14. Tag - Luoyang => Shaolin

Freitag, 26.07.

Nachdem wir uns um 10:00 Uhr aus dem Bett gequält haben, kaufen wir unser Frühstück und gehen zum Busbahnhof. Wir wollen für die üblichen 10 Yuan nach Shaolin fahren. Natürlich ist alles wieder nicht so einfach wie erwartet.... zuerst werden 30 Yuan pro Person verlangt, nach einer halben Stunde 20 Yuan. Wir labern den Chinesen eine Blase ans Ohr, aber nichts passiert. Man sagt uns, daß es keinen Bus nach Shaolin gibt, der für 10 Yuan dorthinfährt. Aber natürlich.... wer's glaubt! Meine gute Laune ist schon wieder verflogen und frage mich, warum die einem das Leben immer so schwer machen müssen. Buhuu!

Nach einer Stunde (das sind ja längere Wartezeiten, als bei der Deutschen Bahn!!) gibt endlich einer nach und sagt, daß wir für 10 Yuan pro Person mitfahren können. Er meint wir fahren erst los, wenn der Bus voll ist (8 Leute fehlen noch). Wir sagen zu, denn wir haben es ja nicht eilig. Nach 1 Stunde zusätzlicher Wartezeit fehlen noch, man höre und staune, noch 8 Leute... MANN!!! Schlußendlich sagt der Fahrer, daß er nicht mehr nach Shaolin fahren will, weil er keine Fahrgäste findet... super! Wir steigen aus und eine kleine alte Chinesin nimmt uns mit. Wir kommen zu einem Bus, der wahrscheinlich 1890 sein letztes TÜV-Zertifikat gesehen hat. Und man glaubt es kaum.... eine Fahrkarte kostet 9 Yuan pro Person und er fährt nach 15 Minuten Richtung Shaolin! Warum denn nicht gleich so?

Um 14:15 Uhr ist es endlich soweit!! Wir sehen die Tagou Schule und die große Statue am Eingang vom Shaolin.

Statue am Ortseingang von Shaolin

Wir jubeln endlich wieder 'zu Hause' zu sein und springen freudestrahlend aus dem Bus. Ein paar Tagou Schüler stehen an der Straße, die wir überschwenglich begrüßen, obwohl wir sie noch nie zuvor gesehen haben. Schön wieder zu Hause zu sein! Wir machen uns auf den Weg Richtung Shaolin Tempel. Es kommt uns alles ungewöhnlich ruhig vor. Am Wushu Guan angekommen sehen wir zum ersten Mal mit eigenen Augen, daß die Mauern rund um die Arena abgerissen sind.

Die Arena

Auch das Wushu Guan hat sich verändert. Der normale Eingang ist versperrt und wir müssen den Hintereingang nehmen. Anscheinend wird die Trainingshalle neu gebaut. Soviel Glück wie wir haben, sind fast alle Zimmer im Wushu Guan belegt. Das einzige Zimmer was noch frei ist, ist die Suite.

Die Suite im Wushu Guan

Wir ziehen die Augenbrauen hoch und fragen eigentlich nur aus Spaß nach dem Preis für das Zimmer. Die Rezeptionistin, die erstaunlich gut englisch spricht, zeigt uns das Zimmer.

Die Suite im Wushu Guan

Es besteht aus 2 riesigen Räumen mit einem Eßtisch, einer Couch, einem Extrabett, einem Doppelbett (das erste Doppelbett, das ich je in China gesehen habe), einem Fernseher, einer Klimaanlage, einem noblen Bad und einem Balkon!!! Wow!!!! Wieder an der Rezeption angekommen, meint die Chinesin, daß das Zimmer 500 Yuan die Nacht kostet. Wir schütteln den Kopf und fragen, ob wir das Zimmer für 500 Yuan für 3 Nächte bekommen können. Und wißt Ihr was? es hat geklappt!!! Zwar ist das Zimmer überproportional teuer für Shaolin, aber auch überproportional luxuriös. Da wir keine Lust haben in einer Barracke zu schlafen und Matthias in ein paar Tagen Geburtstag hat gönnen wir uns diesen Luxus. Wir legen unsere Sachen ab und machen uns sofort auf den Weg.

Die Suite im Wushu Guan

Am Souvenirshop von Shaolin treffen wir einen alten Bekannten, der uns auch wiedererkennt.

Der 'Garten' im Wushu Guan

Wir schlendern Richtung Shaolin Tempel und unsere gute Stimmung verfliegt schnell wieder. Alles was wir in Erinnerung hatten ist verschwunden. Keine Stände, keine Obstverkäufer mehr, Trainingsfelder, die zu Maisfeldern geworden sind und keine Schüler, die umhertollen.

Maisfeld auf den alten Trainingsflächen

Die kleinen Schulen sind zur Gänze abgerissen. Man kann nur noch vermuten wo sie vorher standen. Einen traurigen Anblick bereitet uns auch unsere geliebte alte Schule. Die Trainingshalle komplett abgerissen, überall Schutt und Asche. Richtig deprimierend dies alles hier zu sehen, obwohl wir wußten was uns erwartet.

Sha Lin Si Wu Shu Xue Xiao nach der Zerstörung

Wir gehen in einem noch nie zuvor gesehen grünen Zelt essen. Es ist einfach nicht dasselbe!

Esstände gegenüber des Shaolin Tempel

Auch mindestens die Hälfte der Souvenirstände am Ende von Shaolin sind geschlossen. Später gehen wir in den Shaolin Tempel. Nur hier drin hat sich kaum etwas verändert. Immer noch eine Masse an Touristen und die altbekannten Gebäude. Wir sehen einen Ausländer in Trainingskluft und folgem ihm. Er führt uns zu den Wohnräumen.

Training direkt im Tempel vor dem Wohnbereich der Mönche

Hier treffen wir ein paar Chinesen, die uns auch noch zu kennen zu scheinen. Sie wissen wo wir früher trainiert haben und sonst noch so ein paar details. Anscheinend hat uns hier keiner vergessen, Wahnsinn! Wir schauen ein paar Ausländern beim Training im Tempel zu. Ihr Trainer scheint nicht sonderlich motiviert zu sein und sieht seinen Schülern nicht einmal zu.

Training direkt im Tempel vor dem Wohnbereich der Mönche

Nachdem wir einige Zeit zugesehen haben verlassen wir den Tempel und laufen durch Shaolin. Wir treffen viele alte Bekannte, schwelgen in Erinnerungen und treffen auch einige neue Leute. Abends gehen wir zusammen mit den anderen in Shaolin trainierenden Ausländern zum Hello-Man, dem neuen Treffpunkt für Ausländer und lassen den Abend gemeinsam ausklingen.

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