor wusste, hatte ich zum einen auf deren
Internetseite gelesen.
Zum
anderen schöpfte aus den Erzählungen eines Ehepaares, dass ich, als eine der
wenigen Vertreter der „nichtchinesischen Spezies“, auch an der Crow Ridge
getroffen und welches ihren Sohn wegen entsprechenden Interesses eine Woche
hierher zum Training geschickt hatte und nun auf deren Ablauf warteten: Deren
Essenz war: „Training und Lehrer super; Essen zu wenig und nicht so gut;
Unterkunft saumäßig und Preis für dieses alles mit 50 U$ pro Tag zu teuer... .
Nun
aber gut, ich ging trotzdem vorurteilsfrei an die Sache heran und wurde nicht
nur sehr freundlich empfangen, sondern mir wurde auch ausführlich Auskunft über
alles was ich wissen wollte erteilt, alles gezeigt was ich sehen wollte (bzw.
dadurch auch gezeigt, was ich wohl lieber nicht hätte sehen sollen/wollen):
Der
Schulleiter bzw. Meister war oder ist der, der auf der Webseite der Schule
stets in weiß gekleidet zu sehen ist. Er und seine beiden, dort auch – in
blauschwarz gekleidet - zu sehenden Kollegen beaufsichtigten den
Trainingsbetrieb bzw. er selbst – nach seinem Bekunden 29 Jahre alt –
unterhielt sich mit mir bzw. holte zum Zwecke besserer Übersetzung seine
Sekretärin herbei, die sich dann mit mir beschäftigte. Ich stellte mich dabei
bewusst etwas blauäugig und unwissend.
So
wurde mir dann mitgeteilt, dass man hier Wudang Kung-Fu mit und ohne Waffen;
Tai-chi; Quigong und Xingqi und - auf entsprechendes Nachfragen von mir – auch
Bagua lernen können und dass das pro Monat inklusive Verpflegung und Unterkunft
allda 900 U$ koste, es sei denn, man bliebe länger. Aber auch Tagesunterricht
für 50 U$ / Tag sei möglich. Man könne natürlich bei längeren Aufenthalten auch
in einem der benachbarten Hotels übernachten (was natürlich den Preis nicht
ermäßige und Integrationswirkungen verhindere...).
Nach
Auskünften der Sekretärin trainierten hier derzeit ca. 100 Chinesen im Alter
zwischen ca. 8 bis ca. 20 Jahren sowie einige Ausländer.
Hinsichtlich
des letzteren wurde als Beispiel auf zwei Chinesen verwiesen, die auf der
Terrasse vor der Schule in Bermudashorts, T-Shirt und mit Gürteltasche um den
Bauch versuchten, nach Anleitung von einem der Lehrer Schritte zu üben und sich
dabei, na sagen wir, ungelenk anstellten, aber sich dabei auch nicht zu ernst
nahmen.... Von diesen hieß es, es wären 2 „Ausländer“ aus Hongkong, die hier 2
Tage lang Tai-Chi-Schrittarbeit üben würden. Dabei glaubte ich aber ein etwas
müde-mitleidiges Lächeln im Blick des Schulleiters erkennen zu können... .
Auf dem Rest der Terrasse bzw. des Hofes trainierten derweil unterschiedliche Gruppen, insgesamt wohl zwischen 60 und 80 Leute – in einheitlichen Trainingshosen und T-Shirts, wogegen die Lehrkräfte in nahezu filmreifen Outfit auftraten: in wallenden, traditionellen Wudang-Kung-Fu- bzw. daoistsichen Mönchsgewändern; die langen Haare zum Teil offen, zum Teil zu Zöpfen gebunden, die Bärte rund um den Mund und spitz zulaufend geschnitten; die Augenbrauen anderen Enden geschwungen nach oben gezogen... :
Eine
Gruppe von eventuell 40-50 Kindern musste zuerst im Wechsel Kurzsprints über
etwa 20 Meter im Wechsel mit Liegestützen und Hockstrecksprüngen absolvieren,
danach war für sie Pratzentraining angesagt im Zuge dessen sie Schwinger- oder
Handrückenschläge auf Kopfhöhe sowie Halbkreiskicks auf Bauch- und Kopfhöhe
übten. Insofern war kein Unterschied zu klassischem Kung-Fu, Karate- oder
Kickboxtraining erkennbar. Dieses galt auch für die, die zwischenzeitlich
Sit-ups in der gewohnten Art und Weise, als auch in negativer Richtung
vollführten, wobei letzteres mit einer Amplitude und Geschwindigkeit bzw. Wucht
erfolgte, dass man aus sportwissenschaftlicher, wie auch medizinischer Sicht
hätte meinen können, Wudang sei sicher nicht der Platz für
gesundheitserhaltende Bewegungsformen...



.
Eine
weitere Gruppe von vielleicht 20 Leuten, meist im jugendlichen Alter
beschäftigte sich auf dem großen Hof vor der Schule recht frei und
unbeaufsichtigt mit diversen waffenlosen und Waffenformen, mal mit, mal ohne
Partner. Akrobatische Elemente gab es in einer halben Stunde nur zwei: eine Art
halber Salto und einen Schmetterlingstritt.





Da
ich keine Ahnung vom „authentischem“ oder sonstwie gearteten Wudang Kung-Fu
habe, kann ich nur sagen, dass das so Beobachtete jedenfalls „gut aussah“.
Etwa
15 Leute im jüngeren Erwachsenenalter bildete eine dritte Gruppe, welche die
ganze Zeit über von einer Lehrkraft einen Vortrag gehalten kam, in dem es
mutmaßlich um Theorie des Kampfes, des Trainings, aber auch um
Trainingsleistung ging. Letzteres wurde insbesondere dadurch ersichtlich, dass
diejenigen, die nach Auffassung des Lehrers zuletzt schlecht trainiert hatten,
vortreten mussten und zur Strafe für ihre unzureichende Trainingsleistung mit
einem gespaltenen Bambusstock ein oder mehrere leichte Schläge auf den Hintern
bzw. die Hinterseite der Oberschenkel bekamen.... Ich wurde in diesem
Zusammenhang von dem besagten Lehrer ziemlich harsch aufgefordert, diesen
Vorgang nicht zu photographieren - obgleich ich dahingehend auch gar keine
Anstalten gemacht hatte. Natürlich mag nun jeder selbst beurteilen, ob schlechte
Leistung, wenn überhaupt, nicht besser mit dem Aufbrummen zusätzlicher Aufgaben
(Liegestütze etc.) geahndet werden sollet - auf dass man dadurch zumindest noch
einen positiven Nebeneffekt in sportlicher Hinsicht erzielen könnte... .
Bagua
oder Xingqi – Übungen sowie Freikämpfe habe ich Zeit meines Besuches keine
gesehen.
Da
mir glücklicherweise einer der hier, nach seinen, im Zuge der Unterhaltung
wechselnden Angaben seit 6-8 Monaten trainierenden Ausländer über den Weg lief,
konnte ich diesen, relative Kampfkunstunkenntnis vorschützend, noch etwas
ausfragen:
So
bohrte ich etwa nach der Möglichkeit, des Trainings von Bagua, woraufhin ich zu
hören bekam, dass das hier wohl nur zwei Leute machen bzw. unterrichten würden
und wohl nicht viele daran teilnehmen würden bzw. keiner davon eine Ahnung
hätte.
Dann
lenkte ich die Sprache auf wettkampfartig-freies, bzw. vollkommen freies
Kämpfen und bezog mich dabei u. a. auf, mit meinen Worten, „so etwas wie es
im Shaolin-Bereich etwa als Sanda gibt“.
Als
Antwort erhielt ich nach längerem Herumreden um den Kern der Sache schließlich,
dass man dass hier schon machen und trainieren könne, wenn man denn wolle. Das
Problem werde aber sein, dass man hier sicher wohl nicht so schnell jemanden
finden werde, der da mitmachen wolle und man das i. ü. auch gar nicht brauche,
da bei genügend langer Zeit Übung im hiesigen Kung-Fu der Körper und Geist so
fit und gesund sein würden, dass man dann automatisch würde kämpfen können bzw.
gar nicht mehr zu kämpfen brauche.... .
Ich
nahm das unkommentiert und dankend hin, jedoch konnte mich das aufgrund meiner
bisherigen Erfahrungen nicht überzeugen:
Es
ist sicher schwer in Ordnung, wenn man aufgrund seines Umganges mit sich und
seiner Umwelt bzw. seinen Mitmenschen so gelassen und unangreifbar ist, dass
man alleine schon durch sein bloßes Dasein deeskalierend wirkt. Nur liegt das
Problem manchmal eben genau darin, dass die andere Seite eben partout keine
Deeskalation „wünscht“ und es dann in der Regel mit Friede, Freude , Eierkuchen
vorbei ist... Aber ich will keine Wertungen abgeben... .
Bezüglich
der Trainingszeiten wurde mitgeteilt, dass für den obgenannten Preis jeweils
2,5 Stunden vor- und 2 Stunden nachmittags unter der persönlichen Anleitung des
Meisters oder seiner Meisterschüler trainiert werde, die übrige Zeit müsse
jeder selbst sehen, wie oder wie viel er noch für sich oder zusammen mit
anderen Schülern trainieren wolle.
Schlussendlich
wurden mir auf Nachfrage ohne weiteres Zögern auch noch die
Unterbringungsmöglichkeiten gezeigt. Auf deren Photographieren verzichtete ich
jedoch aus Höflichkeit bzw. unter „Deeskalationsgesichtspunkten“:
Untergebracht
ist man in dem erwähnten Schulgebäude.
Dessen
Inneres war in desaströserem Zustand, als sein Äußeres befürchten ließ: Dort
herrschte Halbdunkel vor und nur wenige funktionsfähig erscheinende Lampen
ließen die nächtlichen Beleuchtungsverhältnisse mutmaßen. Die Flure machten den
Eindruck, als wäre eine Reinigung von Fußboden, Fenstern, Decken und Wänden
schon einige Jahrzehnte her bzw. es hätte vor kurzem hier eine kriegerische
Auseinandersetzung stattgefunden, die für den Zustand verantwortlich sei.
Überall roch es muffig und feucht.
Die
im Erdgeschoss befindlichen Zimmer der chinesischen Schüler waren mit
Doppelstockbetten und einem Tisch nebst wenigen Stühlen versehene, wirkliche
Sauställe (sicher es kommt auch auf die Bewohner an, aber ...).
Die
Quartiere der Ausländer befanden sich einige Etagen höher; eines davon konnte
ich sehen: Hier gab es abgelaufen schmuddelige Teppiche auf dem Fußboden; ein
Doppel- bzw. Einzelbett mit zweifelhaft sauberer Bettwäsche; einen Tisch nebst
2 Stühlen; ein Bad mit westlicher Toilette, dessen Besichtigung ich aufgrund
des aus dessen Halbdunkel strömenden Geruchs lieber unterließ; einen Fernseher
auf einer Anrichte; keine (!) Heizung für den Winter sowie einen ca. 2 Meter im
Durchmesser ausmachenden Schimmelfleck an der Decke.... .
Ich
war angesichts dessen an ähnliche Unterkünfte erinnert, die ich im indischen
Bombay bzw. in Nordwestusbekistan mangels anderer Möglichkeit für erheblich
weniger Geld hatte beziehen und in denen ich es auch für einige Tage
zwangsweise hatte aushalten müssen, in denen ich es jedoch es über mehrere
Monate ertragen hätte.
Die
Sekretärin, die mir das zeigte, wusste wohl, welcher Platz diese Behausung auf
einer Werteskala zuteil werden würde, und dieses war ihr sichtlich peinlich
bzw. löste einige ansatzweise Erklärungsversuche aus.
Ich
versuchte ihr Gewissen mit den Worten zu beruhigen, dass das alles o. k. und
ausreichend sei, zumal man hier ja vorwiegend zum Trainieren und nicht zum
Herumsitzen im Zimmer sei. Letzteres trifft in gewisser Wiese ja auch zu, aber
ich persönlich hasse generell bzw. auf längere Sicht ein dreckiges Bett und Bad
und würde auch nicht über längere Zeit in einem kraft Schimmel potentiell
TBC-gefährdeten Umfeld leben wollen oder meine ohnehin schon teuer bezahlte
Unterkunft unter erneuter Geldausgabe erst einmal entseuchen bzw. neueinrichten
müssen.... .
So
verließ ich dann nach gut 1 ½ Stunden mit etwas zwiespältigen Gefühlen diesen
Ort und letztere haben sich bei mir auch bis jetzt noch nicht verflüchtigt.
Nebenbei
bemerkt: Ich habe an diesem Ort auch keinen der immer so gerühmten „alten
Meister getroffen“.
c.)
Nunmehr
zur Schule/zum „Eigth Immortal Resort“.
Diese
Schule befindet sich nur einen Steinwurf in westlicher Richtung vom oben
erwähnten „Tempel der Acht Unsterblichen“ entfernt, inmitten der Hänge der
„Eigth Immortal Tea Plantages“ (zum Anfahrtsweg siehe daher auch oben).
Das
Gebäude der Schule selbst ist ein wiederum schmuckloser, mehretagiger,
weißgetünchter Kasten mit einem betonierten Vorplatz, auf dem sich eine Art
Reck- bzw. Ringgerüst befindet.
Da
ich ob meiner wiederum unangemeldeten Ankunft gegen 10 Uhr zunächst recht unbemerkt
blieb, konnte ich das Gebäude und dessen Etagen ungestört betreten und auch in
einige Zimmer sehen: Zwar war alles
einfach, schlicht und wahrscheinlich tat auch die hiesige, ob der Lage
trockenere klimatische Situation etwas dazu bei. Aber im Vergleich zu der
bereits besichtigten Schule bot sich ein Unterschied wie Tag und Nacht: Saubere
Zimmer als Unterkünfte für sämtliche Schüler (ganz gleich ob zwei oder mehrere
Betten), Internetanschlüsse in jedem dieser Räume; „pikfeine“ geflieste, mit
Duschen und entsprechenden Toiletten versehene Waschräume; eine Küche, die den
Eindruck von „zuhause“ machte und in der man bei Bedarf auch selbst kochen
konnte; ein Raum zum geselligen Beisammensein nebst Billardtisch; einfache,
aber saubere Unterrichtsräume für die hier angebotenen
nicht-sportlich-/kampfkunstorientierten Disziplinen; ein übersichtlicher
Empfangsbereich mit einer wenn auch kleinen Bibliothek; kein Schimmel oder
Muffigkeit.
Auch
hier wurde ich freundlich von der zuständigen Sekretärin des Etablissements
empfangen und das war´s dann leider auch – nicht mit der Freundlichkeit, aber
mit der Präsentation dessen, was die Schule herzugeben vorgibt.
Denn
der eigentliche Leiter und Director und Gründer der Anlage - auf der
Internetseite der Schule als Victor bezeichnet - war gerade auswärts unterwegs.
Seine Sekretärin reichte mir aber ein Mobiltelephon, so dass ich mit ihm zwar
etwas plaudern und auch e-mail-adressen austauschen konnte, jedoch befriedigte
das in meinem Informationsbedarf nicht wirklich.
Die
Sekretärin legte mir dann einige Prospekte vor, die sich jedoch mehr auf das
Lehrprogramm in einer Schule in Laoying bezogen, ich vermute, es handelt sich
dabei um die Schule an / um die Reste des Yuxu-Gong in Laoying. Wie sich in
nachfolgenden Gesprächen herausstellte, unterrichtet wohl ein Großteil der hier
tätigen Lehrkräfte sowohl hier als auch dort, je nach Aufkommen....
Auf
dem aktuellsten Stand war jedoch die Preisliste, welche einen Betrag von 40 U$
pro Tag für Training, Unterkunft und Verpflegung bei der Möglichkeit auswies,
sich in Wudang Kung-Fu, Taichi, Xingqi, Bagua; Akupunktur; Daoismus;
chinesischer Medizin; Massage und Chinesisch unterweisen zu lassen.
Glücklicherweise
kam auch noch einer der ausländischen Schüler der Schule des Weges, so dass ich
von ihm noch etwas mehr erfahren konnte:
Er
berichtete mir, dass derzeit in der Schule vier Nichtchinesen trainieren
würden, drei weitere vor kurzem abgereist wären. Hinzu kamen noch 4 oder 5
Chinesen im Kindesalter; einige davon hatte ich beim Chinesischunterricht in
der Schule sehen können. Summa summarum also ca. 10-12 Leute. Bei einer
Kapazität von gut dem Zehnfachen und dem Vergleich zur Masse der Schüler in der
anderen Schule war das etwas ernüchternd.
Dieses
meinte auch mein Gesprächspartner bzw. merkte an, dass er nicht verstünde,
warum dem so sei. Er selbst meinte auch den Eindruck zu haben, die Masse der
eigentlichen Meister trainiere in der erwähnten Schule in Laoying oder
eventuell anderswo; einen „alten Meister“ würde man hier wohl nicht mehr
finden, die seien mutmaßlich in den Großstädten, wo sich mehr Geld verdienen
ließe als hier, wohin sich nur romantisierende Touris verirren würden... .
Unabhängig
davon meinte mein Gesprächspartner – der er sich selbst als blutigen Anfänger
bezeichnete – dass das Training hier, geleitet von zwei, meinem Eindruck nach
etwa zwischen 18-22 Jahre alten Chinesen, ziemlich gut sei und es vor allem
keine Trainingszeitbeschränkung gebe: Die Lehrkräfte seien dauernd präsent und
zu unterrichten, verbessern etc. jederzeit bereit... . Ich verzichtete jedoch
darauf, einen von ihnen um eine Präsentation zu bitten, da ich zum einen so
etwas sowieso nicht mag und zum anderen man mir als insofern im Wudang Kung-fu
Unkundigen auch sonst was zeigen und dieses als was weiß ich hätte betiteln
können – ohne dass ich es auch nur im entferntesten bemerkt hätte.
Also
auch hier Fehlanzeige bezüglich der „Alten Meister“.
Aber
gut, vielleicht hatte ich ja einfach nur den falschen Zeitpunkt erwischt.
Meine
Besuche in den beiden Schulen bereute ich trotzdem nicht.
Dahingehend
muß der auch schon andernorts zu lesende Rat daher nur wiederholt werden:
Man
sollte mit klaren Vorstellungen von dem was man will auf die Suche nach
verschiedenen Schulen/Unterrichtsmöglichkeiten gehen und, wenn man genügend
Zeit hat, auch erst mal hier oder da „Probeschnuppern/-trainieren“, bevor man
sich, nach längerem Handeln hinsichtlich der Trainingsgebühren, auf einen
längeren Trainingsaufenthalt einlässt. Sonst könnte es unter Umständen ein unangenehmes
Erwachen geben.
8. Tag: Wudang Shan -Xiangfan
So,
wie ich nach Wudang gekommen war, verlasse ich es auch wieder:
Per
Minibus bis Laoying und von dann mit einem größeren Bus weiter nach Xiangfan.
Dort
beziehe ich für ein weitere Nacht wiederum im Landun Binguan Hotel Quartier,
tausche in der Main Branch der Bank of China erfolgreich einige Reisecheques
und habe wiederum ein erstes Erfolgserlebnis:
Auf
dem durchgängig nur in Chinesisch Informationen ausweisenden Bahnhof erwerbe
ich mit meinen Chinesischkenntnissen allein meine erste Zugfahrkarte, hier
Richtung Yichang. Gut, es umringen mich seit meiner Frage an der Bahnhofsinfo,
wo denn der richtige Schalter für die Fahrkarten in die gewünschte Richtung
sei, diverse Leute, die eilfertig der Person hinter dem Schalter noch mal
„übersetzen“, wenn diese mein „Amateurchinesisch“ nicht verstanden hat, die
Umstehenden aber glauben gehört zu haben, was ich wollte. Jedoch bin ich
trotzdem „stolz“ darauf erreicht zu haben, was viele anderen als unmöglich oder
wahren Horror bezeichneten.... .
Am
nächsten Tag soll es dann losgehen; leider erst mit dem Nachmittagszug und in
der 4. Klasse Hardseater ohne Platzkarten (Preis 31 Yuan) – was anderes war nicht mehr zu haben... .
So
schlage ich den Rest des Tages mit Bummeln in dieser doch recht uninteressanten
und – es naht der Sommer – dazu noch recht heißen Stadt tot, in der ich
allenfalls die diversen Garküchen mit deren Angebot an amphibischen Speisen
interessant finde.
9. Tag: Xiangfan - Yichang
Ich
kann mir Zeit lassen, denn der Zug fährt erst 13.00 Uhr ab (bzw. hat noch 30
Minuten Verspätung).
Nach
dem schon erwähnten Überlebenstraining in Gestalt des Gedränges, Geschiebes,
Schupsen und Rennens vom Wartesaal zum Bahnsteig bzw. in den Zug finde ich in
dem nur mäßig vollen und für diese (4.) Klasse erstaunlicherweise mit
funktionierenden Ventilatoren ausgestatteten Train einen Platz. Mit diesem bin
ich ganz zufrieden, zumal festzustellen, dass zwar die Verhaltensweise der
Passagiere dieser Klasse die Übliche ist – Müllrunterschmeißen, Spucken auf den
Fußboden, Rauchen etc. – aber der Zug wohl vor nicht allzu langer Zeit noch
eine bessere Klasse abgegeben haben muss, so dass der Hardseater eigentlich
ganz bequem ist und so die sechs Stunden Fahrzeit bis Yichang nicht allzu
anstrengend sind, zumal ich - komischerweise - auch weitestgehend von meinen
Mitreisenden in Ruhe gelassen werde....
Trotz
verspäteter Abfahrt kommt der Zug doch noch planmäßig in Yichang an, wo ich im
ca. 50m vom Bahnhof gen Osten gelegenen Bahnhofs-Hotel für 168,- Yuan ein nicht
unbedingt luxuriöses - die Fenster sind zu den Bahngleisen hinaus und so habe
ich tags wie nachts eine entsprechende Geräuschkulisse –, aber doch leidlich
sauberes Doppelzimmer für zwei Nächte beziehen kann.
Auf
der Fahrt mit dem Taxi zum fast am Ufer des an der Stadt vorbeifließenden
Yangze liegenden Yichang International Hotel versucht mir der perfekt Englisch
sprechende Fahrer einen Ausflug zum 3-Schluchten-Staudamm für 155 Yuan bzw.
eine Flussfahrt auf dem Yangze schmackhaft zu machen:
Wirklich,
er weist nur darauf hin, dass hier in zahlreichen Reisebüros so etwas angeboten
wird bzw. deutet auf dahingehend in seinem Wagen liegende Prospekte und gibt
auch bereitwillig Auskunft, wie man allein von hier zu den umliegenden
Highlights kommen kann, was es kostet, wie viel Zeit man braucht...
Kein
Gedrängle, doch irgendwas zu unterzeichnen bzw. doch diese oder jene Reise hier
gleich mal zu buchen oder zu einer bestimmten Reiseagentur gefahren zu werden;
auch kein Grummeln, als ich dankend ablehne – ich bin sehr positiv überrascht,
nachdem ich aufgrund einschlägiger Erfahrungen andernorts meistens eher das
Gegenteil erwarte.
Aber
vielleicht ist das eben auch wieder das, was ich schon in Wudang feststellen
konnte – man versucht vornehmlich mit den Einheimischen sein Geschäft zu
machen; die Laowai sind nicht Hauptzielgruppe, zumindest nicht in der
Provinz.... .
Das besagte Yichang Intercontinental Hotel suche ich nur aus Faulheitsgründen auf: Für 5 Yuan Bearbeitungsgebühr kann man sich in einer hiesigen Office der Railway-Organisation ohne Anstehen eine Fahrkarte kaufen – ich bekomme für 64,- Yuan eine für den übernächsten Tag nach Zhangjiajie, diesmal in der Hardsleeper-Klasse: Das war für eine Fahrt am Tage zwar etwas geistreich, aber es gab nur einen Zug täglich und erschien daher besser, so mitzukommen als gar nicht - zumal die Aussicht, sich zwischendurch mal hinlegen zu können, auch nicht schlecht war... .
Darauf
schlendere ich noch die recht passabel ausgebaute und begrünte Uferpromenade
entlang, wo sich am nahenden Abend diverse Leute zu Grüppchen zusammenfinden,
in oft schauriger Qualität ! Peking-Opern singen oder zu singen versuchen;
Karten; Boule bzw. Instrumente spielen oder einfach nur miteinander schwatzen
sowie den auf dem Fluß vorbeiziehenden Frachtgut- oder Fährschiffen zuzusehen.

So
fand sich dann in der Nähe einer nicht zu verfehlenden, Dagong – Brücke

auch
die Hauptanlegestelle für die Fährschiffe, auf denen man seine Reise auf dem
Yangze stromab gen Wuhan, oder stromauf nach Chongqing fortsetzen kann.
Fahrkarten
können direkt am Pier oder in einer der umliegenden bzw. sich in der ganzen
Stadt findenden Reiseagenturen gebucht werden – wobei man natürlich als
Ausländer besonders „gefährdet“ ist, dabei über den Tisch gezogen zu werden.
Aber dazu später mehr... .
Im
übrigen ist Yichang eine Stadt, die noch etwas von einem
vorrepublikanisch-kolonialen Charme lebt, welcher sich etwa in recht niedrigen,
europäisch – iberisch wirkenden Gebäuden, einer übersichtlichen Anzahl von
Wolkenkratzern und zahlreichen kleineren oder größeren Grünanlagen/Parks zeigt
.
Leider sind insbesondere erstere am Verfallen, Verfallenlassen oder Abgerissenwerden; verkommen zu Elendsquartieren, unmittelbar neben unter unglaublicher Umweltverschmutzung nahezu aus dem Boden gestampften Glas-und-Stahlgebäuden oder die Innenstadt scheinbar ungeplant durchschneidenden Hochstraßen.



Es scheint nur noch eine Frage der Zeit, bis auch diese Stadt den Eindruck typisch chinesischer Städtebauplanlosigkeit abgeben wird.
So liegt denn auch die in neugotischem Stil gehaltene, alte Kolonialkirche in einer Seitenstrasse der Yun Ji Lu - Strasse - in welcher man typische Madonnen nebst in englischer Sprache klassisch katholische Messe zelebrierende Priester, umkränzt von knallbunter Malerei sowie wechselfarbig-kitschig blinkenden, kreisförmigen Illuminationen von Heiligenscheinen und des Kreuzen vorfinden kann - in einem nach und nach in sich zusammenfallenden Viertel, umgeben von Müllhaufen und Garküchen sowie einigen Restaurants, die buntschillernd „Original Western Food“ anbieten

Dieser
Ort hat aber auch den Vorteil, dass man gleich um die Ecke, in der Yun Ji Lu –
Strasse, nahe der erwähnten Kolonialkirche neben einigen Fast-Food-Läden auch
einige Restaurants finden kann, die, ungeachtet des angepriesenen „Western Tea
& Coffee“ mehrheitlich von etwas besser betuchten Chinesen besucht, die
Möglichkeit bieten, mangels „klassischer Teehäuser“ auch einmal in Ruhe einfach
nur genüsslich Tee trinken zu können – auch wenn die Preise mit 28-60 Yuan (je
nach Sorte) pro Kanne recht gesalzen sind (Der Preis für eine „bis zum
Abwinken“ immer wieder aufgefüllte Kanne liegt in der Regel in einfachen
Restaurants bei 10 – 20 Yuan; wenn man nur Tee trinken will, zum Essen ist der
Tee in der Regel umsonst.).
10. Tag: Yichang
Am
frühen Morgen jogge ich von meinem Hotel hinunter zur Uferpromenade und an
dieser entlang flussaufwärts bis zum ersten Staudamm östlich des „Drei-Schluchten-Staudamms“,
dem Ghezou-Damm sowie zurück und werde dabei zeitweilig von jüngeren oder auch
älteren Herrschaften begleitet, die nicht, wie unzählige andere Leute – die
Grünflächen an der Uferpromenade wimmeln nur so von ihnen – sich auf
morgendliches Taichi oder Quigong-Übungen sondern aufs Jogging verlegt haben.
Zum
nachfolgenden Frühstück gibt es an einer Garküche vor meinem Hotel für 2 Yuan
einige Yaozi (mit Gemüse- oder Fleischbrei gefüllte, gedämpfte Teigtaschen) und
ob der zu erwartenden Hitze mache ich mich dann schon gegen acht zum
Drei-Schluchten-Staudamm (chinesich San-Xia-Ba-Da“) auf.
Im
Gegensatz zu den bereits erwähnten, geführten Touren für 155 Yuan kostet mich
der Spaß insgesamt 25 Yuan an Busfahrgeld zum Damm und zurück. Die richtige
Busverbindung (1 Mal Umsteigen notwendig) findet eigentlich jeder bzw. das
jeweilige Hotel sollte sie aufschreiben können. Nach gut 1 Stunde ist man von
der Stadt aus am Damm bzw. auf dem von diesem gut 300m entfernten Busparkplatz
angelangt.
Dort
wird man sofort von diversen Mopedfahrern recht aufdringlich angegangen, um mit
diesen zum Damm bzw. irgendwohin in die Nähe des Dammes fahren zu können – ein
recht schwachsinniges Vorhaben angesichts der Tatsache, dass die Staumauer
nahezu lächerliche 10 Minuten Fußweg entfernt ist.
An
letzterer wurde, trotz offizieller Meldung über deren Fertigstellung, noch
fleißig gewerkelt, insbesondere die Sektion der Turbinenkraftwerke sowie die
Verkleidung des Bauwerkes waren noch nicht abgeschlossen. Es bestand für mich
sowohl die Möglichkeit, mich auf der offiziellen Baustellenzufahrtsstraße der
Staumauer bis auf ca. 100 Meter auf deren stauseeabgewandter Seite zu nähern,
als auch, auf der Stauseeseite etwas unterhalb der Mauerkrone die Mauer
entlangzugehen - die Sicherheitsposten schlafen hier bzw. ihre Postierung ist
derart ungünstig, dass man sie in entsprechenden toten Winkeln mühelos umlaufen
oder unterwandern kann. Meinen Ausflug auf die Mauer beendete ich daher nur
aufgrund einiger eindeutiger Hinweise von dort tätigen Bauleuten... .


Soweit
ich erfahren konnte, erhalten die Leute, welche die erwähnte Tour zum Damm für
155 Yuan gebucht haben das „Privileg“, neben der Besichtigung eines,
hinsichtlich dessen Sehenswürdigkeit recht zweifelhaften, multimedialen Staudamm-Jubel-Museums,
die Mauerkrone auf einigen Metern betreten zu können. Ob dieses die 155 Yuan
rechtfertigt, mag jeder selbst entscheiden.
Bezüglich
des Dammes und dessen „Umwelt-/Kultur- (Un-) -verträglichkeit“ oder (Un-)
Nutzen brauch ich sicher nichts weiter auszuführen, das haben anderorts schon
andere in ausreichender Art und Weise getan.
Ungeachtet
dessen muss man – so denke ich – aber dennoch eingestehen, dass dieses ca. 2 km
lange und bis zu 185m hohe „Betonungetüm“ unbestritten als ingenieurtechnische
Meisterleistung gelten kann (es sei denn, die Zukunft belehrt uns eines
besseren).



Rund um den Damm lassen sich dann aber „umweltschützerische sowie statische Meisterleistungen“ besichtigen: Abgebaggertes Erdreich, Halden oder Uferböschungen bepflanzt, rekultiviert bzw. befestigt man nicht etwa sachgerecht. Vielmehr kippt man einfach so viel Beton auf den unebenen Untergrund, bis man meint, dass es reicht: und erhält „herrliche, betonene Wellenflächen“, eine buchstäblich zubetonierte Landschaft... .


Den
Rest des Tages verbringe ich - der ich nunmehr 5 (!) weitere Nichtchinesen
getroffen habe, die mir begeistert von ihrer Fährenfahrt auf dem Yangze erzählt
und mich so doch auf den Geschmack gebracht hatten – mit der Recherche nach preiswerten
Fährtfahrtangeboten von Yichang nach Chongqing (diese Strecke flussaufwärts ist
weniger stark frequentiert als die Gegenrichtung und daher auch etwas
preisgünstiger....).
Dahingehend
lässt sich herausfinden, dass es die Möglichkeit gibt in der 1. Klasse
(=2-Bett-Kajüte mit Klimaanlage, Fernseher, eigener Dusch- u. WC-Zelle)

; 2. Klasse (= 4-Bett-Kajüte ohne Klimaanlage, teilweise Fernseher, eigener Dusch- u. WC-Zelle) oder gleich ausgestatteter 6-Bett-Kajüte (=3.Klasse)

zu
reisen.
Da
ich trotz knappen Budgets bis dato recht sparsam gelebt hatte und mir
ausrechnete, dass mich eine Fahrt mit dem Schiff pro Tag bei Umrechnung auf den
mir zur Verfügung stehenden Tagessatz selbst noch preiswerter kommen würde, als
wenn ich per Bus/Zug reiste und Hotelübernachtungen zahlen müsste sowie etwas
eigenbrötlerisch auf meine Ruhe, wenigstens in Zeiten des Aufenthaltes in
meinem Quartier sinne, entscheide ich mich etwas dekadent zu sein, und mich nur
nach den Preisen für die erste Klasse zu erkundigen.
Diese
liegen zwischen 550 und 750 Yuan für die Strecke Yichang-Chongqing, mit 3 ½
Tagen Fahrt und 3 Übernachtungen auf dem Schiff.
Verpflegung
ist dabei nicht inklusive und wenn man wünscht, kann man sogenannte
Ausflugspakete (vom Schiff aus mit entsprechendem, dort vorhandenen, meist
nicht englisch sprechenden Reiseleiter) dazubuchen, die je nach Umfang noch
einmal mit 200-250 Yuan zu Buche schlagen.
Das
- jedenfalls für mich als Laowai - günstigste Angebot finde ich mit 880 Yuan
bei einer, einem Hotel nahe des centralen Postamtes, angeschlossenen
Reiseagentur und beschließe, dieses bei Rückkehr aus Zhangjiajie zu nutzen.
11. Tag: Yichang - Zhangjiajie shi
Eigentlich
sollte der Zug kurz nach elf Uhr morgens losfahren, ca. 1 ½ Stunden später
trifft die Schnecke jedoch erst ein... .
Mir
wurde die Zeit aber dennoch nicht lang, hatte ich doch am Morgen im Zuge des
Kaufes von Reiseproviant etwas – will heißen ob der längeren Abstinenz davon
„etwas reichlich“ – Joghurt gekauft und auch gleich heißhungrig konsumiert, was
im Zusammenspiel mit den Chilischoten des vorherigen Jaozi-Frühstücks keine so
ideale Kombination gewesen sein musste, so dass ich mit einigen wenn auch
kurzen, aber doch heftigen Magenkrämpfen nicht unerhebliche Zeit
„dünnsch....ssend“ auf der Bahnhofstoilette verbringen und im Zuge dessen auch
gleich die „Privatsphäre“ chinesischer, nur durch 1 Meter hohe Wände
voneinander abgetrennten und nach vorn auch noch offenen Hock-Toiletten
kennenlernen konnte.
Ein
wahrhaft erhebendes Erlebnis ! Aber wenigstens war es leidlich sauber... (Die
Einheimischen stören diese Zustände übrigens nicht im Geringsten – eine
Zigarette auf dem dergestaltigen „Tö“ sind ebenso gewöhnlich wie hockenderweise
durchgeführtes, lautstarkes Mobiltelephonieren... .).
Die
sich dann anschließende Fahrt durchs Flachland

zieht sich unter sengender Sonne ewig in die
Länge:
Trotz
Hardsleeper und somit Schlafgelegenheit finde ich keine Ruhe; die Ventilatoren
der Wagen kämpfen verzweifelt gegen die selbst bei geöffneten Fenstern
unerträglich demsige Hitzen und wenn der Zug auf Bahnsteigen oder etwa auf der
Strecke wieder einmal länger hält, ringt jedermann um Luft und sehnt ein
Weiterfahren herbei.

Mich
tröstet etwas, dass den Einheimischen die Hitze ebenso zu schaffen zu machen
scheint, ich also nicht ein vollkommenes Weichei bin oder der ganze Zug eine
kollektive Ansammlung von Weicheiern zu sein scheint („Geteiltes Leid ist
halbes Leid....“).

Kurioserweise
erreicht der Train trotz 1 ½ Stunden Abfahrtsverspätung pünktlich den Bahnhof
von Zhangjiajie. Ich frage mich daher, ob die Fahrpläne etwaige Verspätungen
schon einkalkulieren - und philosophiere weiter, ob so eine Verfahrensweise
nicht auch den in Deutschland üblichen Ärger mit Zugverspätungen aus der Welt schaffen
könnte... .
In
Zhangjiajie mache ich aber zum ersten Mal einen der Fehler, die sonst für
oberflächliche Ausländer typisch sind - und mir dieses somit auch etwas
peinlich ist:
In
den entsprechenden Reiseführern stand es schon etwas versteckt, aber ich
überlas es: Der Bahnhof von Zhangjiajie liegt ca. 9 km vom Zentrum der Stadt
Zhangjiajie, die auch Zhangjiajie shi genannt wird entfernt. Dort gibt es neben
einem sehenswerten, großen Tempel, diverse Hotels aller Preislagen und Banken
zum Geldwechsel.
Der
Ort allerdings, von dem aus man die eigentlichen Exkursionen in den
Nationalpark Zhangjiajie unternehmen kann und auch in der Regel unternimmt, ist
Zhangjiajie Dorf, auch Zhangjiajie cun genannt. Dieser liegt wiederum ca. 35 km
vom Stadtcentrum von Zhangjiajie shi entfernt, also vom Bahnhof Zhangjiajie ca.
43 km.
In
die Stadt gelangt man vom Bahnhof per Bus für ca. 1 Yuan oder per Taxi nach
Taxameterpreis (ca. 20-25 Yuan). Vom Bahnhof bis in das Dorf kostet es per Taxi
zwischen 130-150 Yuan, per Bus zwischen 12-15 Yuan.
Aufgemerkt
sei jedoch bei Hotelanbietern, die über Schlepper am Bahnhof Unterkünfte im
Dorf Zhangjiajie anbieten und mit einem Abholservice werben – Auch bei diesen
hat man spätestens bei Ankunft am Hotel in der Regel den Taxipreis zu begleichen.
Wer
jedoch erst gegen Abend mit dem Zug am Bahnhof anlangt, tut in der Regel besser
daran, nicht sofort Hals über Kopf, z. T. mit hohen Kosten nach Zhangjiajie cun
zu fahren, um dort - getrieben vom hereinbrechenden Abend und Dunkelheit hektisch
nach einem noch freien Hotelplatz zu suchen. Besser ist es, zunächst eine Nacht
in einem preiswerten Hotel in der Stadt zu verbringen und am nächsten Morgen in
der Frühe mit dem Bus preiswert zum Dorf zu fahren und sich dort in Ruhe noch
eine Herberge zu suchen.
Vor
dem Bahnhof lungern auch diverse Bus- und Taxifahrer bzw. Hotelschlepper herum,
die den Ankömmling schmeißfliegenartig mit Transport- oder
Unterkunftsmöglichkeiten überschütten, welche man bei entsprechendem
Verhandlungsgeschick auch entsprechend nutzen könnte.
Ich
selbst habe aber aufgrund ungründlicher Reiseführerrecherche die irrige
Vorstellung, dass das Dorf nur 9 km vom Bahnhof entfernt sei und will mich mit
einem Taxi zu einem dortigen Hotel fahren lassen.
Es
bedarf ziemlicher Geduld des Taxifahrers mit mir als unverständlicherweise
nervösen und fast dem Fahrer die Schuld geben wollenden Ausländer, bis er mir
verklickert hat, dass es bis dahin jedoch 35km ist und daher mit dem Taxi etwas
teuer wird.
Nachdem
ich mich dann bei zwei Hotels – 5 Sterne-Klasse und somit nicht bezahlbar –
hatte probeweise absetzen lassen, drückte ich dem Fahrer 30 Yuan in die Hand
(summa summarum ca. 5 Yuan zuviel) , nahm mein nicht unerhebliches Gepäck und
stampfte, es dunkelte bereits, trotzig deprimiert einfach gen Innenstadt, ohne
zu wissen, wohin, warum weshalb....
Lustlos
fragte ich noch mal an einer nahegelegenen Bushaltestelle den Fahrer eines dort
abgestellten Busses, ob er nach Zhangjiajie cun führe bzw. ob es heute noch
einen Bus gäbe. Nachdem er dieses nur für den nächsten Tag bejahte, stieg ich
in den Bus ein, weil ich mit diesem zum Bahnhof fahren wollte, wo es laut
Reiseführer zumindest einfache Hostels zur preiswerten Übernachtung geben
sollte.
Eigentlich
war mir alles egal, ich hätte wahrscheinlich sogar unter der nächsten Brücke
geschlafen... .
Der
Bus rumpelte darauf eine Hauptstraße eines Randbezirkes von Zhangjiajie hinauf,
bog dann in eine wenig beleuchtete Gasse hinein, vorbei an Schrott- und
Müllhaufen. „Das passt ja alles“ – dachte ich mir dabei, leer den Blick aus dem
Fenster des Gefährtes in die Dunkelheit gerichtet. Bis ich auf einmal an einem
der zahlreichen Laternenpfähle ein erleuchtetes Schild mit der Aufschrift und
Symbol „International Youth Hostelling“ erblickte. Wie von einem Affen gebissen
sprang ich auf und fragte den Busfahrer, ob das hier irgendwo sei und ob er
ggf. anhalten könne: Er bejahte beides, wies auf einen mit Leuchtgirlanden
etwas kitschig eingefassten Hauseingang und ich stürzte mit meinem Gepäck
beladen aus dem Bus heraus auf diesen zu. Es war tatsächlich ein Youth Hostel
und obgleich der Betreiber nur genauso viel/-wenig Englisch, wie ich Chinesisch
sprach, kam eine freudige Verständigung zustande und ich konnte zwischen einem
Bett in einem Schlafsaal bzw. in einem Einzel- oder Doppelzimmer wählen. Die
absolute Krönung war dann nicht etwa, dass der Preis für das sich als
spiegelblank und komfortabel herausstellende Zimmer mit 75 Yuan auch der
Niedrigste bisher bezahlte war, sondern dass auch noch ein Nachlass von 10 Yuan
gewährt wurde, als ich meinen Mitgliedsausweis des Deutschen
Jugendherbergswerkes vorwies (den ich bis dato wohl einen Zeitraum von 10
Jahren immer vergeblich auf meinen Reisen „mitgeschleppt“ und dieses Mal
beinahe zu Hause gelassen hatte). Diese Mitgliedskarte wurde zunächst – in
offensichtlichem Unverständnis des darauf Gedruckten - „3 Mal gewendet, gedreht
und auf den Kopf gestellt“, dann aber anhand des International-JH-Symboles als
zur Discountgewährung ausreichend anerkannt (ohne diesen Ausweis wäre ich aber
auch untergekommen).... .
Eigentlich
war die ganze Sache in gewisser Weise grotesk – nirgendwo hatte mir diese Karte
in den letzten Jahren irgendetwas gebracht, aber hier, am Ende aller Hoffnungen
und in der „hinterchinesischen Pampa“.... .
12. Tag – 14. Tag: Zhangjiajie shi – Zhangjiajie cun
Am
nächsten Morgen bräuchte ich nach den Auskünften des Hostelleiters nur vor dem
Hotel warten, bis dort der Bus nach Zhangjiajie cun vorbeikommen würde; den
Schriftzug/das Richtungsschild des Busses hat er mir als Hilfe auf einen Zettel
aufgeschrieben. Kurz vor sieben Uhr kommt dann der Bus tatsächlich und für 8
Yuan bin ich nach einer ¾ Stunde
Zuckelfahrt in Zhangjiajie cun.
a.)
Das
vom Lonely Planet als preiswertestes empfohlene Hotel („Zhangjiajie Binguan“)
hat prompt geschlossen, und so finde ich nach längerer Diskussion über die
Klasse des Zimmers – ein Einzelzimmer ist nur auf wiederholte Nachfrage bzw.
Ablehnung des Doppelzimmers für 180,- Yuan (das Pflaster hier ist ein Teures
und am Wochenende bzw. Feiertags soll sich das noch steigern !) – im
holzgetäfelten und etwas altbacken wirkenden, dennoch aber sauberen Hotel
„Minzu Shanzhuang“ eine akzeptable Bleibe. Warmes Wasser gibt es nicht, was bei
einer Temperatur von ca. 35-40 Grad und 85 % Luftfeuchte aber auch nicht
unbedingt unerträglich ist.

Angenehm
ist darüber hinaus, dass der Inhaber des Hotels sich auch durch langsames,
einfaches Sprechen bemüht, dass ich sein Chinesisch verstehe.
Die
nächsten drei Tage verbringe ich dann hier, von wo aus man verschieden lange
Wandertouren in das Gebiet des Zhangjiajie-Nationalparkes (auch bezeichnet als
„Wulingyuan“) – ein ca. 25qkm großes Gebiet aus subtropischem, nahezu
Regenwald; unzähligen Arten von Schmetterlingen, Vögeln, Insekten, Amphibien
und Wild; Hochplateaus; Bächen und unzähligen von mehrere hundert Meter hohen,
nadelförmig senkrecht aus dem Dschungelgrün in die Wolken hinaufragenden Felsen
- unternehmen kann.


Dabei
ist der Eintritt in den Park für sich neben dem Park allein schon ein Hammer:
245,- Yuan sind für ein 2-Tages-Ticket,
ohne Verlängerungsmöglichkeit zu berappen. In diesem Betrag ist jedoch der
Eintritt in die benachbarten Nationalparks (Suoxi-Schlucht; Tianzi-Bergmassiv
oder Höhle des Gelben Drachen) nicht enthalten und man bekommt als
Eintrittsbeleg eine Chipkarte, die am Eintritt zusammen mit einem
einzuscannenden Daumenabdruck entwertet wird, um zu verhindern, dass man die
Karte nach einmaliger Benutzung für den nächsten Tag weiterveräußert (ob das
Ganze aber überhaupt funktioniert oder nur ein Bluff ist, blieb jedoch unklar).
b.)
Noch
am Ankunftstag marschiere ich, „bewaffnet“ mit einer etwas fehlerhaften, hier
in jedem Laden für ca. 5 Yuan erhältlichen Karte in Richtung des „Dorf des
schwarzen Drachen“ los. Es ist zunächst ein – schon unter der Woche von
chinesischen Touristengruppen überfluteter - wie in Wudang ausgebauter Weg
durch Unterholz und Bambuswälder, wobei letztere, mit einer Höhe von 30 Metern
und ca.20-30cm Durchmesser pro Bambusgewächs, sich im Wind wiegend an so
manchen Wushu-Film erinnern...
Nach
gut 2-3 km biegt der Weg von dem Hauptpfad, den die meisten Touristen nehmen
nach Südwesten ab und nach gut 10 Minuten ist man für den Rest des Weges zum
„Dorf des Schwarzen Drachen“ weitestgehend allein.
So
geht es über Treppen und Stege bald fast dauernd steil bergan; die Luft ist
stickig; überall zirpt und ziept und zwitschert es; auch ohne dass man sich
irgendwie anstrengt, fließt selbst durchtrainierten Leuten der Schweiß in
ersichtlichen Strömen am ganzen Körper herunter (Schon deshalb sollte man
genügend Wasser mitnehmen, die auf dem Weg anzutreffenden Verpflegungskioske
lassen sich dieses – verständlicherweise – recht teuer bezahlen.). Manchmal
verklebt es einem dadurch derart die Augen, dass man kaum einen Blick für die
zum Teil grotesken Landschaftsformationen hat....

Nach
gut 6 ½ Stunden ist das „Dorf des Schwarzen Drachen“, gelegen auf bzw. an einem
Hochplateau erreicht und bietet, insbesondere von einer „Tianbo Manison“
genannten, nur über eine schaukelige Hängebrücke sowie angsteinflössende
Eisenleiter erreichbaren Felsnadel einen atemberaubenden Ausblick auf die
steinerne Felsnadellandschaft ringsum

,
wie
auch ein recht krudes Gebäude auf dem höchsten Punkt des Dorfes - eine Kreuzung
zwischen daoistischem Tempel und verstaubten, kulturhistorischen Museum des
Dorfes, wo man sich in dazu ausleihbaren Maoisten- oder Al-Capone-Kleidern
nebst Karabinern, Pistolen und Kanonen photographieren lassen kann
.
Gut
weitere 1 ½ Stunden braucht man dann für den Abstieg vom Dorf hin zu einem
kleineren Platz, auf dem diverse Fahrzeuge darauf warten, den Fremden
überteuert – max. 12 Yuan ist für die Strecke angemessen - in die Nähe eines
kleineren Waldstückes zu bringen, nach dessen Durchquerung man sich nahe des
Parkeinganges und Ausgangspunktes wiederfindet.
Nach
dem nun insgesamt 8-stündigem Marsch für die eigentlich kurze Strecke von nur 6
km bin ich dann doch „etwas kaputt“.
c.)
Am
nächsten Tag muss ich erst einmal erschüttert feststellen, dass mein
Photoapparat teilweise streikt – die feuchtwarme Hitze führt, wie schon einmal
vor Jahren in ähnlichen, klimatischen Verhältnissen, zum temporären Verkleben
des Verschlusses. Etwas gefrustet starte ich diverse Reparaturversuche, die
auch teilweise erfolgreich sind und mache mich sodann auf den Weg zum
sogenannten „Forest of Pillars“, einer Ansammlung von nadelförmig gen Himmel
strebenden Felsen, die um einen steinernen Kessel bzw. Hochplateau
herumgruppiert ist:
Der
Weg führt, wie zum „Dorf des Schwarzen Drachen“, zunächst auf dem Hauptweg
entlang, zweigt von diesem nach circa 3-4 km westlich in Richtung des
„Echo-Valley“ ab, steigt darauf steil zum erwähnten Plateau hinauf, von welchem
man eine Aussicht auf ein Szenario wie aus einer anderen Welt hat
.
Schon
bei Sonnenschein ist dieses atemberaubend, hat es ggf. vorher geregnet und ist
dunstig bzw. nebelig, so tauchen dann die Felsspitzen noch unwirklicher
erscheinend aus Dunst- und Wolken auf

Von
dem Plateau aus führt der Weg steil zurück durch dichten Rotholznadelwald zum
Ausgangspunkt.
Auch
auf diesem Wege – der ca. 5 bis 6 Stunden in Anspruch nimmt – trifft man nur
wenige Touristen und hat insofern weitestgehend seine Ruhe.
Besonders
eindrücklich ließ sich auf diesem Pfad auch das hiesige Verhältnis zum
„Umweltschutz“ beobachten: Zwar finden sich allüberall Toiletten, Papierkörbe,
traditionell gestaltete Imbiss-, Restaurant- oder Unterkunftshütten. Diese
werden jedoch nicht in dem gewünschten oder möglichen Umfange genutzt.
Ungeachtet dessen werden aber fortlaufend in Handarbeit neue Holzhütten und
Kioske errichtet und zur Krönung dessen diese reichlich mit nach dessen Geruch
sicher gesundheitsschädlichem Lack imprägniert, so dass die gesamte Umgebung –
schon von Hitze flimmernd – auf einigen qkm dadurch verpestet wird. Dass die
mit Lackresten verunreinigten Arbeitsgerätschaften – Pinsel & Co. – dann
noch in umgebenden Bächen und Teichen gereinigt wurden, konnte fast niemanden
mehr ernsthaft verwundern.
Am
dritten Tag fahre ich mit dem Bus für 10 Yuan in das gut 17 km entfernt, am
Eingang eines anderen Talkessels gelegene Dorf Suoxi. Von hier aus bieten sich
Wanderungen in die Suoxi-Schlucht; zum auf einem Hochplateau gelegenen „Baofeng
Hu“-See (auf dem man sich mit dem Boot an diversen, auf Pfählen im Wasser
stehenden Häusern vorbeistaaken lassen kann) oder zur „Huanglong Dong“, der
„Höhle des Gelben Drachen“ an. Zu letzterer gelangt man von der jeweiligen
Bushaltsstelle im Dorf entweder per lokalem Minibus, Taxi oder indem man sich
von einem der zahlreichen, hier leider recht aufdringlich ihre dahingehenden
Dienste anbietenden Mopedfahrer dorthin fahren lässt. Fünfzehn Yuan pro ca. 4 –
6 km lange Strecke sollten für die letzte Variante mehr als genug sein bzw. sind
nur schwer zu unterbieten.
Zu
beachten ist allerdings, dass die Eintrittskarten aus dem Bereich Zhangjiajie
hier nicht gelten, da es sich um einen anderen Nationalparkbereich handelt; es
ist daher ein gesonderter Eintritt zu bezahlen. Dieser beträgt für das Areal
rund um den Baofeng - Hu - See 65,- Yuan, ebenso für die Höhle des Gelben
Drachen.
Ich
entscheide mich ob der Hitze zunächst für die Höhle des Gelben Drachen.
Nach
deren Visite – mehr als 1 Stunde braucht man dafür nicht - kommen mir jedoch Zweifel,
ob der Baofeng-Hu-See nicht vielleicht
doch die bessere Wahl gewesen wäre: Denn die Höhle ist zwar als solche nicht zu
verachten – es gibt z. B. zwei riesige unterirdische Hallen mit gut 10 Meter
hohen Tropfsteinen sowie einige – typisch chinesisch mittels Leuchtschlangen
für den europäischen Geschmack etwas kitschig illuminierte – Decken- und
Tropfsteinformationen zu bewundern.

Zudem
ist es angenehm kühl – wer eventuell ein unklimatisiertes Quartier hat und bei
ähnlich heißer Witterung einen Tag lang Abkühlung sucht, könnte sich bequem in
eine der unzähligen, unbeleuchteten Ecken der Lokalität verziehen und (eine
mitgenommene Decke vorausgesetzt) hier in Ruhe gekühlt den Tag verdösen. Auch
bieten ausgebaute, aber unbeleuchtete Wege Gelegenheit zu Exkursionen auf
eigene Faust (Taschenlampe und Orientierungshilfsmittel wie etwa Seil/Faden
mitnehmen !).
Andererseits
ist der Ort aber auch nur eine gewöhnliche Höhle, von deren angeblich 14 km
Länge nur zwei recht kurz und unspektakulär erscheinende Kilometer zugänglich
sind, wobei das dort zu Erspähende von manch anderer Höhle im europäischen Raum
bei weitem übertroffen wird. Und selbst wenn man mit dem die Lokalität
durchziehenden, unterirdischen Wasserverlauf wirbt, so tritt Ernüchterung
spätestens dann ein, wenn festgestellt werden muss, dass dieser für den
„normalen Besucher“ mit den vor Ort befindlichen Booten nicht befahrbar ist.
Dieses Vergnügen bleibt in der Regel kräftig zahlenden Reisegruppen vorbehalten
bleibt... .
Als
ich somit etwas enttäuscht wieder Tageslicht erblicke, fahre ich ungeachtet
vorheriger Pläne über Suoxi zurück nach Zhangjiajie, da mein finanzielles
Budget weitere Besichtigungen nicht mehr zulässt.
Trotzdem
wird mir aber die Zeit nicht lang, bietet sich doch in Zhangjiajie cun die
Möglichkeit, ungestört die vor den zahlreichen lokalen Restaurants per Auslage
in natura oder schon in zubereiteter Form angebotenen Köstlichkeiten zu
bewundern - und sich darüber einen Kopf zu machen, ob man das ganze auch mal
probieren sollte (Preise und Genießbarkeit vor der Bestellung aber erfragen;
Hund und Schlange sind teuer!): So liegen oder hängen dort gebraten oder
gekocht bzw. befinden sich noch lebend in entsprechenden Käfigen und
Behältnissen Schildkröten; diverse leguanartige Amphibien; Hunde; Schlangen;
15-20 cm große, dunkel- bis hellgrüne Frösche; Muscheln; Schnecken; Krebse... .



Auch
der lokale Markt, untergebracht in im traditionellen Baustil gehaltenen,
überdachten Hallen, rechts der Straße, kurz vor dem Eingangsbereich zum
Nationalpark ist durchaus sehenswert und aufgrund der Tatsache, dass man hier
im Gegensatz zu den Ständen am Parkeingang nicht auf Touristen aus ist, recht
preiswert.

.
Besonders
schmackhaft ist der für wenige Yuan in kleinen Blöcken erhältliche, geräucherte
Tofu.
15.Tag: Zhangjiajie cun - Yichang
In
der Nacht gewittert es derart fürchterlich, dass der Strom des Hotels ausfällt,
ich so die Gelegenheit habe, die mitgenommenen Kerzen – wie viele Jahre zuvor
hatte ich solche schon umsonst mitgeschleppt – zum Einsatz zu bringen und so
den „romantischen Touch“ des Ortes zu potenzieren... .
Der
Nebel und Dunst, der am Morgen danach vom Regen zurückgelassen wird, gibt den
umgebenden Berggipfeln ein nahezu mystisches Aussehen

bzw.
verschleiert die Straße vom Dorf zurück zur Stadt glücklicherweise derart, dass
man die Abgründe links und rechts derselben nicht zu sehen bekommt, an denen
der Minibusfahrer auf dem Weg zurück in die Stadt wie ein vom Teufel Verfolgter
entlangrast.
Kurz
vor acht Uhr morgens komme ich so am Bahnhof von Zhangjiajie shi an.
Die
Fahrkartenverkäufer hinter dem Schalter verleiert die Augen, als wollte sie
sagen: „Schon wieder ein Laowai, der sich wieder nicht verständigen kann;
wieder Arbeit; und das am frühen Morgen; warum eigentlich immer ich....!?“.
Der
Gesichtsausdruck wandelt sich aber ins genaue Gegenteil, als ich dann, wenn
auch langsam und sicher nicht akzentfrei, auf Chinesisch um eine Fahrkarte für
den heutigen Tag nach Yichang bitte und diese dann auch erhalte (Hartsitzklasse
ohne Platzkarten für 22,- Yuan).
Darauf
schlage ich irgendwie die nächsten drei Stunden Wartezeit auf den Zug am und um
den Bahnhofsvorplatz tot; glücklicherweise gibt es wie überall, so auch hier
eine preiswerte Gepäckaufbewahrung, wo man sich für diese Zeit seiner Bagage
entledigen kann.
Der
Zug kommt wiederum mit über einer Stunde Verspätung an bzw. fährt ebenso spät
ab – um im Endeffekt aber planmäßig in Yichang anzulangen.
Das
Wetter hat zum Glück aber Erbarmen mit den Reisenden der letzten Klasse, wie
mir: Es ist die ganzen sechs Stunden Fahrt über bedeckt, nieselt sogar manchmal
und so wird die Fahrt nicht so drückend heiß wie auf dem Hinweg.
Ich
sitze neben einer netten chinesischen Familie und bereue wieder, dass ich nur
mühsam mit dem Wörterbuch vor mich hin stammeln kann, zu keiner weiteren
Unterhaltung mit diesen freundlichen Leuten fähig bin. Großes, anerkennendes
„Oho!“ und „Ah!“ ernte ich aber nicht nur von diesen, sondern auch von einigen
Umsitzenden, als ich das mir mittlerweile auch zugelegte, ultimative Utensil
eines jeden Chinesen aus dem Rucksack hole und entsprechend gebrauche: Diesen
Glas- oder Plastzylinder, den hier fast jeder, gefüllt mit aufgebrühtem Tee,
mit sich herumschleppt... .
In
Yichang quartiere ich mich für 128 Yuan sogleich in dem bereits erwähnten Hotel
ein. Dieses hat zwei Trakte – einen teueren neuen und einen billigeren alten.
In letzterem ist meine Bleibe – Gut, es ist o. k., nicht schmutzig, etwas
schnuddelig abgewohnt vielleicht, als Klimaanlage fungiert ein zentrales
Gebläse, das dumpfblubbernd muffige Luft ins Zimmer transportiert
Der Versuch, durch eine Mischung mit wärmerer
Frischluft von außen insbesondere für die Nachtzeit zu einem angenehmen
Raumklima zu kommen wird später, kurz vor dem Einschlafen durch einen sehr
rüden Anruf seitens der Reception abgewürgt: Irgendeine Security hatte bemerkt,
dass ich mein Fenster geöffnet habe und ich wurde daher, da dieses sehr
gefährlich sei, aufgefordert, dieses sofort zu schließen. Zwar erschließt sich
mir der Sinn ob der Belegenheit des Zimmers in der 4. Etage nicht ganz, aber
was soll´s... Ich schloß das Fenster, um meine Ruhe zu haben.
Da
ich nunmehr zu einer Flusskreuzfahrt festentschlossen bin, buche ich in der dem
Hotel angeschlossenen Agentur, die sich einige Tage zuvor als die Preiswerteste
herausgestellt hatte eine Tour für 800,- Yuan: Im Zuge dessen unterzeichnete
ich in diesem Zusammenhang zum ersten mal einen vielseitigen, wohl (Reise-)
Vertrag, den ich ob einzig chinesischer Ausfertigung komplett nicht lesen
konnte; au weia... . Nach diesem soll
es dann von Yichang nach Chongqing, von Samstag bis Dienstagmorgen; 1. Klasse
2-er Kabine gehen; ohne Verpflegung aber mit „Sightseeingprogramm“.
Ich
sollte insoweit Glück haben, als dass es auf dem Schiff wirklich, wie
angegeben, nur Außenkabinen geben würde und ich so immer einen „Fensterplatz“
hatte – es gab dahingehend auch schon mal ganz andere „Schauergeschichten“.
Den
Rest des Abends bereue ich es aber fast, in Zhangjiajie shi das Warten auf den
Zug nicht zu einem Geldumtausch bei einer Bank genutzt zu haben:
Alles
hat mittlerweile zu; es ist Freitag und das Wochenende nebst Flussfahrtbeginn
vor der Tür, mein Bares geht zur Neige, es ist keine Umtauschgelegenheit in
Sicht. Mein eigenes Hotel, in das ich mich auch in der Hoffnung auf
Umtauschmöglichkeiten – solche sind extra an der Reception angeschlagen –
eingebucht hatte, tauscht aus irgendwelchen Gründen nicht. Im Yichang
International Hotel stellt sich unkooperativ stur und will nur für Hotelgäste
wechseln. Fast ratlos suche ich letztlich das zweitgrößte Hotel der Stadt, das
Taohualing-Hotel auf und kann nach kurzem Zögern des Personal auch als
Nichthotelgast dort tauschen – ich habe sogar die Wahl Reisecheques oder Bares
zu wechseln. Ob nun üblich oder nicht, ich gebe einiges Trinkgeld für diesen
Service, über den das Personal nicht unerfreut ist... und der Tag ist für mich
wieder mal gerettet.
16. Tag – 19. Tag: Yichang - Chongqing
1.
Gegen
halb zehn Uhr früh finde ich mich im Büro der Reiseagentur ein, von wo mich und
einige dort mit dem gleichen Anliegen eingetroffene Chinesen dessen Leiterin
abholt, um uns mit einem Taxi zur Fähranlegestelle bringt. Dort warten wir
einige Zeit auf dem Zugang zum Schiff; sie kümmert sich in dieser Zeit wahrhaft
rührend um mich, gibt Verhaltenstips etc. und hinterlässt schließlich, nachdem
sie mich aufs Fährschiff begleitet, meinen Kabinenschlüssel organisiert sowie
mir meine Kabine gezeigt hat, sogar ihre Telephonnummer, für alle Notfälle.

Schlimmes
ahnend erhalte ich dann auch noch eine der kunterbunten, laminierten
Plastikkarten aus- und an einem Bastfaden um den Hals gehängt, die mich
unzweifelhaft als Angehöriger des Bootes und dessen Reisegruppe ausweisen soll.
Warum eigentlich immer ich, der derartige Reisegruppen „so liebt“... . Aber mit
etwas daoistischer Haltung ertrage ich auch dies... .
2.
Da
es entgegen der Fahrplanangabe nicht um 10.30 Uhr, sondern erst gegen 13.00 Uhr
losgeht, habe ich genügend Zeit, mich „häuslich“ einzurichten und mir vom
Schiff einen ersten Eindruck zu verschaffen:
Meine
Kabine ist trotz erster Klasse wahrlich nicht sonderlich groß (vielleicht 4m x
2,5m), obgleich sich nur zwei Beten, ein Wandschrank, ein Nachttisch sowie eine
Dusch-Toilettenzelle darin befinden.
Nicht
auszudenken, wie es hierin, wenn der ganze Raum einzig mit 2 oder 3
Doppelstockbetten - wie in der 2. und 3. Klasse ausgefüllt wäre.
Aber
alles ist sauber und ordentlich, Elektrik und sanitäre Einrichtungen
funktionieren; ein großes, zu öffnen mögliches Fenster erlaubt den Blick nach
draußen und ein Fernseher sowie eine Aircondition machen es nach meinem
Ermessen eigentlich perfekt - auch wenn die etwas leistungsschwache Klimaanlage
so „günstig“ im unteren Teil des Nachttisches eingebaut ist, dass sie nur kühle
Luft gen Fußboden bläst und es dadurch eher fußkalt, als angenehm
raumtemperiert wird... .

Glücklicherweise
sind in der Richtung Yichang – Chongqing derzeit so wenig Leute unterwegs, dass
ich die Kabine auch für den Rest der Reise mit niemandem werde teilen müssen
und so eigentlich eine himmlische Ruhe haben werde... .
Das
Boot selbst verfügt über 4 Decks

,
die im wesentlichen durch Kabinen ausgefüllt werden – ausgenommen 2 Speisesäle

,
die von außen recht chaotisch anmutende Küche nebst Vorratslager (wo der
Chinakohl in Mengen neben Fahrrädern und Dieselfässern seiner Bestimmung
harrt), der ob seiner authentischen Antriebstechnik meines Erachtens
höchstinteressante Maschinenraum

(wann bekommt man schon mal einen unverkleidet arbeitenden Schiffsdieselmotor mit seinen unzähligen Kolben und stetig auf- und nieder wippenden Ventilen zu sehen ?!) und die Kommandobrücke.
Der
absolute Witz bzw. die Erfüllung aller Vorurteile gegenüber Chinesen ist jedoch
der seemännisch wohl als Achterdeck zu bezeichnende Teil des Bootes:
Nicht nur, dass man auf ihm eine etwas erhöhte Plattform installiert, diese mit einer Art Biergartenpavillion bekrönt und jene mit diversen Wimpeln und Lichterketten bedacht hat
.
Nein, dieses Sonnendeck darf auch nur betreten, wer entweder für bestimmte Abschnitte der Reise zehn oder für die gesamte Strecke 40 Yuan bei Schiffsreception abliefert. Aber gut, auch ich zahle den Betrag und habe dadurch nicht zuletzt auch die Möglichkeit, wie alle anderen Passagiere auch, die Verstrebungen, Wimpelseile und Lichterketten des Pavillons als kollektive Trocknungsmöglichkeit für die zwischendurch gewaschene Wäsche zu nutzen: Ein gewisser Komik nicht entbehrendes Bild, wenn die Fähre über den Yangze gleitet und über den Köpfen der auf dem Achterdeck Karten oder Domino Spielenden nicht nur die chinesische Fahne, sondern auch Hosen, T-Shirts und klassische, weiße Feinrippunterwäsche (nicht von mir !) wehen.... .
Nun,
als es dann endlich losgeht, ist es amtlich, dass ich der einzige Laowai an
Bord bin und somit bald das Objekt des Interesses einer nicht unerheblicher
Anzahl von Passagieren, wobei diese jedoch angenehm zurückhaltend sind, und ich
nicht jeden Schritt an Bord „überfallen“ werde.
3.
Die
nächsten Tage verlaufen so recht ruhig und ich kann eine solche Fahrt im
allgemeinen nur jedem empfehlen:
a.)
Die
wechselnde Landschaft und deren Bewohner zieht gemächlich vorbei, man kann
seinen Gedanken nachhängen, Tee trinken, ob der anhaltenden Hitze eine Dusche
nehmen, Tagebuch schreiben, schlafen, sich versuchen kann, mit anderen
Passagieren zu unterhalten und dieses alles dann wieder von vorn.
Manchmal
wird diese Gleichförmigkeit durch das „Sightseeing-Programm“ unterbrochen, aber
es ist angenehm, dass ich eine Tour erwisch zu haben scheine, bei der sich
dieses auch in Grenzen hält. Denn unabhängig vom Preis ist meines Erachtens
nichts lästiger, als wenn man kaum das Schiff betreten hat und die Fahrt zu
genießen beginnt, dieses dann jedoch laufend durch Zwischenstopps unterbrochen,
innerhalb derer man zur reisekollektiven Akkordbesichtigung von angeblich oder
tatsächlich noch so Interessantem gescheucht wird, zu dessen tiefgründiger
Betrachtung aufgrund der immer sehr knapp bemessenen Zeit und des Lärmens der
Mitreisenden sowie des meist megaphonbewaffneten Reiseleiters sich dann sowieso
kein Raum findet, wie sehr man ihn denn auch suchen sollte.
Im
besonderen habe ich jedoch meine Zweifel, ob ich die Route oder die umgekehrte
Strecke für die ferne Zukunft noch empfehlen sollte:
Denn
sicher führt sie durch die berühmten „Drei Schluchten“ bzw. ausflugsweise in
einen Seitenarm. Aber schon jetzt ragen aufgrund des staudammbedingt zu
erwartenden Wasseranstieges manche, vor Zeiten bis zu 800 Metern aus dem Fluss
steigende Felsklippen/- wände nur noch wenige hundert Meter aus dem Yangze und
nach vollständiger „Flutung“ des Tales im Jahr 2009 wird nur noch ein langer
See zwischen Yichang und Chongqing, flankiert von einigen Hügeln zusehen sein;
vielleicht ist das auch schon nächstes Jahr der Fall. Ich denke, dass dann die
ursprüngliche Schluchtenfahrt Geschichte sein bzw. die Strecke an Attraktivität
verloren haben wird... .
b.)
Als
Sightseeing-Attraktion wird am ersten Tage der vom Schiff passierte
Drei-Schluchten-Staudamm angeboten.
Das
heißt aber: Nur für den, der jenen extra zum Sightseeing-Programm hinzugebucht
hat. Alle anderen, so auch ich, können entweder nur mitkommen, wenn sie die
schon in Yichang für ähnliche Touren verlangten 150,- Yuan berappen oder müssen
den Damm vom Schiff aus betrachten - was fast unmöglich ist, da der Kahn den
Damm über ein gut 500 m von diesem entfernt gelegenes, fünfstufiges
Schleusensystem passieren muss, von dem aus man fast keinen oder nach Passieren
der Schleusen nur einen entfernten Blick auf das Bauwerk hat.
Da
ich den Damm aber schon gesehen habe, diskutiere ich nur kurz mit der
„Reiseleiterin“ an Bord, ob bzw. in welcher Art und Weise denn die
Dammbesichtigung nun im Reisevertrag enthalten ist oder nicht (Sie ist es wohl
eher nicht... - Mist wenn man den chinesischen Vertrag nicht lesen kann !) und
verbleibe schließlich an Bord, um darauf die nächsten gut 5 Stunden zusammen
mit anderen damit zu verbringen, den Weg des Bootes durch die riesigen 5
Schleusensysteme mitzuerleben.

c.)
Am
Morgen des nächsten Tages

wird, bevor der Kahn in die eigentlichen „Drei Schluchten“ einfährt, ein Ausflug in eine kleinere Seitenschlucht unternommen.
Jeder
Flussfahrtreiseveranstalter bietet in der Regel eine solche Tour in eine der
diversen Seitenarme/-Schluchten des Yangze an; hier ist es der sogenannte
„Senglong-Strom“.
Dazu
wird zunächst an der Mündung dieses Stromes in den Yangze in ein kleineres
Schiff umgestiegen, welches darauf gut 1 ½ Stunden diesen hinauffährt.
Da
der Strom in der Regel nur 50- 60 Meter breit ist, scheinen aus ihm steil
aufragenden, teils bewachsenen, teils nackten Felswände noch spektakulärer und
bedrohlicher, als am Yangze selbst

.
Ab
und zu taucht ein kleiner Tempel oder eine Höhle in dem Wust aus Vegetation und Stein auf oder wird ein in eine
der diversen Felsspalten hineingeschobener, sogenannter „Hängender Sarg“ –
Begräbnisstätte eines vor langer Zeit hier lebenden Volkes – sichtbar.
Die
zwei, drei kleineren Ansiedlungen, die den Strom säumen, künden mit entsprechend
schon vorbereiteten Wasserstandsmarken, derzeit noch abstrus hoch über dem
derzeitigen Wasserspiegel an den Hang gebauten, zukünftigen Uferpromenaden und
Straßen sowie verlassenen und teilweise schon im Wasser versunkenen Gebäuden
vom stetig steigenden Wasserspiegel und dessen letztlich zu erwartender Höhe
.
Am
Ende der Fahrt ist ein größerer See erreicht
,
über den es dann in nußschalenartigen, langgestreckten Stakkähnen weiter den nun zu einem in etwas breiteren, lebendigen Wasserlauf von 1-2 Metern werdenden Strom hinauf geht, bis das Wasser schließlich so flach und von kleinen Stromschnellen durchsetzt wird, dass die Boote bloß noch per Treideln, also von nur mit Lendenschurz bekleideten Leuten an Seilen gezogen vorwärts kommen können.
Wenn
man sieht, welcher Anstrengung sich diese Personen aussetzen müssen – sie legen
sich zum Teil so „ins Zeug“, dass ihre sehnigen Oberkörper fast waagerecht in
einer Höhe von nur wenigen Zentimetern über dem steinigen Flussbett liegen



–
möchte man am liebsten aussteigen und ihnen so ihre Arbeit leichter machen.
So
geht es ca. 300m den Wasserlauf hinan, dann wird gewendet und dieselbe Strecke
wieder mit dem Strom hinabgefahren: Das soll wohl eine Art „Rafting-Einlage“
sein, welche zwar ob des nur geringen Gefälles und leichten Schaukelns des
Kahns gemessen an dem, was man für gewöhnlich unter Rafting versteht recht
lächerlich, aber ungeachtet dessen für sie meisten der chinesischen Teilnehmer
die Attraktion, der Spaß an sich zu sein scheint, erst recht, wenn sie noch „3
Spritzer Wasser“ abbekommen. Ich lächele etwas müde darüber.
Die
Krönung des Ausfluges folgt dann an der eigentlichen Rück-Umsteigesstelle in
die größeren Boote am See:
Dort
befindet sich, gleichsam wie aus dem Nichts einer fernen Welt im
vegetationsgrünen, hiesigen Niemandsland hoch über dem See gelandet das
„Senglong-Stream-Tourist-Center“, ein im traditionellen Stil gehaltener
Betonkomplex von vier Gebäuden mit roten Dächern.
Der
Weg zu diesem ist von allerlei, allen möglichen Sinn und Unsinn zu veräußern
bemühten Souvenirständen gesäumt, die nebst des in einem Gebäude befindlichen
Restaurant darauf schließen lassen, dass hier die Masse der Touristen planmäßig
abgekippt und zu einem mehr oder weniger langen Aufenthalt genötigt wird.
Neben
dem Restaurant und einem „Tourist-Souvenir-Shop“, findet sich hier – penibel
ausgeschildert – eine öffentliche Toilette; eine „Clinic“ sowie ein „Chinese
Herbal Medicine Center“. In letzterem sind zwar diverse Naturprodukte
ausgestellt, die zahlreichen, mit weißen Kitteln bekleideten, weiblichen
Angestellten versuchen aber bei weitem nicht, jene zu erläutern. Vielmehr
suchen sie vehement jedem für 100 Yuan pro Flasche eine Tinktur zu verkaufen,
die dem Vernehmen nach gegen alles helfen soll.
Das
absolute Highlight des Ortes befindet sich gegenüber dieses „Center“ - die
„Performance Hall“. Es handelt sich dabei um ein mit vielleicht 200
Sitzgelegenheiten vor einer Bühne bestuhltes Bauwerk, zu dessen Besuch alle
Bootsinsassen von ihrer Reiseleitung angehalten werden, auf dass sie dort
kostenlos eine angebliche „Volksbrauchtumskunstdarbietung“ der hiesigen,
einheimischen Bevölkerung in traditionellen Kostümen, mit allerlei Tanz und
instrumentalem Krach über sich ergehen lassen sollen. Diese Aussicht ließ mich
jedoch die sofortige Flucht in Richtung der Souvenirstände antreten, wo ich mir
nur ein permanent schiefes Gefiepe anhören musste, mit welchem mich ein Händler
von der Notwendigkeit des Erwerbs einer zur Erzeugung dieser Geräusche
verwendeten, „garantiert echt jadenen“ Querflöte überzeugen wollte.
Zurück
auf dem Schiff passiert dieses dann im Verlauf des Tages die berühmten „Drei
Schluchten“, die obgleich des wegen des Dammes schon erheblich gestiegenen
Wasserspiegels und somit weniger hoch denn vorher aus den Fluten emporragender
Felswände immer noch ein atemberaubender Anblick sind – mal sehen, wie lange
noch... .



Gegen Ende des Tages wird das westliche Ende der Drei Schluchten – bzw. der Dritten derselben – erreicht – im, reisegruppentypischen Massenschritt, und zur Visite der dort befindlichen, mittlerweile fast auf einer Insel im Fluß liegenden und im Hinblick auf den steigenden Wasserspiegel bereits mit einer zukünftigen Uferbefestigung ummauerten

,
Residenz eines der legendären Könige aus der Zeit der drei Reiche, des Liu Bei,
die „White Empereor City“, auch als „Beidacheng-Tempel“ bezeichnet, eingeladen

Unbestritten ist dieser Platz- dessen Spezialität in Ingweröl geröstete Bambuschips zu sein scheinen -, insbesondere das Ensemble von alten, luftwurzelreichen Bäumen, Bambushainen und niedrigen Gebäuden sehenswert

.
Jedoch
gerät die Zeit zur Besichtigung viel zu kurz.
Am
Pier können kurz vor der Abfahrt diverse „frisch getrocknete“ Fischsorten zum
Verzehr erworben werden
,
was
ich mir angesichts dessen, dass nahe der Insel aus diversen, direkt am Ufer des
Yangze endenden Stollen einiger der berüchtigter Kohlegruben schwärzliche
Abwässer in den Fluß geleitet werde

, dann doch lieber
verkneife.. .
d.)
Am
dritten Tag flimmert nach waberndem Nebel in der Frühe ab Mittag die Hitze
unerträglich über dem Schiff und am späten Nachmittag wird als weiterer
„Sightseeingpunkt“ bei Fengdu der „Ming Shan“- Berg erreicht, der nach der
Überlieferung der Wohnsitz des Tianzi, des Königs der Toten, also der Sitz der
Hölle und des Todes selbst sein soll:
Infolge
dessen finden sich auf einer Anhöhe dieses zweigipfeligen Berges die sogenannte
„Ghost-City“, eine Ansammlung von Tempeln, Schreinen und Pagoden in, um und auf
denen in Bildern oder mittels meist überlebensgroßer, in oft schrillen Farben
gehaltenen Darstellungen von Göttern, Dämonen und Verblichenen das Totenreich
oder die Schicksale der Verstorbenen, sich orientierend an den Taten ihrer
Lebzeiten dargestellt sind




Auf
der anderen Erhebung erhebt sich der „Palast der Geister“, zu dem man über die
„Straße der Geister“ gelangt. Letztere ist eine enge, von sehr farbenfroh
gehaltenen Häusern im traditionellen Stil gesäumte Gasse, teils flankiert mit
Dämonenstatuen, deren böswillige Seelen aber diversen Souvenirhändlern Platz
gemacht haben: Von Freddy-Krüger-Masken bis zum Räucherstäbchen kann man hier
allsamt recht „geistvolle oder geistlose Sachen“ erwerben.... .
Der
Palast der Geister selbst ist von einer grauen Mauer umschlossen, deren
Haupttore kitschfilmreif von einem Dämonenmaul umfasst bzw. mit
Totenschädelnachbildungen verziert sind
.
Im Innern des umschlossenen Areals findet sich ein Tempel im klassischen Sinne, der aber meist nicht als die eigentliche „Sehenswürdigkeit“ empfunden oder präsentiert wird.
Vielmehr
ist das „Kellergeschoß“ der Umfassungsmauer, das dieser unterirdisch im Carré
um den darüberliegenden Tempel folgt der „absolute Hammer“:
Dort
unten ist mittels verstaubten, von drastisch bis skurril wirkenden, oft dioden-
und lampenbeleuchteten und mittels Automatik ruckartig bewegten
Pappmacheefiguren „die Hölle“ dargestellt. Infolge dessen werden daselbst allen
nicht Recht- - soll hier wohl heißen, allen nicht-buddhistisch - -Gläubigen
durch alle möglichen Arten von Unholden Arme ausgerenkt; Beine abgehackt; das
Gedärm herausgewühlt; die Augen ausgestochen; Steine an Beine der an den Händen
Aufgehängten gehangen; Vergewaltigungen ausgeführt; die Unglücklichen gekocht,
gebraten, gesotten oder „einfach nur verbrannt“... . Manchmal ist hier jedoch
auch nicht klar, ob die Spinnweben innerhalb des Ensembles nun gewollte
Dekoration oder das Ergebnis jahrelang unterbliebener Reinigungsarbeiten sind.
Ist
man von diesem allen etwas verwundert; beeindruckt oder eventuell auch
amüsiert, so erwartet einen nach etwa 2/3 dieser „Hölle“, man glaubte schon an
keine mögliche Steigerung mehr, das absolut Ultimative - die, nennen wir es
mal, „Höllenfahrt“:
Man
steht zunächst vor einer Wand, an der zu lesen ist, dass 4 Yuan zu bezahlen
wären, ohne dass jedoch aufgeklärt würde, wofür. Nun, man bezahlt diese an
einen daselbst postierten, recht menschlichen Angestellten der Hölle - der
zudem den Eindruck macht, man müsse zahlen, wolle man denn überhaupt an ihm
vorbeikommen - und wird just um die
Ecke geleitet, wo auf einer Einbahnschiene mehrere klapprige Autoscooter
heranscheppern. Hineingesetzt oder -geschubst beginnt darauf eine rumpelnde
Fahrt durch eine Geisterbahn mit sich zu „Huhu-Gekreische“ und diversen
Lichteffekten drehenden und tanzenden, verstaubten Hexen, Teufeln, Gerippen,
Totenschädeln und sonstigen, morbiden Statisten. Für sämtliche Chinesen ein
ungeheurer Spaß; eine mit mir in solch einem Gefährt sitzende, kleine Chinesin
klammert sich in einer Mischung aus Begeisterung und Furcht an mich. Nach zehn
bis fünfzehn Sekunden (!!!!!) Fahrt im Kreis ist die Schussfahrt gen Hades
vorbei; ich muss nur mit dem Kopf schütteln und begebe mich zurück zum Schiff..
Für
den Rest des Tages und der kommenden Nacht nebst Morgen des nächsten Tages
fährt das Boot dann weiter in Richtung Chongqing, wo es gegen 9 Uhr des vierten
Tages der Flussfahrt im Nieselregen anlangt.
e.)
Noch
ein Wort zur Verpflegung an Bord:
Wer
wie ich keine Verpflegung inclusive gebucht hat, kann sich in den zwei
Bordrestaurants das Frühstück, Mittag- und Abendessen für happige 10 bis 15
Yuan hinzukaufen. Über dessen Qualität kann ich nichts sagen; landläufig wird
es aber als nicht sonderlich gut bezeichnet. Meines Erachtens braucht man es
aber auch nicht. Denn zum einen ist die eigene körperliche Aktivität Zeit der
Reise ohnehin nicht so hoch, dass man Massen an Verpflegung benötigte und zum
anderen macht das Schiff oft genug unterwegs Halt – spätestens anlässlich der
Besichtigungstouren – und man kann sich rund um die Anlegestellen preiswerter
und qualitativ wohl auch besser versorgen.
Darüber
hinaus gibt es an Bord auch einen kleinen Laden, in dem man sich auch preiswert
mit Verpflegung wie Trockensuppen, Keksen etc. eindecken kann.
19. Tag – 20. Tag: Chongqing
In
Chongqing angekommen, versuche ich – wie zuvor schon befürchtet – vergeblich,
auf dem völlig überlaufenen Bahnhof eine Fahrkarte für den selben Tag nach
Xi´an zu bekommen; erst für den nächsten Tag sind noch Plätze frei. Für 81,-
Yuan werde ich in der 4. Klasse, allerdings mit Platzkarte, fahren.
Der
darauf folgende Versuch, im Hostel des inmitten von modernen Hochhäusern etwas
deplaziert nahe der Minzu Lu – Strasse wirkend liegenden, buddhistischen Luohan
Si - Tempels eine Unterkunft zu erlangen
scheitert kläglich. Das Einzige, was ich von hier mitnehme, ist die Erkenntnis
des auch daselbst herrschenden Geschäftssinnes: Um zur Hostelreception zu
gelangen - wo einem dann gesagt wird, man habe nichts frei oder wolle keine Ausländer
o. Nicht-Buddhisten aufnehmen – muss man erst das Tempelareal betreten – und
dafür natürlich Eintritt zahlen (5 Yuan) ... .
Wenn
es denn nicht so traurig wäre, könnte man zudem über das Szenario amüsiert
sein, das sich jedes mal bietet, wenn sich ein Tourist oder auch einheimischer
Pilger dem Tempel nähert:
Sitzen
bis dato einige behinderte Bettler irgendwo zusammengekauert am Straßenrand
oder sonst wo seitlich des Tempeleinganges, erwachen jene bei Annäherung eines
mutmaßlichen Spendengebers sofort wie von der Tarantel gebissen aus ihrer
Lethargie, setzen ihre ärmlich ausschauenden Rollstühle, zerlumpten Knochen
oder auch Krücken in zugegebenermaßen artistisch anmutende Bewegung –
insbesondere bei den Einbeinigen entseht oft der Eindruck, als wollten sie sich
für Meisterschaften im Stabhochsprung qualifizieren - , um meist mit einem
freudige Erwartung suggerierenden Jubelgekrächze auf die potentiellen Samariter
derart zuzustürmen, dass diesen schon allein von jenem Anblick Angst und Bange
wird und die meisten - sicher in der Hoffnung der dadurch zu bewirken gedachten
Abwendung der scheinbar nahenden Apokalypse - einige Spenden geben.
Ohne
weiter Probleme finde ich dann aber im „Huixian Lou“ - Hotel (186 Minzu Lu)
(inklusive Frühstück) eine wahrhaft luxuriöse Bleibe, auf den Zimmerpreis von
angeblich 240 Yuan wird ohne Nachfrage ein Discount in Höhe von 90 Yuan
gewährt.
Den
Rest des Tages und des nächsten bis zur Zugabfahrt verbringe ich mit einer
ausgiebigen Visite von Chongqing.
Eigentlich
gibt es nichts „Sehenswertes“ im eigentlichen Sinne; vielmehr ist die Stadt als
„Klein-Hongkong“ das Objekt der Beobachtung an sich: Nirgendwo habe ich bisher
ein so krasses, unmittelbareres Nebeneinander von Hochglanzbauten und
kloakendurchflossenen Müll-Blech-Bambushütten inmitten der Fußgängerzonen der
Innenstadt; eine solch ungestüme, ungeordnete, ein unbeschreibliches Maß an
Verschmutzung verursachende Neubau-, Abriß- und Wiederaufbau- bzw.
Unvollendetstehenlassen-Wut sowie ein derartiges luftverpestendes Verkehrschaos
erlebt.








einer
Halbinsel stehende Stadt umfließenden Fluß sieht man in der Frühe wegen des
Nebels, ab ca. Mittag ob der Hitze und des Smogs nicht mehr... .

Einen
Vorteil hat die hiesige Location gegenüber Hongkong jedoch: Es fehlt
glücklicherweise an der dort wuchernden Kriminalität... .
20. – 21. Tag: Chongqing – Xi´an
Gegen
15 Uhr setzt sich der Zug für die nächsten 13 Stunden gen Xi´an in Bewegung,
Außentemperaturen von mittlerweile 41 Grad werden durch eine Klimaanlage auf
ca. 30 heruntergedrückt. Die Zugwagen sind neuerer Bauart, so dass auch die 4.
Klasse Platzkarten zunächst recht angenehm ist.
Mit
der Zeit wird es aber eng, da insbesondere die kostenlos mitgenommenen Kindern
diverser Familien um Plätze quängeln, die für sie mangels Buchung natürlich
nicht vorhanden sind; die Klimaanlage wird mit zunehmender Fahrtdauer
schwächer; spätestens gegen elf Uhr abends gibt das Zugpersonal den Versuch
auf, Passagiere, die in der 4. Klasse ohne Platzkarten keine Steh- oder
Sitzplätze mehr gefunden haben, aus dem hiesigen Wagen fernzuhalten und so
füllen sich auch die letzten Freiräume. Stickigkeit und stetiger Lärm macht
sich breit, Schlafen nahezu unmöglich bzw. wenn man doch einmal eingeschlummert
ist, so wird dieses spätestens dadurch gestört, dass bis gegen halb ein Uhr
früh – warum bleibt unerfindlich, da ersichtlicherweise keiner mehr Hunger
verspürte – mit schöner Regelmäßigkeit ein Zugpersonaler einen Wagen mit
Verpflegungsutensilien durch die Location zu wuchten sucht – egal, wie viele
Leute mittlerweile im Weg stehen oder sitzen.
Wie
betäubt erwache ich, doch noch eingeschlafen, gegen kurz vor 4 Uhr morgens,
gerade noch rechtzeitig genug, um Xi´an als meinen Aussteigepunkt nicht zu
verpassen.
21. – 24. Tag: Chongqing – Xi´an
In
Xi´an reiße ich gegen halb fünf Uhr im nahe dem Bahnhof gelegenen Lü Dao -Hotel
(80 Xi Balu) das Receptionspersonal aus dem Dämmerschlaf, bekomme für 178,-
Yuan eine komfortable Zweibettunterkunft und döse erst einmal vor mich hin, bis
ich mich auf den Weg zur Bank machen kann.
Xi´an
selbst bietet sich als Ausgangspunkt für diverse Unternehmungen an:
1.
Zum
einen kann man sich in der Stadt selbst umsehen, was ich am ersten Tag tue.
Dahingehend
ist es zwar möglich, unter Zuhilfenahme eines Stadtplanes die zwischen den
jeweilig interessanten Punkten doch recht großen Entfernungen mittels Bus
zurücklegen. Jedoch dauert das manchmal, insbesondere in der Hauptverkehrszeit,
recht lange, so dass das Taxi hier manchmal eine lohnende Investition ist.
Dabei fällt mir besonders negativ auf, dass sich die Taxifahrer hier zum ersten
Male innerhalb meines Chinatrips weigern, den Taxameter einzuschalten, um einen
höheren Fahrpreis zu erlangen. Aber man kann dieses ohne Probleme mit dem Verlassen
des jeweiligen Fahrzeuges hin zum nächsten quittieren, was ich dann auch
praktiziere.
a.)
So
gelange ich zum recht eindrucksvollen Glocken- sowie Trommelturm
.
In
dessen Nähe findet sich im moslemischen Viertel – dem Lebensmittelpunkt der moslemischen
Minderheit von Xi´an – die „Große Moschee“, eine recht ungewöhnliche Mischung
von typisch chinesisch- und arabisch – sakralen Architekturelementen.

Rund um diese eröffnet sich ein Tummelplatz demjenigen, der touristische Souvenirangebote liebt:
In den engen Gassen reiht sich Lädchen an Laden, wo man über Namens-Initialstempel in Chinesisch und Arabisch; Bekleidung; Papierwaren; Waffen; echte und weniger echte Antiquitäten; Räucherstäbchen bis hin zu Orden- und Ehrenzeichen aus der Mao-Zeit fast alles erwerben kann.

Wie
„echt alt“ die hier offerierten Antiquitäten sind, erschließt sich
insbesondere, wenn, sobald ein besichtigter Artikel wegen eines Kratzers nicht
gefällt, sofort ein gleicher im Zehnerpack unter dem Ladentisch hervorgeholt
wird.... . Ein „antiker Bogen“ fällt auseinander, als ich ihn zu spannen
versuche.... – Made in China ?! .
Auch
typisch muslimischen Tee und Fladenbrot gibt es hier.
b.)
Natürlich
ist auch die, die Altstadt quadratisch auf gut 14 km umschließende, restaurierte
Stadtmauer aus der Ming-Zeit mit vorgelagertem Wassergraben sehenswert. Ob man
allerdings unbedingt den Eintritt bezahlen muss, um auf die Mauerkrone klettern
zu können, ist fraglich – ein Blick von unten tut es meines Erachtens auch.
Zwischen
Mauer und Graben verläuft übrigens ein gut 30-40 Meter breiter Grünstreifen, wo
man sich allmorgendlich zur „körperlichen Ertüchtigung“ unter die zahlreichen,
dort Tai Chi; Kung fu o. a. Praktizierenden mischen kann – wenn man es denn
nicht bevorzugt, einmal im Ausdauerlauf die 14 km um die Mauer zu laufen... .

c.)
Östlich
der ummauerten Altstadt Stadt findet sich der daoistische Ba-Xian-Gong-Tempel
(Eintritt 10,- Yuan), ein ausgesprochen malerischer Platz der Ruhe in der
ansonsten doch recht lebhaften Stadt. Wer bis dato noch keinen daoistischen
Tempel gesehen hat, sollte sich hierher begeben.


d.)
Abzweigend
von der Dong Dajie – Strasse, nördlich gegenüber des Xi`an Royal Hotels beginnt
eine gut 250 Meter lange, versteckte Ladenzeile, die nur selten von Touristen
besucht wird und welche man im dortigen Hochglanzbusinessviertel nicht
unbedingt vermutet. Sie kann aber mit Recht als Geheimtipp angesehen werden: Es
handelt sich um den Markt für Frischfisch, - fleisch, Schalen-, Krabbentiere
und Amphibien. Selten habe ich eine solche Ansammlung von Süß- und
Salzwassergetier unterschiedlichster Art, Güte und Größe gesehen; am meisten
begeisterten mich die bis zu ½ Meter langen Garnelen und Langusten mit ihren
antennengleichen Fühlern


Martialisch
muten die blutüberströmten Arbeitsplätze an, an denen Wasserschlangen oder Aale
flugs über einen Nagel gezogen aufgeschlitzt und dadurch verarbeitungsgerecht
ausgenommen werden... .

Hier
ist aber auch festes Schuhwerk angesagt – wer in den manchmal üblichen
Trekkersandalen einherstapft, wird sich ob des zahlreich herumliegenden, meist
übelriechenden Unrates unterschiedlichster Klassifikation sicher bald wünschen,
er sei mit besseren Tretern ausgestattet oder überhaupt nicht hier.
e.)
Die
meisten Leute betrachten jedoch die beiden „Wildganspagoden“ – die „Große“ und
die „Kleine“ als die „Hauptsehenswürdigkeiten“ von Xi´an:
Sicher
ist die Anlage der „Großen Wildganspagode“ (Eintritt 25,- Yuan) monumentaler.
Aber hier wirkt auch alles steriler – selbst die anliegenden Klosteranlagen
scheinen eher wie ungenutzte Vorzeigeobjekte und alles ist touristisch
überlaufen.

Viel
malerischer und abgeschiedener ist dagegen das Terrain mit und um die „Kleine
Wildganspagode“ (Eintritt 18,- Yuan), gelegen in einem ausladenden Park mit
alten Bäumen unter denen sich auch der Glocken- und Trommelturm finden.

Dort
findet sich auch eine kleine Ausstellung von Transportmitteln früherer Zeiten –
verstaubte Sänften und Räderkarren fristen in einer Ecke eines stelenübersäten
Gartens ein trauriges Dasein.
2.
a.)
Am
nächsten Tag begebe ich mich zu dem Platz, der unter dem Strich gesehen der
hauptsächliche Grund ist, warum die meisten Touristen X´ian überhaupt
ansteuern:
die
gut 40 km vom Stadtcentrum entfernte Terracottaarmee des ersten chinesischen
Kaisers Qin Shi Huang sowie dessen Grabanlage selbst.
Man
kann entsprechende Touren dorthin in der Regel auch über Reiseagenturen oder
das eigene Hotel buchen. Dafür werden dann ca. 190 – 250 Yuan inklusive Fahr-
und Eintrittsgelder verlangt. Ich praktiziere aber – wie immer – Eigenregie,
was einiges Mehr an Arbeit und erlebtem Chaos, jedoch auch ein Vielfaches an
originellen Erlebnissen und geringeren Kosten – ich komme mit ca. 140,- Yuan
weg – nach sich zieht.
Mit
einem Schnellbus gelangt man vom Bahnhof für 7,- Yuan in gut 40 Minuten zum Gelände der Terracottaarmee; unterwegs kann
man bei Bedarf auch aussteigen und die tatsächlich weniger als immer
angepriesen spektakulären Thermalquellen von
Huaqing besichtigen.
Das
Gelände der Tarracottaarmee – Eintritt 90 Yuan – ist recht weitläufig, das
Wesentliche bilden vier Hallen:
In
einer wird näher auf die Geschichte der Entdeckung und Ausgrabung der Armee
eingegangen sowie ausgegrabene Streitwagen präsentiert.
Die
weiteren drei überwölben drei Ausgrabungsgruben; beherbergend hauptsächlich die
Infanterie (Grube 1); Kavallerie (Grube 2) und eine Kommando-/Hauptquartier
nebst diversen, noch nicht ausgegrabenen Bereichen (Grube 3).
Für
mich war rein inhaltlich gesehen der Besuch dieses Ortes eigentlich wenig
sinnvoll, hatte ich mir doch einzelne Objekte der Armee, Panoramen sowie
umfangreiche Informationen über sie bereits in zwei sehr guten Ausstellungen in
Deutschland zu Gemüte führen können. Die dort hervorgehobenen Einzelobjekte
werden auch hier in annähernd gleicher Art und Weise präsentiert, und daher ist
es eigentlich egal, ob man diverse Tonkrieger in Vitrinen in Deutschland oder
hier vor Ort besichtigt bzw. unnötig, dieses hier oder dort zu wiederholen.
Was
jedoch den hiesigen Platz so originär macht, so dass es entgegen den
vorangegangenen Betrachtungen nicht nur notwendig, sondern unabdingbar
erscheint, hier vorbeizuschauen, ist die in der Masse des Auftretens der
Ausgegrabenen Tonkrieger liegende Monumentalität des Ensembles:
Nur
wenn man einmal die Halle eins betrachtet, wird dieses recht eindeutig: Photos,
Dioramen oder multimediale Darstellungsversuche muten gegenüber dem die Sprache
verschlagenden, realen Anblick von in mehreren, gut 300 m langen Reihen
hintereinander angetretenen, jeweils unterschiedlich gestalteten, tönernen
Soldaten nahezu stümperhaft an. Allein für diesen Anblick lohnt sich der
Ausflug hierher.




Weniger
lohnend, wenn nicht sogar vollkommen überflüssig ist dagegen eine Visite der
gut 2 km vom Standort der Terracottaarmee gelegenen, von dieser recht einfach
mit einem der zahlreichen Busse für wenige Kuai erreichbaren Grabanlage des
Kaisers Qin Shi Huang.
Es
ist wirklich nicht übertrieben: Die Örtlichkeit besteht aus einem schätzungsweise
noch 60-80 m hohen, von einer gut 3-4 Meter hohen Mauer umschlossenen,
gestrüppbewachsenem Hügel mit einer etwa 50 Meter im Quadrat ausmachenden
Basis, den man über eine Treppe erklimmen kann. Oben angekommen ist dann
festzustellen, dass man eben nichts weiter als das soeben Beschriebene
erblicken kann; zuzüglich vielleicht den Andeutungen von vier ehemaligen
Wasserbecken. (Sicher, dieser Ort,
einstmals mit unzähligen Gebäuden als einer Art Totenstadt bestückt, mag als
die eigentliche Ursache für die Existenz der Terracottaarmee angesehen werden
und von entscheidender historischer Bedeutung sein, zumal die unterirdisch
unter dem Hügel liegende Grabanlage noch unausgegraben und mutmaßlich
unversehrt ist.
Aber
dennoch lohnt sich eine nähere Besichtigung, sprich das Löhnen des
Eintrittssalaires von 40 Yuan in keiner Weise; man kann sich den Hügel auch von
außerhalb der Umfassungsmauer ansehen... .
b.)
Auf
dem Rückweg nach Xi´an nehme ich nicht den Expressbus, sondern eine
Zuckelkutsche, die in 1 ½ Stunden über die Dörfer „prescht“ und lasse mich nach
einmal umsteigen in sengender Hitze am Rande der Stadt am sogenannten
„Banpo-Museum“ (Eintritt 20 Yuan) absetzen.
Es
handelt sich dabei um die konservierte Ausgrabungsstätte eines neolithischen
Dorfes, zuzüglich eines Museums mit ausgegrabenen Fundstücken sowie einer
historischen Einführung. Daneben gibt es noch den etwas kruden Versuch des
Nachbaues des Dorfes in Lehm, Stroh, Beton und anderen, neuzeitlichen
Baumaterialien. Für archäologisch Ambitionierte ist dieser Platz sicherlich
sehenswert, für den Laien wohl weniger.
3.
Einen
weiteren Tag sollte man sich Zeit nehmen, um zum buddhistischen Pilgerzentrum
Famen Si zu fahren (Fahrzeit ca. 1 h 20 min). Busse dorthin fahren für 50 Yuan
hin und zurück vom Bahnhofsvorplatz (man muss etwas suchen bzw. fragen...) ab.
Die Gefährte sind meist mehrheitlich mit Chinesen besetzt, welche durch eine
Busangestellte wie eine Reisegruppe durch bzw. um Famen Si herumgeführt werden,
inklusive des Besorgens von Eintrittskarten etc. (Motto wiederum „Es lebe das
Kollektiv !“). Als Ausländer wird man gern in diesen Service integriert, muss
sich ihm aber nicht anschließen, kann sich alles auch allein ansehen und nur
zeitig genug zurück am Bus sein.
Famen
Si besteht zum einen aus einem kleineren, meist weniger beachteten
Tempelkomplex und der eigentlichen Pagode von Famen Si mit dem angeschlossenen
Kloster- und Schulkomplex:
Der
kleinere Komplex (Eintritt 18,- Yuan) ist eigentlich eine auf einem höheren
Podest befindliche, strahlendweiße Stupa, in Form von vier mit dem Rücken
zueinander sitzenden, in die vier Himmelsrichtungen schauenden Buddhastatuen,
welche allerdings von ihrer Gestaltung her weniger chinesisch, denn eher
südindisch oder aus dem ceylonesischen Raum kommend anmuten


Unter
der Stupa, also in deren Sockel, findet sich eine ähnliche Höllendarstellung
wie schon im Palast of Ghost bei Fengdu.
Die
gut 300m davon entfernt befindliche, eigentliche Pagode von Famen Si (Eintritt
28,- Yuan; angeschlossenes Museum 35,- Yuan), ein Neubau der letzten Jahre des
20 Jh. ist inclusive des ebenso neu errichteten, angeschlossenen buddhistischen
Kloster- und Schulkomplexes meines Erachtens bei weitem nicht so sehenswert,
wie der kleinere Komplex

Aber aufgrund der im Fundament der Pagode befindlichen Krypta - dem einzigsten Überbleibsel des Vorgängerbaues der jetzigen, hier nunmehr stehenden Pagode - sowie den dort in kleinen Minisärgen aufbewahrten Gliedern eines angeblichen Fingers des Buddha ist dieser Platz bekannter und von Touristen und Pilgern frequentierter

Das
Negative des Tages war Folge meiner eigenen Dummheit: Wie auch schon die
vorangegangenen Tage, so war ich auch hier bei gut 40 Grad Hitze (die ich wohl
aufgrund der Trockenheit nicht richtig bemerkte) ohne Mütze unterwegs, holte
mir so einen Sonnestich und hatte aufgrund dessen bereits am Abend leichten
Schüttelfrost und Halsschmerzen.
Am
nächsten Tage, einem Sonntag, fahre ich nochmals zum daoistischen
Ba-Xian-Gong-Tempel, wo ein sonntäglicher „Flohmarkt“ stattfand. Immer zu
diesem versuchen dort die Einheimischen allen möglichen Krempel um und an den
Mann zu bringen. So finden sich alte Waffen neben Buddhastatuen, Mao- und
Stalinplakaten/-orden nahe bei Elektrogeräten, Musikinstrumenten Hand in Hand mit
Räucherstäbchen


Da
diese, von einem recht entspannten Flair getragene Veranstaltung


,
auf
der auch der Fremde gern gesehen wird, keinen touristischen Hintergrund hat,
kann man hier mit einigem Verhandlungsgeschick auch einige Schnäppchen machen.
Nachdem
ich mir noch einige Kamillenblüten, eklig schmeckende (und nicht wirkende)
Halstabletten sowie Kangbindu-Medizin-Pulver gekauft habe, begebe ich mich von
sonnenstichbedingten Fieber und Kopfschmerzen gepeinigt zurück ins Hotel, wo
ich den Rest des Tages im Bett verbringe. Irgendwann gegen elf Uhr abends
schlafe ich endlich ein und bin dank der chinesischen Medizin über Nacht auch
den Großteils des Fiebers los... .
24. Tag: Xi´an - Luoyang
Mein
Hotel in Xi´an ist einfach Spitze: Auf Nachfrage, ob man eine preiswerte Bleibe
in Luoyang kenne, vermittelt man mir über Telefon sofort ein Zimmer im
„Mingyuan Youth Hostel“ in der Jiefang Lu Nummer 20 in Luoyang.
Gegen
11 Uhr fährt mein Zug nach dort ab. Zwar habe ich für 71,- Yuan wiederum drei
Tage im Voraus eine Fahrkarte für die Hartbettenklasse erstanden, jedoch ist
von dem bisher in dieser Klasse erfahrenen Komfort hier keine Spur.
Wahrscheinlich
sind die Wagen dieses Zuges bereits vor 500 Jahren in Dienst gestellt worden...
.
Aber
egal, ich bin gesundheitlich doch noch nicht wieder richtig auf dem Damm,
trinke Tee, schlafe, überlasse meinen chinesischen Mitfahrern des erstaunlich
leeren Zuges bereitwillig meine Reise- und Sprachführer zum Zwecke der
allgemeinen Belustigung; schaue aus dem Fenster in die heute ganztägig von
Regen überschüttete Landschaft hinaus.
Nach
ca. 6 Stunden ist Luoyang erreicht; problemlos gelange ich nach dem
vergeblichen Versuch, eine Fahrkarte nach Peking zu kaufen - irgendwie scheint
hier der dritte Tag des Vorausverkaufes für Fahrkarten mitgezählt zu werden, so
dass man effektiv zwei Tage im Voraus kaufen muss – das Hostel, wo ich die
nächsten drei Tage für 150,- Yuan pro Nacht (inkl. Frühstück) recht passabel
unterkomme.
Der
Versuch zu ergründen, wie und wann man am besten eine Fahrkarte nach Peking
bekommen könne, bringt mir eine wirklich offenherzige, aber derart unbeholfen
wirkende Hilfsbekundung seitens des Receptionspersonals ein, die mich gewiss
sein lässt, den Fahrkartenkauf doch besser selbst zu organisieren zu suchen...
.
Wie
ich bald feststelle, ist Luoyang bei aller Liebe ein Nest, in dem abzusteigen
sich nur wegen der nicht weit entfernten Longmen-Grotten sowie der Nähe zum
Shaolin-Kloster lohnt:
Ansonsten
gibt es hier laut Reiseführer eine angeblich sehenswerte Innenstadt, welche die
dahingehenden Autoren sicher nie selbst besucht haben, denn dann würden sie
wissen, dass eine solche überhaupt nicht existiert. Zum Flanieren oder
Verweilen laden, insbesondere am frühen Morgen, wenn noch nicht soviel los und
die Abgasbelastung gering ist, die begrünten Uferpromenaden des an der Stadt
vorbeifließenden Flusses oder der Wancheng-Park ein. Es gibt aber auch zwei
Straßenzüge, die mit Hochglanzkaufhäusern aufwarten – für den, der es braucht.
Wer noch Sinn für typisch chinesische Kuriosa hat, findet solche ebenfalls am
Ufer des erwähnten Flusses: Da ist zum einen eine Art Funkturm, dessen Basis
eine Copie der Istambuler Hagia Sophia bildet, aus der ein Duplikat des
Berliner Fernsehturm nach oben strebt, umkleidet von einem Außengerippe in
Gestalt des Eifelturms. Zum anderen findet sich eine Art Palast, dessen
Außenmauern den Moskauer Kreml imitieren, dahinter zur einer Art Moschee
aufsteigen, um schließlich von einem daraus erwachsenden Schloß Neuschwanstein
bekrönt zu werden.... na ja,.... .
25. – 27. Tag: Luoyang
1.
Am
ersten Tage meines Aufenthaltes jogge ich früh bei beginnendem Regen vom Hostel
14 Kilometer zu den Longmen-Grotten, fahre von dort aus mit dem Localbus für 2
Yuan zurück zum Hauptbahnhof, erwerbe erfolgreich für 185,- Yuan eine Fahrkarte
in der Hartbettenklasse nach Peking (doch zwei Tage im Voraus !), begebe mich
zurück zum Hotel, schnappe dort meine Photosachen und fahre nochmals, diesmal
aber per Localbus, zu den Longmen-Grotten (Eintritt 80,-. Yuan).
Es
schifft in Strömen, ich versuche mich unter einem dafür vor Ort erworbenen,
quietschgelben Regencape zu verstecken, werde aber trotzdem nass – entweder vom
Regenwasser oder aufgrund Schwitzklimas in diesem Überhängegewächshaus. Der
einzige Vorteil des Regens – es sind zwar immer noch genügend Touristen (meist
Chinesen) unterwegs, aber bestimmt weniger, als es bei Sonnenschein gewesen
wären.
Die
Grotten an sich sind phantastisch, vorausgesetzt, man macht sich von vornherein
keine Illusionen darüber was einen erwartet:
Auf
einigen hundert Metern Länge und gut 50 Metern Höhe sind diverse Grotten,
Nischen, Höhlen sowie darum und darin Darstellungen aus der buddhistischen
Mythologie in den Stein oder aus diesem herausgehauen worden – Hochrelief,
Flachrelief oder Halbplastik wetteifern in verschiedensten Größen und Formen zu
Tausenden miteinander. Leider sind die aus verschiedenen Stilepochen aus dem
Zeitraum von ca. 490 - 900 stammenden Darstellungen im Laufe der Zeit durch
religiös oder ideologisch begründete Bilderstürmer- oder Souvenirjägerei zu ca.
80 % ihrer Köpfe, Kopfpartien oder Gesichter beraubt; auch die wenigen, noch
verbliebenen Malereien scheinen recht verblasst. Somit ist der heutige Anblick
nur noch ein schwacher Abglanz des Einstigen und enttäuscht werden könnte, wer
denn mehr erhofft.

Dafür ist vollständig erhalten Gebliebene jedoch um so beeindruckender, wobei natürlich die sogenannte „Grotte der Ahnenverehrung“, eigentlich keine Grotte, sondern eine Art künstlich angelegter Felskessel, aus dessen Steilwänden zwischen 20 bis 30 Metern an Größe messende Figuren im Hochrelief herausgearbeitet worden sind, besonders hervorsticht



Nur
wenige Bushaltestellen von den Grotten in Richtung Innenstadt von Luoyang
entfernt liegt der Tempel-/Klosterkomplex von Guanlin Miao – Tempel (Eintritt
30,- Yuan), den man sich nicht entgehen lassen sollte:
Denn
zum einen ist er abgeschieden ruhig und nahezu ein Musterbeispiel eines über
die Jahrhunderte hinweg lebendig gebliebenen, buddhistischen Tempels.
Insbesondere die alten Bäume mit ihren verdrehten Stämmen, umflattert von
zahllosen roten Bändchen und oft genug eingehüllt in Wolken verbrannter Incense
geben dem Ort etwas Mystisches.
Zum
anderen hat der Ort eine nicht zu unterschätzende historische Bedeutung, liegt
doch in seinem Centrum unter einem Hügel der Kopf des berühmten Generals von
Liu Bei, dem Guan Yu aus der Zeit der Drei Reiche begraben, der nach der
Hinrichtung dieses Militärführers hierher verbracht und bestattet wurde. Die
für ihn typische Waffe, die sogenannte
„Große Hellebarde des Guan Yu“, mit der er auch immer dargestellt wird,
erlangte nach seinem Tode bis zum heutigen Tage weite Verbreitung auf dem
Gebiet der Kampfkünste und hält das Andenken an ihren Träger wach.
2.
Den
nächsten Tag wollte ich eigentlich vollumfänglich der Visite des
Shaolin-Klosters und Umgebung widmen. Eigentlich !
Leider
lasse ich mich – und rate hiermit daher jedem von einem dahingehenden
Unterfangen ab – von der Hotelreception dazu überreden, den hoteleigenen
Tourbus für 30 Yuan (hin und zurück) zu nehmen, der angeblich täglich um 8 Uhr
nach Shaolin fährt.
Besser
wäre es gewesen, in aller Herrgottesfrühe einen der zahlreichen Busse vom
Hauptbahnhof nach Shaolin oder Dengfeng und von dort dann nach Shaolin zu
nehmen. Dann ist man nämlich definitiv nach 1,5 Stunden in Shaolin
(Gesamtfahrpreis für eine Strecke ca. 18 Yuan). Eine gute Idee ist es ggf.
auch, gleich in Dengfeng zu übernachten (Achtung: spärliche Hotelauswahl), um
von dort aus nicht nur Shaolin per „Katzensprung“ sowie die Longmengrotten in
Luoyang besuchen, sondern auch täglich „live“ das meistens im Freien
stattfindende Training hunderter Kung-fu-Schülern der von Shaolin nach Dengfeng
umgezogenen Kampfkunstschulen erleben zu können, welches man in dieser Form in
Shaolin leider nicht mehr finden kann.
Aber
ich warte – gutgläubig-naiv - auf den „Hotelbus“, der sich gegen halb neun Uhr
in der Frühe endlich ein- und als Sammelbus für diverse, noch abzuklappernde
Herbergen herausstellt.
Auch
wird bald klar, dass er nicht direkt Shaolin anfährt, sondern zunächst die nahe
Dengfeng liegende Songyang-Akademie sowie einen angeblichen Schwestertempel des
Shaolintempels ansteuern wird. Selbst wenn einen diese nicht interessieren, man
also dafür keinen Eintritt an die Busleitung bezahlen will, hängt man so an
diesen Orten doch wartend mit fest und verliert dadurch gut 2 ½ Stunden
wertvoller Zeit – ich war entsprechend begeistert davon... .
Endlich
in Shaolin angekommen, blieben nach dem Begleichen von 100 Yuan Eintritt nur
noch knapp 3 Stunden Zeit zum Umsehen, bevor der Bus weiterfahren sollte.
Dieses reichte natürlich in keinem Falle aus, um alles oder auch nur das
Wichtigste zu sehen.
Ich
musste demnach auf den Aufstieg zur Bodhidharma-Höhle ebenso wie auf die
Seilbahnfahrt (30 Yuan) dorthin verzichten, von weiteren Ausflügen, etwa zum
berühmten See ganz zu schweigen.
Vielmehr
hatte ich mich darauf zu beschränken, einen Blick auf die an der Shaolin von
Ost nach West durchziehenden „Hauptsstraße“ gelegenen Stätten zu werfen:
An
einer überdimensionalen Bodhidharma-Statue sowie einem Stein/einer Stele
vorbei, mit der sich hier fast jeder als Beweis des „ich war in Shaolin“
ablichten lässt, nebst einer Ansammlung von in diversen Gebäuden
untergebrachten Souvenirshops vorbei gelangt man durch ein wiederum etwas zu
groß geraten scheinendes Tor und auf einen sich anschließenden Asphaltstraße,
zunächst zurr noch im aktiven Trainingsbetrieb befindlichen Kung-fu-Schule
Tagou.
Kurz
dahinter liegt ein hauptsächlich von zahlungskräftigen Ausländern und Chinesen
frequentierte, staatlich gefördertes Trainingszentrum.
Dort
kann man in einer klimatisierten Arena eine ca. aller 20 bis 30 Minuten
stattfindende, ca. ¼ - stündige Showdarbietung von Shaolin-Schülern beiwohnen


und in angeschlossenen Shops diverse, natürlich preislich „entsprechend gehaltene“ Souvenirs erstehen (Zu kostenpflichtigen „Dienstleistungen“ gehört u. a. auch das daselbst offerierte Schreiben des eigenen Namens in Chinesisch auf einen Zettel – also nicht wundern, wenn man dafür zur Kasse gebeten wird...). Ob es sich bei den Beteiligten der Veranstaltung um bloße Kung-fu-Schüler des Centrums oder wirklichen Mönche des Klosters handelt, ist dabei nicht ersichtlich, tut jedoch der Darbietung an sich keinen Abbruch.
Eines
sollte zu Gunsten dieser oft gescholtenen Show gesagt werden: Sicher – es ist
eine auf touristisches Tohuwabohu angelegte, extrovertierte und hinsichtlich
des Zerschlagens von Eisenplatten auf dem Kopf mit nunmehr schon bekannten
Kniffen und Tricks arbeitende Präsentation, welche mit den ursprünglichen
Intentionen der Kampfkunst nur noch wenig zu tun haben mag. Aber zum Einen muss
man das, was dort geboten wird erst einmal nachmachen können, bevor man es kritisiert
(selbst Schauspielerei will erst einmal gekonnt sein). Und zum Anderen ist es
immer auch eine Frage dessen, was nachgefragt wird: Würde niemand solchen
Darbietungen seine Aufmerksamkeit schenken, würden sie sicher nicht in jener
Form oder überhaupt stattfinden... .
Einige
Türen von den Souvenirshops entfernt befindet sich eine Trainingshalle, in der
die im in diesem Trainingszentrum trainierenden Chinesen und Ausländer ihrem
kampfkünstlerischen Tagwerk nachgehen. Mit etwas Geschick kann man dabei auch
zusehen; ich selbst habe Zeit meiner Besichtigung dort zwei Ausländer
trainieren sehen. Zur Qualität des Trainings kann ich nichts sagen, da ich nur
einen Ausschnitt – man übte gerade den Schmetterlingstritt und eine gesprungene
Schraube, wobei sich Ausländer wie Chinesen gleichermaßen geschickt anstellten
– mitbekommen habe. Dem Centrum ist, wohl für dessen zahlungskräftige Eleven,
auch ein Hotel mit einem Restaurant angeschlossen. Diesem ist eine Art Innenhof
vorgelagert, wo auf einer parkähnlichen Rasenfläche zahlreiche, mutmaßlich
traditionelle Trainingsgerätschaften installiert sind, zuzüglich einiger, in
einem hässlichen Rotton gehaltener Statuen, die Kungfu-Kämpfer darstellen
sollen. Das Ganze wirkt aber derart aufgeräumt und gepflegt, ja museumsgleich,
dass ernsthafte Zweifel angebracht scheinen, ob hier je jemand trainiert (hat),
man wohl eher einem Touristengag aufgesessen ist
.
Von
diesem Ort aus gelangt man zu Fuß der Straße folgend – es sei denn, man ist so
faul, dass man sich mit einem Elektromobil für 10 Yuan herumkutschieren lässt –
nach ca. 1,5 km, vorbei an weiten Feldflächen, die wohl einst als
Trainingsplätze gedient haben zum Shaolin-Tempel nebst angeschlossenem
Klosterkomplex



Erwartungsgemäß
ist man hier selbst bei größter Hitze und mitten in der Woche nicht der einzige
Besucher. Manchmal hatte ich meine liebe Not, vor meist chinesischen Touristen
etwas von den Tempelgebäuden vor die Linse des Photoapparates bekommen zu
können; jegliche Mystik oder auch nur Ruhe und Abgeschiedenheit des Ortes kann
man vergessen
.
Wahrscheinlich
muss man wirklich bis zur Bodhidharme-Höhle kraxeln, um hier irgendwie zur
irgendeiner Besinnung kommen zu können.
(Dahingehend
sollte man aber nicht vergessen, dass man auch selbst Teil dieser einen selbst
nervenden Touris ist... ).
„Das
Beste“ kam aber noch: Im zweiten und dritten Innenhof des Klosters stieß ich
auf mehrere Gruppen von in schwarz gekleideten Nichtchinesen, die dort unter
Anleitung von über diese Veranstaltung ersichtlicherweise selbst amüsierten
Einheimischen – ob nun Mönchen oder nicht, war ziemlich egal – Kung-fu zu üben
versuchten


.
Zur
Ehrenrettung vorweg: Jeder hat mal mit irgendwas angefangen und sich dabei
sicher sonstwie angestellt. Und wenn man sich im pubertär-jugendlichen Alter
befindet, protzt man manchmal auch mit auch nicht vorhandenen Fähigkeiten durch
entsprechend „öffentliches Trainieren“ – obgleich man sich lieber in den
hintersten Hof zurückziehen und die Tür für Zuschauer verschließen sollte.
Nichtsdestotrotz
produzierten sich die besagten Personen - alle wohl ab Mitte 20 aufwärts und
somit jugendlicher Unvernunft in der Regel eigentlich entwachsen – vor hunderten von Touristen ihre „Künste“
- jeder übrigens mit einem riesigen, farbigen Aufdruck auf dem Rücken, der das
ihre Zugehörigkeit verhieß: „USSD – United Studios of Self Defense“. Ich – auch
schwarz angezogen - habe mich beinahe meiner ebenfalls nichtchinesischen
Nationalität geschämt und mein Gesicht verborgen, auf dass ich ja nicht dieser
Truppe zugerechnet wurde.
Die
Leute sollte ich übrigens zwei Tage später in Peking wiedersehen – lang kann
ihr Trainingsaufenthalt also nicht gedauert haben – und ein erneutes
Wiedersehen auf dem Flughafen ermöglichte dann die eindeutige Zuordnung durch
die herumgewedelten Reisepässe: United States of America.... .
Mir
blieb nach dieser unspektakulären Visite nur noch wenig Zeit, aber sie reichte
aus, um noch zum gut 500m entfernten Friedhof, auch als Pagodenwad bezeichnet
zu gelangen
.
Zwar
geht es dort etwas entspannter zu als im Kloster selbst, da das Areal groß
genug ist, dass sich die wenigen Touristen verlaufen können, wenn sie sich denn
tiefer als nur bis zum Eingang in den Friedhof vordringen (wobei letzteres auch
deshalb wärmstens zu empfehlen ist, da gerade die nicht disneylandartig
herausgeputzten Areale des Pagodenwaldes die eigentlich originelleren sind
.
Allerdings
wird man (auch dort) zuweilen recht penetrant von älteren Frauen belästigt, die
hier Souvenirs, meist die typisch buddhistischen Mönchsketten, an den Mann zu
bringen suchen.
Als
es dann – wie schon angedeutet – viel zu früh wieder per Bus zurück nach
Luoyang gehen sollte - es war gegen vier Uhr nachmittags - konnte ich noch ca.
60-80 meist junge Schüler der Tagou-Schule beobachten, die gut ½ Stunde auf
einer recht schmuddeligen Fläche östlich der Schule zu Gange waren, wobei das
alles aber einen Eindruck machte, als ob man sich nicht wirklich ernsthaft zum
Training, denn eher zu einem nachmittäglichen Sit-In mit einigen Kung-fu-Einlagen
hier getroffen hatte.
Als
ob der Hetzerei nicht schon genug gewesen wäre, so hielt der Bus auf seiner
Rückfahrt noch am wenige Kilometer von Luoyang entfernten Baima Si, dem „Tempel
des Weißen Pferdes“ (Eintritt 35 Yuan), auf dass man den durchaus sehenswerten
Platz – besonders bemerkenswert ist die zum Tempel gehörige, in einem
wunderschönen Garten gelegene Pagode – dadurch missachten, dass man seiner nur
20 Minuten Besichtigungszeit widmen solle.
Im
Ergebnis fand ich diese „Shaolinbesichtigung“ dann doch einigermaßen
unbefriedigend.
3.
Am
dritten Tag meines Aufenthaltes in Luoyang fuhr gegen 17 Uhr Nachmittags mein
Zug – einer der neuesten und komfortabelsten der Hartbettenklasse die ich je
gesehen hatte – nach Peking (Fahrpreis 185,- Yuan) .
Glücklicherweise
ließ mir das Hostel gegen einen geringen Aufpreis mein Zimmer bis zum
Nachmittag. So hatte ich, der ich eigentlich noch einen Ausflug nach Dengfeng
geplant hatte, mich jedoch die Hälfte der Nacht und des Morgens noch mit
sonnenstichverursachten Kopfschmerzen herumplagen musste und mir somit den
Ausflug nach Dengfeng buchstäblich aus dem Kopf schlagen konnte, noch
Gelegenheit, mich etwas zu sammeln – unterstützt von Dampfbad aus
Kamillenblüten und Chinabalsam.
28. Tag – 30. Tag: Luoyang – Peking sowie Peking
Unspektakulär
und ruhig verlief die nächtliche Fahrt nach Peking, wo ich gegen 6 Uhr morgens
anlangte.
Wie
schon vor einem Jahr kam ich – allerdings schon seit gut 3 Monaten per e-mail
vorangemeldet – im pieksauberen und vor Service (preiswerte Organisation
diverser Besichtigungstouren; Shows; Organisation von Fahrkarten für Bus und
Bahn; Vermittlung von Hostels in anderen Städten) strotzenden Hostel der
Beijing Downtown Backpackers Accomodation (No. 85 Nan Luo Gu Alley, Pingan Dajie,
Dongcheng District Beijing China; www.backpackingchina.com ; downtown@backpackingchina.com
) für knapp 7 Dollar pro Nacht (inkl. Frühstück) im Vierbettschlafsaal unter.
In gewisser Weise bin ich froh, dass ich schon im Jahr zuvor die „üblichen Attraktionen“ der Hauptstadt „abgeklappert“ habe und das jetzt nicht mehr machen muss. Ich beschränke mich somit auf eine Visite des nunmehr vollständig abgeschlossen restaurierten Himmelstempels – man hat ihn wirklich gut hinbekommen

–
und habe Zeit, herrlich das Treiben sowohl in den älteren, bodenständigen
Vierteln, etwa rund um die Dazhalan Lu – Strasse (südlich des Platzes des
Himmlischen Friedens) als auch in den Hochglanzeinkaufsstraßen wie etwa in
Viertel Wangfujing

beobachten
oder mich selbst von diesem tragen lassen zu können.
Als
ein kleiner Geheimtipp entpuppt sich der östlich des den Himmelstempel
umschließenden Parks gelegene „Pearl-Market“:
Sicher
können hier auch die üblichen Konsumgüter chinesischer Ur- oder Raubproduktion
zu den astronomischsten Preisen erworben werden. Sehenswert sind aber vielmehr
- auch bei keinerlei Kaufambitionen - die auf gut drei Etagen feilgebotenen
Juwelen und Geschmeide, deren Hauptbestandteil – wie der Name des Marktes
vermuten lässt – natürlich Perlen sind.
Weiterhin
ist aber auch das Basement nicht zu verachten:
Hier
findet sich ein ähnliches Angebot wie auf dem Fisch- und Schalentierenmarkt von
Xi´an, nur ist der Platz hier um einige Nummern größer, das Angebot
reichhaltiger und es wirkt etwas alles geordneter und nicht ganz so
schmuddelig. Besonders faszinierend waren für mich die angebotenen Schwert-
oder Sägezahnfisch- „Schwerter“ und die sich an bestimmten Ständen bis unter
die Decke stapelnden, in Klarsichtbeutel verpackten getrockneten
Haifischflossen (Den Gedanken, mir eine solche als „Souvenir“ mitzunehmen ließ
ich dann bei einem – auch für Einheimische geltenden - Kilopreis von 1600 Yuan
aufwärts ziemlich schnell wieder fallen).
Abschließend
kann ich China also jedem empfehlen – vorausgesetzt er bringt neben einem
erforderlichen, finanziellen Mindestbudget eine Fähigkeit mit: Sich
hinsichtlich Allem auf das Wesentliche beschränken und gerade dadurch mehr denn
beabsichtigt oder erwartet erleben zu können. Wer glaubt, im Schnellverfahren
das Land kennenlernen zu können wird nicht nur sehr viel Geld lassen , sondern
sogar noch weniger Einblicke als erhofft erhalten.
Und
für die, die meinen, aufgrund des „Zeitnehmens“ zu wenig gesehen zu haben –
gibt es sicher ein nächstes Mal.
Ralph
Leitloff
Eine Weitergabe, Veränderung,
gewerbliche Nutzung oder Verwendung auf anderen Websites ist ohne ausdrückliche
Zustimmung des Autors unzulässig.